{"id":694824,"date":"2026-01-05T10:57:11","date_gmt":"2026-01-05T10:57:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/694824\/"},"modified":"2026-01-05T10:57:11","modified_gmt":"2026-01-05T10:57:11","slug":"nur-4-prozent-der-jazz-professuren-sind-weiblich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/694824\/","title":{"rendered":"Nur 4 Prozent der Jazz-Professuren sind weiblich"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.hna.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.hna.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kultur<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 05.01.2026, 10:23 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.hna.de\/autor\/kirsten-ammermueller-k7hs29cgy.html\" title=\"Zur Autorenseite von Kirsten Ammerm&#xFC;ller\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" ammerm=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kirsten Ammerm\u00fcller<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/39909995-jazz-schlagzeugerin-eva-klesse-ueber-gendergerechtigkeit-im-jazz-foto-sally-lazic-3W7a.jpg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"792\" width=\"1408\" alt=\"Jazz-Schlagzeugerin Eva Klesse &#xFC;ber Gendergerechtigkeit im Jazz.Foto: Sally Lazic\"\/>Jazz-Schlagzeugerin Eva Klesse \u00fcber Gendergerechtigkeit im Jazz. \u00a9\u00a0Sally Lazic<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Die Jazz-Schlagzeugerin Eva Klesse erh\u00e4lt den Deutschen Jazz-Preis 2025. Sie spricht \u00fcber strukturelle Probleme f\u00fcr Frauen im Jazz.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Vor rund 100 Jahren hat sich ein ganz neues Musikgenre in den Geh\u00f6rg\u00e4ngen festgesetzt: Der Jazz wurde popul\u00e4r. In einer Bestandsaufnahme lassen wir Experten des Jazz zu Wort kommen. Eva Klesse ist Musikerin des Jahres 2025, ausgezeichnet mit dem Deutschen Jazz-Preis. Ihr Instrument: Schlagzeug. Weshalb das immer noch f\u00fcr Erstaunen sorgt, sie keine Studentinnen im Hauptfach Schlagzeug als Professorin an der Musikhochschule Hannover unterrichtet und Frauen generell im Jazz deutlich unterrepr\u00e4sentiert sind, dar\u00fcber haben wir mit ihr gesprochen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Frau Klesse, herzlichen Gl\u00fcckwunsch zum Deutschen Jazz-Preis als Musikerin des Jahres 2025. Was bedeutet Ihnen der Preis?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich war erst einmal \u00fcberw\u00e4ltigt und hatte damit gar nicht gerechnet. Normalerweise wird man nominiert und wei\u00df schon vorher so ein bisschen Bescheid. Aber in der Kategorie \u201eK\u00fcnstler*in des Jahres\u201c wird man gar nicht nominiert, sondern das wird von der Jury einfach festgelegt. Ich freue mich sehr, vor allem weil es auch laut Jurybegr\u00fcndung mehrere Facetten meiner Arbeit auszeichnet.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wie sind Sie selbst zum Schlagzeug gekommen?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Mein Cousin hat Schlagzeug gespielt und da durfte ich das das erste Mal ausprobieren und fand das irgendwie cool \u2013 aber der Lehrer an der Musikschule war richtig cool \u2013 ein Typ mit Lederhose und so und ich glaube, damals mit zehn Jahren, war das ein Grund, das ich dachte, mit so einem Typ w\u00fcrde ich gerne ein bisschen rumh\u00e4ngen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Welches Bild ergibt sich f\u00fcr Sie von Frauen im Jazz?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Es ergibt sich ein Bild, dass noch richtig viel zu tun ist. Ich glaube, was das Thema Diversit\u00e4t betrifft, gibt es mittlerweile eine Aufmerksamkeit, das ist schon mal ein erster Schritt. Aber ich glaube, da verweilen wir noch so ein bisschen. Es gibt Bestrebungen, zum Beispiel Jurys oder Kommissionen parit\u00e4tisch zu besetzen, und darauf zu achten, dass mehr Frauen beteiligt sind. Aber das ist in vielerlei Hinsicht zu kurz gedacht.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Woran liegt das?