{"id":693364,"date":"2026-01-04T20:01:14","date_gmt":"2026-01-04T20:01:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693364\/"},"modified":"2026-01-04T20:01:14","modified_gmt":"2026-01-04T20:01:14","slug":"museum-fuer-kommunikation-in-frankfurt-so-sieht-die-zukunft-der-nachrichten-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693364\/","title":{"rendered":"Museum f\u00fcr Kommunikation in Frankfurt: So sieht die Zukunft der Nachrichten aus"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Mit B\u00fcroklammern l\u00e4sst sich eine Menge sagen. Und herausfinden.\u00a0 Ob jemand sich f\u00fcr Politik interessiert zum Beispiel. F\u00fcr Klimawandel. Oder f\u00fcr das, was in der eigenen Stadt passiert. Die Farben der B\u00fcroklammern im Frankfurter Museum f\u00fcr Kommunikation sind also selbst Nachrichtentr\u00e4ger. Die Ketten aus farbigen Klammern, deren L\u00e4nge angibt, wie viele Personen aus einer Alterskohorte sich f\u00fcr welche Sorte Nachrichten interessieren, w\u00e4chst mit jedem Tag, den die Ausstellung \u201eNachrichten \u2013 News\u201c l\u00e4uft. \u201eF\u00fcr welche Nachrichten interessierst du dich?\u201c, fragt die erste Mitmachstation. Zuvor ist man erst einmal in eine Art Schleudergang der Bilder geraten, von der Mondlandung \u00fcber Willy Brandts Kniefall bis zum Massaker von Ut\u00f8ya. Niemand, der sich nicht an das eine oder andere erinnerte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es ist bislang die hellblaue Klammerkette der Altersgruppe \u201e55 plus\u201c, die in den Kategorien Politik, Lokalpolitik, Wirtschaft und Kultur am l\u00e4ngsten ist. Die J\u00fcngsten, bis 24, dominieren Sport, Promis und Lifestyle. Aber wer einmal durch den ganzen Parcours der Ausstellung \u201eNachrichten\u201c gegangen ist, wird anders auf die Welt der Nachrichten blicken. Anders auf das eigene Medienverhalten auch. Und vielleicht w\u00fcrden dann, mit etwas Abstand, die B\u00fcroklammern bei einem zweiten Rundgang anders verteilt. Auch wenn sich am Ende die K\u00e4rtchen \u201eIch nutze Nachrichten, weil . . .\u201c und \u201eIch vermeide Nachrichten, weil . . .\u201c auf erschreckende Weise die Waage halten und die Begr\u00fcndungen der Nachrichtenvermeider einf\u00f6rmig lauten: \u201eweil sie mir Angst machen\u201c und \u201eFake News\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eEine gut funktionierende Beziehung sieht anders aus\u201c, liest man ganz am Anfang des Rundgangs. In der Tat: Das Interesse an Nachrichten geht den Umfragewerten zufolge, die gleich daneben eine Grafik abbildet, extrem zur\u00fcck. Vor allem in den Zeiten der Pandemie ist es gesunken, mit einem winzigen Aufschwung 2024. Gleichzeitig sinkt das Vertrauen in Nachrichten, wobei daran besonders interessant ist, dass es in den Pandemiejahren kurz wieder gestiegen war. Doch wenn das noch nicht ern\u00fcchternd genug ist, so ist der unterste Graph wohl der ern\u00fcchterndste. Erst seit 2017 sind Werte f\u00fcr das Ph\u00e4nomen der Nachrichtenvermeidung in den Untersuchungen des Reuters Institute angegeben. Deren Graph wandert unerbittlich nach oben.<\/p>\n<p>Nachrichtenvermeidung als neues Ph\u00e4nomen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wobei die Nachrichtenvermeidung, schaut man sich die Konsumzahlen der sozialen Medien mit bewegten Bildern an, sich nicht auf jede Form von Information bezieht. Sondern in einer Welt der \u00dcberindividualisierung haupts\u00e4chlich darauf, Informationen aus Politik und Wirtschaft zu meiden, die tats\u00e4chlich oder vermeintlich negativ sind. Mit fatalen Folgen f\u00fcr das demokratisch organisierte Staatswesen und globale Handlungsfelder.