{"id":694398,"date":"2026-01-05T06:43:12","date_gmt":"2026-01-05T06:43:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/694398\/"},"modified":"2026-01-05T06:43:12","modified_gmt":"2026-01-05T06:43:12","slug":"resistente-tigermuecken-in-europa-puls-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/694398\/","title":{"rendered":"Resistente Tigerm\u00fccken in Europa | PULS 24"},"content":{"rendered":"<p>In den vergangenen Jahren wurde die Asiatische Tigerm\u00fccke (Aedes albopictus) immer h\u00e4ufiger in Europa entdeckt. Die \u00dcbertr\u00e4ger zahlreicher Virusinfektionen haben mittlerweile aber auch ein f\u00fcr ihre Bek\u00e4mpfung ausgesprochen unangenehmes Merkmal entwickelt. Sie werden resistent gegen wirksame Pyrethroid-Insektizide, wie jetzt eine europaweite Studie belegt hat.<\/p>\n<p>&#8222;Mit der weltweiten Ausbreitung der Asiatischen Tigerm\u00fccke (Aedes albopictus) steigt die Zahl autochthoner (nicht eingeschleppter; Anm.) F\u00e4lle exotischer Arbovirus-Erkrankungen wie Denguefieber oder Chikungunya in gem\u00e4\u00dfigten Klimazonen&#8220;, schrieben Verena Pichler von der Sapienza Universit\u00e4t in Rom und ihre Co-Autoren, unter ihnen Jeremy Bouyer vom Labor f\u00fcr Insektensch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung der FAO und der IAEO in Wien, in &#8222;Parasites and Vectors&#8220; (doi: 10.1186\/s13071-025-07130-1).<\/p>\n<p>Auch Gelbfieber- und West-Nil-Fieber-Erreger werden durch Aedes albopictus-Stiche weiter verbreitet, diskutiert wird das zudem f\u00fcr das Zika-Virus. Bereits im Jahre 2022 war das Vorkommen der Asiatischen Tigerm\u00fccke in 23 Bezirken in \u00d6sterreich registriert worden. 2024 waren es dann schon 29 Bezirke. Ein besonders betroffenes Gebiet d\u00fcrfte der Gro\u00dfraum Graz sein, und auch in Wien und Linz und in den entsprechenden Regionen \u00fcberwintern die Insekten, was die Etablierung einer Population belegt.<\/p>\n<p>Aus Italien wurden bereits in den Jahren 2007 und 2017 zwei Chikungunya-Ausbr\u00fcche mit rund 700 Erkrankten gemeldet. Auch das Dengue-Virus verbreitet sich im Mittelmeerraum, offenbar durch Aedes albopictus als Vektor, immer weiter (mehr als 300 lokal erworbene F\u00e4lle in Italien, Frankreich und Spanien im Jahr 2024).<\/p>\n<p>              Beseitigung von Brutst\u00e4tten<\/p>\n<p>Die Bek\u00e4mpfung konzentriert sich auf die Beseitigung von Brutst\u00e4tten und speziell der Larven. Doch um das Aufkommen der Stechm\u00fccken zu d\u00e4mpfen, muss bei Bedarf auch zu Insektiziden gegriffen werden. Die Wissenschafter schreiben: &#8222;In Europa sind Pyrethroide die einzigen zur Bek\u00e4mpfung adulter Stechm\u00fccken zugelassenen Insektizide und daher entscheidend f\u00fcr die Eind\u00e4mmung der Arbovirus-\u00dcbertragung.&#8220;<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich um synthetische Substanzen, die urspr\u00fcnglich aus Inhaltsstoffen von Chrysanthemen abgeleitet wurden. Sie finden auch Verwendung als Repellentien. In Form von Insektiziden blockieren sie das Nervensystem der Insekten, was zu deren Absterben f\u00fchrt.