{"id":697763,"date":"2026-01-06T14:41:15","date_gmt":"2026-01-06T14:41:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/697763\/"},"modified":"2026-01-06T14:41:15","modified_gmt":"2026-01-06T14:41:15","slug":"was-trump-mit-venezuelas-oel-vorhat-us-oelfirmen-als-profiteure","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/697763\/","title":{"rendered":"Was Trump mit Venezuelas \u00d6l vorhat &#8211; US-\u00d6lfirmen als Profiteure?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/donald-trump-706.jpg\" alt=\"Donald Trump\" title=\"Donald Trump | AFP\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>analyse<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 06.01.2026 13:12 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Die USA verfolgen in Venezuela klare wirtschaftliche Interessen. Trump spricht von &#8222;gestohlenem \u00d6l&#8220;, das sich US-Firmen jetzt zur\u00fcckholen sollen. Doch diese z\u00f6gern noch &#8211; aus gutem Grund. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/angela-goepfert-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Angela G\u00f6pfert\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/1766158414_411_goepfert-102.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es geht ums \u00d6l &#8211; das ist sp\u00e4testens seit der Pressekonferenz von Donald Trump nach dem US-Angriff auf Venezuela klar. Den &#8222;Krieg gegen Drogen&#8220;, der monatelang seine Hauptbegr\u00fcndung f\u00fcr die Milit\u00e4roffensive gewesen war, erw\u00e4hnte der US-Pr\u00e4sident kaum.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Stattdessen sprach er mehr als ein Dutzend Mal \u00fcber \u00d6l &#8211; auch wenn er danach gar nicht gefragt worden war. So sollen Venezuelas \u00d6lreserven etwa das US-Milit\u00e4r finanzieren, falls die Vereinigten Staaten in das Land einmarschieren. Es w\u00fcrde die USA &#8222;keinen Penny&#8220; kosten, Venezuela zu besetzen, freute sich Trump. &#8222;Das Geld kommt aus dem Boden.&#8220;<\/p>\n<p>    Gro\u00dfe \u00d6lreserven, geringe \u00d6lproduktion<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tats\u00e4chlich verf\u00fcgt Venezuela \u00fcber die gr\u00f6\u00dften \u00d6lreserven der Welt: rund 303 Milliarden Barrel &#8211; das sind etwa 17 Prozent der globalen Reserven. Diese \u00d6lreserven konzentrieren sich haupts\u00e4chlich im Orinoco-G\u00fcrtel, einer riesigen Region im Osten des Landes, die sich \u00fcber rund 55.000 Quadratkilometer erstreckt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Genutzt wird dieses Potenzial allerdings kaum. Die Hintergr\u00fcnde sind Missmanagement, mangelnde Investitionen und Sanktionen. Im vergangenen Jahr f\u00f6rderte Venezuela nur rund 1,1 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht gerade einmal einem Prozent der weltweiten \u00d6lproduktion &#8211; und ist weniger als ein Drittel der F\u00f6rdermenge in den 1970er-Jahren.<\/p>\n<p>    Enteignung der US-\u00d6lindustrie unter Ch\u00e1vez<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das soll sich nach dem Willen von Donald Trump nun \u00e4ndern. Der Pr\u00e4sident will die US-\u00d6lindustrie zur\u00fcck nach Venezuela holen, um die dortigen \u00d6lsch\u00e4tze zu bergen. US-Unternehmen bohren in dem s\u00fcdamerikanischen Land bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach \u00d6l.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch 2007 wurden sie unter Venezuelas damaligem Pr\u00e4sidenten Hugo Ch\u00e1vez faktisch enteignet. Nur das Unternehmen Chevron blieb im Land und ist dort weiterhin mit einer Sonderlizenz aktiv.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dagegen gaben ConocoPhillips sowie Exxon und Mobil &#8211; die sp\u00e4ter zu ExxonMobil fusionierten &#8211; ihr Venezuela-Gesch\u00e4ft komplett auf und strengten Entsch\u00e4digungsprozesse vor internationalen Schiedsgerichten an. Am Ende wurde ihnen eine Summe von insgesamt \u00fcber elf Milliarden Dollar zugesprochen &#8211; doch Venezuela zahlte so gut wie nichts.<\/p>\n<p>    Trump will &#8222;gestohlenes \u00d6l&#8220; zur\u00fcckholen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Trump spricht von &#8222;einem der gr\u00f6\u00dften Diebst\u00e4hle amerikanischen Eigentums in der Geschichte unseres Landes&#8220;. Dieses &#8211; so Trump &#8211; &#8222;gestohlene \u00d6l&#8220; solle nun zur\u00fcckgeholt werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Experten betonen jedoch, es g\u00e4be keinen Rechtsanspruch auf die nat\u00fcrlichen Reserven. US-Firmen verf\u00fcgten lediglich \u00fcber Explorationskonzessionen, die ihnen zeitlich befristete Nutzungsrechte, aber kein dauerhaftes Eigentum einr\u00e4umen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach dem 1962 von den Vereinten Nationen verankerten Prinzip der dauerhaften Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber nat\u00fcrliche Ressourcen haben souver\u00e4ne Staaten das inh\u00e4rente Recht, die Ressourcen in ihrem Hoheitsgebiet zu kontrollieren und dar\u00fcber zu verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>    Chevron in guter Ausgangsposition<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei w\u00fcrde Chevron von einer \u00d6ffnung Venezuelas f\u00fcr US-\u00d6lkonzerne wohl am st\u00e4rksten profitieren. Denn selbst w\u00e4hrend der US-Sanktionen stellte die Firma ihre Aktivit\u00e4ten in dem Land nie vollst\u00e4ndig ein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aktuell hat Chevron rund 3.000 Mitarbeiter in Venezuela und kontrolliert \u00fcber 25 Prozent der \u00d6lf\u00f6rderungen. Die venezolanische Erd\u00f6lgesellschaft PDVSA kontrolliert etwa 50 Prozent, weitere zehn Prozent befinden sich in Joint Ventures unter chinesischer F\u00fchrung, rund zehn Prozent unter russischer und f\u00fcnf Prozent unter europ\u00e4ischer F\u00fchrung.