{"id":693735,"date":"2026-01-04T23:38:13","date_gmt":"2026-01-04T23:38:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693735\/"},"modified":"2026-01-04T23:38:13","modified_gmt":"2026-01-04T23:38:13","slug":"trump-putin-und-das-neue-spiel-der-grossmaechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693735\/","title":{"rendered":"Trump, Putin und das neue Spiel der Gro\u00dfm\u00e4chte"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Entf\u00fchrung Nicol\u00e1s Maduros durch amerikanische Elitesoldaten ist eine spektakul\u00e4re Machtdemonstration Washingtons in <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/lateinamerika\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lateinamerika<\/a>. Auch im 10.000 Kilometer entfernten Kiew hat man diesen Coup als solche verstanden. Zugleich w\u00e4chst am Dnjepr an Tag zwei nach dem Venezuela-Angriff die Nervosit\u00e4t. Denn wer die Ereignisse in S\u00fcdamerika isoliert betrachtet, verkennt ihren geopolitischen Kontext.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der f\u00fcr viele Seiten \u00fcberraschende Schlag gegen Maduro f\u00fcgt sich nahtlos in eine sich neu formierende Weltordnung ein, die gerade mit bemerkenswerter Geschwindigkeit zur\u00fcckkehrt: Gro\u00dfm\u00e4chte wie die USA, <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/russland-venezuela-us-oel-geopolitik-li.10012494\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Russland<\/a> und China regeln ihre Angelegenheiten auf ihre ganz eigene Art und Weise, sichern ihre unmittelbaren Einflusszonen. Geopolitische Stabilit\u00e4t \u00fcberlagert vermeintliche moralische Prinzipien. Legitimit\u00e4t und V\u00f6lkerrecht werden verhandelbar. Genau dieses Modell haben sich Wladimir Putin oder Xi Jinping klammheimlich seit Jahren gew\u00fcnscht \u2013 und Donald Trump scheint es nun praktisch umzusetzen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ukraine und Europa sind das toxische Entwicklungen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die neue amerikanische Sicherheitsstrategie l\u00e4sst daran keinen Zweifel. Die Priorit\u00e4ten der Regierung in Washington liegen auf der westlichen Hemisph\u00e4re. Die Monroe-Doktrin erlebt ihre Wiedergeburt im 21. Jahrhundert. Die Botschaft dabei ist klar und deutlich: Amerika sorgt \u201ezu Hause\u201c, \u201eim eigenen Hinterhof\u201c f\u00fcr Ordnung, erwartet aber implizit, dass Russland und <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/venezuela-usa-china-schlag-signal-peking-li.10012493\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">China<\/a> dasselbe in ihren \u201eNachbarschaften\u201c tun. Es spricht einiges daf\u00fcr, dass in den kommenden Jahren die Ukraine f\u00fcr Washington an strategischer Bedeutung verlieren wird.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">F\u00fcr Kiew ist das eine toxische Entwicklung. Denn ein Verdacht, der fr\u00fcher als abwegig galt, wird heute offen diskutiert \u2013 auch unter russischen und ukrainischen Eliten. Das alte, zynische Bonmot des verstorbenen russischen Nationalisten Wladimir Schirinowski kursiert in diesen Stunden erneut in diversen Telegram- und X-Kan\u00e4len: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/russland-reaktion-trump-venezuela-maduro-kriegsblogger-ukraine-li.10012465\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eTrump nimmt Venezuela, und wir die Ukraine.\u201c<\/a> Vor Jahren wurde das noch als banale Kreml-Propaganda abgetan. Doch heute? Eine treffende Beschreibung der sich abzeichnenden geopolitischen Realit\u00e4ten?