{"id":698854,"date":"2026-01-07T00:33:14","date_gmt":"2026-01-07T00:33:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/698854\/"},"modified":"2026-01-07T00:33:14","modified_gmt":"2026-01-07T00:33:14","slug":"europa-muss-adipositas-endlich-ernst-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/698854\/","title":{"rendered":"Europa muss Adipositas endlich ernst nehmen"},"content":{"rendered":"<p class=\"pf0\">Nein, Adipositas ist kein Lifestyle-Problem: Ein bisschen Sport und Ern\u00e4hrungsumstellung \u2013 das reicht in der Regel nicht aus. Eigentlich logisch, denn das Gehirn steuert die Nahrungsaufnahme \u2013 und nicht alles davon l\u00e4sst sich bewusst kontrollieren. \u201eDie Menschheit ist evolution\u00e4r darauf konditioniert, auf Reserve zu essen\u201c, <a href=\"https:\/\/pharma-fakten.de\/news\/adipositas-eine-verkannte-und-unterschaetzte-erkrankung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erkl\u00e4rte Professor Dr. Matthias Laudes vom Uniklinikum Schleswig-Holstein im Herbst 2025 auf dem Europ\u00e4ischen Gesundheitskongress M\u00fcnchen<\/a>. Ein Gehirn, das verz\u00f6gert auf S\u00e4ttigungssignale reagiert, konnte in gr\u00f6\u00dferen Hungerphasen, wie es sie in der Menschheitsgeschichte immer wieder gab, ein \u00dcberlebensvorteil sein. Bis heute ist das in unseren Genen verankert \u2013 bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Schon deshalb ist Adipositas eine komplexe Erkrankung. Neben genetischer Veranlagung k\u00f6nnen unter anderem biologische, sozio\u00f6konomische, psychologische und umgebungsbedingte Faktoren eine Rolle dabei spielen, ob, wann und wie diese Erkrankung entsteht.<\/p>\n<p class=\"pf0\">In der EU sind rund 15 Prozent der 18- bis 64-J\u00e4hrigen betroffen; unter den 65- bis 74-J\u00e4hrigen sind es sogar 20 Prozent \u2013 jede:r F\u00fcnfte. Bis 2030 k\u00f6nnten mehr als 30 Prozent aller Menschen in Europa mit Adipositas leben. \u201eDie direkten und indirekten Kosten f\u00fcr die Gesundheitssysteme werden dann auf bis zu 1,597 Milliarden Euro gesch\u00e4tzt \u2013 falls keine holistischen Gegenma\u00dfnahmen ergriffen werden\u201c, schreibt EFPIA in \u201e<a href=\"https:\/\/www.efpia.eu\/media\/lubdy3n4\/a-blueprint-for-action-to-address-obesity-in-the-european-union.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">A Blueprint for Action to address Obesity in the European Union<\/a>\u201c. Adipositas kann zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich ziehen.<\/p>\n<p>Adipositas: Gesundheitskompetenz verbessern<a href=\"https:\/\/pharma-fakten.de\/fileadmin\/user_upload\/Junge-Frau-mit-Uebergewicht.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-50515\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Junge-Frau-mit-Uebergewicht-300x200.jpg\" alt=\"Adipositas-Pr\u00e4vention gr\u00f6\u00dfer denken\" width=\"350\" height=\"234\"  \/><\/a>Adipositas: Diskriminierung und Stigma. Foto: iStock.com \/ SeventyFour<\/p>\n<p class=\"pf0\">\u201eTrotz der umfassenden wissenschaftlichen Anerkennung von Adipositas als multifaktorielle chronische Erkrankung und trotz der Evidenz zu ihren gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen wird sie weiterhin als individuelle Verantwortung heruntergespielt, anstatt als Herausforderung f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit und das System verstanden zu werden\u201c, kritisiert EFPIA. <\/p>\n<p class=\"pf0\">\u201eGewichtsbezogene Vorurteile, Stigma und Diskriminierung tragen au\u00dferdem zu schlechterer mentaler Verfassung von Menschen mit Adipositas bei\u201c. Langfristig ist Stigmatisierung potenziell mit einem 60 Prozent h\u00f6heren Sterblichkeitsrisiko verbunden, hei\u00dft es. Aus Sicht von EFPIA ist es dringend notwendig, die Gesundheitskompetenz zu erh\u00f6hen \u2013 also mehr \u00fcber die Erkrankung aufzukl\u00e4ren, mehr Wissen, mehr Daten zu generieren. Der Pharmaverband r\u00e4t der Europ\u00e4ischen Kommission zum Beispiel zu einem EU-gef\u00f6rderten Projekt, das Best Practices entwickelt \u2013 also Wege findet, um das Wissen \u00fcber die vielschichtigen Ursachen und Auswirkungen der Erkrankung zu den Menschen in ganz Europa zu bringen.<\/p>\n<p>Adipositas-Pr\u00e4vention gr\u00f6\u00dfer denken<\/p>\n<p class=\"pf0\">Luft nach oben ist auch im Bereich Pr\u00e4vention: Programme zur allgemeinen Gesundheitsf\u00f6rderung seien weiterhin wichtig \u2013 aber sie allein reichen nicht aus, betont EFPIA. Im Gegenteil: Gerade, weil die Erkrankung durch vielf\u00e4ltige Faktoren verursacht wird, die weit \u00fcber individuellen Lebensstil, gesunde Ern\u00e4hrung und ausreichend Bewegung hinausgehen, k\u00f6nnte es sogar stigmatisierend sein, wenn Pr\u00e4vention nicht weiter gedacht wird. Dazu braucht es mehr Forschung. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/pharma-fakten.de\/fileadmin\/user_upload\/Blutdruck_Untersuchung_Uebergewicht.