{"id":692526,"date":"2026-01-04T12:16:12","date_gmt":"2026-01-04T12:16:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/692526\/"},"modified":"2026-01-04T12:16:12","modified_gmt":"2026-01-04T12:16:12","slug":"theater-in-mariupol-wiederaufbau-als-russische-propagandashow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/692526\/","title":{"rendered":"Theater in Mariupol: Wiederaufbau als russische Propagandashow"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/mariupol-theater-106.jpg\" alt=\"Das restaurierte Theater von Mariupol.\" title=\"Das restaurierte Theater von Mariupol. | REUTERS\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 04.01.2026 10:28 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Hunderte Menschen, darunter viele Kinder, hatten 2022 im Theater von Mariupol Schutz gesucht, als russische Flieger ihre Bomben darauf warfen. Nun feiert Russland die Wiederer\u00f6ffnung in der besetzten ukrainischen Stadt.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Mariia Fedorova, ARD Kiew\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aus Mariupol dringen nur selten Nachrichten nach au\u00dfen. Aus jener Stadt, die kurz nach Beginn der russischen Invasion zu einem der zentralen Schaupl\u00e4tze dieses Krieges wurde &#8211; und heute weitgehend in Tr\u00fcmmern liegt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Diese Woche aber tauchte Mariupol wieder in den Schlagzeilen auf, vor allem in den russischen Staatsmedien. Der Anlass: die Wiederer\u00f6ffnung des Schauspielhauses von Mariupol.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist genau jenes Theater, das im M\u00e4rz 2022 zerst\u00f6rt wurde. Damals suchten dort Hunderte Zivilisten Schutz: Familien, \u00e4ltere Menschen, Kinder. F\u00fcr viele galt das Geb\u00e4ude als letzter sicherer Ort.<\/p>\n<p>    Schw\u00e4rmen vom Kronleuchter<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In den zentralen russischen Nachrichten wird nun gejubelt, wie pr\u00e4chtig das Theater geworden sei. Geschw\u00e4rmt wird vom neuen Kronleuchter, vom frischen Stuck, vom hohen Besuch. Auf den Ehrentrib\u00fcnen sitzen Vertreter der selbst ernannten &#8222;Donezker Volksrepublik&#8220;, daneben bekannte Schauspieler aus Russland.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Von der B\u00fchne hei\u00dft es: &#8222;Unser Pr\u00e4sident Wladimir Putin hat einmal sehr richtig gesagt: Man kann Menschen t\u00f6ten, aber nicht die Kultur, die sie tragen. Vor allem nicht die Kultur einer ganzen Nation, vor allem nicht einer so gro\u00dfen wie der russischen.&#8220;<\/p>\n<p>    Bomben auf Kinder<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In den russischen Staatsmedien wird behauptet, das Geb\u00e4ude sei durch eine Explosion von innen zerst\u00f6rt worden. Internationale Organisationen widersprechen klar.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Amnesty International kommt in einem ausf\u00fchrlichen Bericht zu dem Schluss, dass russische Kampfflugzeuge zwei Bomben auf das Theater abwarfen. Zu einem Zeitpunkt, als bekannt war, dass sich dort Hunderte Zivilisten aufhielten. Vor dem Geb\u00e4ude war in gro\u00dfen Buchstaben ein einziges Wort auf das Pflaster gemalt: &#8222;Deti&#8220; &#8211; auf Deutsch: &#8222;Kinder&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Amnesty bezeichnet den Angriff als Kriegsverbrechen und spricht von Dutzenden best\u00e4tigten Toten.\u00a0Die tats\u00e4chliche Zahl d\u00fcrfte jedoch deutlich h\u00f6her liegen. Wie viele Menschen tats\u00e4chlich ums Leben kamen, l\u00e4sst sich bis heute nicht genau feststellen.<\/p>\n<p>    &#8222;Reine Propaganda&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Am Wiederaufbau des Theaters waren nun laut der unabh\u00e4ngigen Online-Zeitung Novaya Gazeta Europe mehr als 20 Firmen aus St. Petersburg beteiligt. Heute zeigt die neue Leitung rund um die Winterfeiertage popul\u00e4re russische Kinderm\u00e4rchen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr den K\u00fcnstler Hennadij Dybowskyj ist das kaum zu ertragen:<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>\n                    Das ist reine Propaganda. Ein Versuch, eine Trag\u00f6die aus dem kollektiven Ged\u00e4chtnis zu l\u00f6schen. Warum haben sie nicht stattdessen ein Krankenhaus so schnell aufgebaut? Oder eine Fabrik? Dieses Verbrechen wird nun f\u00fcr politische Zwecke benutzt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Ein Theater im Exil<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dybowskyj ist seit 2024 der neue offizielle Leiter des Mariupol-Theaters &#8211; im Exil. Am Tag der Wiederer\u00f6ffnung ist er nicht in Mariupol, sondern 1.100 Kilometer entfernt. Das Theaterensemble wurde nach Beginn des Krieges in die Westukraine evakuiert, nach Uschhorod, nahe der slowakischen Grenze.