{"id":693719,"date":"2026-01-04T23:29:10","date_gmt":"2026-01-04T23:29:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693719\/"},"modified":"2026-01-04T23:29:10","modified_gmt":"2026-01-04T23:29:10","slug":"stromausfall-in-berlin-sorge-trifft-auf-hilfsbereitschaft-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693719\/","title":{"rendered":"Stromausfall in Berlin \u2013 Sorge trifft auf Hilfsbereitschaft"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Gut zwei Dutzend Feldbetten stehen im B\u00fcrgersaal im Rathaus Zehlendorf. Noch hat sie niemand f\u00fcr die Nacht in Beschlag genommen. Dutzende Menschen sitzen in kleinen Gruppen auf St\u00fchlen am Rand, an Tischen und in den Ecken des Saals. Sie trinken Kaffee oder warmen Tee, essen Suppe. Manche starren auf ihr Handy oder den Laptop. Einige unterhalten sich mit ihren Sitznachbarn, die sie oftmals erst vor wenigen Stunden hier kennengelernt haben.\u00a0<\/p>\n<p>Es ist der zweite Abend nach dem mutma\u00dflich durch einen Anschlag ausgel\u00f6sten Stromausfall im S\u00fcdwesten der Hauptstadt. Zehntausenden Haushalten steht eine weitere Nacht ohne Heizung, Licht und warmes Wasser bevor. Mehrere Betroffene hier im B\u00fcrgersaal wollen die Nacht trotzdem zu Hause verbringen &#8211; wenn m\u00f6glich.\u00a0<\/p>\n<p>Wohnungstemperatur bei 16 Grad<\/p>\n<p>Die Wohnung seines Vaters etwa sei bereits so kalt, dass sich Feuchtigkeit bilde, sagt Frank Adameit. Deshalb habe er den \u00fcber 90-J\u00e4hrigen erst einmal hierhin gebracht. Der pflegebed\u00fcrftige Mann sitzt neben seinem Sohn im Rollstuhl. Seit der Mittagszeit harren sie hier aus. Wie es in den n\u00e4chsten Tagen weitergehen wird, wissen sie nicht. Er hoffe darauf, dass der Strom fr\u00fcher wieder flie\u00dft als Donnerstag, sagt Adameit.<\/p>\n<p>Andere haben die M\u00f6glichkeit, bei Freunden oder Familienmitgliedern unterzukommen, etwa Benjamin und Mado mit ihrer zweij\u00e4hrigen Tochter Jule. 16 Grad seien es in ihrer Wohnung, sagt er. Den Samstag, dem Tag des Stromausfalls, h\u00e4tten sie in Potsdam verbracht. Die Nacht \u00fcber kommen sie bei Freunden in Friedrichshain unter. Dass es f\u00fcr die mutma\u00dflichen T\u00e4ter offenbar so leicht war, die Infrastruktur in diesem Umfang zu zerst\u00f6ren, bereite ihr Sorgen, sagt Mado. Es treffe vor allem die finanziell und sozial Benachteiligten, die niemanden h\u00e4tten, bei dem sie \u00fcbernachten k\u00f6nnten.\u00a0<\/p>\n<p>Hilfsbereitschaft gro\u00df<\/p>\n<p>So mischen sich nicht nur im B\u00fcrgersaal Zehlendorf Sorge, Ungewissheit, aber auch Zuversicht und Hilfsbereitschaft: Drei M\u00e4nner bauen ein kleines Buffet im Saal auf. Es gibt G\u00e4nseklein mit Tomatensuppe und Wei\u00dfbrot. Sie sind vom Sportverein Zehlendorfer Wespen und wollen hier helfen. Wolfram Keller ist einer von ihnen. Seine Wohnung sei zum Gl\u00fcck nicht betroffen, sagt er. Nach der Arbeit sei er gekommen, um zu unterst\u00fctzen. Das Essen stammt vom Koch des Vereins.\u00a0<\/p>\n<p>Nur wenige Kilometer weiter in der evangelischen Gemeinde Emmaus am U-Bahnhof Onkel Toms H\u00fctte gehen ebenfalls viele Hilfsangebote ein. Seit dem Morgen haben unz\u00e4hlige Menschen hei\u00dfe Getr\u00e4nke, Pl\u00e4tzchen oder Speisen vorbeigebracht &#8211; f\u00fcr die Betroffenen, die sich hier bis in den Abend hinein aufw\u00e4rmen. \u00abDie Liste mit Helferinnen und Helfern ist bis Mittwoch prall gef\u00fcllt\u00bb, sagt Matthias D. Er und seine Frau sind selbst als freiwillige Unterst\u00fctzer hier und koordinieren gerade die vielen Angebote.