{"id":700503,"date":"2026-01-07T16:35:11","date_gmt":"2026-01-07T16:35:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/700503\/"},"modified":"2026-01-07T16:35:11","modified_gmt":"2026-01-07T16:35:11","slug":"was-wenn-china-taiwan-angreift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/700503\/","title":{"rendered":"Was, wenn China Taiwan angreift?"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es war ein bedrohliches Schauspiel, das die chinesische Volksbefreiungsarmee kurz vor dem Jahreswechsel rund um die Insel <a data-rtr-index=\"13\" title=\"Taiwan\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/reise\/thema\/taiwan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Taiwan<\/a> auff\u00fchrte. Dutzende Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Truppen des Heeres probten in der \u201eMission Gerechtigkeit\u201c ein Man\u00f6ver, das verheerende Folgen f\u00fcr die Weltwirtschaft haben k\u00f6nnte: die Blockade der Luft- und Seewege rund um Taiwan. Die F\u00fchrung in Peking betrachtet die autonom und demokratisch regierte Insel vor der Ostk\u00fcste Chinas als Teil ihres Territoriums. Und sie wirkt zunehmend entschlossen, diesen Anspruch milit\u00e4risch durchzusetzen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Unternehmen rund um den Globus verfolgt man den sich zuspitzenden Konflikt mit Sorge. \u201eTaiwan spielt eine Schl\u00fcsselrolle in globalen Wertsch\u00f6pfungsketten, insbesondere in den Bereichen Halbleiter, Elektronik, Maschinen, Pr\u00e4zisionsfertigung, Chemikalien und fortschrittliche Materialien\u201c, sagt Volker Treier, Au\u00dfenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Rund 90 Prozent der besonders leistungsf\u00e4higen Chips, die etwa f\u00fcr K\u00fcnstliche Intelligenz gebraucht werden, werden auf dem Eiland produziert, vor allem in den Hochleistungsfabriken der <a data-rtr-index=\"0\" title=\"TSMC\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/tsmc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Taiwan Semiconductor Manufacturing Company<\/a> (TSMC). Zu den Kunden z\u00e4hlen Nvidia, Apple, Microsoft und der Google-Konzern Alphabet. Nimmt man weniger leistungsstarke Chips hinzu, die in Autos, Waschmaschinen und anderen Ger\u00e4ten verbaut werden, kommt Taiwan je nach Abgrenzung auf einen Weltmarktanteil von bis zu 50 Prozent.<\/p>\n<p>Globale Lieferketten w\u00e4ren \u201esehr schnell\u201c betroffen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eWenn die Lage hier eskaliert, w\u00fcrden die globalen Lieferketten sehr schnell davon betroffen sein und die Weltwirtschaft ausbremsen\u201c, sagt J\u00fcrgen Maurer, der die Au\u00dfenwirtschaftsf\u00f6rderung des Bundes, Germany Trade &amp; Invest, in Taiwans Hauptstadt Taipeh leitet. \u201eOhne Halbleiter funktioniert kaum etwas, und die rasante Entwicklung im Bereich KI in westlichen Industriel\u00e4ndern w\u00e4re ohne Taiwans Zulieferung von Hochleistungschips gegenw\u00e4rtig nicht vorstellbar.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Mit hohen F\u00f6rderzusagen haben die Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland zwar daf\u00fcr gesorgt, dass TSMC neue Werke in ihren L\u00e4ndern baut. Doch es d\u00fcrfte noch dauern, bis diese Produktionsst\u00e4tten die Abh\u00e4ngigkeit der westlichen Welt von den Chips aus Taiwan sp\u00fcrbar verringern. In Dresden will TSMC gemeinsam mit Bosch, Infineon und NXP 2027 mit der Halbleiterherstellung beginnen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Krieg in der Ukraine, die teils feindselige Haltung der USA gegen\u00fcber Europa, die Unsicherheit, was Donald Trump in S\u00fcdamerika und Gr\u00f6nland noch vorhat: Angesichts der ohnehin schon vielen Krisenherde auf der Welt w\u00e4re eine Eskalation im Fernen Osten das Letzte, was die seit 2020 in der Krise steckende deutsche Wirtschaft jetzt gebrauchen kann. \u201eDie neue weltpolitische Lage f\u00fchrt zum Verlust verl\u00e4sslicher Partner und trifft uns als deutsche Industrie- und Exportnation ins Mark\u201c, sagt Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrung im Bundesverband der deutschen Industrie (BDI). Statt einer \u201ehalbwegs regelbasierten Au\u00dfenpolitik\u201c gehe der Trend zu \u201ereiner Machtpolitik\u201c.<\/p>\n<p>Eine Blockade k\u00f6nnte Taiwans Wirtschaft lahmlegen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Chinas Staatspr\u00e4sident Xi Jinping strebt schon seit Langem die \u201eWiedervereinigung\u201c Taiwans mit dem Festland an. Historisch ist das mindestens umstritten, weil Taiwan, das offiziell Republik China hei\u00dft, nie Teil der 1949 gegr\u00fcndeten kommunistischen Volksrepublik war. Dennoch droht Peking immer wieder auch mit einer milit\u00e4rischen Einnahme. Da dabei viele der wichtigen Produktionsanlagen f\u00fcr Hochtechnologie kaputtgehen oder von den Unternehmen unbrauchbar gemacht werden k\u00f6nnten, gilt die im j\u00fcngsten Man\u00f6ver geprobte Blockade der Insel als m\u00f6gliche Alternative.