{"id":692945,"date":"2026-01-04T16:12:11","date_gmt":"2026-01-04T16:12:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/692945\/"},"modified":"2026-01-04T16:12:11","modified_gmt":"2026-01-04T16:12:11","slug":"berlin-stromausfall-in-lichterfelde-nach-anschlag-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/692945\/","title":{"rendered":"Berlin: Stromausfall in Lichterfelde nach Anschlag &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ein riesiger LED-Schneemann leuchtet in dieser Samstagnacht noch von einem Balkon und der fast volle Mond am Himmel. Der Rest der Osdorfer Stra\u00dfe, die durch <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Berlin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berlin<\/a>-Lichterfelde bis an die Grenze zu Brandenburg f\u00fchrt, ist stockdunkel. In manchen Fenstern sieht man Kerzenschein flackern und Taschenlampenkegel aufblitzen. Unter der tiefen Schneedecke, die sich \u00fcber Berlin gelegt hat, wirkt die Szenerie fast verzaubert. Doch die Realit\u00e4t ist alles andere als magisch, sondern die Folge eines politisch motivierten Brandanschlags, der Zehntausende Berlinerinnen und Berliner vom Stromnetz abgeh\u00e4ngt hat.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Samstagfr\u00fch war eine Kabelbr\u00fccke nahe dem Heizkraftwerk Lichterfelde in Flammen geraten, wodurch rund 45 000 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe im Berliner S\u00fcdwesten vom Strom abgeschnitten wurden. Inzwischen hat sich die linksradikale \u201eVulkangruppe\u201c zu dem Anschlag bekannt. In ihrem Schreiben, das von der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Polizei\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Polizei<\/a> als echt eingestuft wird, spricht sie von einem \u201eAkt der Notwehr und der internationalen Solidarit\u00e4t mit allen, die die Erde und das Leben sch\u00fctzen.\u201c Es ist das zweite Mal innerhalb von vier Monaten, dass mutma\u00dflich linksextremistische T\u00e4ter die Berliner Stromversorgung angreifen: <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/berlin-stromausfall-ursache-taeter-li.3310366\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bereits im September hatte ein Anschlag auf einen Strommast im S\u00fcdosten der Stadt Teile von K\u00f6penick tagelang von der Stromversorgung abgeschnitten.<\/a>\u00a0Dem Verfassungsschutz ist die Gruppe bekannt.<\/p>\n<p>Schulen und Kitas bleiben geschlossen, das Wetter macht die Schadensbehebung kompliziert<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Diesmal zieht sich das betroffene Gebiet bis zum Wannsee \u2013 und diesmal sind die Bedingungen deutlich schlechter. Auch deshalb wird Kritik am Regierenden B\u00fcrgermeister <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kai_Wegner\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kai Wegner<\/a> laut, der sich erst am Sonntagvormittag im Bezirk zeigte. Dort k\u00fcndigte er an, eine Gro\u00dfschadenslage auszurufen. Damit k\u00e4me auch die Bundeswehr zum Einsatz. Denn das Ausma\u00df dessen, was die Anwohner erwartet, ist gewaltig: Die Betreibergesellschaft Stromnetz Berlin erkl\u00e4rte zwar nach 24 Stunden, dass 7000 Haushalte und 150 Gewerbekunden in Lichterfelde wieder an das Stromnetz angeschlossen seien. F\u00fcr die restlichen Zehntausenden k\u00f6nne es vor Donnerstag keine Entwarnung geben. Das bedeutet also f\u00fcr sehr viele Menschen mindestens sechs Tage ohne Heizung, ohne warmes Wasser und ohne Licht \u2013 mitten im Wintereinbruch, bei Minusgraden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Schulen und Kitas in den betroffenen Gebieten bleiben ebenfalls geschlossen. Die Wetterlage macht, so die Verantwortlichen, auch die Schadensbehebung kompliziert. Die besch\u00e4digten Hochspannungsleitungen sind ohnehin schwieriger instand zusetzen als Mittelspannungsleitungen. Hinzu kommt, dass die Kabelreparatur bei Plusgraden stattfinden muss. Das bedeutet tiefere und gr\u00f6\u00dfere Baustellen, um Heizger\u00e4te einzusetzen, erkl\u00e4rt Henning Beuster, Sprecher von Stromnetz Berlin.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es werde \u201emit Hochdruck\u201c daran gearbeitet, die schweren Sch\u00e4den zu beheben, betont Wirtschaftssenatorin <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Franziska_Giffey\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Franziska Giffey<\/a> (<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/SPD\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SPD<\/a>), die auch f\u00fcr Energiesicherheit in Berlin zust\u00e4ndig ist. F\u00fcr das Provisorium m\u00fcssen \u00d6lkabel mit Kunststoffkabeln in einem komplizierten Verfahren verbunden werden. \u201eNormalerweise dauert die Reparatur solcher zehn Zentimeter dicken Kabel f\u00fcnf Wochen \u2013 jetzt werden alle Teams der Stromnetz Berlin und ihrer Partner rund um die Uhr daran arbeiten, das in f\u00fcnf Tagen zu schaffen\u201c, sagt Giffey. Gef\u00e4hrdet ist neben den Haushalten \u2013 und beispielsweise deren Wasserrohren, die bei Minusgraden ohne Warmwasser einfrieren k\u00f6nnen \u2013 auch der Betrieb des Fernw\u00e4rmenetzes.