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wie konnte es, gerade in einer Welt mit so gro\u00dfen Herausforderungen, dazu kommen? Und was kann man tun, damit Menschen sich so informieren, dass sie als m\u00fcndige B\u00fcrger auf die Welt blicken und die Demokratie gestalten k\u00f6nnen? Auf das alles eine Antwort zu finden, w\u00e4re eine zu hohe Erwartung. Aber die so schlicht \u201eNachrichten\u201c betitelte Ausstellung ist nicht nur ein gro\u00dfartiger historischer Rundgang durch die Welt der Nachrichten, sondern auch der Versuch, im Kontext einer allen zug\u00e4nglichen Bildungseinrichtung Aufkl\u00e4rungsarbeit zu leisten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eDie Haltung der Museumsstiftung wird immer wichtiger. Wir verstehen Medienbildung als Demokratiebildung, und das zeigt sich auch in unserer inhaltlichen Arbeit\u201c, sagt Annabelle Hornung. Seit einem Jahr ist sie nun Direktorin des Museums f\u00fcr Kommunikation in Frankfurt, wo sie einst als Volont\u00e4rin, zuvor als Praktikantin, ihre Laufbahn begonnen hatte. Und obwohl die Aufgaben der Direktion gro\u00df sind, will sie auch weiter kuratorisch t\u00e4tig sein: \u201eIch hole mir aus der inhaltlichen Arbeit meine Kraft.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Medienbildung als Demokratiebildung: Annabelle Hornung, Direktorin des Frankfurter Museums f\u00fcr Kommunikation, in der Ausstellung \u201eNachrichten\u201c\" height=\"1067\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/medienbildung-als.webp.webp\" width=\"1600\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>Medienbildung als Demokratiebildung: Annabelle Hornung, Direktorin des Frankfurter Museums f\u00fcr Kommunikation, in der Ausstellung \u201eNachrichten\u201cdpa<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die jetzige gro\u00dfe Ausstellung ist eine \u00dcbernahme aus dem Berliner Kommunikationsmuseum, das wie N\u00fcrnberg, wo Hornung zuvor t\u00e4tig gewesen ist, zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation geh\u00f6rt, die stets die in jeweils einem Haus erarbeiteten Ausstellungen an die anderen Standorte gibt. Zur Ausstellung hatten die Doppeljubil\u00e4en der Nachrichtenagentur dpa und des Grundgesetzes gef\u00fchrt, die 2025 beide 75 Jahre alt geworden sind. Das Berliner Museum sei zudem in einem Geb\u00e4ude ans\u00e4ssig, das wie das Wolff\u2019sche Telegraphenb\u00fcro im historischen \u201eZeitungsviertel\u201c liege, so Hornung.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Was es mit diesem Telegraphenb\u00fcro auf sich hat, der ersten deutschen Nachrichtenagentur, gegr\u00fcndet 1849, erl\u00e4utert der historische Teil der Ausstellung, der von fr\u00fchneuzeitlichen Flugbl\u00e4ttern zur Erfindung des Massenmediums Tageszeitung Mitte des 19. Jahrhunderts f\u00fchrt. Erg\u00e4nzt ist sie f\u00fcr Frankfurt um ein interessantes Kapitel lokaler Zeitungsgeschichte, von 1848 \u00fcber die \u201eFrankfurter Zeitung\u201c bis zur heutigen Frankfurter Presselandschaft.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Nachrichten seien, bis zum Ende der Telex-\u00c4ra, stets von der Post \u2013 wegen deren Monopol zur \u00dcbertragung von Nachrichten, etwa mittels Telegrammen \u2013 abh\u00e4ngig gewesen, so Hornung. Auch das ein Ansto\u00df f\u00fcr das Thema der Ausstellung. \u201eMedienereignisse haben immer stark mit dem technischen Fortschritt zu tun.\u201c Vom Buchdruck mit beweglichen Lettern \u00fcber Morseapparat, Telex und Faxger\u00e4t bis zum Smartphone f\u00fchrt folglich der Weg der Technik durch die Ausstellung.