{"id":70173,"date":"2025-04-29T08:40:38","date_gmt":"2025-04-29T08:40:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/70173\/"},"modified":"2025-04-29T08:40:38","modified_gmt":"2025-04-29T08:40:38","slug":"deutsch-britisches-abkommen-zu-verteidigung-und-ruestung-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/70173\/","title":{"rendered":"Deutsch-britisches Abkommen zu Verteidigung und R\u00fcstung &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Abkommen werden gerne nach dem Ort benannt, an dem sie geschlossen werden. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschland<\/a> schloss mit Frankreich 2019 im Kr\u00f6nungssaal des Aachener Rathauses den \u201eAachener Vertrag\u201c, in dem grundlegende Fragen der Zusammenarbeit zwischen den beiden L\u00e4ndern geregelt sind. Das Vereinigte K\u00f6nigreich wiederum schloss mit Frankreich 2010 die \u201eLancaster House Treaties\u201c, die die Kooperation beider L\u00e4nder bei Sicherheit und Verteidigung regeln. Die zwei Vertr\u00e4ge dienen als Vorbild f\u00fcr eine neue und in ihrer Form historische Kooperation zwischen Deutschland und dem Vereinigten K\u00f6nigreich.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Das \u201eTrinity House Agreement\u201c ist nach den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Brexit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brexit<\/a>-Jahren eine besondere Form der Ann\u00e4herung, eine Antwort auf die Bedrohungen durch Russland. An diesem Mittwochmittag haben es der britische Verteidigungsminister John Healey und sein deutscher Kollege Boris Pistorius (SPD) in dem Geb\u00e4ude nahe dem Londoner Tower feierlich unterzeichnet. \u201eHeute ist der Beginn von neuen und tiefergreifenden Beziehungen unserer beiden L\u00e4nder\u201c, betont Healey. \u201eWir leben in einer gef\u00e4hrlichen Welt, wir teilen die gleichen Bedrohungen und die gleichen Werte, als Verb\u00fcndete macht uns das nur noch st\u00e4rker.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" data-manual=\"overline, headerImageCaption, headerImageSrc, headerImageSrcSet\" data-testid=\"responsive-image\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/e7ff2139-476c-422a-bd8b-80476eb70921.jpeg\"  class=\"css-y4bre2\"\/>Trinity House in London, Ort der Unterzeichnung und Namensgeber des deutsch-britischen Abkommens. (Foto: Peter Macdiarmid\/Getty Images)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Die Vereinbarung kann, so sieht man es in Berlin, auch als Vorbereitung auf das dienen, was auf Europa und die Nato zukommen k\u00f6nnte, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/politik\/donald-trump-usa-joe-biden-us-wahl-tv-duell-bundesregierung-eu-e098260\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sollte Donald Trump erneut ins Wei\u00dfe Haus<\/a> einziehen und das US-Engagement hier deutlich zur\u00fcckfahren. Pistorius formuliert es so: \u201eDie USA werden in Zukunft so oder so sehr wahrscheinlich weniger in Europa machen, und das hei\u00dft f\u00fcr uns: Wir m\u00fcssen mehr tun.\u201c Mit gemeinsamen Projekten in den Bereichen Heer, Luftwaffe, Marine und Cyber trage man dazu bei, den europ\u00e4ischen Pfeiler in der Nato zu st\u00e4rken. Die Sicherheit in Europa sei keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit mehr. \u201eRussland f\u00fchrt Krieg gegen die Ukraine, steigert seine Waffenproduktion immens und greift unsere Partner in Osteuropa, aber auch uns immer wieder mit hybriden Mitteln an.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Geplant sind als erste Schritte zum Beispiel die Er\u00f6ffnung einer neuen Artillerierohr-Fabrik von Rheinmetall im Vereinigten K\u00f6nigreich, die mehr als 400 Arbeitspl\u00e4tze schaffen soll. