{"id":692537,"date":"2026-01-04T12:22:10","date_gmt":"2026-01-04T12:22:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/692537\/"},"modified":"2026-01-04T12:22:10","modified_gmt":"2026-01-04T12:22:10","slug":"dok-film-zeigt-wie-die-chemnitzer-kuenstlergruppe-clara-mosch-die-ddr-aufmischte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/692537\/","title":{"rendered":"Dok-Film zeigt wie die Chemnitzer K\u00fcnstlergruppe Clara Mosch die DDR aufmischte"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nBei diesem interessanten Namen k\u00f6nnte ja meinen, dass das eine Figur ist. Damit haben sie auch gespielt und gesagt, dass Clara Mosch eine Widerstandsaktivistin neben Clara Zetkin gewesen sei. Aber es ist eigentlich ein Akronym aus ihren eigenen Anfangsbuchstaben.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Alleine ihr Name war ein Spiel und eine Tarnung, mit dem man in der DDR undercover agieren konnte.<\/p>\n<p>Sylvie K\u00fcrsten, Regisseurin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nDer Anfang &#8222;Cla&#8220; steht f\u00fcr Carlfriedrich Claus, den \u00c4ltesten und auch wahrscheinlich vision\u00e4rsten K\u00fcnstler aus der Gruppe. &#8222;Ra&#8220; steht f\u00fcr Ranft \u2013 Thomas Ranft hat sich die Gruppe ausgedacht und seine Ehefrau Dagmar Ranft-Schinke war auch dabei. &#8222;Mo&#8220; steht f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/ddr-kunst-malerei-fotografie-persoenlichkeiten-100.html\" title=\"Kunst in der DDR: 17 pr\u00e4gende Pers\u00f6nlichkeiten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Michael Morgner<\/a>, den heute vielleicht bekanntesten unter den f\u00fcnf K\u00fcnstlern. Und &#8222;Sch&#8220; steht Gregor-Torsten Kozik, der damals noch Schade hie\u00df. Das war ihre Tarnname, unter dem haben sie agiert, f\u00fcnf Jahre lang.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>&#8222;Die Kunst des kreativen Widerstands&#8220; hei\u00dft es im Untertitel Ihres <\/strong><a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/presse\/deutschlandpremiere-go-clara-go-100.html\" title=\"DDR-K\u00fcnstlergruppe im Fokus \u2013 Gelungene Deutschlandpremiere f\u00fcr MDR-Kinokoproduktion \u201eGO CLARA GO\u201c in Chemnitz\u00a0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Films<\/strong><\/a><strong>. K\u00f6nnen Sie ein Beispiel nennen, was f\u00fcr Aktionen die Gruppe veranstaltet hat?<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDieser Untertitel ist mir total wichtig gewesen, weil ich finde, dass wir von diesen Aktionen oder \u00fcberhaupt von ihrer ganzen Strategie, bis heute wahnsinnig viel lernen kann. Deswegen versuche ich das auch im Film aufzudr\u00f6seln.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAlleine ihr Name war ein Spiel und eine Tarnung, mit dem man in diesem System undercover agieren konnte. Noch lange vor ihrer Ausstellungs- oder Galerieer\u00f6ffnung haben sie die Offiziellen damit an der Nase herumgef\u00fchrt. Die wussten erstmal nicht, womit sie es zu tun haben werden.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSie haben dann eine private Galerie in einem Vorort von <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/deutsche-einheit\/karl-marx-stadt-umbenennung-chemnitz-kulturhauptstadt-100.html\" title=\"Die Umbenennung der Stadt Chemnitz: Von 1953 bis zur R\u00fcckbenennung 1990\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl-Marx-Stadt<\/a> aufgemacht. Das war eigentlich verboten. Sie haben es geschafft mit einem Balance-Akt: jemandem aus der Partei im Vorstand, aber trotzdem ihre eigene Ausstellungspolitik zu machen. Sie haben mit K\u00fcnstlern ausgestellt, die eigentlich verboten waren \u2013 also waren sehr solidarisch zur Szene.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Man dachte, sowas hat es nur im &#8222;freien Westen&#8220; geben k\u00f6nnen und sie haben bewiesen, dass es sowas auch in der DDR gegeben hat.<\/p>\n<p>Sylvie K\u00fcrsten, Regisseurin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nDie wirklich spannendsten Aktionen \u2013 die auch so Lust gemacht haben, den Film \u00fcber sie zu erz\u00e4hlen \u2013 waren unter anderem die K\u00fcnstler-Fu\u00dfballfeste. Die Chemnitzer non-konformen K\u00fcnstler haben regelm\u00e4\u00dfig gegen Leipziger K\u00fcnstler gespielt. Es war ganz bodenst\u00e4ndig, lustig, alle waren eingeladen und gleichzeitig war es ein Messen der eher abstrakteren, non-konformen Kunst gegen die realistischere Kunst der Leipziger. Es war auch eine subtile Ansage.