{"id":698025,"date":"2026-01-06T17:01:12","date_gmt":"2026-01-06T17:01:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/698025\/"},"modified":"2026-01-06T17:01:12","modified_gmt":"2026-01-06T17:01:12","slug":"klimabericht-43-prozent-weniger-co%e2%82%82-doch-hamburgs-verkehr-bleibt-das-grosse-klimaproblem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/698025\/","title":{"rendered":"Klimabericht: 43 Prozent weniger CO\u2082 \u2013 doch Hamburgs Verkehr bleibt das gro\u00dfe Klimaproblem"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg erzielt beim Klimaschutz Fortschritte, doch ein Sektor droht die Gesamtbilanz zu bremsen: der Verkehr. Der Senat zeigt sich zuversichtlich, Opposition und Verb\u00e4nde sprechen dagegen von Sch\u00f6nrechnerei und warnen vor wachsenden Risiken.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Bis 2030 will Hamburg seine CO\u2082-Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um 70 Prozent senken. So steht es im Klimaplan der Stadt. B\u00fcrgermeister Peter Tschentscher (SPD) sieht Hamburg dabei weiterhin auf Kurs \u2013 auch wenn der Weg schwieriger wird. Bisher wurden rund 43 Prozent eingespart, erstmals liegt Hamburg damit auf Augenh\u00f6he mit Schleswig-Holstein und leicht vor dem Bund. Das geht aus dem neuen Zwischenbericht hervor, den der Senat am Dienstag vorgestellt hat. <\/p>\n<p>Bis Ende 2023 lag die Reduktion demnach bei 42,9 Prozent \u2013 ein Plus von 6,4 Prozentpunkten gegen\u00fcber dem Vorjahr. Tschentscher sprach von einem \u201ebemerkenswerten Ergebnis\u201c, verwies aber zugleich auf gro\u00dfe strukturelle Unterschiede zwischen den Sektoren. Vor allem die Dekarbonisierung der Fernw\u00e4rme, effizientere Geb\u00e4ude und ein saubererer Strommix h\u00e4tten den j\u00fcngsten Sprung erm\u00f6glicht. Auch die Industrie hat stark geliefert (minus 48,7 Prozent), ebenso Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (minus 45,7 Prozent).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Tschentscher und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Gr\u00fcne) die \u201esignifikanten Fortschritte\u201c betonten, r\u00fcckte ein Problemsektor in den Fokus: der Verkehr. Dort liegt Hamburg erst bei 37,8 Prozent Emissionsreduktion \u2013 zu wenig, um die 2030er Ziele zu erreichen. Tschentscher warnte vor \u201ePanikmache\u201c, mahnte aber zugleich \u201egr\u00f6\u00dfere Anstrengungen\u201c, insbesondere beim Umstieg auf Elektrofahrzeuge.<\/p>\n<p>In Hamburg sind aktuell rund 800.000 Pkw zugelassen, davon nur rund 70.000 bis 75.000 elektrisch. Fegebank sprach vom \u201egr\u00f6\u00dften Hebel\u201c, denn f\u00fcr die Klimaziele br\u00e4uchte es j\u00e4hrlich rund 30 Prozent mehr E\u2011Neuzulassungen. Ohne strengere Vorgaben aus Berlin und Br\u00fcssel sei das jedoch kaum erreichbar.<\/p>\n<p>Im Geb\u00e4udesektor und in der Industrie sieht der B\u00fcrgermeister bessere Perspektiven. Tschentscher verwies auf technologische Fortschritte, auf die st\u00e4dtischen Fernw\u00e4rmeprojekte und auf Industriebetriebe, die ihre Emissionen bereits deutlich gesenkt haben \u2013 teils aufgrund von Transformation, teils wegen geringerer Produktion. Wichtig sei jedoch, so der B\u00fcrgermeister, dass Hamburgs Industrie wettbewerbsf\u00e4hig bleibe: Emissionsverlagerungen ins Ausland w\u00fcrden dem Klima schaden, nicht nutzen.