{"id":693913,"date":"2026-01-05T01:35:11","date_gmt":"2026-01-05T01:35:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693913\/"},"modified":"2026-01-05T01:35:11","modified_gmt":"2026-01-05T01:35:11","slug":"von-der-pflegekraft-zur-wissenschaftlichen-expertin-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/693913\/","title":{"rendered":"Von der Pflegekraft zur wissenschaftlichen Expertin (Interview)"},"content":{"rendered":"<p>Was versteht man unter einem Delir? <\/p>\n<p>Juliane Spank: Ein Delir, ein pl\u00f6tzlich auftretender Verwirrtheitszustand, ist eine akute, aber <strong>meist vor\u00fcbergehende St\u00f6rung der Gehirnfunktion<\/strong>. Das kann zu bleibenden kognitiven Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren, wenn es unbehandelt bleibt. Insbesondere \u00e4ltere Patientinnen und Patienten <strong>ab 65 Jahre<\/strong>n sind gef\u00e4hrdet, w\u00e4hrend eines Krankenhausaufenthaltes ein Delir zu entwickeln. Bewusstseins-, Aufmerksamkeits-, Orientierungs- oder Wahrnehmungsst\u00f6rungen sowie ver\u00e4ndertes Verhalten k\u00f6nnen Symptome eines Delirs sein. Ein Delir \u00e4u\u00dfert sich aber bei jedem individuell.<\/p>\n<p>Was ist die Aufgabe des AKTIVER-Teams? <\/p>\n<p><strong>AKTIVER (Alltags- und KognitionsTraining \u2013 Interdisziplin\u00e4re Delirvermeidung)<\/strong> ist ein Delirmanagement, das aus dem <strong>HuBerTDA-Projekt<\/strong> und der <strong>Pawel-Studie<\/strong> entstanden ist. Ziel ist es, das Delirrisiko zu senken, Delir zu vermeiden oder ein Delir fr\u00fchzeitig zu erkennen und entsprechende Therapiema\u00dfnahmen einzuleiten. Speziell ausgebildete Pflegefachkr\u00e4fte identifizieren Delir gef\u00e4hrdete Patienten ab 65 Jahren und unterst\u00fctzten sie durch individuelle Ma\u00dfnahmen. Das k\u00f6nnen zum Beispiel <strong>Orientierungshilfen<\/strong> wie Wanduhren sein, Aktivierung und Mobilisierung durch Bewegung, Begleitung bei Mahlzeiten und Diagnostik oder auch Entspannungs\u00fcbungen. Zudem werden unter Anderem Medikation und Laborwerte t\u00e4glich eingesehen und gegebenenfalls angepasst. Zum AKTIVER-Team geh\u00f6ren aber nicht nur Pflegefachkr\u00e4fte, sondern auch Betreuungsassistenten, FSJler und ein Pflegehelfer.<\/p>\n<p> Worum ging es bei Ihrer Promotion? <\/p>\n<p>Innerhalb meiner Promotion konnte ich unter der Leitung von Christine Thomas, \u00c4rztliche Direktorin der Klinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychiotherapie f\u00fcr \u00c4ltere, ein <strong>nichtmedikament\u00f6ses Delirmanagementprogramm<\/strong> mitgestalten, aufbauen, implementieren und evaluieren. Innerhalb einer gro\u00dfen Studie (PAWEL-Patientensicherheit, Wirtschaftlichkeit und Lebensqualit\u00e4t) konnten wir nachweisen, dass mittels AKTIVER das Delirauftreten reduziert werden konnte. Mit der \u00dcbernahme in die Regelversorgung haben wir in einem n\u00e4chsten Schritt einen <strong>Pflegekonsildienst<\/strong> eingef\u00fchrt, sodass alle Stationen im Haus die M\u00f6glichkeit haben, uns gef\u00e4hrdete Patientinnen und Patienten zu melden, sodass wir diese mitbetreuen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was ist das Ergebnis der Arbeit des