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das sind viele Punkte. Auf meiner letzten Platte gibt es einen Song, der hei\u00dft \u201eYou Cannot Be What You Cannot See\u201c, das ist ein Zitat der afroamerikanischen B\u00fcrgerrechtlerin Marian Wright Edelman. Da geht es um das Thema der Sichtbarkeit von Vorbildern. Wenn man nicht wei\u00df, dass es etwas gibt, wei\u00df man gar nicht, dass man das sein kann. Und das merke ich sehr stark wenn ich spiele, vor allem auch in anderen L\u00e4ndern, wo das vielleicht noch un\u00fcblicher ist, als Frau Schlagzeug zu spielen, dass dann ganz viele junge Frauen zu mir kommen und sagen, wie toll ich spiele und dass sie auch Schlagzeug spielen m\u00f6chten. Das ist ganz generell und gesamtgesellschaftlich ein Punkt. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Worin liegt da Ihrer Meinung nach der Ursprung?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Wir haben noch ganz viele Stereotype in uns, veraltete Rollenklischees. Wir verbinden bestimmte Sachen mit m\u00e4nnlich und weiblich, wir gehen schon mit kleinen Kindern, wenn sie m\u00e4nnlich sind, anders um, als mit weiblichen und daraus ergibt sich alles. Die Wahl des Berufs, des Instruments, des Sports, der Klamotten, die f\u00e4llt dann auf eine bestimmte Art und Weise aus, weil wir die jungen Leute so pr\u00e4gen, dass wir sie quasi beschneiden in ihren Ausdrucksm\u00f6glichkeiten, weil wir sagen, das ist das, was f\u00fcr dich vorbestimmt ist. Und da w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, dass wir alle miteinander daran arbeiten, weil ich glaube, dass wir alle dadurch freier werden \u2013 M\u00e4nner, Frauen und alle dazwischen und au\u00dferhalb.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wer hat sie inspiriert?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich hatte das Gl\u00fcck, tolle Lehrer zu haben. Ich gendere nicht, weil das waren alles M\u00e4nner. Der mit der Lederhose, von dem ich vorhin gesprochen habe zum Beispiel. Aber das war nie ein Thema, er hat mich nie anders behandelt als die m\u00e4nnlichen Sch\u00fcler. Und ich bin auch nie auf die Idee gekommen, als ich jung war, dass ich etwas mache, was vielleicht ungew\u00f6hnlich ist. Und je weiter ich kam, habe ich ein paar Leute kennengelernt, zum Beispiel gro\u00dfartige Musiker*innen wie Julia H\u00fclsmann. Sie war eine Art Mentorin f\u00fcr mich. Es gab ein paar weibliche Vorbilder, aber eben auch nicht viele. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Sie sprechen da von strukturellen Problemen, die es auch in anderen Genres gibt\u2013 welche Strukturen m\u00fcssen da aufgebrochen werden?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das sind viele Punkte und f\u00e4ngt damit an, erst einmal anzuerkennen, dass wir noch l\u00e4ngst nicht an einem Punkt der Gleichstellung oder Gleichberechtigung angekommen sind. Daran scheitert schon vieles. Frauen haben eine andere Lebensrealit\u00e4t als M\u00e4nner und Frauen in der Musik haben andere Startbedingungen und begegnen anderen Widrigkeiten als M\u00e4nner das tun.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Welche sind das?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das hat sich in den letzten Jahrzehnten ver\u00e4ndert. Ich glaube, diese direkt \u201ein your face\u201c bl\u00f6den Spr\u00fcche gibt es immer noch, aber das ist weniger geworden, daf\u00fcr subtiler. Vor allem w\u00fctend machen mich die Spr\u00fcche und Narrative nach dem Motto \u201eals Mann habe man ja heutzutage gar keine Chance mehr, eine Stelle zu bekommen\u201c oder eine bestimmte Person habe die Stelle nur bekommen, weil sie eine Frau ist. Da muss man aus meiner Sicht ganz vorsichtig sein, denn damit bedient man sich einer Form der Realit\u00e4tsverzerrung, wie man das von populistischen Str\u00f6mungen wie der AfD kennt. Fakt ist: von allen Hauptfach-Instrumental-Professuren im Bereich Jazz an deutschen Hochschulen sind 96 Prozent m\u00e4nnlich besetzt, nur 4 Prozent weiblich. Wenn man den Gesang noch dazu nimmt, bleiben wir immer noch im einstelligen Bereich bei etwa 9,8 Prozent Frauenanteil. Das ist erschreckend und damit sind wir weit davon entfernt, was solche Spr\u00fcche andeuten m\u00f6chten.