<\/p>\n<p>Ob Hamburg die selbst gesetzte Marke \u2013 minus 70 Prozent bis 2030 \u2013 erreicht, lie\u00df Tschentscher offen. Die Vorgabe sei \u201eambitioniert, aber erreichbar\u201c, wenn die bundespolitischen Rahmenbedingungen stimmten. Gro\u00dfe Spr\u00fcnge k\u00f6nnten nur noch \u00fcber Strukturprojekte kommen: die Abschaltung der Kohlekraftwerke, der Netzausbau, Fortschritte beim Wasserstoff.<\/p>\n<p>Im Sommer plant die Stadt erstmals eine sogenannte Sch\u00e4tzbilanz vorzulegen \u2013 ein zentrales Element des Klimaentscheids. Damit sollen Fortschritte schneller sichtbar werden als bisher. Die Initiatoren hatten die j\u00e4hrlichen Sch\u00e4tzungen gefordert, weil Hamburg seine Klimadaten bislang immer erst mit rund zwei Jahren Verz\u00f6gerung ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<p>Mit dem Zukunftsentscheid im Oktober 2025 stimmten die Hamburgerinnen und Hamburger daf\u00fcr, die Klimaneutralit\u00e4t um f\u00fcnf Jahre vorzuziehen \u2013 von 2045 auf 2040. Tschentscher sprach am Dienstag davon, dass der Entscheid die bisherigen Anstrengungen \u201eversch\u00e4rfe\u201c, aber nicht widerspreche: Klimapolitik m\u00fcsse weiterhin sozialvertr\u00e4glich bleiben und wirtschaftliche Belastungen abfedern. \u201eKlimaschutz, wirtschaftliche St\u00e4rke und soziale Sicherheit geh\u00f6ren zusammen\u201c, betonte er.<\/p>\n<p>Die neue Pflicht zur j\u00e4hrlichen Sch\u00e4tzbilanz erh\u00f6ht jedoch den politischen Druck. Schon jetzt erwartet der Senat, dass die Reduktion 2024 geringer ausfallen wird als 2023.<\/p>\n<p>Vor allem die CDU stellte sich am Dienstag frontal gegen die Selbsteinsch\u00e4tzung des Senats. Umweltpolitiker Sandro Kappe warf Tschentscher \u201eSch\u00f6nrechnerei\u201c vor und erkl\u00e4rte, weder das 2045\u2011Ziel noch das vorgezogene 2040\u2011Ziel seien mit den bisherigen Ma\u00dfnahmen erreichbar. Seit 2020 seien nur 6000 W\u00e4rmepumpen gef\u00f6rdert worden, tats\u00e4chlich br\u00e4uchte es mehr als 63.000 bis 2030. Beim Photovoltaik-Ausbau (PV-Ausbau) auf st\u00e4dtischen Geb\u00e4uden komme Hamburg kaum voran.<\/p>\n<p>Auch der Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz (BUND) zieht eine kritische Bilanz. Der Bericht zeige ein \u201edeutliches Vollzugsdefizit\u201c, so Landeschefin Sabine Sommer. Besonders im Verkehr reiche eine reine Antriebswende nicht aus; Hamburg brauche weniger Autoverkehr. Der PV\u2011Ausbau auf \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden verlaufe schleppend, die Sanierungsrate sei zu niedrig, Planungen zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS) seien riskant und verz\u00f6gerten echte Reduktionen.<\/p>\n<p>Die Linksfraktion kritisiert vor allem den Geb\u00e4udesektor. Stephan Jersch sieht \u201eviel ungenutztes Potenzial\u201c bei Sanierungen und PV. Verkehrspolitikerin Heike Sudmann nannte den Kurs des Senats ein \u201ePrinzip Hoffnung\u201c, das beim E\u2011Auto nicht funktioniere. Hamburg m\u00fcsse den Nahverkehr massiv st\u00e4rken und Busspuren und Stra\u00dfenbahn priorisieren.<\/p>\n<p>Deutlich positiver \u00e4u\u00dferte sich die Gr\u00fcne Fraktion. Rosa Domm sieht in den 43 Prozent Emissionsreduktion einen Erfolg \u201eambitionierter Klimapolitik\u201c. Bis 2030 m\u00fcssten die Emissionen jedoch \u201efast halbiert\u201c werden \u2013 das erfordere mehr erneuerbare W\u00e4rme und eine beschleunigte Mobilit\u00e4tswende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburg erzielt beim Klimaschutz Fortschritte, doch ein Sektor droht die Gesamtbilanz zu bremsen: der Verkehr. 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