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDas r\u00fchrt mich sehr\u00bb<\/p>\n<p>In diesem Moment betritt eine junge Frau das Gemeindezentrum: \u00abIch habe Kartoffelsuppe gekocht.\u00bb &#8211; \u00abBitte Name, Adresse und Telefonnummer draufschreiben, damit Du den Topf sp\u00e4ter wieder bekommst\u00bb, sagt Matthias. Wenig sp\u00e4ter bringt eine Familie aus Spandau drei gro\u00dfe T\u00f6pfe mit selbst zubereiteten arabischen Speisen. Immer wieder kommen Menschen, die einen Schlafplatz anbieten m\u00f6chten.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDas r\u00fchrt mich sehr\u00bb, sagt Connie, 65 Jahre alt, ebenfalls vom Stromausfall betroffen. Sie war bereits am Vormittag f\u00fcr einige Stunden im Gemeindezentrum und verbringt hier nun den Abend. Schlafen will sie zu Hause &#8211; trotz der K\u00e4lte.\u00a0<\/p>\n<p>Ger\u00fcchte \u00fcber Einbrecherbanden<\/p>\n<p>Ihr gegen\u00fcber sitzt Beate Schenker, die vor der unheimlichen Dunkelheit und K\u00e4lte in ihrer Wohnung ins Gemeindezentrum geflohen sei. Von dem Angebot in der Gemeinde habe sie am Samstag von ihrer Tochter erfahren, erz\u00e4hlt sie. Zuvor sei sie stundenlang mit dem Bus umhergefahren, weil sie in dem Fahrzeug ihr Handy laden konnte. Auch Schenker ist ber\u00fchrt von der gro\u00dfen Anteilnahme. Allerdings bereite ihr die Situation auch Sorge, sie habe von Einbrecherbanden geh\u00f6rt, die die Gunst der Stunde nutzten und in Wohnungen einbr\u00e4chen.<\/p>\n<p>Alle hoffen, dass der Strom schnell wieder hergestellt werden kann. 45.000 Haushalte waren zun\u00e4chst betroffen. Inzwischen gibt es in rund 14.000 wieder Elektrizit\u00e4t. Alle anderen werden wohl auch in den n\u00e4chsten Tagen noch h\u00e4ufig ins Gemeindezentrum der Emmaus-Kirche oder den B\u00fcrgersaal Zehlendorf kommen. Eine warme Suppe und neue Begegnungen sind ihnen gewiss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Gut zwei Dutzend Feldbetten stehen im B\u00fcrgersaal im Rathaus Zehlendorf. Noch hat sie niemand f\u00fcr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":693720,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[296,3364,29,1149,30,8970,1209,4338,2185,2544,625],"class_list":{"0":"post-693719","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-berlin","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-energie","12":"tag-germany","13":"tag-muenster","14":"tag-nordrhein-westfalen","15":"tag-notfall","16":"tag-strom","17":"tag-terrorismus","18":"tag-verbraucher"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115839432482593114","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/693719","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=693719"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/693719\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/693720"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=693719"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=693719"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=693719"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}