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Und wie sieht es in Ihren Klassen an der Musikhochschule in Leipzig aus?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Was die Genderverteilung angeht, ergibt sich das Bild, dass ich seit acht Jahren Professorin bin und noch nie eine Studentin im Hauptfach Schlagzeug hatte. Und es ergibt sich auch das Bild \u2013 ohne aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen zu plaudern \u2013 dass Musikhochschulen, was das ganze Thema der Gleichstellung und Gleichberechtigung, Awareness, aber auch Machtmissbrauch angeht, erschreckend viel zu tun haben. Und es hilft nicht, dass dann eine Person wie ich reingebracht wird, dass ich versuche gegen die alten, lang gepflegten Strukturen und Traditionen zu k\u00e4mpfen \u2013 das ist wirklich nicht so einfach.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wir m\u00fcssen also viel fr\u00fcher ein Bewusstsein daf\u00fcr zu entwickeln, welche Rollenbilder wir pr\u00e4gen?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ja, absolut. Und da hat man gerade eher das Gef\u00fchl, dass wieder so ein R\u00fcckschritt in vielen gesellschaftlichen Themen stattfindet. Irgendjemand hat mal einen Artikel \u00fcber die \u201eRosa- und Blauisierung\u201c geschrieben, dass wir da wirklich schon mal weiter waren. Es geht alles wieder in die bin\u00e4re Richtung. Aber das sieht man auf der ganzen Welt, mit den konservativen, patriarchalen bis rechtsradikalen Strukturen, die sich da wieder hin w\u00fcnschen, in diese sch\u00f6ne Einfachheit von Rosa und Blau.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Was raten Sie jungen Frauen, die gerne Berufsmusikerin werden m\u00f6chten?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Bildet Banden, tauscht euch aus, lasst euch nicht unterkriegen und bezieht nicht alles auf euch \u2013 es ist nicht euer pers\u00f6nliches Problem, sondern es ist ein strukturelles Problem. K\u00e4mpft mit, wenn ihr Kraft habt, wenn ihr keine mehr habt, ist das auch okay, dann darf man sich auch mal zur\u00fcckziehen und anderen den Kampf \u00fcberlassen. Und vor allem: Glaubt an euch und eure musikalischen und k\u00fcnstlerischen Visionen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Eva Klesse (39) wurde in Werl (NRW) geboren. Sie studierte Schlagzeug an den Musikhochschulen Leipzig, Weimar und Paris und schloss mit einem zweifachen Diplom ab. Klesse ist in zahlreichen musikalischen Projekten beteiligt, unter anderem in ihrem eigenen Eva Klesse Quartett. Seit 2018 lehrt sie als Professorin f\u00fcr Jazzschlagzeug an der Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Stand: 05.01.2026, 10:23 Uhr Von: Kirsten Ammerm\u00fcller DruckenTeilen Jazz-Schlagzeugerin Eva Klesse \u00fcber Gendergerechtigkeit im Jazz. \u00a9\u00a0Sally&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":694825,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1836],"tags":[3364,29,30,46,1411],"class_list":{"0":"post-694824","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hannover","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-hannover","12":"tag-niedersachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115842137776792928","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/694824","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=694824"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/694824\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/694825"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=694824"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=694824"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=694824"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}