<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Besonders alarmierend f\u00fcr die Ukraine ist die Ambivalenz ihrer europ\u00e4ischen Verb\u00fcndeten. Die Reaktionen in Br\u00fcssel schwanken. Man wei\u00df, dass die Entf\u00fchrung Maduros v\u00f6lkerrechtlich kaum zu rechtfertigen ist, und doch will man es sich mit dem \u2013 wenn wir das Milit\u00e4r heranziehen \u2013 wichtigsten Verb\u00fcndeten nicht komplett verscherzen. Diese Doppelmoral ist Wasser auf die M\u00fchlen Moskaus, das den Westen seit Jahren genau dieser Inkonsistenz bezichtigt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Kreml wird die Maduro-Festnahme nutzen, um seine eigene Ukraine-Erz\u00e4hlung weiter zu legitimieren. Wenn die Amerikaner Pr\u00e4sidenten entf\u00fchren, warum sollte Moskau sich an rote Linien halten? Schon 2019 hatte Fiona Hill, eine ehemalige Beamtin des Nationalen Sicherheitsrats der Vereinigten Staaten, darauf hingewiesen, dass Russland informell angeboten habe, das Engagement in Venezuela zu beenden. Im Gegenzug f\u00fcr amerikanische Zugest\u00e4ndnisse in der Ukraine. Damals blieb es bei theoretischen Gedankenspielen. Heute wirkt ein solches Szenario erschreckend aktuell. Das schreiben sogar westliche Thinktanks wie das Londoner Chatham House oder das Br\u00fcsseler <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.epc.eu\/publication\/the-us-strikes-venezuela-consequences-for-ukraine-and-europe\/\">European Policy Centre<\/a>.<\/p>\n<p>Was macht nun Selenskyj?<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Besonders fatal ist die Lage f\u00fcr Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/wolodymyr-selenskyj\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolodymyr Selenskyj<\/a> pers\u00f6nlich. Jede Reaktion auf Venezuela ist ein politisches Minenfeld f\u00fcr ihn. Rechtfertigt der ukrainische Staatschef den US-Einsatz, untergr\u00e4bt er seine jahrelange eigene Argumentationslogik (Stichwort V\u00f6lkerrecht) gegen Russlands Krieg. Verurteilt Selenskyj die Amerikaner, riskiert er den Zorn Trumps \u2013 inklusive m\u00f6glicher politischer oder pers\u00f6nlicher Konsequenzen (Stichwort Budanow). Telegram-Kan\u00e4le mit einer Millionenreichweite, ukrainische Politologen und selbst Abgeordnete der Werchowna Rada warnen offen davor, dass die USA ihre milit\u00e4rische Hilfe reduzieren und ihren Einfluss nach diesem ersten Neujahrswochenende im Jahr 2026 neu ordnen k\u00f6nnten. Dass das ukrainische Au\u00dfenministerium de facto Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Venezuela-Angriff signalisiert hat, zeigt, wie eng der Handlungsspielraum f\u00fcr Kiew inzwischen ist.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der vielleicht gr\u00f6\u00dfte Schaden ist jedoch geostrategischer Natur. Damit werden sich auch die Ukraine und Europa nachhaltig besch\u00e4ftigen m\u00fcssen: Die Maduro-Festnahme verdeutlicht n\u00e4mlich, dass Regimewechsel wieder als legitimes Instrument westlicher Machtpolitik gelten k\u00f6nnen \u2013 wenn es den eigenen Interessen dient. F\u00fcr L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens, deren Unterst\u00fctzung die Ukraine eigentlich dringend ben\u00f6tigt, ist das ein weiteres Argument, sich vom \u201ekollektiven Westen\u201c, wie es im Kremlsprech hei\u00dft, abzuwenden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Ob es tats\u00e4chlich zu einem expliziten Venezuela-Ukraine-Deal zwischen Trump und Putin kommt, ist offen. Aber dass beide zunehmend in Denkmustern und Kategorien von harten geopolitischen Einflusszonen denken, ist un\u00fcbersehbar. F\u00fcr die Ukraine ist das brandgef\u00e4hrlich. Und gerade deshalb will die Selenskyj-Regierung davon am liebsten nichts h\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Entf\u00fchrung Nicol\u00e1s Maduros durch amerikanische Elitesoldaten ist eine spektakul\u00e4re Machtdemonstration Washingtons in Lateinamerika. 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