{"id":700051,"date":"2026-01-07T12:27:27","date_gmt":"2026-01-07T12:27:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/700051\/"},"modified":"2026-01-07T12:27:27","modified_gmt":"2026-01-07T12:27:27","slug":"hat-er-seine-streaming-hits-im-darknet-mit-casino-geld-erkauft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/700051\/","title":{"rendered":"Hat er seine Streaming-Hits im Darknet mit Casino-Geld erkauft?"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In der glitzernden Welt des zeitgen\u00f6ssischen <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/hiphop\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HipHop<\/a> ist die Grenze zwischen Realit\u00e4t und Inszenierung l\u00e4ngst flie\u00dfend geworden. Doch was sich derzeit vor einem US-Zivilgericht zusammenbraut, k\u00f6nnte das Bild des \u201eCertified Lover Boy\u201c <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/musik\/drake-konzert-in-der-uber-arena-berlin-weltstar-gibt-sich-kampfbereit-li.2356343\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Drake<\/a> nachhaltig ersch\u00fcttern. Es geht um den Vorwurf, dass der Erfolg des <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/kanada\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">kanadischen<\/a> Rappers nicht allein auf dem authentischen Enthusiasmus seiner Fans fu\u00dft, sondern auf einem technologisch versierten Zirkelschluss aus <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/kryptowaehrung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Krypto<\/a>-Gl\u00fccksspiel und manipulierten Streaming-Zahlen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Zwei Frauen aus dem <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/usa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">US<\/a>-Bundesstaat <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/virginia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Virginia<\/a> haben eine Sammelklage eingereicht, die weit \u00fcber herk\u00f6mmliche Fan-Entt\u00e4uschung hinausgeht. Sie fordern f\u00fcnf Millionen US-Dollar und werfen Drake, dem Promi-Streamer Adin Ross sowie der Online-Casino-Plattform Stake.com vor, gegen den sogenannten Rico Act versto\u00dfen zu haben \u2013 ein Gesetz, das zur Bek\u00e4mpfung Organisierter Kriminalit\u00e4t geschaffen wurde. Das US-Musikmagazin <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.rollingstone.com\/music\/music-news\/drake-adin-ross-online-casino-stake-lawsuit-1235493062\/\">Rolling Stone<\/a> und die britische Tageszeitung <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/music\/2026\/jan\/05\/drake-accused-of-using-online-casino-money-to-artificially-inflate-streams-in-class-action-case-ntwnfb\">The Guardian<\/a> haben \u00fcber die Anschuldigungen berichtet.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Kern des Vorwurfs demzufolge: Drake soll Gelder aus seiner Kooperation mit dem E-Casino Stake.com genutzt haben, um sogenannte Bot-Farmen zu finanzieren. Diese automatisierten Programme spielen Songs in Dauerschleife ab, um Popularit\u00e4t und Tantiemen auf Plattformen wie Spotify k\u00fcnstlich aufzubl\u00e4hen. Dabei soll ein ausgekl\u00fcgeltes System zur Verschleierung zum Einsatz gekommen sein.<\/p>\n<p>E-Casino Stake.com weist die Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck: \u201eUnsinn\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Klageschrift behauptet, Drake und Ross h\u00e4tten Spielgewinne \u00fcber ein anonymisiertes Trinkgeldsystem an einen Mittelsmann namens George Nguyen transferiert. Dieser habe die Gelder in Kryptow\u00e4hrungen und Bargeld umgewandelt, um die Bot-Anbieter im Namen der Stars zu bezahlen. W\u00e4hrend Stake.com die Vorw\u00fcrfe als \u201eUnsinn\u201c zur\u00fcckweist und betont, ein solches Trinkgeldsystem f\u00fcr diese Zwecke gar nicht zu besitzen, f\u00fchren die Kl\u00e4gerinnen Chat-Protokolle und geleakte Kommunikationen an, die Nguyens Rolle belegen sollen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Es ist ein Blick in den Maschinenraum des modernen Starkults, der nicht nur f\u00fcr Laien dystopisch wirkt. Drake fungiert seit 2022 als Gesicht von Stake.com, einer Plattform, die in den <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/usa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">USA<\/a>, Gro\u00dfbritannien und Australien offiziell verboten ist. Der Deal soll ihm laut Klage j\u00e4hrlich 100 Millionen Dollar einbringen, zus\u00e4tzlich zu kostenlosem Spielguthaben.