{"id":699116,"date":"2026-01-07T03:11:16","date_gmt":"2026-01-07T03:11:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/699116\/"},"modified":"2026-01-07T03:11:16","modified_gmt":"2026-01-07T03:11:16","slug":"falsche-vorwuerfe-an-ukraine-russland-beschiesst-schulen-wohn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/699116\/","title":{"rendered":"Falsche Vorw\u00fcrfe an Ukraine &#8211; Russland beschie\u00dft Schulen, Wohn"},"content":{"rendered":"<p>Moskau reagiert auf scharfe <a href=\"https:\/\/www.amnesty.de\/allgemein\/kampagnen\/russland-angriffskrieg-stoppen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">internationale Kritik<\/a> an der eigenen Kriegsf\u00fchrung. Bei der Verbreitung falscher Behauptungen kann die russische Regierung auch Ausl\u00e4nder z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>In sozialen Medien wird behauptet, die Ukraine greife mit Drohnen russische Kinderg\u00e4rten und Schulen an. Alle westlichen Vorw\u00fcrfe gegen Russland, Kinderg\u00e4rten und Krankenh\u00e4user in der Ukraine angegriffen zu haben, h\u00e4tten sich hingegen als falsch erwiesen. Zudem habe sich herausgestellt, dass wohl auch die polnische Klage gegen das Eindringen russischer Drohnen unbegr\u00fcndet sei.<\/p>\n<p>Bewertung<\/p>\n<p>Diese Behauptungen sind entweder nachweislich falsch oder zumindest v\u00f6llig unbewiesen.<\/p>\n<p>Fakten<\/p>\n<p>Ein Anfang 2026 in Luxemburg verbreiteter <a href=\"https:\/\/archive.ph\/BiMqL\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Facebook-Post<\/a> teilt ein gut zwei Minuten langes <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20260105105639\/https:\/video-ord5-2.xx.fbcdn.net\/o1\/v\/t2\/f2\/m69\/AQPoZQl-ngdVmRZ10wqJfBYnFjcYemQzCKT575ZmFsfWac57LNJK5HpO6cy0QscDuxWolSwyhQspjp5J5omsXnnS.mp4?strext=1&amp;_nc_cat=104&amp;_nc_sid=8bf8fe&amp;_nc_ht=video-ord5-2.xx.fbcdn.net&amp;_nc_ohc=DGrgi9QvwrYQ7kNvwGlD5-m&amp;efg=eyJ2ZW5jb2RlX3RhZyI6Inhwdl9wcm9ncmVzc2l2ZS5GQUNFQk9PSy4uQzMuMzYwLnByb2dyZXNzaXZlX2gyNjQtYmFzaWMtZ2VuMl8zNjBwIiwieHB2X2Fzc2V0X2lkIjoxMjA3MDExMTM0ODIyNDA5LCJhc3NldF9hZ2VfZGF5cyI6NjAsInZpX3VzZWNhc2VfaWQiOjEwMDk5LCJkdXJhdGlvbl9zIjoxMzEsInVybGdlbl9zb3VyY2UiOiJ3d3cifQ%3D%3D&amp;ccb=17-1&amp;_nc_gid=tSmE4rcqL5gftAMKdyA1qw&amp;edm=AGo2L-IEAAAA&amp;_nc_zt=28&amp;oh=00_AfqFl33aCxsCcwep6F2TqhZA4lI6yq5ixQdQ3BILxcTZEA&amp;oe=69615862&amp;bitrate=387094&amp;tag=progressive_h264-basic-gen2_360p\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Video<\/a> mit der \u00dcberschrift \u00abMerkt man was vom Konflikt in Russland?\u00bb. Autor des Videos ist ein deutschsprechender Mann, der eigenen Angaben zufolge im Jahr 2022 nach Russland ausgewandert ist.<\/p>\n<p>Der Autor berichtet \u00fcber die Lage in der russischen Stadt Jaroslawl, knapp 300 Kilometer nord\u00f6stlich von Moskau an der Wolga gelegen. Von dort bekomme er \u00abjeden Tag\u00bb Meldungen \u00fcber ukrainische Angriffe (0:25). Im Bildhintergrund sind mehrere solcher Mitteilungen vom November 2025 zu sehen. Die Ukrainer versuchten, mit Drohnen\u00a0die \u00d6lraffinerie von Jaroslawl zu treffen.\u00a0<\/p>\n<p>Dann behauptet er: \u00abUnd wenn es nicht gelingt und die merken, dass es keine Aussicht gibt, was machen die? Genau: Die fliegen auf Kinderg\u00e4rten, Schulen. Es ist schei\u00dfegal, was dort ist. Hauptsache Zivilisten.