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSo k\u00f6nnte man unz\u00e4hlige Aktionen aufz\u00e4hlen, wo Clara Mosch den Rahmen der Kunst gesprengt haben \u2013 den Rahmen dessen, was in der DDR als Kunst definiert wurde oder was wir alle denken, was Kunst ist.Sie sind nicht nur auf dem Bilderrahmen geblieben, sondern haben die Kunst geweitet. Man dachte, sowas hat es nur im &#8222;freien Westen&#8220; geben k\u00f6nnen und sie haben bewiesen, dass es sowas auch in der DDR gegeben hat.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>Wir <\/strong><a name=\"wissen\"><strong>wissen<\/strong><\/a><strong>, das Humorverst\u00e4ndnis oder die Humorf\u00e4higkeit der SED und der Staatssicherheit waren durchaus <\/strong><a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/politik-gesellschaft\/kultur\/literatur-zensur-in-der-ddr-100.html\" title=\"DDR-Zensur: Die &quot;Schere im Kopf&quot;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>begrenzt<\/strong><\/a><strong>. Wie hat die Stasi auf Clara Mosch reagiert?<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSie wurden gl\u00fccklicherweise nicht inhaftiert, wurden nicht ausgeb\u00fcrgert. Das sagen die Mosch auch selber: &#8222;Man, wir hatten eigentlich verdammt viel Gl\u00fcck gehabt!&#8220; Aber trotzdem mussten sie sich regelm\u00e4\u00dfig erkl\u00e4ren. Das hat eine Art von echter Diplomatie gebraucht, um da nicht permanent ausgeschlossen zu werden.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Sie prahlen immer mit der gro\u00dfen Zahl von Spitzeln, die sie \u00fcber die f\u00fcnf Jahre, die sie aktiv waren, bespitzelt haben.<\/p>\n<p>Sylvie K\u00fcrsten, Regisseurin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nSie wurden nat\u00fcrlich von vielen Spitzeln beobachtet. Sie prahlen immer mit einer gro\u00dfen Zahl von Spitzeln, die sie wirklich \u00fcber die f\u00fcnf Jahre, die sie aktiv waren, bespitzelt haben. Es gab auch einen Fotografen, was deren Existenz oder deren Geschichte besonders spannend macht.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUnd es gab auch einen relativ krassen Ma\u00dfnahmenplan gegen sie. Der hat zum Schluss auch dazu gef\u00fchrt, dass sie sich eben aufl\u00f6sen mussten, weil sie gesagt haben, jetzt macht es irgendwie keinen Spa\u00df mehr.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAber was das Wichtigste war, vielleicht jetzt auch f\u00fcr die Erz\u00e4hlung am wichtigsten: Sie haben immer gesagt, wir waren total gesch\u00fctzt durch den Westen. In dieses kleine Dorf Adelsberg bei Karl-Marx-Stadt sind eben viele Leute von der st\u00e4ndigen Vertretung gekommen. Und das war ihr Gl\u00fcck, dass sie eben auch \u00fcber die Grenzen der DDR hinaus bekannt waren.\n<\/p>\n<p>\nProgramm-Hinweis<br \/>\n&#8222;Go Clara Go. Die Kunst des kreativen Widerstands&#8220;<br \/>Film von Sylvie K\u00fcrsten<br \/>im MDR FERNSEHEN am 4. Januar 2026, 22 Uhr<br \/>In der ARD Mediathek bis 28.03.2026.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas Interview wurde f\u00fcr die bessere Verst\u00e4ndlichkeit gek\u00fcrzt und angepasst. <br \/>Quelle: MDR KULTUR (Thomas Bille), Redaktionelle Bearbeitung: tsa, gw<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei diesem interessanten Namen k\u00f6nnte ja meinen, dass das eine Figur ist. Damit haben sie auch gespielt und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":692538,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1851],"tags":[2770,129,3364,29,15756,548,663,3934,92,30,13,66,2075,7804,81,160052,14,15,859,12],"class_list":{"0":"post-692537","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-chemnitz","8":"tag-chemnitz","9":"tag-ddr","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-doku","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-europe","16":"tag-film","17":"tag-germany","18":"tag-headlines","19":"tag-kulturnachrichten","20":"tag-kunst","21":"tag-kunstgeschichte","22":"tag-mdr","23":"tag-mosch","24":"tag-nachrichten","25":"tag-news","26":"tag-sachsen","27":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115836809759720586","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/692537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=692537"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/692537\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/692538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=692537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=692537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=692537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}