{"id":695697,"date":"2026-01-05T19:02:17","date_gmt":"2026-01-05T19:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/695697\/"},"modified":"2026-01-05T19:02:17","modified_gmt":"2026-01-05T19:02:17","slug":"er-brannte-fuer-die-musik-cellist-harer-zum-tod-von-lajos-rovatkay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/695697\/","title":{"rendered":"&#8222;Er brannte f\u00fcr die Musik&#8220;: Cellist Harer zum Tod von Lajos Rov\u00e1tkay"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/rovatkay-102.webp.webp\" alt=\"Lajos Rovatkay\" title=\"Lajos Rovatkay | Creative Commons \/ Bernd Schwabe\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Interview mit Christoph Harer zum Tod von Lajos Rov\u00e1tkay (6 Min)<\/p>\n<p>\n                Stand: 05.01.2026 17:22 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Als Pionier der historischen Auff\u00fchrungspraxis hat Lajos Rov\u00e1tkay das musikalische Leben der Stadt Hannover besonders mitgepr\u00e4gt. Am Freitag ist der geb\u00fcrtige Ungar im Alter von 92 Jahren in Hannover gestorben.<\/p>\n<p class=\"\">Lajos Rov\u00e1tkay wurde 1933 in Budapest geboren und erhielt dort bereits mit sechs Jahren Klavierunterrricht. In den 1950er-Jahren studierte er dort Orgel am Konservatorium. 1956 floh er \u00fcber \u00d6sterreich in den Westen. In Hannover wurde er 1962 Hochschullehrer. Der Cembalist und Dirigent war in der nieders\u00e4chsischen Landeshauptstadt unter anderem als Gr\u00fcnder des &#8222;<a href=\"http:\/\/forum-agostino-steffani.de\" title=\"Forum Agostino Steffani\" class=\"js-link-dialog\" data-type=\"external\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forum Agostino Steffani<\/a>&#8220; bekannt. Das Kulturprojekt findet seit 2014 jedes Jahr im September statt &#8211; mit dem Ziel, Musik und Geschichte zu vermitteln unter anderem mit Konzerten multimedialen Veranstaltungen und in Workshops.<\/p>\n<p class=\"\">Der Cellist Christoph Harer arbeitete im &#8222;Forum Agostino Steffani&#8220; mit Lajos Rov\u00e1tkay zusammen. Der Oldenburger hat unter anderem in Hannover Musikwissenschaften und Violoncello und in Bremen Barockcello studiert. Er ist als Cellist und im Management des Barockorchesters &#8222;La festa musicale&#8220; t\u00e4tig und konzertiert mit verschiedenen Barockorchestern in renommierten Konzerth\u00e4usern in Europa und Fernost.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Herr Harer, wie haben Sie die Nachricht vom Tod von Lajos Rov\u00e1tkay aufgenommen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Christoph Harer:<\/strong> Wir sind sehr traurig \u00fcber den Tod von Lajos Rov\u00e1tkay, aber vor allem sehr, sehr dankbar f\u00fcr alles, was wir von ihm gelernt haben und mit ihm musikalisch erleben durften.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Es war eine lange Zeit der Zusammenarbeit. Wie haben Sie Lajos Rov\u00e1tkay in den letzten Jahren erlebt ?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Harer: <\/strong>Ich habe ihn vor gut 25 Jahren selbst kennengelernt, damals als junger Student. Intensiv wurde die Zusammenarbeit aber vor allen Dingen in den letzten zehn Jahren mit unserem Ensemble &#8211; in einer Zeit, wo Lajos Rov\u00e1tkay selbst schon lange im Ruhestand war. Aber wenn es jemanden gegeben hat, f\u00fcr den das Wort Ruhestand so \u00fcberhaupt nicht gepasst hat, dann war es Lajos Rov\u00e1tkay. Der war derart in Unruhe, was Musik anging bis zuallerletzt. Ich kenne niemanden anderen, auf den das so zutrifft.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Er selbst ist 1956 aus Ungarn gefl\u00fcchtet und dann nach Hannover gekommen. Wie haben Sie Lajos Rov\u00e1tkay als Menschen wahrgenommen? Gibt es eine Anekdote, an die Sie sich besonders erinnern?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Harer: <\/strong>Rov\u00e1tkay war ein unfassbar packender Charakter. Jemand, dem man sich eigentlich wirklich nicht entziehen konnte. Meine Besuche bei ihm oder unsere Begegnungen waren auf eine bestimmte Weise immer anstrengend und fordernd, aber im allerbesten Sinne. Denn mit Beschwichtigungen zu musikalischen Fragen oder mit Banalit\u00e4ten hat er sich nie zufrieden geben wollen. So waren wir selbst immer herausgefordert, an die Substanz der Musik und der Themen, \u00fcber die wir gesprochen haben, zu gehen.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Er selbst hat einmal gesagt: &#8222;Der Glaube, dass man etwas historisch getreu macht, war mal ein wichtiges Vehikel, aber das ist eine dumme Sache.&#8220; Was hat er damit gemeint?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Harer: <\/strong>Ich denke, er hat damit gemeint, dass man nat\u00fcrlich die historischen Gegebenheiten niemals so nachstellen und nachahmen kann, dass sie f\u00fcr heutige Ohren gewinnbringend erklingen k\u00f6nnen. Deswegen war ihm immer gelegen, den Gehalt der Musik zu erkennen und h\u00f6rbar zu machen.