\u00bb (0:33) Die beste Freundin seiner Frau wohne in der N\u00e4he der Raffinerie und wisse daher, \u00abwas dann schlussendlich getroffen wird\u00bb. Das seien \u00abnat\u00fcrlich Kinderg\u00e4rten, Schulen, medizinische Einrichtungen\u00bb, sagt er (0:58).<\/p>\n<p><strong>Ukraine griff russische Raffinerie an<\/strong><\/p>\n<p>Zutreffend ist, dass sich im S\u00fcdwesten der Stadt die nach Expertensch\u00e4tzungen viertgr\u00f6\u00dfte <a href=\"https:\/\/brf.be\/international\/2011352\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00d6lraffinerie<\/a> Russlands befindet, die f\u00fcr die Verarbeitung von 15 Millionen Tonnen \u00d6l pro Jahr ausgelegt ist. Die Raffinerie wurde in den vergangenen Monaten immer wieder von ukrainischen Drohnen angegriffen. <\/p>\n<p>Am 12. Dezember 2025 meldete der ukrainische Generalstab, man habe die Raffinerie getroffen und dort ein gro\u00dfes Feuer ausgel\u00f6st. Am 31. Dezember 2025 berichtete die Ukraine \u00fcber die Zerst\u00f6rung eines gro\u00dfen Tanklagers in der Region Jaroslawl. Die Behauptungen in dem Video haben mit diesen Angriffen nichts zu tun, weil das Video bereits am 9. November 2025 ver\u00f6ffentlicht wurde. Der Autor zeigt auch beispielhaft Mails vom 5. November.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es keinerlei russische Angaben \u00fcber Angriffe auf Kinderg\u00e4rten, Schulen oder Krankenh\u00e4user in der Region Jaroslawl.<\/p>\n<p><strong>TASS berichtete: \u00abEs gibt keine Opfer\u00bb<\/strong><\/p>\n<p>Die russische Nachrichtenagentur TASS berichtete seit Ende September mehrfach \u00fcber ukrainische Drohnenangriffe auch im Raum Jaroslawl. So hei\u00dft es in einer <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20260105105639\/https:\/video-ord5-2.xx.fbcdn.net\/o1\/v\/t2\/f2\/m69\/AQPoZQl-ngdVmRZ10wqJfBYnFjcYemQzCKT575ZmFsfWac57LNJK5HpO6cy0QscDuxWolSwyhQspjp5J5omsXnnS.mp4?strext=1&amp;_nc_cat=104&amp;_nc_sid=8bf8fe&amp;_nc_ht=video-ord5-2.xx.fbcdn.net&amp;_nc_ohc=DGrgi9QvwrYQ7kNvwGlD5-m&amp;efg=eyJ2ZW5jb2RlX3RhZyI6Inhwdl9wcm9ncmVzc2l2ZS5GQUNFQk9PSy4uQzMuMzYwLnByb2dyZXNzaXZlX2gyNjQtYmFzaWMtZ2VuMl8zNjBwIiwieHB2X2Fzc2V0X2lkIjoxMjA3MDExMTM0ODIyNDA5LCJhc3NldF9hZ2VfZGF5cyI6NjAsInZpX3VzZWNhc2VfaWQiOjEwMDk5LCJkdXJhdGlvbl9zIjoxMzEsInVybGdlbl9zb3VyY2UiOiJ3d3cifQ%3D%3D&amp;ccb=17-1&amp;_nc_gid=tSmE4rcqL5gftAMKdyA1qw&amp;edm=AGo2L-IEAAAA&amp;_nc_zt=28&amp;oh=00_AfqFl33aCxsCcwep6F2TqhZA4lI6yq5ixQdQ3BILxcTZEA&amp;oe=69615862&amp;bitrate=387094&amp;tag=progressive_h264-basic-gen2_360p\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Meldung<\/a> vom 28. September 2025, in der fraglichen Region seien drei Drohnen zerst\u00f6rt worden. Am 22. Oktober <a href=\"https:\/\/tass.com\/politics\/2033285\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichtete<\/a> TASS, nach Drohnenangriffen in Jaroslawl sei der Verkehr am dortigen Flughafen vor\u00fcbergehend eingestellt worden. Am 31. Oktober <a href=\"https:\/\/tass.com\/politics\/2037815\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichtete<\/a> TASS, ein Drohnenangriff auf Jaroslawl sei abgewehrt worden: \u00abEs gibt keine Opfer.\u00bb Allerdings stellten herumliegende Tr\u00fcmmerteile eine Gefahr dar.