<\/p>\n<p>\u201eNoch geht es in der Wohnung, aber man merkt, wie es langsam immer k\u00e4lter wird.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bereits im September war es w\u00e4hrend des Stromausfalls in K\u00f6penick zu Debatten dar\u00fcber gekommen, warum das Stromnetz der Hauptstadt derart anf\u00e4llig ist \u2013 und woher der oder die T\u00e4ter die Informationen \u00fcber sensible Kabelverbindungen eigentlich erhalten. Henning Beuster sagt, es handle sich bei den oberirdischen Leitungen nur um einen Prozent des gesamten Stromnetzes der Stadt, damit liege Berlin europaweit vorne. Auch die Randlage gereiche den Menschen in Steglitz-Zehlendorf in der jetzigen Situation zum Nachteil: \u201eDas Mittelspannungsnetz ist hier nicht so engmaschig wie in den dichter bewohnten Bezirken, wir k\u00f6nnen hier also nicht so leicht Ersatz besorgen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eNoch geht es in der Wohnung, aber man merkt, wie es langsam immer k\u00e4lter wird\u201c, sagt Anja P. Sie ist Samstagnacht zum Rathaus Steglitz gekommen. Hier ist im B\u00fcrgersaal eine Notunterkunft eingerichtet worden, etwa hundert Feldbetten stehen im hell erleuchteten B\u00fcrgersaal, es gibt Tee, Kaffee, Kekse und, f\u00fcr Anja P. gerade das Wichtigste: Steckdosen. Sie will sich \u2013 wie die meisten, die in dieser Nacht hierherkommen \u2013 nur aufw\u00e4rmen, ihr Handy aufladen und mal das Internet nutzen. \u201eIch habe nicht mehr Angst als sonst in der Dunkelheit\u201c, sagt sie, aber dass ihr die Vorstellung, dass jetzt etwas passieren k\u00f6nnte, Sorge bereite. Drei ihrer Nachbarinnen sind \u00e4ltere Frauen, alleinstehend, wie sie. Anja P. hat Stirnlampen f\u00fcr sie alle angeschafft, damit sie nachts nicht st\u00fcrzen. \u201eMan wird sorgsamer in so einer Situation\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sorgsam gehen auch Feuerwehr und Polizei vor. Einsatzkr\u00e4fte haben bereits am Samstag betroffene Pflegeeinrichtungen evakuiert, Tag und Nacht sind sie im gesamten Gebiet unterwegs. Mit Lautsprecheranlagen machen sie auf sich aufmerksam und haben Anlaufstellen im ganzen Bezirk eingerichtet.\u00a0 Von den abgelegeneren Ecken des Bezirks aus sind die Notfallunterk\u00fcnfte und W\u00e4rmestuben n\u00e4mlich gar nicht so leicht zu erreichen, insbesondere f\u00fcr Menschen, die in den vielen Hochhaussiedlungen leben, aber eben auch in den Villenkolonien in Nikolassee. Gerade in den dunklen Seitenstra\u00dfen sind nun die Blaulichter der Einsatzwagen und die gelben Blinker der R\u00e4umfahrzeuge des Winterdienstes teilweise die einzige Lichtquelle.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das erh\u00f6ht nicht nur die Gefahr f\u00fcr Unf\u00e4lle \u2013 sondern auch f\u00fcr Kriminalit\u00e4t, gerade in den Villenkolonien zwischen Wannsee und Zehlendorf. Bisher sei kein Einbruch gemeldet worden, sagte Innensenatorin Iris Spranger am Sonntag, die Polizei habe einen Einbruch in einen Supermarkt verhindern k\u00f6nnen. Im Bekennerschreiben der Vulkangruppe hei\u00dft es: \u201eStromausf\u00e4lle waren nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft. Bei den weniger wohlhabenden Menschen in dem S\u00fcdwesten Berlins entschuldigen wir uns. Bei den vielen Besitzern von Villen in diesen Stadtteilen h\u00e4lt sich unser Mitleid in Grenzen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein riesiger LED-Schneemann leuchtet in dieser Samstagnacht noch von einem Balkon und der fast volle Mond am Himmel.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":692946,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,31,29,6604,30,11387,632,2384,148,12623,16,121,184,149],"class_list":{"0":"post-692945","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-cdu","10":"tag-deutschland","11":"tag-franziska-giffey","12":"tag-germany","13":"tag-heizen","14":"tag-heizung","15":"tag-kai-wegner","16":"tag-leserdiskussion","17":"tag-linksextremismus","18":"tag-politik","19":"tag-polizei","20":"tag-spd","21":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115837714082879222","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/692945","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=692945"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/692945\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/692946"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=692945"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=692945"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=692945"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}