<\/p>\n<p>Neue Formen der Nachrichten<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Und so auch zu einer m\u00f6glichen Zukunft der Nachrichten, der sich unter anderem die \u201eNewzees\u201c, eine Gruppe junger Leute, die Medienbildung betreiben, gewidmet haben: Sie stellen aktuelle digitale Nachrichtenformate vor, die vor allem jene j\u00fcngeren Leute ansprechen k\u00f6nnen und sollen, die klassische Nachrichten meiden. In einem \u201eMedia Match\u201c kann man selbst testen, welches Format zu einem passen k\u00f6nnte. Dass die vor allem satirischen und unterhaltsamen Formate allerdings kaum geeignet sind, als alleinige Informationsquelle zu dienen, m\u00fcssen sich die aufgekl\u00e4rten Besucher selbst denken.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Handreichungen daf\u00fcr gibt es zuhauf, f\u00fcr jedes Alter. Und vieles, das man direkt ausprobieren kann. Wie geht Recherche, was sind solide Quellen, wie setzen sich Informationen zusammen? Was ist Information, was Meinung und was schlichtweg Fake? Wer macht was aus einem Ereignis? Die spielerischen Mitmachstationen liefern bisweilen verbl\u00fcffende Ergebnisse. \u201eEin Markenzeichen des Museums f\u00fcr Kommunikation ist, dass immer etwas erfragt, beurteilt, mit in den Alltag zur\u00fcckgegeben wird. Diesmal zum Beispiel die Frage: Wie nutzen wir Nachrichten? Was suchst du aktiv, was nicht \u2013 und warum?\u201c, so Hornung.\u00a0 Das rege die Selbstreflexion an. Anlass dazu gibt es eine ganze Menge in der Ausstellung, stets ausgehend von der dichten fachlichen Information.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"So wurden Nachrichten schneller: Morseapparat der preu\u00dfischen Staatstelegrafen in der Ausstellung \u201eNachrichten\u00a0\u2013 News\u201c\" height=\"1067\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/so-wurden-nachrichten.webp.webp\" width=\"1600\" class=\"sm:w-content-xs w-full\" tabindex=\"0\"\/>So wurden Nachrichten schneller: Morseapparat der preu\u00dfischen Staatstelegrafen in der Ausstellung \u201eNachrichten\u00a0\u2013 News\u201cdpa<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch mit Beitr\u00e4gen aus dem Archiv der dpa entsteht ein Bild des modernen Nachrichtenwesens, das auf kluge Weise auch einschlie\u00dft, wo manipulative Politik, etwa im Nationalsozialismus, oder wo Kolonialpolitik mit ihren Nachwirkungen bis heute das globale Gesch\u00e4ft mit den Informationen pr\u00e4gen. Die interaktiven Stationen hinterlassen etwas f\u00fcr die n\u00e4chsten \u2013 von den B\u00fcroklammern bis zu kleinen Botschaften. So k\u00e4men die Besucher \u201eimagin\u00e4r miteinander ins Gespr\u00e4ch\u201c, so Hornung.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch das, die Kommunikation \u00fcber die Themen Kommunikation und Medien, sei ein Markenkern des Museums. Nun \u00f6ffnet sich ein Raum des Dialogs \u00fcber Nachrichten und Nachrichtenm\u00fcdigkeit, der auch von dem Umstand profitiert, dass Museen einen hohen Vertrauenswert genie\u00dfen, was Umfragen belegen. \u201eMan darf sich darauf aber nicht ausruhen, sondern muss abliefern, um das Vertrauen der Menschen zu erhalten. Mit einem dichten Programm, in Bildung und Vermittlung\u201c, so Hornung. Schwierig werde es, wenn Angriffe erfolgten oder Menschen ihre Meinungsbildung abgeschlossen h\u00e4tten: \u201eWichtig ist es, im Dialog zu bleiben.\u201c<\/p>\n<p>Nachrichten, Ausstellung im Museum f\u00fcr Kommunikation Frankfurt, Schaumainkai 53, bis 6. September, zahlreiche Begleitprogramme und F\u00fchrungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit B\u00fcroklammern l\u00e4sst sich eine Menge sagen. Und herausfinden.\u00a0 Ob jemand sich f\u00fcr Politik interessiert zum Beispiel. 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