<\/p>\n<p>Am 5. November <a href=\"https:\/\/tass.com\/politics\/2039303\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">erw\u00e4hnte<\/a> TASS erneut zeitweilige Einschr\u00e4nkungen am Flughafen von Jaroslawl. Zivile Opfer wurden erneut nicht vermeldet. In einer <a href=\"https:\/\/tass.com\/society\/2041603\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Meldung<\/a> vom 10. November hei\u00dft es, die Rekrutierung von Reservisten zum Schutz der \u00d6lraffinerie von Jaroslawl habe begonnen. Angesichts von \u00abzunehmend h\u00e4ufigen\u00bb Angriffen auf die Raffinerie gehe es darum, diese vor Drohnen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Am 11. November 2025 schlie\u00dflich <a href=\"https:\/\/tass.com\/politics\/2041923\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichtete<\/a> TASS, die Ukraine habe in der vergangenen Woche t\u00e4glich mehr als 500 \u00abProjektile\u00bb auf \u00abzivile Infrastruktur\u00bb in Regionen im Landesinneren Russlands abgefeuert. Auch die Region Jaroslawl wurde in diesem Zusammenhang genannt. In der Region Wolgograd seien dabei zwei Menschen verletzt worden. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass Russland die eigenen Raffinerien, Treibstofflager oder Umspannwerke als Teil der zivilen Infrastruktur betrachtet.<\/p>\n<p>Am 18. November 2025 <a href=\"https:\/\/tass.com\/politics\/2044891\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichtete<\/a> TASS \u00fcber den Abschuss von 31 ukrainischen Drohnen \u00fcber russischen Regionen, davon drei in der Region Jaroslawl. Am 11. Dezember <a href=\"https:\/\/tass.com\/politics\/2056821\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">berichtet<\/a> die Agentur \u00fcber 287 Drohnen, die in 12 russischen Regionen zerst\u00f6rt worden seien. Davon seien 11 in der Region Jaroslawl abgeschossen worden. In der Region Tula etwa 200 Kilometer s\u00fcdlich von Moskau seien die Geb\u00e4ude einer Schule und einer Tankstelle von herabfallenden Tr\u00fcmmern besch\u00e4digt worden. In der Region Twer etwa 170 Kilometer nordwestlich von Moskau seien sieben Menschen, darunter ein Kind, als Folge eines \u00abDrohnenangriffs auf ein Haus\u00bb verletzt worden.<\/p>\n<p>Es gibt also im letzten Quartal des Jahres 2025 durchaus russische Berichte \u00fcber ukrainische Drohnenangriffe. Es gibt aber \u2013 unter anderem im Zeitraum bis zur Ver\u00f6ffentlichung des fraglichen Facebook-Posts am 9. November &#8211; keine TASS-Meldung \u00fcber ukrainische Drohnenangriffe auf Kinderg\u00e4rten, Schulen oder Krankenh\u00e4user. Auch andere offizielle russische Stellen behaupteten das nicht.<\/p>\n<p><strong>Bei russischen Angriffen sterben viele Ukrainer<\/strong><\/p>\n<p>Ganz anders bei russischen Angriffen in der Ukraine: Die Organisation Human Rights Watch <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2025\/05\/22\/ukraine-escalating-russian-attacks-civilians\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">erkl\u00e4rte<\/a> im Mai 2025, dabei seien seit Januar 2025 mehr Zivilisten get\u00f6tet worden als im gleichen Zeitraum 2024. Es handele sich gem\u00e4\u00df internationalem Recht um Kriegsverbrechen. Bei vier russischen Angriffen in den ersten vier Monaten des Jahres seien mindestens 47 Zivilisten get\u00f6tet und mehr als 180 verletzt worden.<\/p>\n<p>Dabei gehe es beispielsweise um einen Raketenangriff auf ein Wohnhaus in Poltava 240 Kilometer von der Frontlinie entfernt vom 1. Februar. Am 4. Februar 2025 h\u00e4tten russische Streitkr\u00e4fte das Rathaus der Stadt Izium 42 Kilometer von der Front entfernt beschossen. Das n\u00e4chste milit\u00e4rische Ziel &#8211; ein Rekrutierungsb\u00fcro &#8211; sei einen Kilometer entfernt gewesen. Am 5. M\u00e4rz sei das Zentralhotel von Kryvyi Rih beschossen worden. Am 4. April sei ein Geschoss \u00fcber einem Spielpatz in der selben Stadt explodiert, wobei mindestens 20 Menschen, darunter 9 Kinder, get\u00f6tet worden seien.