{"id":694532,"date":"2026-01-05T08:05:17","date_gmt":"2026-01-05T08:05:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/694532\/"},"modified":"2026-01-05T08:05:17","modified_gmt":"2026-01-05T08:05:17","slug":"geschlechter-rentenluecke-in-europa-wie-viel-weniger-erhalten-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/694532\/","title":{"rendered":"Geschlechter-Rentenl\u00fccke in Europa: Wie viel weniger erhalten Frauen?"},"content":{"rendered":"<p>Der Gender Pay Gap ist in Europa gut dokumentiert. In der EU verdienten Frauen 2023 laut Eurostat zw\u00f6lf Prozent weniger als M\u00e4nner. Das hei\u00dft: F\u00fcr 100 Euro, die M\u00e4nner verdienen, kommen Frauen nur auf 88 Euro.<\/p>\n<p>Bei den Renten f\u00e4llt die L\u00fccke noch gr\u00f6\u00dfer aus. In 27 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, auch au\u00dferhalb der EU, bekommen Frauen deutlich weniger Rente als M\u00e4nner. Im Schnitt liegt das Renteneinkommen von Frauen 22 Prozent unter dem der M\u00e4nner. In einigen gro\u00dfen Volkswirtschaften \u00fcbersteigt der Abstand 35 Prozent, so die OECD.<\/p>\n<p>2024 reichte die Rentenl\u00fccke zwischen den Geschlechtern von rund sechs Prozent in Estland bis 37 Prozent im Vereinigten K\u00f6nigreich. Im OECD-Schnitt sind es 23 Prozent, der europ\u00e4ische Durchschnitt f\u00fcr die 27 L\u00e4nder liegt bei 22 Prozent. Im Klartext: Frauen erhalten europaweit im Schnitt 78 Euro Rente, M\u00e4nner 100 Euro.<\/p>\n<p>In mehreren L\u00e4ndern liegt die L\u00fccke \u00fcber 30 Prozent. Neben dem Vereinigten K\u00f6nigreich z\u00e4hlen dazu die Niederlande, \u00d6sterreich, Luxemburg, Belgien, die Schweiz und Irland.<\/p>\n<p>Am kleinsten ist sie in Estland, Island, der Slowakei, Tschechien, Slowenien und D\u00e4nemark, jeweils bei zehn Prozent oder darunter.<\/p>\n<p>\u201eM\u00fctterbedingte Rentenl\u00fccke\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Rentenl\u00fccke zwischen den Geschlechtern ist in vieler Hinsicht eine m\u00fctterbedingte Rentenl\u00fccke. Sie \u00f6ffnet sich, sobald Frauen eine Familie gr\u00fcnden\u201c, sagte Professorin Alexandra Niessen-Ruenzi von der Universit\u00e4t Mannheim gegen\u00fcber Euronews Business.<\/p>\n<p>Sie erkl\u00e4rte, viele Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit, um Kinder zu betreuen. Das bringt meist Nachteile beim Lohn in Teilzeit mit sich.<\/p>\n<p>\u201eMutterschaft und weniger Arbeitsstunden dr\u00fccken sowohl das aktuelle Einkommen als auch sp\u00e4tere Rentenanspr\u00fcche. Sie f\u00fchren zudem zu geringeren Erwerbseinkommen \u00fcber das ganze Berufsleben und zu k\u00fcrzeren Erwerbsbiografien. Damit bleibt Frauen weniger Geld, um privat vorzusorgen\u201c, erg\u00e4nzte sie.<\/p>\n<p>Niessen-Ruenzi betonte, dass die Unterschiede zwischen den L\u00e4ndern geschlechtertypische Muster bei Care-Arbeit und Haushalt widerspiegeln. Konservative Wohlfahrtsstaaten wie Deutschland vereinen hohe Teilzeitquoten von Frauen, lange Erwerbsunterbrechungen und die gemeinsame Besteuerung von Haushalten, was die L\u00fccke zus\u00e4tzlich vergr\u00f6\u00dfert.<\/p>\n<p>Nordische Staaten und einige L\u00e4nder in Mittel- und Osteuropa weisen hingegen deutlich kleinere Rentenl\u00fccken auf. Dort \u00e4hneln die Erwerbsbiografien von Frauen in Vollzeit st\u00e4rker denen von M\u00e4nnern, Kinderbetreuung ist breit verf\u00fcgbar, und die Rentensysteme enthalten mehr Umverteilung oder Anrechnungszeiten f\u00fcr Pflege- und Betreuungsjahre.