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-50525\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Blutdruck_Untersuchung_Uebergewicht-300x200.jpg\" alt=\"Adipositas-Pr\u00e4vention gr\u00f6\u00dfer denken\" width=\"350\" height=\"233\"  \/><\/a>Folgeerkrankungen verhindern: Regelm\u00e4\u00dfige Gesundheitschecks &amp; Beratungsangebote. Foto: \u00a9iStock.com\/golfcphoto<\/p>\n<p class=\"pf0\">Liegt eine Adipositas bereits vor, gilt es, sie m\u00f6glichst fr\u00fch zu diagnostizieren \u2013 um Folgeerkrankungen und fr\u00fchzeitige Sterblichkeit zu verhindern. \u201eRegelm\u00e4\u00dfige Gesundheitschecks und Beratungsangebote bei qualifiziertem und gut ausgestattetem Gesundheitsfachpersonal\u201c k\u00f6nnten dazu beitragen \u2013 Stigma und Vorurteile verhindern das jedoch zu oft. Problematisch ist auch, wenn der Fokus in der Diagnostik vor allem auf dem Body-Mass-Index (BMI) liegt: L\u00e4ngst wei\u00df die Wissenschaft, dass er nur in Verbindung mit anderen Ma\u00dfst\u00e4ben \u2013 wie K\u00f6rperzusammensetzung, genetische und metabolische Faktoren und weitere chronische Erkrankungen \u2013 wirklich aussagekr\u00e4ftig ist. Denn erst so l\u00e4sst sich ein umfassenderes Bild vom Zustand und den gesundheitlichen Risiken der Patient:innen ableiten. EFPIA r\u00e4t den EU-Mitgliedsstaaten, in ihrer Prim\u00e4rversorgung zielgerichtete Gesundheitschecks f\u00fcr Hochrisikogruppen zu Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu implementieren.<\/p>\n<p>Menschen mit Adipositas: Chronisch unterversorgt<\/p>\n<p class=\"pf0\">Adipositas werde \u201echronisch unzureichend behandelt und schlecht gemanagt\u201c, stellt EFPIA fest. Zu oft werden Betroffene nicht bzw. erst sp\u00e4t im Krankheitsverlauf an die entsprechenden Fachpersonen \u00fcberwiesen. Prim\u00e4rversorger:innen seien h\u00e4ufig \u201enicht ausreichend ausgestattet\u201c, um \u201eAdipositas einsch\u00e4tzen, vorbeugen und managen zu k\u00f6nnen\u201c, hei\u00dft es im Bericht. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/pharma-fakten.de\/fileadmin\/user_upload\/Uebergewicht_Aerztin-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-50532\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Uebergewicht_Aerztin-1-300x200.jpg\" alt=\"Menschen mit Adipositas: Chronisch unterversorgt\" width=\"350\" height=\"233\"  \/><\/a>Adipositas: Moderne, multidisziplin\u00e4re Versorgung erm\u00f6glichen. Foto: iStock.com\/Halfpoint<\/p>\n<p class=\"pf0\">Was es braucht: klare Patientenpfade \u2013 angefangen bei der Pr\u00e4vention \u00fcber die Therapie bis hin zur Nachsorge \u2013 die eine moderne, multidisziplin\u00e4re Versorgung erm\u00f6glichen. Dazu geh\u00f6rt laut EFPIA der Auf- und Ausbau von Zentren, in denen Expert:innen aus Prim\u00e4rversorgung, Ern\u00e4hrungswissenschaft, Ergo- und Physiotherapie, Psychologie, Endokrinologie, Chirurgie, Kardiologie, Orthop\u00e4de und Gastroenterologie zusammenarbeiten. Auch f\u00fcr eine Standardisierung der medizinischen Leitlinien \u00fcber alle EU-Mitgliedsstaaten hinweg spricht sich der Pharmaverband aus; au\u00dferdem m\u00fcsse sichergestellt werden, dass evidenzbasierte Therapien und andere Angebote f\u00fcr die Betroffenen auch tats\u00e4chlich verf\u00fcgbar sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Dezember 2025 eine erste <a href=\"https:\/\/app.magicapp.org\/#\/guideline\/LrRxrL\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leitlinie mit Empfehlungen zum Einsatz von sogenannten Inkretin-Agonisten bei Adipositas<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Sie erkenne an, \u201edass Adipositas eine chronische Erkrankung ist, die mit einer umfassenden und lebenslangen Versorgung behandelt werden kann\u201c, sagt WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die medikament\u00f6se Behandlung werde \u201ediese globale Gesundheitskrise zwar nicht allein l\u00f6sen k\u00f6nnen\u201c \u2013 aber sie k\u00f6nne Millionen Betroffenen helfen, die Erkrankung zu bew\u00e4ltigen und Folgesch\u00e4den zu reduzieren.<\/p>\n<p class=\"pf0\">Die Fakten sind eindeutig, res\u00fcmiert EFPIA: \u201eRapide steigende Adipositas-Raten zeigen, dass der derzeitige Ansatz versagt und Millionen von EU-B\u00fcrger:innen im Stich l\u00e4sst.\u201c Die Zeit dr\u00e4ngt, das zu \u00e4ndern \u2013 f\u00fcr eine \u201eges\u00fcndere und gerechtere Zukunft\u201c aller. Europa muss Adipositas endlich ernst nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nein, Adipositas ist kein Lifestyle-Problem: Ein bisschen Sport und Ern\u00e4hrungsumstellung \u2013 das reicht in der Regel nicht aus.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":698855,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-698854","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115851008900445912","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/698854","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=698854"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/698854\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/698855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=698854"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=698854"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=698854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}