{"id":699325,"date":"2026-01-07T05:20:24","date_gmt":"2026-01-07T05:20:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/699325\/"},"modified":"2026-01-07T05:20:24","modified_gmt":"2026-01-07T05:20:24","slug":"wie-hamburg-sich-von-anderen-bewerbern-abheben-koennte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/699325\/","title":{"rendered":"Wie Hamburg sich von anderen Bewerbern \u201eabheben\u201c k\u00f6nnte"},"content":{"rendered":"<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Pl\u00f6tzlich laufe ich gegen einen Baum. Er ist zwar nicht echt, aber seine \u00c4ste piksen mir trotzdem wie kleine Nadeln ins Gesicht. \u201eDu musst weiter links gehen\u201c, sagt eine Stimme neben mir. Oder vor mir? Oder dahinter? In der absoluten Dunkelheit verliere ich das Gef\u00fchl f\u00fcr den Raum. Ich rei\u00dfe meine Augen so weit wie m\u00f6glich auf, halte mir die H\u00e4nde direkt vor das Gesicht \u2013 doch das Einzige, was ich sehe, ist: schwarz.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Die navigierende Stimme aus der Dunkelheit geh\u00f6rt <strong>Jenny Dabelstein<\/strong>. Sie arbeitet als Guide im <a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/hamburg\/wirtschaft\/article410079548\/insolvenz-abgewendet-dialog-im-dunkeln-in-speicherstadt-gerettet-hamburg-1.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/hamburg\/wirtschaft\/\" data-paid-status=\"default\" data-article-publish-date=\"1759230300\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dialoghaus Hamburg<\/a> und f\u00fchrt regelm\u00e4\u00dfig Besuchergruppen durch den nachgebauten Park im Inneren des Geb\u00e4udes in der Hamburger <strong>Speicherstadt<\/strong>. Nach unserer kurzen Tour brauchen meine Augen einen Moment, um sich wieder an die Helligkeit zu gew\u00f6hnen. Langsam, aber sicher taut die Welt vor meinen Augen wieder auf, ich erkenne Farben, Konturen und Kontraste. Jenny Dabelstein kann das nicht. <\/p>\n<p>Inklusion: Was w\u00fcrden Paralympische Spiele f\u00fcr Hamburg bedeuten?<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Ihr Sehverm\u00f6gen liegt bei 20 bis 30 Prozent, ohne Brille sogar nur bei zehn. Auf dem linken Auge sieht sie fast gar nichts, genauso wie bei Dunkelheit. In einer Stadt, in der die Sonne im Winter schon um 16 Uhr verschwindet, wiegt diese Beeintr\u00e4chtigung umso schwerer. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">\u201eIch habe eine Gesichtsfeldeinschr\u00e4nkung\u201c, erkl\u00e4rt Dabelstein. \u201eGeradeaus sehe ich komplett scharf, aber unten, oben, links und rechts gar nichts. Es ist, als w\u00fcrde man durch eine Papierrolle gucken.\u201c Vor der Tour durch den dunklen Raum sitzt sie mit ihren Kollegen Daniel Grodzki, Tobias Schauenburg, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Svenja Weber sowie Geb\u00e4rdendolmetscher Andreas Pargen in einem hellen B\u00fcro im ersten Stock des Dialoghauses.<\/p>\n<p>  Hamburger Olympia-Bewerbung soll mehr Sichtbarkeit f\u00fcr Beeintr\u00e4chtigte schaffen<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Die Runde hat sich zusammengefunden, um \u00fcber die Perspektiven von beeintr\u00e4chtigten Menschen im Rahmen der Hamburger <strong>Olympia-Bewerbung <\/strong>zu sprechen. Denn diese, so die Meinung der Anwesenden, komme bislang zu kurz. \u201eWir freuen uns \u00fcber jeden Anruf\u201c, sagt Grodzki, der sich im Dialoghaus unter anderem um die \u00d6ffentlichkeitsarbeit k\u00fcmmert und ein Sehverm\u00f6gen von lediglich f\u00fcnf Prozent hat.