{"id":702130,"date":"2026-01-08T08:03:11","date_gmt":"2026-01-08T08:03:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/702130\/"},"modified":"2026-01-08T08:03:11","modified_gmt":"2026-01-08T08:03:11","slug":"das-amerikanische-stockholm-syndrom-der-eu-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/702130\/","title":{"rendered":"Das amerikanische Stockholm-Syndrom der EU \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/RegData\/etudes\/IDAN\/2026\/782587\/EPRS_IDA%282026%29782587_EN.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zehn Themen, auf die man 2026 schauen muss<\/a>: dieses Versprechen der aktuellen Jahresprognose des wissenschaftlichen Dienstes des <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/europaparlament\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" amerikanische=\"\" stockholm-syndrom=\"\" der=\"\" eu=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europ\u00e4ischen Parlaments<\/a>, am Mittwoch ver\u00f6ffentlicht, klang vielversprechend. Die Analysen des EPRS sind mir seit Jahren eine gro\u00dfe Hilfe in der journalistischen Arbeit, weil sie ebenso sachlich wie sachkundig durch komplizierte legislative Verfahren f\u00fchren.<\/p>\n<p>Doch dieses Papier war eine herbe Entt\u00e4uschung. Denn die f\u00fcr Europas Zukunft zentrale Frage \u2013 wie sollen wir mit dem Frontalangriff Donald Trumps umgehen? \u2013 wird komplett \u00fcbergangen. Genau einmal kommt Trumps Name \u00fcberhaupt vor, und das nur en passant. Daf\u00fcr hat man sich der Frage zugewandt, ob 2026 das Jahr des Handelns f\u00fcr die Ozeane wird.<\/p>\n<p>Das soll keine Fundamentalkritik am EPRS sein. Diesem Bericht merkt man schon bei fl\u00fcchtiger Lekt\u00fcre an, dass ihm eine politische Sto\u00dfrichtung vorgegeben wurde. So geht es im ersten Kapitel, das dem n\u00e4chsten Haushaltsrahmen der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" amerikanische=\"\" stockholm-syndrom=\"\" der=\"\" eu=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU<\/a> f\u00fcr die Jahre 2028 bis 2034 gewidmet ist, fast durchwegs nur darum, ob das Parlament auch k\u00fcnftig die Finger bei der Verteilung der EU-F\u00f6rderungen im Spiel hat. <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/roberta-metsola\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" amerikanische=\"\" stockholm-syndrom=\"\" der=\"\" eu=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Roberta Metsola<\/a>, die Pr\u00e4sidentin des Parlaments, braucht nun einmal argumentative Munition f\u00fcr die bis Jahresende abzuschlie\u00dfenden Verhandlungen um das Zwei-Billionen-Euro-Paket.<\/p>\n<p>Dieses Papier legt vielmehr offen, wie gel\u00e4hmt die Br\u00fcsseler Politikmaschine im Angesicht des Trumpschen Furors ist. Ich habe keine Ahnung, wie die EU es verhindern k\u00f6nnte, dass sich die US-Regierung Gr\u00f6nland unter den Nagel rei\u00dft (etwas, wovon ein Kommissionsbeamter, mit dem ich am Mittwoch Neujahrsw\u00fcnsche austauschte, felsenfest \u00fcberzeugt ist). Ich m\u00f6chte aber darauf hoffen, dass die schlauen Leute in den politischen Denkstuben der Institutionen sich mit dieser Frage befassen, und L\u00f6sungen vorlegen.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnen sie aber nicht, solange das F\u00fchrungspersonal der Union einer Art von Stockholm-Syndrom unterliegt. Sie wissen schon: die Beobachtung, dass sich Geiseln bisweilen emotional an ihre Entf\u00fchrer binden (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stockholm-Syndrom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">was \u00fcbrigens keiner empirisch unterf\u00fctterten medizinischen Diagnostik unterliegt<\/a>). Es bedurfte der ziemlich offenen Washingtoner Drohungen im Falle Gr\u00f6nlands, um die Spitzen der sicherheitspolitisch wichtigsten europ\u00e4ischen Staaten zu einer Solidarit\u00e4tsadresse mit D\u00e4nemark zu animieren.<\/p>\n<p>Niemand in Br\u00fcssel, und kaum jemand in den Regierungskanzleien in den Hauptst\u00e4dten, will das Offenkundige beim Namen nennen: die USA sind, solange Trump und seine MAGA-Bewegung am Ruder sind, eine existenzielle Bedrohung f\u00fcr die Union. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es naiv, zu erwarten, dass ein paar emp\u00f6rte Wortmeldungen Trump zur Einsicht bringen k\u00f6nnten. Doch wie ist, nur um ein anderes aktuelles Beispiel anzuf\u00fchren, die noch immer \u00e4u\u00dferst sanfte Umgangsweise mit der p\u00e4dopornografischen Bildersch\u00f6pfungsmaschine von Elon Musks Plattform X anders zu erkl\u00e4ren als mit der Hoffnung, Trump und seine Anh\u00e4nger nur ja nicht zu ver\u00e4rgern?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/cyprus-presidency.consilium.europa.eu\/en\/programme\/priorities\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eEin autonomeres Europa ist ein sichereres Europa\u201c<\/a>, hei\u00dft es im Programm des seit Jahresbeginn laufenden Ratsvorsitzes Zyperns. \u201eUm unsere B\u00fcrger zu sch\u00fctzen, und unsere Interessen zu verteidigen, m\u00fcssen wir unsere F\u00e4higkeit st\u00e4rken, unabh\u00e4ngig zu handeln, wenn es notwendig ist \u2013 ohne Angst davor, bestehende Abh\u00e4ngigkeiten zu verringern, und mit der Zuversicht und F\u00e4higkeit, sicherzustellen, dass Europa sich selber aufrechterhalten kann.\u201c<\/p>\n<p>Einen Verweis auf Trump, und das destruktive Vorgehen seiner Regierung, findet sich in diesem Dokument allerdings nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zehn Themen, auf die man 2026 schauen muss: dieses Versprechen der aktuellen Jahresprognose des wissenschaftlichen Dienstes des Europ\u00e4ischen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":702131,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,61495,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-702130","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-bruessel-briefing","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europaeische-union","14":"tag-europe","15":"tag-european-union","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115858440515241954","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/702130","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=702130"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/702130\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/702131"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=702130"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=702130"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=702130"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}