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/pdvsa-102.jpg\" alt=\"Zentrale der Petroleos de Venezuela S.A.in Caracas, Venezuela.\" title=\"Zentrale der Petroleos de Venezuela S.A.in Caracas, Venezuela. | picture alliance \/ ZUMAPRESS.com\"\/><\/p>\n<p><strong>Wer ist die PdVSA?<\/strong><\/p>\n<p>        Petr\u00f3leos de Venezuela, S.A. (PdVSA) ist die staatliche \u00d6l- und Gasgesellschaft Venezuelas, die 1976 im Zuge der Verstaatlichung der \u00d6lindustrie gegr\u00fcndet wurde. Sie ist f\u00fcr die Exploration, Produktion, Raffination sowie den Export von Erd\u00f6l und Erdgas verantwortlich. Sie kontrolliert gro\u00dfe Teile der weltweit gr\u00f6\u00dften bekannten \u00d6lreserven und ist traditionell die wichtigste Einnahmequelle des venezolanischen Staates. <\/p>\n<p>    B\u00f6rsenreaktionen US-\u00d6l-Aktien<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die verbesserten Aussichten f\u00fcr US-\u00d6lkonzerne spiegeln sich an der B\u00f6rse eindr\u00fccklich wider: Zu Wochenbeginn schnellten die Aktien von Chevron um 5,1 Prozent nach oben, Papiere von ExxonMobil und ConocoPhillips zogen um \u00fcber zwei Prozent an.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch die Aktien der Zulieferer SLB und Halliburton, deren Technologie f\u00fcr den Wiederaufbau der F\u00f6rderung entscheidend w\u00e4re, legten zu. Schon im Vorfeld des Angriffs der USA auf Venezuela waren sie deutlich gestiegen.<\/p>\n<p>    Keine Preisrally am \u00d6lmarkt zu erwarten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch die \u00d6lpreise legten zu Wochenbeginn zu &#8211; Experten reagieren aber gelassen: &#8222;Wir glauben, dass diese Ereignisse nur minimale kurzfristige Versorgungsrisiken darstellen und daher kaum Chancen f\u00fcr einen bedeutenden Anstieg des \u00d6lpreises bieten&#8220;, sagt Analyst Norbert R\u00fccker von der Schweizer Bank Julius B\u00e4r.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mittelfristig bis langfristig k\u00f6nnten die \u00d6lpreise sogar fallen. &#8222;Eine mittelfristig zu erwartende h\u00f6here \u00d6lproduktion Venezuelas d\u00fcrfte eher d\u00e4mpfend auf den \u00d6lpreis wirken&#8220;, betont Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.<\/p>\n<p>    Negative Nebeneffekte f\u00fcr US-Frackingindustrie<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und das w\u00e4re wiederum so gar nicht im Interesse der US-\u00d6lindustrie: &#8222;Interessanterweise w\u00fcrde ein solches Angebotswachstum in einem Umfeld, in dem die \u00d6lnachfrage wahrscheinlich ihren H\u00f6hepunkt erreicht, in erster Linie Teile der US-Schiefer\u00f6lproduktion \u00fcberfl\u00fcssig machen&#8220;, erkl\u00e4rt Norbert R\u00fccker.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hinzu kommt: Beim venezolanischen \u00d6l handelt es sich um &#8222;schweres \u00d6l&#8220;. Es ist z\u00e4hfl\u00fcssig, m\u00fchsam zu verarbeiten &#8211; und auf dem Weltmarkt deutlich billiger als &#8222;leichtes \u00d6l&#8220; etwa aus dem Nahen Osten oder der Nordsee.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Vor diesem Hintergrund ist unklar, ob und in welchem Umfang US-Konzerne tats\u00e4chlich in Venezuela investieren werden. ExxonMobil und Chevron z\u00f6gern noch. Branchenvertreter hatten zuletzt immer wieder Bedenken dazu ge\u00e4u\u00dfert, die marode \u00d6linfrastruktur in einem Land wiederaufzubauen, in dem die zuk\u00fcnftige F\u00fchrung v\u00f6llig ungewiss ist.<\/p>\n<p>    Irak als mahnendes Beispiel<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zumal die Geschichte zeigt, dass ein solches Engagement nicht zwangsl\u00e4ufig den US-Firmen zugute k\u00e4me. &#8222;Die USA haben bei den Regimewechseln im Irak und in Libyen keinerlei Nutzen aus dem \u00d6l gezogen&#8220;, betont der Energieexperte Ed Hirs von der Universit\u00e4t von Houston. Ich f\u00fcrchte, die Geschichte wird sich in Venezuela wiederholen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ob sich Trumps Hoffnung erf\u00fcllt und eine R\u00fcckkehr nach Venezuela tats\u00e4chlich zum gro\u00dfen Gesch\u00e4ft f\u00fcr die US-\u00d6lindustrie wird, bleibt daher offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"analyse Stand: 06.01.2026 13:12 Uhr Die USA verfolgen in Venezuela klare wirtschaftliche Interessen. 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