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Vor zwei Jahren hatte ich das gesagt: Man kann die W\u00e4nde zerst\u00f6ren, aber nicht die ukrainische Seele des Theaters&#8220;, so Dybowskyj. &#8222;Jetzt pervertiert die russische Propaganda diesen Gedanken.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Neuanfang in den Karpaten bedeutet einen radikalen Kontrast zum industriellen Mariupol mit seinen Stahlwerken und dem Hafen. Heute besteht das Ensemble aus 15 festen Mitgliedern, f\u00fcnf stammen noch aus der alten Besetzung in Mariupol. Die technische Ausstattung, Kulissen und Kost\u00fcme gingen vollst\u00e4ndig verloren. &#8222;Wir haben keine feste B\u00fchne, keine Werkst\u00e4tten. Wir machen alles selbst &#8211; B\u00fchnenbild, Aufbauten&#8220;, sagt Dybowskyj.<\/p>\n<p>    &#8222;Symbol f\u00fcr den Donbass&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit Neuanf\u00e4ngen kennt Dybowskyj sich aus. Fr\u00fcher arbeitete er am Nationaltheater von Donezk. Nach Beginn des Donbass-Krieges 2014 verlie\u00df er die Stadt und floh aus der selbst ernannten &#8222;Donezker Volksrepublik&#8220;, als die dort ausgerufen wurde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Pl\u00f6tzlich sagten uns bewaffnete M\u00e4nner, wie wir zu leben haben. Als ich ging, kontrollierten sie meinen Ausweis als verdienter K\u00fcnstler der Ukraine. Sie sagten: Den wirst du nicht mehr brauchen.&#8220; Da habe er verstanden: Ein &#8222;verdienter ukrainischer K\u00fcnstler&#8220; und die &#8222;Russki Mir&#8220; &#8211; zu Deutsch &#8222;Russische Welt&#8220;, ein ideologischer Kampfbegriff des Kreml &#8211; das werde niemals zusammenpassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Heute bringt Dybowskyj Remarque auf die B\u00fchne. Dazu kommen neue St\u00fccke &#8211; zum Beispiel \u00fcber die Liebe zu einem Soldaten aus dem Asow-Regiment, das Mariupol vor fast vier Jahren verteidigte. Mariupol bleibt pr\u00e4sent, auch fern der Stadt, auf der B\u00fchne im Exil.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die Zerst\u00f6rung des Theaters ist das Symbol f\u00fcr das Schicksal, das Mariupol erlitten hat. F\u00fcr seinen Schmerz, f\u00fcr seine brutale Vernichtung.&#8220; Doch f\u00fcr Hennadij Dybowskyj ist es auch ein Symbol f\u00fcr den Donbass insgesamt: f\u00fcr jene Region, in der der Krieg begann, \u00fcber die jetzt erbittert verhandelt wird &#8211; und die wahrscheinlich \u00fcber das Ende des Krieges mitentscheiden wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 04.01.2026 10:28 Uhr Hunderte Menschen, darunter viele Kinder, hatten 2022 im Theater von Mariupol Schutz gesucht, als&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":692527,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[36235,13,33086,14,15,12689,307,12,10,8,9,11,317,103,104],"class_list":{"0":"post-692526","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-donbass","9":"tag-headlines","10":"tag-mariupol","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-propaganda","14":"tag-russland","15":"tag-schlagzeilen","16":"tag-top-news","17":"tag-top-meldungen","18":"tag-topmeldungen","19":"tag-topnews","20":"tag-ukraine","21":"tag-welt","22":"tag-world"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/692526","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=692526"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/692526\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/692527"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=692526"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=692526"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=692526"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}