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Eine Blockade der nur 100 Kilometer breiten Meerenge zwischen Taiwan und dem chinesischen Festland k\u00f6nnte die Wirtschaft Taiwans innerhalb kurzer Zeit lahmlegen. Die Insel ist von Rohstoff\u00adimporten abh\u00e4ngig. Das Land k\u00f6nnte schon nach zwei bis drei Wochen ohne Strom dastehen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch der Welthandel w\u00fcrde ausgebremst. Japan und S\u00fcdkorea erhalten einen Gro\u00dfteil ihrer Energie und Rohstoffe auf dem Seeweg durch die Taiwanstra\u00dfe. Und sie exportieren ihre Autos, Maschinen und Elektroger\u00e4te \u00fcber diese Route. Auch von Chinas gr\u00f6\u00dften H\u00e4fen Shanghai und Ningbo aus fahren die meisten Schiffe erst einmal durch diese Passage. Das Ifo-Institut sch\u00e4tzt den Anteil der deutschen Importe, die die Taiwanstra\u00dfe passieren, auf sieben Prozent. Eine Umfahrung von Taiwan auf der Pazifikseite ist zwar m\u00f6glich. Sie dauert aber l\u00e4nger, und dort ist die See deutlich rauer als entlang der Festlandk\u00fcsten.<\/p>\n<p>KI-Boom schiebt Wirtschaft an<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Unabh\u00e4ngig von der Bedrohung durch China entwickelt sich die taiwanische Wirtschaft vor allem aufgrund des KI-Booms pr\u00e4chtig. Das nationale Statistikamt prognostiziert f\u00fcr 2025 eine Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts um 7,3 Prozent. F\u00fcr 2026 liegen die Prognosen zwischen 2,5 und 4,5 Prozent. Nicht zuletzt wegen der Spannungen mit China haben viele taiwanische Unternehmen zuletzt Produktionsanlagen vom Festland zur\u00fcck in die Heimat verlegt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch f\u00fcr viele deutsche Konzerne wiegt Taiwans f\u00fchrende Stellung in der Halbleiterproduktion schwerer als die Bedrohung durch China. Rund 300 deutsche Unternehmen sind laut DIHK im Land aktiv. Der Dax-Konzern Merck aus Darmstadt hat gerade eine 500 Millionen Euro teure Fabrik f\u00fcr die Massenfertigung von Chemikalien f\u00fcr die Chipproduktion gebaut. \u201eMit dieser Investition festigen wir unsere Position in einem der strategisch wichtigsten Halbleiter\u00f6kosysteme der Welt\u201c, sagte der designierte Vorstandsvorsitzende von Merck, Kai Beckmann, anl\u00e4sslich der feierlichen Er\u00f6ffnung im Dezember. BASF hat im Juli seinen Gesch\u00e4ftsbereich Elec\u00adtronic Materials in Taipeh angesiedelt und will auf diese Weise \u201evon Taiwans herausragender Rolle als weltweiter Hotspot f\u00fcr Halbleiterinnovation und -fertigung profitieren\u201c. SAP und Infineon haben zuletzt neue Forschungseinrichtungen f\u00fcr KI-Innovationen aufgebaut.<\/p>\n<p>\u201eAlle Unternehmen haben hier nat\u00fcrlich Notfallpl\u00e4ne\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eAlle Unternehmen haben hier nat\u00fcrlich Notfallpl\u00e4ne, die auch f\u00fcr den Fall von Erdbeben oder Taifunen gedacht sind\u201c, berichtet Eva Langerbeck, die die Auslandshandelskammer in Taiwan leitet. \u201eSie regeln, was zu tun ist, wenn die Mitarbeiter nicht ins B\u00fcro kommen k\u00f6nnen, wenn es keine Kommunikationsm\u00f6glichkeiten oder auch kein Bargeld gibt.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Eine Eskalation der Beziehungen zwischen China und Taiwan sahen die Unternehmen laut einer Umfrage der AHK im Sommer 2025 aber nicht als gro\u00dfe Gefahr. Die Sorge um das Weltwirtschaftswachstum oder die Auswirkungen der US-Z\u00f6lle wurde damals weit h\u00e4ufiger genannt. Auch nach dem j\u00fcngsten chinesischen Man\u00f6ver sehen weder Langerbeck noch Au\u00dfenwirtschaftsf\u00f6rderer Maurer eine Eintr\u00fcbung der Stimmung in Taiwan. \u201eDie st\u00e4ndige Bedrohung besteht seit 1949\u201c, sagt Maurer. \u201eDie Unternehmen haben sich damit arrangiert.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Berlin dr\u00e4ngen sowohl die Politik als auch die Verb\u00e4nde indes darauf, die Abh\u00e4ngigkeiten zu senken. \u201eNicht nur mit Blick auf Taiwan gilt es f\u00fcr die deutsche und europ\u00e4ische Wirtschaft, Lieferketten zu st\u00e4rken und zu diversifizieren\u201c, sagt DIHK-Au\u00dfenwirtschaftschef Treier. \u201eS\u00fcdkorea, Japan, aber auch neue Partner wie Malaysia verf\u00fcgen \u00fcber starke Halbleiter\u00f6kosysteme.\u201c Viele Unternehmen setzten bereits auf mehrere Lieferanten und bauten Lager auf. Von der EU fordert Treier neue Handelsabkommen, etwa mit Indien und den s\u00fcdostasiatischen ASEAN-Staaten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es war ein bedrohliches Schauspiel, das die chinesische Volksbefreiungsarmee kurz vor dem Jahreswechsel rund um die Insel Taiwan&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":700504,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[13,14,15,12,10,8,9,11,103,104],"class_list":{"0":"post-700503","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-headlines","9":"tag-nachrichten","10":"tag-news","11":"tag-schlagzeilen","12":"tag-top-news","13":"tag-top-meldungen","14":"tag-topmeldungen","15":"tag-topnews","16":"tag-welt","17":"tag-world"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115854795312750441","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/700503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=700503"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/700503\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/700504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=700503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=700503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=700503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}