{"id":701735,"date":"2026-01-08T04:12:10","date_gmt":"2026-01-08T04:12:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/701735\/"},"modified":"2026-01-08T04:12:10","modified_gmt":"2026-01-08T04:12:10","slug":"ausstellung-juedische-familie-aus-dresden-im-exil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/701735\/","title":{"rendered":"Ausstellung: J\u00fcdische Familie aus Dresden im Exil"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\n<strong>Sie sind Tochter und Enkelin der Familie Reizes, einer j\u00fcdischen Familie, die 1933 aus ihrem Urlaub nicht mehr in ihr Zuhause nach Dresden zur\u00fcckkehren konnte. Eine Schwester Ihres Gro\u00dfvaters, Paula Gutmann, warnte die Familie \u2013 sie selbst wurde sp\u00e4ter im Konzentrationslager ermordet. Frau Weiss, wie ging es f\u00fcr die Familie nach der Warnung weiter?<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMeine Gro\u00dfeltern waren mit ihren zwei Kindern damals auf Urlaub in Marienbad. Da kam eine Nachricht von der Sekret\u00e4rin meines Opas, dass sein B\u00fcro beschlagnahmt wurde von den Nazis. Also mussten sie von einer Minute zur anderen entscheiden, was sie <a name=\"Dresden\">machen<\/a>.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">In Dresden, wo sie sich wohlf\u00fchlten, mussten sie auf einmal alles verlassen. <\/p>\n<p>K\u00fcnstlerin M\u00f3nica Laura Weiss \u00fcber ihre Gro\u00dfeltern<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nSie mussten alles verlassen, total neu anfangen. Zuerst sind sie nach Wien geflohen, wo meine Gro\u00dfmutter ihre Familie hatte. Meine Mutter und Onkel wurden dort eingeschult, aber sie waren im Schock. In Dresden, wo sie sich wohlf\u00fchlten, mussten sie auf einmal alles verlassen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>Als auch \u00d6sterreich f\u00fcr die Familie gef\u00e4hrlich wird, flieht die Familie weiter nach Meran in Italien, wo Ihre Mutter und Ihr Onkel erneut eingeschult werden \u2026<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMeine Mutter lebt noch \u2013 sie ist 99 Jahre alt. Faschistische Lieder, die man damals in der Schule lehrte, kann sie heute noch singen. 1935 ergab sich die M\u00f6glichkeit, nach Pal\u00e4stina zu emigrieren. Aber als mein Opa in Tel Aviv ankam, war er von Anfang an im Schock. Es gab in Tel Aviv damals sehr wenig im Vergleich mit Dresden, wo sie ein kulturelles Leben gef\u00fchrt hatten.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSie waren, wie man sagt, assimilierte Deutsche \u2013 also Juden, aber nicht religi\u00f6s \u2013 und sie f\u00fchlten sich als Deutsche. Da war es in Pal\u00e4stina dann sehr schwer. Sie blieben f\u00fcnf Jahre \u2013 meine Mutter sagt aber, das war ihre gl\u00fccklichste Zeit in ihrer Kindheit. Als dann 1940 deutsche Truppen auch nach Afrika kamen, nicht so weit von Pal\u00e4stina, sind sie nach Argentinien ausgewandert.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<a name=\"Fotokopien\"><strong>In<\/strong><\/a><strong> den Gem\u00e4lden, die Sie im Rahmen der Ausstellung &#8222;Transit \u2013 Bilder aus dem Exil&#8220; in Dresden zeigen, haben Sie Dokumente verarbeitet, die Ihnen ihre Mutter in einer kleinen Schachtel ausgeh\u00e4ndigt hat. In dieser Schachtel befand sich auch ein Tagebuch, das Ihre damals 14-j\u00e4hrige Mutter auf der Schiffs\u00fcberfahrt nach Argentinien gef\u00fchrt hat \u2026<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nJa, genau. Da hat sie mit Bleistift, mit Schwarzstift, ihre Impressionen, ihre Gef\u00fchle dieser Reise festgehalten. Ich habe Fotokopien dieser Bl\u00e4tter gemacht sowie Faksimiles. Und ich habe diese Texte auch auf einigen meiner Bilder benutzt. Auf mehreren Tafeln.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<strong>Sie verarbeiten die Geschichte ihrer Familie in Ihrer Kunst, aber es geht ja auch um Sie und die Erfahrung, im Exil zu sein. Wie kam das?<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn Argentinien haben unsere Eltern nie \u00fcber das Thema Exil gesprochen. Wir haben das Thema auch nie in der Schule behandelt. Das habe ich erst viel sp\u00e4ter gemerkt. Erst durch meine Bilder, als meine Mutter mir diese Papiere und Dokumente \u00fcbergab, kam ich auf das Thema Exil \u2013 da war ich schon fast 47 Jahre alt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n<a name=\"sesshaft\"><strong>Ihre<\/strong><\/a><strong> Ausstellung wird im Zentralwerk gezeigt \u2013 historisch gesehen ein mit NS\u2011Zwangsarbeit verbundener Ort. Welche Bedeutung hat es f\u00fcr Sie, dass Ihre Kunst jetzt in Dresden ausgestellt wird?<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas ist wirklich wichtig, denn meine Mutter ist in Dresden geboren \u2013 1926. Sie wird 100, im November diesen Jahres. Das macht mir G\u00e4nsehaut. Meine Mutter erinnert sich immer noch, obwohl sie sechs Jahre alt war, als sie weg ging und nur einmal f\u00fcr einen Besuch zur\u00fcck kam. Dort auszustellen ist ein komisches Gef\u00fchl und sch\u00f6nes Gef\u00fchl.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Idee ist auch, dass die Bilder dann dort bleiben. Sie waren jetzt in vielen Ausstellungen. Nach all der langen Zeit, in der die Bilder keinen Ort hatten, kommt es hoffentlich dazu, dass sie sesshaft werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sie sind Tochter und Enkelin der Familie Reizes, einer j\u00fcdischen Familie, die 1933 aus ihrem Urlaub nicht mehr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":701736,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1835],"tags":[72943,12932,2076,73,3364,29,2386,162002,65456,553,30,2989,11868,66,81,4438,11823,859,63586,23320],"class_list":{"0":"post-701735","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dresden","8":"tag-72943","9":"tag-argentinien","10":"tag-ausstellung","11":"tag-bilder","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-dresden","15":"tag-emigratrion","16":"tag-exil","17":"tag-familie","18":"tag-germany","19":"tag-geschichte","20":"tag-juedische","21":"tag-kulturnachrichten","22":"tag-mdr","23":"tag-nazis","24":"tag-ns","25":"tag-sachsen","26":"tag-transit","27":"tag-weiss"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115857532142866190","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/701735","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=701735"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/701735\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/701736"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=701735"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=701735"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=701735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}