{"id":69885,"date":"2025-04-29T06:05:12","date_gmt":"2025-04-29T06:05:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/69885\/"},"modified":"2025-04-29T06:05:12","modified_gmt":"2025-04-29T06:05:12","slug":"elektronische-patientenakte-lauterbachs-letzter-akt-als-minister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/69885\/","title":{"rendered":"Elektronische Patientenakte: Lauterbachs letzter Akt als Minister"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 29.04.2025 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Ab heute geht die elektronische Patientenakte bundesweit an den Start. Lauterbach hofft, dass Patientinnen und Patienten dadurch besser versorgt werden. Kritiker bem\u00e4ngeln Sicherheitsl\u00fccken.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/nadine-bader-103.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Nadine Bader\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/nadine-bader-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/birthe-soennichsen-102.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Birthe Soennichsen\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/birthe-soennichsen-104.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung f\u00fcr Hausarzt Nicolas Kahl ist, dass die elektronische Patientenakte (ePA) aus seiner Sicht schon so gut funktioniert. &#8222;Das geht ehrlicherweise stabil und ist bei uns auch recht einfach zu nutzen.&#8220; Der N\u00fcrnberger Hausarzt geh\u00f6rt zu den ersten Medizinern, die die ePA in der Praxis getestet haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMitte Januar ist der Startschuss in drei Modellregionen gefallen. In Franken, Hamburg und in Teilen von Nordrhein-Westfalen wird die ePA seitdem <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/epa-patientenakte-testphase-102.html\" title=\"Woran es bei der elektronischen Patientenakte noch hapert\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in rund 300 Arztpraxen, Apotheken und Krankenh\u00e4usern getestet<\/a>.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nTechnisch hat die Umstellung f\u00fcr Kahl und sein Praxisteam gut geklappt. Die Patienten sind hingegen eher schlecht auf den Start der ePA vorbereitet, meint der Hausarzt. Bisher h\u00e4tten nur die allerwenigsten den aufw\u00e4ndigen Registrierungsprozess durchlaufen, um in ihre digitale Akte zu schauen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKahl h\u00e4tte sich mehr Aufkl\u00e4rung durch die Krankenkassen gew\u00fcnscht, damit die Patienten besser \u00fcber ihre Rechte Bescheid wissen. Er kann als Arzt \u00fcber die elektronische Medikationsliste sehen, welche E-Rezept in den letzten hundert Tagen eingel\u00f6st wurden. &#8222;Ich kann aber auch sehen, wenn der Patienten die Rezepte gar nicht eingel\u00f6st hat. Das hei\u00dft, ein bisschen durchsichtiger wird das schon.&#8220; Diese Transparenz sei den Patienten bislang noch nicht klar.<\/p>\n<p>    Mehr Sicherheit f\u00fcr Patienten durch Patientenakte<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n\u00c4hnliche Erfahrungen hat auch die Rheumatologin Stefanie Tatsis im Marienkrankenhaus in Hamburg gemacht. Es funktioniere mittlerweile in der Regel gut, Arztbriefe in die ePA hochzuladen. Darin sind alle Laborwerte und R\u00f6ntgenbefunde enthalten. Die \u00c4rztin erhofft sich dadurch vor allem mehr Sicherheit f\u00fcr die Patientinnen und Patienten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSie muss stark wirksame Medikamente verschreiben. Sollte einer ihrer Patienten aufgrund eines Notfalls in ein Krankenhaus eingeliefert werden, h\u00e4tten die anderen \u00c4rzte sofort Zugriff auf ihren Arztbrief und damit wichtige Informationen, etwa welche Medikamente der Patient einnimmt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch Haus\u00e4rzte profitieren davon. Wie Bahman Afzali. Der Allgemeinmediziner ist ein Pionier bei der Digitalisierung, ber\u00e4t auch andere Praxen. In seiner Praxis in Bedburg in Nordrhein-Westfalen hat auch er die ePA getestet. Noch seien die Daten in der ePA zwar etwas durcheinander. Das m\u00fcsse noch besser werden. &#8222;Aber selbst das Chaos, was wir jetzt haben, ist immer noch besser als der Papierstapel, mit dem die Patienten im letzten Jahr noch zu mir gekommen sind&#8220;, sagt Afzali.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie beiden Haus\u00e4rzte und die Rheumatologin aus den drei Modellregionen sind sich einig: Die Testphase war aus ihrer Sicht weitgehend erfolgreich. Auch wenn es zu Beginn noch etwas geruckelt hat, zum Beispiel nicht alle ePAs gleich geladen werden konnten und sie die IT-Systeme in den Praxen und Kliniken anpassen mussten. Dass die Akte nun bundesweit an den Start gehen soll, finden sie prinzipiell gut.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd noch eine Erfahrung eint die beiden \u00c4rzte und die \u00c4rztin: Kaum einer ihrer Patienten hat sich den Zugang zur ePA bisher freigeschaltet. Dabei kann jeder selbst entscheiden und einstellen, welche Daten in der Akte landen und wie lange eine Praxis Zugriff darauf hat. Einzelne Diagnosen k\u00f6nnen zum Beispiel f\u00fcr alle \u00c4rzte gesperrt werden oder die Zugriffsdauer auf den Tag der Behandlung beschr\u00e4nkt werden. Daf\u00fcr m\u00fcssen die Versicherten aber die ePA-App ihrer Krankenkasse freischalten. Das geht zum Beispiel mit der elektronischen Gesundheitskarte und einem PIN.