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">\u201eWir unterst\u00fctzen die Bewerbung, wenn auch die Paralympischen Spiele angemessene Beachtung finden\u201c, sagt er. Die Wettk\u00e4mpfe k\u00f6nnten, so hofft es Grodzki, dabei helfen, die Gesellschaft auch im Alltag noch st\u00e4rker f\u00fcr das Leben von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren. <\/p>\n<p>Olympia: Barrierefreier Ausbau der Stadt hilft allen Menschen <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Der barrierefreie Ausbau der Infrastruktur k\u00e4me den Menschen im Alltag sicherlich zugute, sagt Grodzki. Er w\u00fcrde aber allen Hamburgern helfen: \u201eEine Barriere ist eine Barriere. Sie ist unterschiedlich hoch f\u00fcr verschiedene Leute. Aber wenn man eine Barriere abbaut, dann baut man sie f\u00fcr alle ab.\u201c Ein neuer Fahrstuhl in einer U-Bahn-Station w\u00fcrde nicht nur Rollstuhlfahrern, sondern beispielsweise auch Menschen mit Kinderwagen helfen.<\/p>\n<blockquote class=\"not-prose mx-auto my-10 flex flex-col items-center gap-y-4 text-center md:w-[80%]\">\n<p class=\"expressive-copy-xl text-copy-primary\">Das finde ich diskriminierend. <\/p>\n<p>       Blindenfu\u00dfballerin Jenny Dabelstein, \u00fcber die ungleiche Behandlung zwischen M\u00e4nnern und Frauen\n    <\/p><\/blockquote>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Ihm sind auch andere Aspekte wichtig: \u201eEs geht auch darum, Barrieren im Kopf abzubauen. Es gibt Situationen, da f\u00fchle ich mich einsam und ausgegrenzt, weil Leute mich meiden oder sich nicht trauen, auf mich zuzugehen. Paralympische Spiele schaffen Sichtbarkeit und Orte, an denen sich Menschen begegnen. So entstehen neue Verbindungen.\u201c Einen solchen Effekt w\u00fcrde er sich auch in Hamburg w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>\u201eDas finde ich diskriminierend\u201c: Ungleiche Behandlung im Blindenfu\u00dfball<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Doch auch f\u00fcr die Spiele selbst hat die Gruppe Ideen, mit denen Hamburg sich \u201evon anderen Bewerbern abheben\u201c k\u00f6nne: \u201eWarum laufen die olympischen und paralympischen Sportler nicht gemeinsam ins Stadion ein? Warum lassen wir sie in ausgew\u00e4hlten Wettk\u00e4mpfen als Pilotprojekt nicht gemeinsam starten?\u201c, fragt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Weber. \u201eWir brauchen Projekte, die Symbolkraft haben, positive Narrative schaffen und alte Denkmuster aufbrechen.\u201c <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Jenny Dabelstein nickt zustimmend. Wenn es um die Paralympischen Spiele geht, brennt ihr ein Thema ganz besonders auf dem Herzen. Denn so sicher, wie sie die Besucher durch den Park im Dialoghaus navigiert, bewegt sie sich auch auf dem Fu\u00dfballplatz. Dabelstein spielt Blindenfu\u00dfball beim FC St. Pauli und in der deutschen Nationalmannschaft.<\/p>\n<p>  Blindenfu\u00dfball-Nationalmannschaft ist auf Spenden f\u00fcr die EM angewiesen<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Im Gegensatz zu den M\u00e4nnern ist der Sport bei den Frauen aber bei den Spielen nicht als Sportart anerkannt. Das f\u00fchrt unter anderem dazu, dass das Team keinerlei Unterst\u00fctzung vom Deutschen Fu\u00dfball-Bund erh\u00e4lt und f\u00fcr Kosten f\u00fcr Turniere, Trikots und andere Utensilien selbst aufkommen muss. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\"> \u201eDie M\u00e4nner erhalten j\u00e4hrlich etwa 60.000 bis 70.000 Euro vom DFB \u2013 wir hingegen konnten es uns nicht leisten, zur WM zu fahren\u201c, klagt Dabelstein. \u201eDas finde ich diskriminierend.\u201c In diesem Jahr findet die Europameisterschaft in der T\u00fcrkei statt, auch daf\u00fcr ist das Team wieder auf Spenden angewiesen, um die Kosten stemmen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Dabelstein wei\u00df, dass die Hamburger Olympia-Bewerbung an der ungleichen Behandlung nicht wirklich etwas \u00e4ndert. \u201eAber vielleicht hilft es ja, wenn das Abendblatt dar\u00fcber berichtet.\u201c Es geht schlie\u00dflich um Sichtbarkeit \u2013 und darum, andere Perspektiven einzunehmen. Auch wenn dabei manchmal B\u00e4ume im Weg stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Pl\u00f6tzlich laufe ich gegen einen Baum. 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