<\/p>\n<p>              Resistenzen aus dem Fernen Osten<\/p>\n<p>Doch aus dem Fernen Osten wurden l\u00e4ngst Resistenzen gegen die Pyrethroide gemeldet. Sie gehen auf Mutationen im Erbgut der Stechm\u00fccken zur\u00fcck, wodurch die Wirkung der Insektizide an Natriumkan\u00e4len ihrer Zellen blockiert wird. Solche Knockdown-Resistenz-Mutationen (kdr) sind zum Beispiel I1532T und F1534C. Die Wissenschafter testeten daher gefangene Tigerm\u00fccken im ganzen europ\u00e4ischen Raum, von Portugal im \u00e4u\u00dfersten Westen bis in Georgien am Schwarzen Meer.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Untersuchung wurden &#8222;Feldproben von Eiern, Larven und adulten Exemplaren von Aedes albopictus zwischen August 2015 und Oktober 2022 in 54 Gemeinden in 19 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und Regionen (Abchasien, Albanien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Frankreich, Georgien, Griechenland, Italien, Malta, Montenegro, Portugal, Rum\u00e4nien, Russland, Serbien, Slowenien, Spanien, Schweiz und T\u00fcrkei) gesammelt. Die Genomuntersuchung erfolgte dann in Lissabon und in Rom.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse sprechen &#8211; noch &#8211; f\u00fcr ein relativ seltenes Vorkommen von Pyrethroid-resistenten Tigerm\u00fccken in Europa. Allerdings gibt es daf\u00fcr echte Hotspots. Die Wissenschafter berichteten: &#8222;Das kdr-Merkmal 1534C wurde an neun Standorten in sechs L\u00e4ndern (Albanien, Zypern, Georgien, Griechenland, Rum\u00e4nien und Spanien) mit H\u00e4ufigkeiten zwischen 1,5 Prozent und 84 Prozent gefunden.&#8220; Am h\u00e4ufigsten waren problematische Mutationen in Zypern und in Griechenland. Aus den Insekten-F\u00e4ngen in Limassol wurde kein nicht mutiertes Genmaterial mehr identifiziert. &#8222;In Griechenland wurde die 1534C-Mutation an drei von vier Probestellen mit H\u00e4ufigkeiten von zehn Prozent (Kavala), 12,5 Prozent (Chania) und 45 Prozent (Athen) nachgewiesen (&#8230;).&#8220;<\/p>\n<p>              Problem noch wenig bekannt<\/p>\n<p>Auch das zweite Pyrethroid-Resistenzgen, nach dem gesucht wurde, fand sich in Europa bei den Aedes albopictus-Exemplaren. Die Autoren: &#8222;Insgesamt trugen 26 Proben von elf Standorten in sieben L\u00e4ndern (Albanien, Frankreich, Griechenland, Italien, Rum\u00e4nien, Spanien und T\u00fcrkei) das Merkmal 1532T (&#8230;).&#8220; An zwei Standorten (Griechenland: Athen; Albanien: Durres) wurden beide Mutationen (F1534C und I1532T) nachgewiesen. Schlie\u00dflich gab es auch F\u00e4lle, in denen das Resistenzgen 1016G festgestellt wurde.<\/p>\n<p>&#8222;Obwohl die Ausbreitung der Pyrethroid-Resistenz unsere F\u00e4higkeit bedroht, die \u00dcbertragung exotischer Arboviren durch Aedes albopictus schnell und effektiv zu unterbrechen, ist \u00fcber das Ausma\u00df dieses Problems in Europa wenig bekannt&#8220;, fassten die Wissenschafter ihre Ergebnisse zusammen. Zwar schienen die gesuchten Knockdown-Mutationen, welche die Resistenzen vermitteln, noch selten zu sein (im Gesamtdurchschnitt rund f\u00fcnf Prozent). Es gebe aber bereits Hotspots in Europa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den vergangenen Jahren wurde die Asiatische Tigerm\u00fccke (Aedes albopictus) immer h\u00e4ufiger in Europa entdeckt. 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