{"id":693008,"date":"2026-01-04T16:47:12","date_gmt":"2026-01-04T16:47:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693008\/"},"modified":"2026-01-04T16:47:12","modified_gmt":"2026-01-04T16:47:12","slug":"noch-steht-russland-nicht-am-rande-des-abgrunds-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693008\/","title":{"rendered":"Noch steht Russland nicht am Rande des Abgrunds \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Nichts deutet derzeit darauf hin, dass Kremlchef  Wladimir Putin seine Eroberungspl\u00e4ne in der Ukraine aufgegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Mehr als 40 Jahre berichtete John Simpson f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/bbc\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" steht=\"\" russland=\"\" nicht=\"\" am=\"\" rande=\"\" des=\"\" abgrunds=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BBC<\/a> aus 120 L\u00e4ndern.\u00a0Seit den 1960er Jahren\u00a0war\u00a0er\u00a0Augenzeuge\u00a0von 40 Kriegen und gewaltt\u00e4tigen Konflikten. \u201eAber nie habe ich ein Jahr erlebt, das so beunruhigend war wie 2025\u201d, zog er zum Jahres\u00adende\u00a0eine pers\u00f6nliche\u00a0Bilanz. \u201eBeunruhigend\u00a0nicht nur darum, weil zahlreiche Konflikte in der ganzen Welt\u00a0w\u00fcten, sondern weil einer dieser Konflikte geopolitische\u00a0Konsequenzen von beispielloser\u00a0Bedeutung\u00a0hat.\u201d<\/p>\n<p>Simpson meint damit den Ukrainekrieg, der im kommenden Februar bereits ins vierte\u00a0Jahr gehen wird. Und trotz aller laufenden Verhandlungen deutet derzeit nichts darauf hin, dass\u00a0dieser Krieg bald zu Ende gehen wird.\u00a0Russlands Machthaber <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/putin\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" steht=\"\" russland=\"\" nicht=\"\" am=\"\" rande=\"\" des=\"\" abgrunds=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wladimir Putin<\/a> hat dies in seiner Neujahrsansprache erneut best\u00e4tigt, die er in erster Linie an seine Krieger in der Ukraine richtete:\u00a0\u201eWir glauben an Sie und an unseren Sieg\u00a0(. . .) Wir werden\u00a0unsere gesetzten Ziele erreichen\u00a0\u2013 f\u00fcr\u00a0unser gro\u00dfes Russland!\u201c<\/p>\n<p>Obwohl aus Putins urspr\u00fcnglich angenommenen\u00a0F\u00fcnftagekrieg\u00a0zur Unterwerfung der Ukraine nichts geworden\u00a0ist,\u00a0und\u00a0die russischen Angreifer im Donbass auch im vergangenen Jahr nur\u00a0im Schneckentempo\u00a0vorangekommen sind, glaubt Putin weiterhin\u00a0fest\u00a0daran, dass sein neoimperiales Eroberungsprojekt gelingen wird.<\/p>\n<p>Diesen offenbar unersch\u00fctterlichen Siegesglauben hat Putin m\u00f6glicherweise auch deshalb, weil er von\u00a0der Milit\u00e4rf\u00fchrung\u00a0st\u00e4ndig\u00a0falsch informiert wird. Laut einem Bericht der \u201e<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/financial-times\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" steht=\"\" russland=\"\" nicht=\"\" am=\"\" rande=\"\" des=\"\" abgrunds=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Financial Times<\/a>\u201d vom Dezember\u00a0pr\u00e4sentieren\u00a0sowohl\u00a0Verteidigungsminister\u00a0Andrei\u00a0Beloussow\u00a0als auch Generalstabs\u00adchef\u00a0Waleri\u00a0Gerassimow\u00a0ihrem\u00a0Pr\u00e4sidenten\u00a0regelm\u00e4\u00dfig\u00a0aufgebauschte Erfolgsmeldungen von den Schlachtfeldern in der Ostukraine.\u00a0Die ukrainischen Verluste werden ma\u00dflos \u00fcbertrieben,\u00a0die eigenen taktischen Fehler kleingeredet\u00a0und die\u00a0materielle \u00dcberlegenheit hochgespielt.<\/p>\n<p>Beispielsweise ist die Stadt\u00a0Pokrowsk\u00a0in Donezk, die seit mehr als einem Jahr umk\u00e4mpft ist und deren Eroberung Moskau Anfang Dezember\u00a0gemeldet\u00a0hat,\u00a0teilweise noch immer in der Hand der ukrainischen Verteidiger. Allein der\u00a0Versuch, diese Stadt zu erobern, soll auf russischer Seite bis zu 150.000 Tote und Verwundete gefordert haben.<\/p>\n<p>Die russischen Verluste bei Putins \u201eMilit\u00e4rischer Spezialoperation\u201d bleiben entsetzlich hoch.