<\/p>\n<p>    Kritik an fehlender Auswahlm\u00f6glichkeit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nManuel Atug von der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen bem\u00e4ngelt, dass die Versicherten keine M\u00f6glichkeit haben, einzelne Dokumente nur bestimmten \u00c4rzten zur Verf\u00fcgung zu stellen. &#8222;Hei\u00dft, meine Zahn\u00e4rztin, meine Heilpraktikerin, jeder kann dann auf psychologische Informationen, auf irgendwelche R\u00f6ntgenbilder, auf irgendwelche Gutachten, auf Protokolle, auf die ganzen Abrechnungsdaten komplett zugreifen, obwohl der Bedarf nicht gegeben ist&#8220;, sagt Atug. Der scheidende Bundesgesundheitsminister verweist hingegen darauf, dass Patienten bestimmte Befunde, etwa bei psychiatrischen Erkrankungen, aber komplett l\u00f6schen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit Mitte Januar haben rund 70 Millionen gesetzliche Versicherte eine elektronische Patientenakte bekommen. Die Krankenkassen haben nach und nach digitale Akten aller Versicherten angelegt, die nicht aktiv widersprochen haben. Das haben etwa f\u00fcnf Prozent der Versicherten getan. Nutzen k\u00f6nnen die Akte aber bisher erst wenige Menschen. Das soll sich jetzt \u00e4ndern. Ab sofort kann die digitale Akte in ganz Deutschland bef\u00fcllt werden, verpflichtend soll es f\u00fcr Kliniken und Arztpraxen aber erst ab Oktober werden.<\/p>\n<p>    Chaos Computer Club legt Sicherheitsm\u00e4ngel offen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDass sich der Zeitplan f\u00fcr den Start der ePA noch mal verschoben hat, liegt auch an Sicherheitsm\u00e4ngeln, die der Chaos Computer Club (CCC) \u00f6ffentlich gemacht hatte. Die Experten des CCC hatten Ende vergangenen Jahres demonstriert, wie es zum Beispiel theoretisch m\u00f6glich w\u00e4re, auf s\u00e4mtliche elektronischen Patientenakten zuzugreifen. Daf\u00fcr hatten sie sich illegal Zugang zur Telematikinfrastruktur (TI) verschafft, \u00fcber die die ePA l\u00e4uft. Etwa indem sie ohne viel Aufwand an g\u00fcltige Praxisausweise und Gesundheitskarten Dritter gelangen konnten. Diese Sicherheitsl\u00fccken seien inzwischen behoben, sagt der gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Einem bundesweiten Start stehe also nichts mehr im Wege.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBianca Kastl, IT-Sicherheitsexpertin vom Chaos Computer Club, sieht das anders. Man habe zwar versucht, die gr\u00f6bsten Sicherheitsl\u00fccken zumindest zu erschweren. Der Abruf von 70 Millionen elektronischen Gesundheitsakten auf einen Schlag sei nun sicherlich sehr schwer. In der ePA gebe es aber noch sehr viele andere Probleme, die sie aufgezeigt h\u00e4tten. Die seien nicht alle erledigt.<\/p>\n<p>    Lauterbach: &#8222;Zeitenwende in der Digitalisierung&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Lauterbach ist es neben der Krankenhausreform das wichtigste Projekt. Er nennt es eine &#8222;Zeitenwende in der Digitalisierung&#8220;. \u00c4hnlich begeistert ist der Chef der Techniker Krankenkassen, Jens Baas. Er spricht von einem &#8222;Scheideweg&#8220;, ob die elektronische Patientenakte jetzt zum Erfolg wird oder nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBei Sicherheitsbedenken w\u00e4gt der TK-Chef ab: Zwar gebe es keine absolute Sicherheit, aber auch analoge Daten seien nicht sicher. In eine Praxis einzubrechen und dort Aktenordner zu klauen sei einfach. Eine elektronische Patientenakte zu hacken hingegen sehr viel schwerer. &#8222;Von daher w\u00fcrde ich sagen, das Sicherheitsniveau ist jetzt so, dass ich mich damit wohlf\u00fchlen w\u00fcrde, auch meine eigenen pers\u00f6nlichen Daten dort reinzugeben und dass man es unseren Versicherten empfehlen kann.&#8220;<\/p>\n<p>    &#8222;Es wird sicherlich ruckeln&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeit rund zwei Jahrzehnten wird in Deutschland an der Akte gearbeitet. Bisher war die ePA keine Erfolgsgeschichte. Ob sich das nun \u00e4ndern wird? &#8222;Die meisten \u00c4rzte haben 20 Jahre lang nur gesehen, dass nichts funktioniert&#8220;, sagt der digital-affine Hausarzt Afzali aus NRW. Das k\u00f6nnte sich nun \u00e4ndern. &#8222;Es \u00f6ffnet sich pl\u00f6tzlich so ein starker Digitalisierungswille. Das war nett zu beobachten in den letzten drei Monaten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWenn die Akte heute bundesweit an den Start geht, k\u00f6nnte der Frust in einigen Praxen und Kliniken zun\u00e4chst wieder gro\u00df sein. Es wird sicherlich ruckeln, wenn auf einmal nicht mehr nur 300 Tester, sondern Tausende auf das System zugreifen. Zwar konnten w\u00e4hrend der Modellphase einige Fehler behoben werden, aber ob die Akte funktioniert, h\u00e4ngt zus\u00e4tzlich auch an der IT der einzelnen Praxis oder des Krankenhauses. Ob die ePA wirklich zur Erfolgsgeschichte wird, ist l\u00e4ngst noch nicht ausgemacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 29.04.2025 06:00 Uhr Ab heute geht die elektronische Patientenakte bundesweit an den Start. 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