AKTIVER-Teams? <\/p>\n<p>2024 hatte das AKTIVER-Team \u00fcber 2100 Konsilanfragen und hat mehr als 900 Patienten mitbetreut. Durch unsere Arbeit konnten wir das Auftreten von Deliren bei Patienten um bis zu <strong>30 Prozent<\/strong> verringern. Die individuelle Anpassung der Therapie gibt den Patienten sowie deren Angeh\u00f6rigen Sicherheit und entlastet Pflegende und \u00c4rzte auf den Stationen. Jedoch hat die Untersuchung auch gezeigt, dass die Verdachtsdiagnose des Delirs durch das AKTIVER Team noch zu selten in den Arztbriefen erw\u00e4hnt oder nach ICD kodiert wird. Dies ist jedoch f\u00fcr die <strong>Sekund\u00e4rpr\u00e4vention<\/strong> wichtig.<\/p>\n<p>Warum sind Sie als promovierte Pflegekraft weiter in der Patientenversorgung t\u00e4tig? <\/p>\n<p>F\u00fcr mich war immer klar: Ich m\u00f6chte forschen, um die Patientenversorgung und Rahmenbedingungen in der Praxis zu verbessern. Ich arbeite aber auch gerne als <strong>Gesundheits- und Krankenpflegerin<\/strong> und m\u00f6chte einen guten Theorie-Praxistransfer schaffen. Dies kann f\u00fcr mich nur gelingen, wenn ich die Strukturen und Bedingungen auf den Stationen kenne und weiter in der <strong>Patientenversorgung<\/strong> t\u00e4tig bin.<\/p>\n<p> Biografie der ersten promovierten Pflegekraft des Klinikum Stuttgart <\/p>\n<p>Nach ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolvierte Juliane Spank ein <strong>Masterstudium<\/strong> in Pflegewissenschaft an der Hochschule in Esslingen. Seit 2017 besch\u00e4ftigt sie sich intensiv mit dem Thema Delir bei \u00e4lteren Menschen und arbeitete beim Projekt HuBerTDA und der Pawel-Studie mit. Auch bei der Etablierung des Delirpr\u00e4ventionsteams AKTIVER spielte sie eine entscheidende Rolle. \u201eEntwicklung, Implementierung und Evaluation eines nichtmedikament\u00f6sen und multimodalen Delirmanagementprogrammes\u201c lautet der Titel ihrer Promotion.<\/p>\n<p> Weitere Informationen <\/p>\n<p>Das <strong>HuBerTDA-Projekt <\/strong>(Langtitel: \u201eHuBerTDA: Handeln im Hier und Jetzt! Bereit zum Demenz- und Alterssensiblen Krankenhaus!\u201c) war ein Projekt des Klinikums Stuttgart, das sich darauf konzentrierte, die Versorgungs- und Behandlungsangebote f\u00fcr \u00e4ltere <strong>Patienten mit Demenz und kognitiven Einschr\u00e4nkungen<\/strong> im Krankenhaus zu verbessern.<\/p>\n<p>Die <strong>Pawel-Studie<\/strong> war eine multizentrische, cluster-randomisierte klinische Studie in Deutschland, die die Wirksamkeit eines umfassenden Interventionsprogramms zur Reduktion von Delir und <strong>postoperativer kognitiver Dysfunktion (POCD)<\/strong> bei \u00e4lteren Patienten nach elektiven Operationen untersuchte. Das Akronym PAWEL steht f\u00fcr: Patientensicherheit, Wirtschaftlichkeit und Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Weitere Informationen finden Interessierte auf der <a href=\"https:\/\/www.klinikum-stuttgart.de\/medizin-pflege\/psychiatrie-psychotherapie-fuer-aeltere\/aktiver\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Webseite des Klinikum Stuttgart<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was versteht man unter einem Delir? 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