<\/p>\n<p>L\u00fccken bleiben gro\u00df, aber es gibt Fortschritte<\/p>\n<p>Im europ\u00e4ischen Schnitt ist die Rentenl\u00fccke zwischen M\u00e4nnern und Frauen von 28 Prozent im Jahr 2007 auf 22 Prozent im Jahr 2024 gesunken. Am st\u00e4rksten schrumpfte sie in Slowenien, Deutschland und Griechenland, und zwar um mehr als 15 Prozentpunkte innerhalb von 17 Jahren.<\/p>\n<p>Auch in Norwegen, Portugal, der T\u00fcrkei und Luxemburg ging sie um mehr als zehn Prozentpunkte zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eDeutlich sinkende Unterschiede am Arbeitsmarkt zwischen M\u00e4nnern und Frauen treiben diese Entwicklung vielerorts. Es dauert jedoch, bis sich das vollst\u00e4ndig in geringeren Rentenunterschieden niederschl\u00e4gt\u201c, hei\u00dft es im OECD-Bericht Pensions at a Glance 2025.<\/p>\n<p>Unter den 27 L\u00e4ndern stieg die Rentenl\u00fccke nur in drei F\u00e4llen um zwei Prozentpunkte: in \u00d6sterreich, Estland und Belgien. In allen anderen L\u00e4ndern ging sie zur\u00fcck, teils allerdings nur gering.<\/p>\n<p>Folge langfristiger Ungleichheiten<\/p>\n<p>\u201eDiese Unterschiede sind das Ergebnis langfristiger Ungleichheiten, die sich \u00fcber das Erwerbsleben von Frauen aufsummieren und das Zusammenspiel von Arbeitsm\u00e4rkten, Familienpolitik und Rentenarchitektur widerspiegeln\u201c, sagte Professor Antonio Abatemarco von der Universit\u00e4t Salerno Euronews Business. \u201eDie L\u00fccke ist daher kein einzelnes Ph\u00e4nomen, sondern Ergebnis von drei miteinander verkn\u00fcpften Strukturtreibern.\u201c<\/p>\n<p>Erstens erkl\u00e4rte Abatemarco: In vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, besonders im S\u00fcden und Osten, lag die Erwerbsbeteiligung von Frauen historisch hinter der von M\u00e4nnern. Sie erfolgte h\u00e4ufig in informellen Bereichen, in denen keine Rentenbeitr\u00e4ge gezahlt wurden. T\u00e4tigkeiten wie haushaltsnahe Dienstleistungen sind bis heute weitgehend informell und \u00fcberwiegend weiblich. Arbeitsjahre f\u00fchren dort nicht automatisch zu Rentenanspr\u00fcchen.<\/p>\n<p>Zweitens betonte er die Bedeutung von Sorgearbeit. In Westeuropa geht es nicht mehr um den Einstieg in den Arbeitsmarkt, sondern um Unterbrechungen durch Mutterschaft und Pflege. In L\u00e4ndern wie Deutschland oder \u00d6sterreich wechseln Frauen nach der Elternzeit h\u00e4ufig in Teilzeit. Das f\u00fchrt zu geringeren Beitr\u00e4gen und langsamerem Lohnaufstieg.<\/p>\n<p>Drittens wies er auf die Folgen j\u00fcngerer Reformen der Rentensysteme hin. So hat Slowenien seit 1999 das Rentenalter f\u00fcr Frauen st\u00e4rker angehoben als f\u00fcr M\u00e4nner, wie der OECD-Bericht Pensions at a Glance 2025 festh\u00e4lt. Dadurch sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>Gesetzliche versus betriebliche Renten<\/p>\n<p>In\u00e9s Guillemyn, Doktorandin an der Universit\u00e4t Antwerpen, betonte die Rolle gesetzlicher und betrieblicher Renten im <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/business\/2025\/12\/20\/pension-income-across-europe-which-countries-offer-the-highest-pensions\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Gesamtalterseinkommen<\/strong><\/a>. In L\u00e4ndern mit starken Mehrs\u00e4ulensystemen wie den Niederlanden h\u00e4ngt ein gr\u00f6\u00dferer Teil der Renten direkt an der Erwerbsbiografie und am fr\u00fcheren Lohn. Weil Zugang und Beitr\u00e4ge zu Betriebsrenten stark geschlechtergepr\u00e4gt sind und privaten Modellen oft Solidarit\u00e4tselemente fehlen, vergr\u00f6\u00dfern private Renten die Unterschiede zwischen Frauen und M\u00e4nnern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Gender Pay Gap ist in Europa gut dokumentiert. 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