{"id":69521,"date":"2025-04-29T02:37:09","date_gmt":"2025-04-29T02:37:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/69521\/"},"modified":"2025-04-29T02:37:09","modified_gmt":"2025-04-29T02:37:09","slug":"berlin-was-bringt-der-soft-start-fuer-die-e-patientenakte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/69521\/","title":{"rendered":"Berlin | Was bringt der \u00abSoft-Start\u00bb f\u00fcr die E-Patientenakte?"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Berlin (dpa) &#8211; Untersuchungsbefunde, Medikamente, R\u00f6ntgenbilder: F\u00fcr wichtige Gesundheitsdaten gibt es inzwischen elektronische Patientenakten (ePA), die Anfang des Jahres in den Masseneinsatz gingen. Der neue digitale Speicher kann Patientinnen und Patienten ein Leben lang bei allen \u00c4rztinnen und \u00c4rzten begleiten. Doch die meisten haben davon wohl noch gar nicht viel bemerkt. Das soll sich jetzt \u00e4ndern. Am Dienstag soll ein \u00abHochlauf\u00bb beginnen, damit die E-Akte nach und nach \u00fcberall in Deutschland zum Standard wird.<\/p>\n<p>Was genau passiert jetzt?<\/p>\n<p>Seit 15. Januar haben 70 Millionen der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten eine ePA von ihrer Krankenkasse angelegt bekommen, was man f\u00fcr sich auch ablehnen kann. Der konkrete Einsatz in Gesundheitseinrichtungen, die Daten in die E-Akte geben und die Technik im Alltag nutzen, wurde aber vorerst nur in drei Regionen getestet. In Hamburg und Umland, Franken und Teilen Nordrhein-Westfalens beteiligten sich rund 300 Praxen, Apotheken und Kliniken. Nach dem Abschluss der Probephase soll jetzt die bundesweite Ausdehnung folgen.<\/p>\n<p>Wie l\u00e4uft die Ausweitung?\u00a0<\/p>\n<p>Der \u00dcbergang auf die gesamte Republik kommt nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise. Die Kassen\u00e4rztliche Bundesvereinigung (KBV) spricht von einem \u00abSoft-Start\u00bb: Einige Praxen k\u00f6nnten die ePA sofort benutzen, andere m\u00fcssten noch ein Modul installieren. Gebraucht werden auch Software-Updates. Dieser Prozess d\u00fcrfte mehrere Wochen dauern, wie die mehrheitlich bundeseigene Digitalagentur Gematik erl\u00e4utert. Benutzen k\u00f6nnen die Einrichtungen die ePA vorerst auf freiwilliger Basis. Eine gesetzliche Pflicht greift dann ab 1. Oktober.\u00a0<\/p>\n<p>Warum kommen \u00fcberhaupt E-Akten?<\/p>\n<p>F\u00fcr den scheidenden Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der die Gro\u00dfoperation noch umsetzte, bringt die ePA eine \u00abZeitenwende\u00bb in der Digitalisierung. \u00abPatienten bekommen endlich einen \u00dcberblick \u00fcber ihre Daten und Befunde. \u00c4rztinnen und \u00c4rzte k\u00f6nnen bessere Entscheidungen treffen.\u00bb Ziel ist, verstreute oder fehlende Daten zusammenzuf\u00fchren und damit bessere Behandlungen zu erm\u00f6glichen. Die ePA soll auch Mehrfachuntersuchungen und Medikamenten-Wechselwirkungen vermeiden. Lauterbach geht nach eigenen Worten davon aus, dass sich eine breite Nutzung sehr schnell entwickeln wird.\u00a0<\/p>\n<p>Was kann man mit der ePA machen?<\/p>\n<p>Patientinnen und Patienten k\u00f6nnen in ihre ePA schauen, m\u00fcssen es aber nicht. Einsehen kann man sie \u00fcber eine App der Kasse etwa auf dem Smartphone. Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, r\u00e4t Versicherten, die ePA auch aktiv zu nutzen. \u00abSo k\u00f6nnen sie sehen, welche Daten in ihrer Akte hinterlegt sind und sind viel besser \u00fcber die eigene Gesundheit informiert.\u00bb Was \u00c4rzte einstellen und wer worauf zugreifen darf, kann jeweils festgelegt werden. Bei einem Kassenwechsel kann man seine gespeicherten Daten auch mitnehmen.\u00a0<\/p>\n<p>Wie funktioniert es mit der ePA in den Praxen?<\/p>\n<p>Wenn man die Versichertenkarte am Praxistresen einsteckt, bekommen \u00c4rzte ein Zugriffsrecht zum Lesen und F\u00fcllen der ePA f\u00fcr standardm\u00e4\u00dfig 90 Tage. Die Spanne kann man per App verk\u00fcrzen und verl\u00e4ngern. Patienten k\u00f6nnen in der Sprechstunde bestimmen, wenn ein Befund nicht in die Akte soll. Bei sensiblen Daten m\u00fcssen sie ausdr\u00fccklich auf das Recht dazu hingewiesen werden. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz beklagte eine fehlende M\u00f6glichkeit, einzelne Dokumente nur bestimmten \u00c4rzten zu zeigen. So k\u00f6nne ein Orthop\u00e4de sehen, wenn ein Patient in psychotherapeutischer Behandlung ist. Stattdessen bleibe nur die M\u00f6glichkeit, ihm den kompletten Zugriff auf die ePA zu verweigern.