{"id":693884,"date":"2026-01-05T01:10:59","date_gmt":"2026-01-05T01:10:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693884\/"},"modified":"2026-01-05T01:10:59","modified_gmt":"2026-01-05T01:10:59","slug":"teure-lebensmittel-machen-kinder-dick-universitaet-bonn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693884\/","title":{"rendered":"Teure Lebensmittel machen Kinder dick \u2014 Universit\u00e4t Bonn"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr ihre Studie werteten die Bonner Forschenden vom Zentrum f\u00fcr Entwicklungsforschung (ZEF) der Universit\u00e4t Bonn den Indonesian Family Life Survey (IFLS) aus, der Haushalte \u00fcber viele Jahre begleitet. Sie nutzten regionale Unterschiede bei der Reispreisinflation zwischen 1997 und 2000 und verkn\u00fcpften diese mit K\u00f6rperma\u00dfen derselben Kinder in der Kindheit und sp\u00e4ter als junge Erwachsene. \u201eWir sehen, dass ein massiver Preisschock nicht nur kurzfristig belastet, sondern sich auch in der langfristigen k\u00f6rperlichen Entwicklung von Kindern niederschlagen kann\u201c, sagt Elza S. Elmira, die Erstautorin der Studie. \u201eDer krisenbedingte Preisanstieg erh\u00f6hte die chronische Unterern\u00e4hrung und ging mit einem Anstieg der Wachstumsverz\u00f6gerung um 3,5 Prozentpunkte einher. Stark betroffene Kinder werden sp\u00e4ter also nicht nur kleiner sein als ihre nicht betroffenen Altersgenossen, sie sind auch deutlich anf\u00e4lliger f\u00fcr Fettleibigkeit.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Zusammenhang erstaunte die Forschenden. Elmira sieht ein m\u00f6gliches Erkl\u00e4rungsmuster: \u201eFamilien sparen in Krisen weniger bei Kalorien als bei teureren, n\u00e4hrstoffreichen Lebensmitteln. Es entsteht dann ein \u201aversteckter Mangel\u2018 an wichtigen Mikron\u00e4hrstoffen, der das L\u00e4ngenwachstum bremst, ohne dass das K\u00f6rpergewicht im selben Ma\u00dfe sinken muss.\u201c Die Studie verfolgt die betroffenen Kinder bis 2014, als sie 17 bis 23 Jahre alt waren. F\u00fcr die Gruppe, die w\u00e4hrend der Krise drei bis f\u00fcnf Jahre alt war, zeigen sich signifikante Zusammenh\u00e4nge mit dem Body Mass Index (BMI) und Adipositas.<\/p>\n<p><b>Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen sch\u00fctzen<\/b><\/p>\n<p>\u201eMangelerfahrungen im Kleinkindalter k\u00f6nnen ein Leben lang nachwirken \u2013 Wachstumsst\u00f6rungen sind leichter zu messen gehen aber oft auch mit geistigen Entwicklungsst\u00f6rungen einher, und mit einem erh\u00f6hten Risiko von Adipositas und chronischen Folgekrankheiten\u201c, sagt Prof. Dr. Matin Qaim, Ko-Autor der Studie. \u201eIn derselben Krise k\u00f6nnen Unterern\u00e4hrung und \u00dcbergewicht zunehmen. Das unterstreicht, wie wichtig ern\u00e4hrungssensitive Krisenpolitik ist: Sie muss Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen gezielt sch\u00fctzen. Wenn Ern\u00e4hrungspolitik nur Kalorien absichert, kann sie am eigentlichen Problem vorbeigehen.\u201c Der Agrar\u00f6konom ist Mitglied des Transdisziplin\u00e4ren Forschungsbereichs \u201eSustainable Futures\u201c und des Exzellenzclusters \u201ePhenoRob \u2013 Robotics and Phenotyping for Sustainable Crop Production\u201c der Universit\u00e4t Bonn.<\/p>\n<p><b>St\u00e4rkerer Effekt in St\u00e4dten und bei niedriger Bildung<\/b><\/p>\n<p>Besonders deutlich fallen die Effekte in st\u00e4dtischen Regionen aus. Dort sind Haushalte st\u00e4rker auf Zukauf angewiesen, w\u00e4hrend Familien auf dem Land teilweise selbst Reis produzieren. Auch der Bildungshintergrund spielt eine Rolle: Kinder von M\u00fcttern mit niedriger Bildung sind signifikant st\u00e4rker betroffen als Kinder besser gebildeter M\u00fctter. \u201eDie Ergebnisse zeigen, dass Krisenhilfe nicht allein an Armutsgrenzen ansetzen sollte\u201c, betonen Elmira und Qaim. \u201eGerade in St\u00e4dten und dort, wo Wissen \u00fcber ausgewogene Ern\u00e4hrung fehlt, kann ein Preisschock die Ern\u00e4hrungsqualit\u00e4t so verschlechtern, dass die Folgen dauerhaft sp\u00fcrbar bleiben.\u201c<\/p>\n<p><b>Warum das heute relevant ist<\/b><\/p>\n<p>Die Bonner Forschenden verweisen darauf, dass Ernte-, Einkommens- und Preisschocks weltweit zunehmen \u2013 durch Konflikte, Pandemien und extreme Wetterereignisse. Die Analyse aus Indonesien liefert damit einen empirischen Hinweis, wie sich wirtschaftliche Turbulenzen \u00fcber Lebensmittelpreise in langfristige Gesundheitsrisiken \u00fcbersetzen k\u00f6nnen. Die Langzeitergebnisse werden in der vorliegenden Studie als statistische Zusammenh\u00e4nge interpretiert; \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume lassen sich nicht alle Einfl\u00fcsse vollst\u00e4ndig ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Studie: Elmira E.S., Qaim M. (2026): Macroeconomic shocks and long-term nutritional outcomes: Insights from the Asian financial crisis. Global Food Security, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.gfs.2025.100900\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.gfs.2025.100900<\/a> (open access).<\/p>\n<p>Kontakt f\u00fcr die Medien:<br \/>Prof. Dr. Matin Qaim<br \/>Zentrum f\u00fcr Entwicklungsforschung (ZEF)<br \/>Universit\u00e4t Bonn<br \/>Tel. +49 228 731847<br \/>E-Mail: <a href=\"https:\/\/www.uni-bonn.de\/de\/neues\/mailto:mqaim@uni-bonn.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mqaim@uni-bonn.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"F\u00fcr ihre Studie werteten die Bonner Forschenden vom Zentrum f\u00fcr Entwicklungsforschung (ZEF) der Universit\u00e4t Bonn den Indonesian Family&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4215,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1842],"tags":[1741,3364,29,30,1209],"class_list":{"0":"post-693884","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bonn","8":"tag-bonn","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115839833341707551","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/693884","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=693884"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/693884\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4215"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=693884"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=693884"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=693884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}