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Kl\u00e4gerinnen Hines und Ridley argumentieren, dass Drake sie durch seine exzessive Bewerbung des Gl\u00fccksspiels in die Spielsucht und den finanziellen Ruin getrieben habe. Angesichts dieser Vorw\u00fcrfe muss jedoch die journalistische Sorgfalt gewahrt bleiben: Es gilt uneingeschr\u00e4nkt die Unschuldsvermutung. Bisher wurde in diesem Zusammenhang niemand strafrechtlich angeklagt. Die Betreiber von Stake.com geben sich gelassen und k\u00fcndigten an, sich energisch gegen die \u201ehaltlosen\u201c Behauptungen zu wehren.<\/p>\n<p>Hits als Ergebnis einer geschmierten Algorithmus-Maschine?<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Auch Adin Ross, mutma\u00dflich eine weitere Zentralfigur in diesem Geflecht, tat \u00e4hnliche Vorw\u00fcrfe in der Vergangenheit als \u201eBullshit\u201c ab. Dennoch r\u00fchrt der Fall an eine fundamentale Frage der digitalen Popkultur: Was ist ein \u201eHit\u201c noch wert, wenn er wom\u00f6glich nicht mehr das Echo einer kollektiven Begeisterung ist, sondern das Ergebnis einer geschmierten Algorithmus-Maschine?<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Sogar <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/musik\/herbert-groenemeyer-im-kanzleramt-diese-klicks-lassen-sich-im-darknet-kaufen-li.10010887\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herbert Gr\u00f6nemeyer hat sich kurz vor Weihnachten bei einem \u201eStreaminggipfel\u201c im Bundeskanzleramt mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zu dem Thema schon ge\u00e4u\u00dfert<\/a> \u2013 wenn auch ohne direkten Bezug zu Drake: Er, Gr\u00f6nemeyer, halte das Streaming-System, wie es gerade funktioniere f\u00fcr ein \u201eSystem f\u00fcr Doofe\u201c. Wer die meisten Klicks erlange, habe gewonnen. \u201eDiese Klicks lassen sich im Darknet kaufen. Diese Klicks erm\u00f6glichen enorme Geldw\u00e4sche im System. Ich nehme mein Schwarzgeld, meinem K\u00fcnstler kaufe ich die Klicks im Darknet. Der wird zum Star, der wird angeklickt \u2013 und ich kriege offiziell das Geld wieder zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Sollten die Kl\u00e4gerinnen recht behalten, w\u00e4re Drake nicht mehr nur ein charismatischer Grenzg\u00e4nger zwischen R\u2019n\u2019B und Emo-Rap, sondern Architekt einer digitalen Fake-Kulisse. Die Integrit\u00e4t der Charts, einst der Goldstandard der Popkultur, st\u00fcnde damit wohl endg\u00fcltig zur Disposition. Denn Drake spielt aktuell im Streaming-Game sehr weit oben. Und gemeinhin gelten Streaming-Klicks seit Jahren als Indikator f\u00fcr Relevanz im Pop. Sowieso eine fragw\u00fcrdige Praxis, aber dennoch g\u00e4ngige Realit\u00e4t im Musikbetrieb.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Zum Vergleich: Man stelle sich ein Theater vor, in dem der Applaus nicht von den Menschen im Saal kommt, sondern von Hunderten von versteckten Lautsprechern, die so programmiert sind, dass sie bei jedem Song frenetisch jubeln. Claqueure in Zeiten der Follower. Das Publikum im Saal beginnt irgendwann mitzuklatschen, weil es glaubt, Teil von etwas ganz Gro\u00dfem zu sein \u2013 ohne zu ahnen, dass der Beifall wom\u00f6glich schon bezahlt wurde, bevor der erste Vorhang fiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der glitzernden Welt des zeitgen\u00f6ssischen HipHop ist die Grenze zwischen Realit\u00e4t und Inszenierung l\u00e4ngst flie\u00dfend geworden. 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