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/meinung\/ruestung-europa-verteidigung-kommentar-lux.3xN2r8AUJm46G4uG4yNLRz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der R\u00fcstungskonzern<\/a>, dessen Aktienkurs sich in einem Jahr auf knapp 500 Euro fast verdoppelt hat, stellt in seinen britischen Werken bereits milit\u00e4rische Fahrzeuge her, darunter den Transportpanzer Boxer und \u2013 zusammen mit dem britischen R\u00fcstungskonzern BAE \u2013 den Challenger-3-Kampfpanzer. Das britische Heer hat 500 Boxer bestellt. Zudem soll die milit\u00e4rische Zusammenarbeit enger werden: So sollen regelm\u00e4\u00dfig deutsche P8A-Seefernaufkl\u00e4rer von Lossiemouth in Schottland aus operieren, um die \u201eeurop\u00e4ische Sicherheit\u201c im Nordatlantik zu st\u00e4rken. Zudem soll gemeinsam an der Entwicklung neuer Langstreckenwaffen, Drohnen und Luftverteidigung gearbeitet werden sowie am Schutz der kritischen Unterwasserinfrastruktur und von Seehandelsrouten.<\/p>\n<p>\u201eMeilenstein\u201c in der Zukunft der europ\u00e4ischen Sicherheit<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Die Unterzeichnung des Vertragswerks markiere \u201eeine grunds\u00e4tzliche Ver\u00e4nderung der Beziehungen des K\u00f6nigreichs und Deutschlands\u201c und sei \u201eein Meilenstein\u201c in der Zukunft der europ\u00e4ischen Sicherheit, sagte Pistorius. Schon Anfang des Jahres hatte man bei einer der gr\u00f6\u00dften Verlege\u00fcbungen an die Nato-Ostflanke seit Jahrzehnten eng zusammengearbeitet; Deutschland ist wegen seiner Lage die Drehscheibe. 90 000 Soldaten nahmen teil, 16 000 davon stellte die britische Armee. In der gemeinsamen Abschreckung gegen Russland sieht Pistorius denn auch den wichtigsten Auftrag.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Es m\u00fcsse noch mehr getan werden, um die Ostflanke der Nato zu st\u00e4rken und F\u00e4higkeitsl\u00fccken zu schlie\u00dfen, etwa bei den weitreichenden Abstandswaffen, sagte er. Zudem sind k\u00fcnftig auch mehr gemeinsame Man\u00f6ver im Baltikum geplant, um \u201eeffektiv abzuschrecken\u201c, wie es in einer Mitteilung zum Abkommen hei\u00dft. Und um in der Lage zu sein, im Falle eines Angriffs auf Nato-Territorium es gemeinsam zu verteidigen. In diesem Zusammenhang soll auch an einer besseren drohnengest\u00fctzten Vernetzung der Panzerverb\u00e4nde gearbeitet werden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Bereits im Fr\u00fchsommer, kurz nach dem Besuch des damaligen Premierministers Rishi Sunak in Berlin, hie\u00df es aus Diplomatenkreisen, die Briten w\u00fcnschten sich ein Abkommen im Sinne der Lancaster-House-Vertr\u00e4ge. Das K\u00f6nigreich z\u00e4hlt mit Deutschland und Frankreich zu den gr\u00f6\u00dften Verteidigungsm\u00e4chten Europas. Nach dem Austritt aus der EU allerdings hat sich die Rolle Londons grundlegend ver\u00e4ndert, auch was Verteidigung und Sicherheit angeht. Es gebe, hie\u00df es nach Sunaks Besuch, eine Sorge in Downing Street, dass das K\u00f6nigreich in Sicherheitsfragen ausgeschlossen sein k\u00f6nnte \u2013 da es auch nicht mehr Mitglied der Europ\u00e4ischen Verteidigungsagentur der EU-Mitgliedstaaten ist.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Die neue Labour-Regierung von Premier Keir Starmer dr\u00e4ngt auf eine intensivere Zusammenarbeit mit Br\u00fcssel und insbesondere Frankreich und Deutschland. In der Verteidigung ist die Schnittmenge der Interessen derzeit am gr\u00f6\u00dften. Angesichts von Russlands Invasion der Ukraine und einer m\u00f6glichen weiteren Amtszeit Donald Trumps \u2013 der gerne mit der Drohung kokettiert, die Nato zu verlassen, sollte er zum US-Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt werden \u2013 ist eine geregelte Zusammenarbeit