\u00a0Laut Angaben aus der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/nato\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" steht=\"\" russland=\"\" nicht=\"\" am=\"\" rande=\"\" des=\"\" abgrunds=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nato<\/a> liegt die Zahl der get\u00f6teten und\u00a0verwundeten russischen Angreifer bei 1,1 Millionen; die Zahl der Gefallenen liege bei\u00a0250.000. Auch andere Quellen\u00a0sch\u00e4tzen zwischen 240.000 und 350.000 get\u00f6teten Soldaten.\u00a0Allein durch die\u00a0Auswertung von ver\u00f6ffentlichten Todesanzeigen konnten die Namen von 160.000\u00a0Gefallenen best\u00e4tigt werden.<\/p>\n<p>Bisher konnte das Verteidigungsministerium die Ausf\u00e4lle auf dem Schlachtfeld durch\u00a0die Rekrutierung freiwilliger Vertragssoldaten\u00a0ausgleichen\u00a0\u2013 ohne\u00a0eine allgemeine Mobilmachung durchf\u00fchren zu m\u00fcssen, die\u00a0der Kreml unbedingt vermeiden will. Aber die Zahl der Freiwilligen unter den Gefallenen\u00a0steigt unaufh\u00f6rlich, weil diese\u00a0oft zu besonders schwierigen Eins\u00e4tzen loskommandiert\u00a0werden.\u00a0Das d\u00fcrfte sich auch in Russland immer mehr herumsprechen, sodass sich immer weniger Freiwillige in den Rekrutierungsb\u00fcros melden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Auch die Ukraine hat nach westlichen Sch\u00e4tzungen bis zu 140.000 gefallene Soldaten zu beklagen.\u00a0Doch im Gegensatz zu den russischen Angreifern starben die nicht\u00a0bei\u00a0\u00a0sogenannten\u00a0Fleischwolfangriffen, bei denen Menschenmassen in die Schlacht geschickt werden. Das\u00a0Schauerliche bei der russischen\u00a0Kriegsf\u00fchrung ist,\u00a0dass f\u00fcr die\u00a0Befehlshaber von Putin abw\u00e4rts\u00a0das Leben ihrer\u00a0Soldaten\u00a0nichts z\u00e4hlt.\u00a0Deshalb\u00a0auch\u00a0die hohen\u00a0Kriegsverluste, die der eigenen\u00a0Bev\u00f6lkerung freilich\u00a0tunlichst verschwiegen werden.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt, die russische Bev\u00f6lkerung. Umfragen deuten zwar auch in Russland eine wachsende Kriegsm\u00fcdigkeit an, doch schl\u00e4gt die\u00a0bisher\u00a0nicht um in Proteste gegen\u00a0die politische und milit\u00e4rische F\u00fchrung und ihre menschenverachtende Kriegsf\u00fchrung.\u00a0Das h\u00e4ngt\u00a0nat\u00fcrlich auch\u00a0zusammen mit den\u00a0seit Kriegsbeginn im Februar 2022\u00a0angezogenen Repressionsschrauben.<\/p>\n<p>Russland, so schrieb\u00a0die gelegentliche \u201ePresse\u201d-Gastkommentatorin Nina\u00a0Chruschtschowa\u00a0im Dezember in \u201eForeign\u00a0Affairs\u201d,\u00a0versinkt\u00a0immer tiefer\u00a0in der Tyrannei.\u00a0Durch das\u00a0Bestreben nach\u00a0der\u00a0totalen\u00a0gesellschaftlichen Kontrolle\u00a0konnte\u00a0sich die Putin-Diktatur konsolidieren. Mit dem Narrativ von der \u201ebelagerten Festung Russland\u201d\u00a0und dem \u00dcberpatriotismus des Putinismus\u00a0schwei\u00dft das Regime\u00a0die Gesellschaft\u00a0zusammen und macht\u00a0dabei\u00a0auch\u00a0gew\u00f6hnliche B\u00fcrger zu Komplizen\u00a0bei der Repression wie bei den neoimperialistischen\u00a0Eroberungsprojekten.<\/p>\n<p>Inzwischen aber bekommt\u00a0die russische Bev\u00f6lkerung den Krieg in der Ukraine sehr wohl immer\u00a0st\u00e4rker im Alltag zu sp\u00fcren: In West- und\u00a0S\u00fcdrussland\u00a0heulen die\u00a0Alarmsirenen wegen\u00a0der\u00a0ukrainischen\u00a0Raketen- und Drohnenangriffe immer \u00f6fter, der Benzinpreis ist wegen zerst\u00f6rter Raffinerien gestiegen ebenso die Preise f\u00fcr Lebensmittel, Elektronikprodukte\u00a0oder\u00a0Autos;\u00a0die Inflation lag im November bei 6,8 Prozent.<\/p>\n<p>\u201eAngesichts der wirtschaftlichen Indikatoren w\u00e4re es das Beste f\u00fcr Russland, den Krieg gegen die Ukraine jetzt zu beenden\u201d,\u00a0sagt Alexander\u00a0Gabujew\u00a0vom Carnegie Russland\/Eurasien Zentrum in Berlin. \u201eAber um den Krieg zu beenden, muss man\u00a0am\u00a0Rande des\u00a0Abgrunds\u00a0stehen. Russland ist noch nicht an diesem Punkt.