<\/p>\n<p>Was kommt in die E-Akte hinein?<\/p>\n<p>Von Anfang an soll eine Liste der Medikamente enthalten sein, die automatisch aus den inzwischen \u00fcblichen E-Rezepten erstellt wird. Schrittweise sollen weitere Inhalte dazukommen &#8211; als n\u00e4chstes ein Medikationsplan mit Angaben etwa zu Arznei-Dosierungen. Generell sollen \u00c4rztinnen und \u00c4rzte wichtige Behandlungsdaten in die E-Akte einstellen. Die KBV weist zugleich darauf hin, dass die ePA als \u00abversichertengef\u00fchrte\u00bb Akte die Dokumentation jeweils in den eigenen Praxissystemen nicht ersetzt. Auch eine direkte Kommunikation zwischen Praxen bleibe wichtig, zumal Versicherte Daten l\u00f6schen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was ist mit dem Schutz der Daten?<\/p>\n<p>Lauterbach unterstreicht: \u00abSicherheit geht immer vor.\u00bb W\u00e4hrend der Testphase wurden daf\u00fcr noch zus\u00e4tzliche Vorkehrungen umgesetzt. So sei es gelungen, Sicherheitsprobleme f\u00fcr einen Massenzugriff auf ePAs zu l\u00f6sen, die der Chaos Computer Club herausgearbeitet hatte. Gespeichert werden die Daten laut Ministerium auf Servern im Inland innerhalb der gesch\u00fctzten Datenautobahn des Gesundheitswesens. Jeder Zugriff auf die ePA wird mit Datum und Uhrzeit protokolliert. Hochzuladen sind nur Dateiformate, die keine Viren \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Was gilt beim Anmelden in der App und f\u00fcr Kinder?<\/p>\n<p>F\u00fcr Versicherte gibt es bei der ersten Anmeldung in der ePA-App ebenfalls Sicherheitsanforderungen. Gebraucht wird ein elektronischer Personalausweis mit Geheimnummer (Pin) &#8211; oder die E-Gesundheitskarte mit Pin, die man auf Antrag von der Kasse bekommt. Wer die App nicht selbst bedienen will, kann etwa Angeh\u00f6rige damit betrauen. Auch Kinder bekommen eine ePA, wenn die Eltern nicht widersprechen, ab 15 k\u00f6nnen sie selbst entscheiden. Zum Schutz von Kindern k\u00f6nnen bestimmte sensible Angaben nicht eingetragen werden.<\/p>\n<p>Kommt jetzt ein Durchbruch?<\/p>\n<p>Aktuell gibt es laut Gematik bis zu 60.000 Zugriffe auf ePAs pro Tag. K\u00fcnftig sollen es mit der bundesweiten Ausdehnung viel mehr werden. Dabei waren E-Akten als Angebot, um das man sich aktiv k\u00fcmmern muss, nach jahrelangen Verz\u00f6gerungen schon 2021 eingef\u00fchrt worden. Sie wurden aber kaum genutzt. Ein Gesetz der Ampel-Koalition kehrte das Prinzip um: Nun bekommen alle eine ePA, au\u00dfer man widerspricht aktiv. Die Widerspruchsquote lag im Schnitt bei f\u00fcnf Prozent. Auch private Krankenversicherungen k\u00f6nnen ePAs anbieten.<\/p>\n<p>Was ist bei Daten f\u00fcr die Forschung geplant?<\/p>\n<p>Vorgesehen ist in einer n\u00e4chsten Ausbaustufe, dass Daten aus der ePA zu Forschungszwecken an eine zentrale Stelle weitergeleitet werden. Sie werden daf\u00fcr pseudonymisiert verwendet, wie das Ministerium erl\u00e4utert &#8211; also ohne direkt personenbeziehbare Angaben wie Name und Adresse. Versicherte k\u00f6nnen auch dieser Datennutzung in der App oder bei einer Ombudsstelle der Krankenkasse widersprechen. Lauterbach sieht enorme Chancen f\u00fcr die Forschung mit gro\u00dfen Datenbest\u00e4nden und k\u00fcnstlicher Intelligenz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Untersuchungsbefunde, Medikamente, R\u00f6ntgenbilder: F\u00fcr wichtige Gesundheitsdaten gibt es inzwischen elektronische Patientenakten (ePA), die Anfang des&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":69522,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[772,296,29,30,141,692,198,1209,625],"class_list":{"0":"post-69521","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-bayern","9":"tag-berlin","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-gesundheit","13":"tag-hamburg","14":"tag-internet","15":"tag-nordrhein-westfalen","16":"tag-verbraucher"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114418931718227514","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69521","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69521"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69521\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/69522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69521"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69521"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69521"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}