zwischen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Gro%C3%9Fbritannien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gro\u00dfbritannien<\/a> und L\u00e4ndern wie Deutschland umso dr\u00e4ngender. Bei Sunaks Besuch in Berlin im April war bereits beschlossen worden, gemeinsam auch ferngesteuerte Radpanzerhaubitzen zu produzieren, daran hat sich unter der neuen Labour-Regierung nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Erster Schritt in eine pragmatischere Zukunft nach dem Brexit<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Im Gegenteil, im Juli, einen Monat nach dem Regierungswechsel in London, unterzeichneten Pistorius und Healey bereits eine Absichtserkl\u00e4rung zur k\u00fcnftigen st\u00e4rkeren Zusammenarbeit. An diesem Mittwoch folgt nun das Trinity-House-Abkommen, das f\u00fcr London wie Berlin ein erster entscheidender Schritt in eine pragmatischere Post-Brexit-Zukunft sein soll, als dies mit der Vorg\u00e4ngerregierung der Tories m\u00f6glich war.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Deutschland h\u00e4tte als N\u00e4chstes gerne etwas nach dem Vorbild des Aachener Vertrags, also einen tiefergreifenden v\u00f6lkerrechtlichen Vertrag, der die Grundlage f\u00fcr die deutsch-britischen Beziehungen der kommenden mindestens zehn Jahre liefern solle. Darin sollen Themen wie Kultur, Wissenschaft und vielleicht auch Migration enthalten sein, die wegen ihrer Komplexit\u00e4t m\u00f6glicherweise gesondert geregelt wird. Pistorius l\u00e4sst durchblicken, dass er das gut f\u00e4nde, sagt aber auch: \u201eIch bin nur der Verteidigungsminister.\u201c Handelsfragen wiederum, hie\u00df es aus Diplomatenkreisen, k\u00f6nnten letztlich nur in Br\u00fcssel gel\u00f6st werden. Aber mehr Dialog mit Br\u00fcssel w\u00e4re auch ganz im Sinne der neuen Labour-Regierung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Korrektur: In einer fr\u00fcheren Version dieses Textes hie\u00df es f\u00e4lschlicherweise, dass die Luftwaffe Flugzeuge in Schottland stationieren wird und dass Rheinmetall ein Artilleriegesch\u00fctz-Werk er\u00f6ffnen will. Richtig ist, dass regelm\u00e4\u00dfig Seefernaufkl\u00e4rer der Marine von Lossiemouth aus operieren sollen und dass Rheinmetall eine Fabrik f\u00fcr Gesch\u00fctzrohre plant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Abkommen werden gerne nach dem Ort benannt, an dem sie geschlossen werden. Deutschland schloss mit Frankreich 2019 im&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":70174,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,147,13935,29,551,13,148,14,15,16,12,6473,149,3992,3993,3994,3995,3996,3997,686],"class_list":{"0":"post-70173","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-ausland","11":"tag-brexit","12":"tag-deutschland","13":"tag-grossbritannien","14":"tag-headlines","15":"tag-leserdiskussion","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-politik","19":"tag-schlagzeilen","20":"tag-sicherheitspolitik","21":"tag-sueddeutsche-zeitung","22":"tag-uk","23":"tag-united-kingdom","24":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","25":"tag-vereinigtes-koenigreich","26":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","27":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland","28":"tag-verteidigungspolitik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114420359208774881","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70173","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70173"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70173\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/70174"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70173"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70173"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70173"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}