\u201d<\/p>\n<p>Also macht Putin\u00a0weiter wie bisher. Selbst die US-Geheimdienste\u00a0haben in j\u00fcngsten Berichten gewarnt, dass\u00a0Putin\u00a0seine Ziele, die ganze Ukraine zu erobern und weitere Teile Europas\u00a0unter\u00a0Kontrolle zu bringen, nicht aufgegeben habe. Das ist eine\u00a0v\u00f6llig andere Sicht der Dinge als die von US-Pr\u00e4sident Donald Trump und seinen\u00a0Chefverhandlern, die immer wieder behaupten, Putin wolle den Konflikt beenden.<\/p>\n<p>Auch der im Herbst als Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/mi6\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" steht=\"\" russland=\"\" nicht=\"\" am=\"\" rande=\"\" des=\"\" abgrunds=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MI6<\/a> abgel\u00f6ste Sir Richard\u00a0Moore glaubt, dass Putin keine Absicht hat, mit der Ukraine eine Friedensvereinbarung zu schlie\u00dfen.\u00a0Putin\u00a0gehe es nach wie vor darum, die Ukraine zu dominieren und aus ihr einen Vasallenstaat\u00a0zu\u00a0machen\u00a0wie\u00a0bereits\u00a0Belarus\u00a0einer sei.<\/p>\n<p>Dass Trump wenig Interesse am gemeinsamen Vorgehen mit den Europ\u00e4ern zeigt, erleichtert Putin\u00a0seine Vorhaben immens. Der fr\u00fchere <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/kgb\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" steht=\"\" russland=\"\" nicht=\"\" am=\"\" rande=\"\" des=\"\" abgrunds=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KGB<\/a>-Offizier ist ein meisterhafter Manipulator und\u00a0in Donald Trump hat er ein williges Opfer gefunden. Auch spricht nach wie vor Einiges daf\u00fcr, dass Putin\u00a0\u201eKompromat\u201d,\u00a0also\u00a0belastendes\u00a0Material gegen Trump in seinen H\u00e4nden haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Russische\u00a0Sabotageakte etwa gegen Unterseekabel, Drohnenfl\u00fcge \u00fcber Kasernen und Flugh\u00e4fen, Hackerangriffe\u00a0auf politische Institutionen und kritische Infrastruktur werden also 2026\u00a0in Europa\u00a0munter weitergehen. Sinn und Zweck ist es, Angst\u00a0und Unsicherheit in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zu verbreiten und sie von\u00a0der weiteren\u00a0Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine abzubringen.<\/p>\n<p>Und dann\u00a0sind\u00a0da\u00a0ja\u00a0auch noch Putins freiwillige\u00a0Mitstreiter\u00a0wie Viktor Orb\u00e1n und <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/robert-fico\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" steht=\"\" russland=\"\" nicht=\"\" am=\"\" rande=\"\" des=\"\" abgrunds=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Robert Fico<\/a> oder\u00a0auch\u00a0die AFD und FP\u00d6, die\u00a0anstandslos die\u00a0Kremlpropaganda nachplappern und so\u00a0dem Kreml\u00a0bei der Zersetzung der europ\u00e4ischen Gesellschaften eifrig assistieren.<\/p>\n<p>              Der Autor<\/p>\n<p>Der Autor:<br \/>Burkhard Bischof war viele Jahre Au\u00dfenpolitikexperte der \u201ePresse\u201c und langj\u00e4hriger Leiter des Debattenressorts.<\/p>\n<p>E-Mails an:<strong> debatte@diepresse.<b class=\"email-obfuscated\">obfuscation<\/b>com<\/strong><\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nichts deutet derzeit darauf hin, dass Kremlchef Wladimir Putin seine Eroberungspl\u00e4ne in der Ukraine aufgegeben h\u00e4tte. Mehr als&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":693009,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,154732,13,14,15,4043,4044,850,307,12],"class_list":{"0":"post-693008","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-globetrotter","11":"tag-headlines","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-russia","15":"tag-russian-federation","16":"tag-russische-foederation","17":"tag-russland","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115837851889257898","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/693008","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=693008"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/693008\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/693009"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=693008"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=693008"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=693008"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}