\u00a0<\/p>\n<p>In dem fraglichen Video wird auch behauptet, alle in Deutschland verbreiteten Nachrichten \u00fcber russische Angriffe auf Kinderg\u00e4rten und Hospit\u00e4ler h\u00e4tten sich \u00abam Ende als falsch dargestellt\u00bb (01:15). Davon kann keine Rede sein. Tats\u00e4chlich haben russische Drohnen und Raketen immer wieder <a href=\"https:\/\/www.aerzte-ohne-grenzen.de\/presse\/ukraine-zerstoerung-von-gesundheitseinrichtungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">erhebliche Sch\u00e4den<\/a> an Schulen, Wohn- und Krankenh\u00e4usern in der Ukraine angerichtet.<\/p>\n<p><strong>\u00abDie Sache\u00bb in Polen wurde aufgekl\u00e4rt<\/strong><\/p>\n<p>Der Autor des Videos spricht auch betont ungenau \u00fcber \u00abdie Sache, die in Polen passiert ist\u00bb (01:25). \u00abHabt ihr das eigentlich mitbekommen? Dass Polen jetzt festgestellt hat, dass es keine russischen Drohnen waren?\u00bb, fragt der Sprecher. Und gibt selbst die Antwort: \u00abWahrscheinlich nicht. Weil es wird gro\u00df geschrien \u201eRussland\u201c \u2013 und wenn dann doch rauskommt, es war gar nicht Russland, dann schreiben die das im Teletext auf Seite 999, dass das keiner mehr lesen kann.\u00bb<\/p>\n<p>Mit dieser Behauptung wird die g\u00e4ngige Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlung wiederholt, die westlichen Medien verschwiegen absichtlich die Wahrheit. Diese Behauptung ist aber auch in diesem Fall falsch.<\/p>\n<p>Der Autor bezieht sich offenbar auf einen Vorfall vom 10. September 2025. Damals war eine gro\u00dfe Zahl russischer Drohnen in den Luftraum Polens geflogen. Die polnische Luftwaffe und NATO-Verb\u00fcndete in Polen schossen erstmals einige russische Drohnen ab. Das russische <a href=\"https:\/\/mid.ru\/en\/press_service\/spokesman\/official_statement\/2046067\/#:~:text=In%20connection%20with%20accusations%20against,a%20full%20assessment%20is%20ongoing.%E2%80%9D\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Au\u00dfenministerium<\/a> bestritt eine absichtliche Verletzung des polnischen Luftraums. Polens Regierungschef Donald Tusk erkl\u00e4rte hingegen, er habe an einer absichtlichen Provokation keinen Zweifel.<\/p>\n<p>Jedenfalls teilte Polen am 18. September mit, Untersuchungen h\u00e4tten ergeben, dass ein nach dem Eindringen der russischen Drohnen besch\u00e4digtes Haus nicht von diesen Drohnen, sondern vielmehr von einer Rakete eines westlichen Kampfjets getroffen worden sei. Das Steuersystem dieser Rakete, die zum Abschuss der russischen Drohnen eingesetzt wurde, sei defekt gewesen. Tusk sagte dazu, die Verantwortung f\u00fcr die Sch\u00e4den an dem Haus l\u00e4gen \u00abbei den Urhebern der Drohnenprovokation, also bei Russland\u00bb. Im Gegensatz zur Behauptung in dem Video wurde \u00fcber diese polnische Erkl\u00e4rung in allen gro\u00dfen westlichen Medien berichtet, beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/haus-polen-rakete-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>(Stand 6.1.2026)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Moskau reagiert auf scharfe internationale Kritik an der eigenen Kriegsf\u00fchrung. 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