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Gro\u00dfe Verdienste hat sich Rov\u00e1tkay erworben bei der Wiederentdeckung des Komponisten Agostino Steffani. Au\u00dferdem haben Sie mit Rov\u00e1tkay f\u00fcnf Alben mit Musik von Gregor Josef Werner aufgenommen: Ein Komponist, den die wenigsten kennen d\u00fcrften. Er war der heute kaum noch bekannte Vorg\u00e4nger von Joseph Haydn am Hof Esterh\u00e1zy. War Rov\u00e1tkay f\u00fcr Sie auch ein Pionier f\u00fcr solche besonderen Rarit\u00e4ten?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Harer: <\/strong>Unbedingt. Rov\u00e1tkay hatte einen unfassbar guten \u00dcberblick \u00fcber Quellen in bestimmten Zusammenh\u00e4ngen. Er kannte sich unglaublich gut aus im Repertoire des hannoverschen Hofes. Dort hat er, glaube ich, wirklich jede Quelle in der Hand gehabt, die aus musikalischer Sicht in irgendeiner Form relevant war. Genauso war es f\u00fcr die venezianische Schule, die am Wiener Hof im achtzehnten Jahrhundert gewirkt hat. Dort hat er sich unglaublich gut ausgekannt und konnte auch treffsicher unterscheiden zwischen Musik, die zurecht vergessen ist und Sch\u00e4tzen, die unbedingt gehoben werden mussten. Er hat sich absolut nicht mit banaler Musik abgeben wollen und war immer auf der Suche nach emotional tiefer Musik.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Was Sie beschreiben, das klingt danach, als ob Lajos Rov\u00e1tkay nicht nur musikalisch, sondern eben auch menschlich eine gro\u00dfe Bereicherung gewesen ist f\u00fcr seine Musikerinnen und Musiker. Sie sind ja mit Ihrem Ensemble &#8222;La festa musicale&#8220; in Hannover beheimatet, genau wie Rov\u00e1tkay es war. Was bleibt aus Ihrer Sicht von dieser Pers\u00f6nlichkeit? Welchen k\u00fcnstlerischen Fu\u00dfabdruck hinterl\u00e4sst er?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Harer: <\/strong>Einen sehr, sehr gro\u00dfen. Man kann sagen, er hat sich in viele musikalische Herzen eingebrannt. Das ist das, was ihn ausgemacht hat: dieses Brennen f\u00fcr Musik! Ich kenne keinen Musiker, der ein derart starkes Feuer in sich gehabt hat, f\u00fcr die Musik, die er liebte. Ich glaube, damit hat er Generationen von Musiker:innen in Hannover und weit dar\u00fcber hinaus gepr\u00e4gt: mit diesem Feuer, mit dieser unvergleichlichen Begeisterung f\u00fcr Musik.<\/p>\n<p class=\"\">Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/philipp-cavert,cavert104.html\" title=\"Philipp Cavert\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Philipp Cavert<\/a>.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/lafestamusicale108.webp.webp\" alt=\"Ein Orchester steht vor der Kulisse barocker R\u00e4umlichkeiten, alle Mitglieder schauen nach drau\u00dfen. In der Mitte h\u00e4ngt ein gro\u00dfer, goldener Kronleuchter.\" title=\"Ein Orchester steht vor der Kulisse barocker R\u00e4umlichkeiten, alle Mitglieder schauen nach drau\u00dfen. In der Mitte h\u00e4ngt ein gro\u00dfer, goldener Kronleuchter. | NDR, J\u00e9rome Gerull\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>La festa musicale spielt unter dem Motto &#8222;Eine gro\u00dfe Nachtmusik&#8220; Werke von Vivaldi, Mozart und anderen.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/steffaniefestwoche102.webp.webp\" alt=\"Musiker auf einer B\u00fchne vor Publikum\" title=\"Musiker auf einer B\u00fchne vor Publikum | Helge Kr\u00fcckeberg, Helge Kr\u00fcckeberg\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Das Auftaktkonzert der vierteiligen Barockmusik-Konzertreihe fand in der Galerie Herrenhausen in Hannover statt.<\/p>\n<p>        Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/musik\/klassik\/klassik,klassik107.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Klassik<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Interview mit Christoph Harer zum Tod von Lajos Rov\u00e1tkay (6 Min) Stand: 05.01.2026 17:22 Uhr Als Pionier&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":695698,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1836],"tags":[33262,160764,160767,3364,29,160765,30,46,91,160766,160763,810,1411,3259],"class_list":{"0":"post-695697","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hannover","8":"tag-barockmusik","9":"tag-capella-agostino-steffani","10":"tag-christoph-harer","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-forum-agistino-steffani","14":"tag-germany","15":"tag-hannover","16":"tag-klassik","17":"tag-la-festa-musicale","18":"tag-lajos-rovatkay","19":"tag-musik","20":"tag-niedersachsen","21":"tag-tod"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115844045023817044","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/695697","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=695697"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/695697\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/695698"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=695697"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=695697"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=695697"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}