{"id":702134,"date":"2026-01-08T08:05:10","date_gmt":"2026-01-08T08:05:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/702134\/"},"modified":"2026-01-08T08:05:10","modified_gmt":"2026-01-08T08:05:10","slug":"strommix-2025-analyse-zeigt-weniger-importe-fuer-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/702134\/","title":{"rendered":"Strommix 2025: Analyse zeigt weniger Importe f\u00fcr Deutschland"},"content":{"rendered":"\n<p>Deutschland hat 2025 deutlich weniger Strom aus dem Ausland bezogen als im Vorjahr. Die Bundesnetzagentur weist f\u00fcr das vergangene Jahr Nettoimporte von 21,9 Terawattstunden (TWh) aus \u2013 ein R\u00fcckgang um rund 22,6 Prozent gegen\u00fcber 2024. Gleichzeitig stiegen die Exporte. Was zun\u00e4chst nach wachsender Unabh\u00e4ngigkeit klingt, ist jedoch vor allem eine Momentaufnahme im europ\u00e4ischen Strommarkt. F\u00fcr den <strong>Strommix <\/strong>und f\u00fcr Haushalte ergeben sich daraus eher indirekte Folgen.<\/p>\n<p> Strommix mit geringeren Importen <\/p>\n<p>Insgesamt importierte Deutschland 2025 rund 76,2 TWh Strom und exportierte 54,3 TWh. Die gesamte Stromerzeugung blieb mit 437,6 TWh nahezu konstant.<\/p>\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/www.energy-charts.info\/downloads\/Stromerzeugung_2025.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Auswertungen<\/a> des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Solare Energiesysteme (ISE) lag der R\u00fcckgang der Nettoimporte vor allem an ver\u00e4nderten Marktbedingungen. Vergleichsweise niedrige Erdgas- und gleichzeitig h\u00f6here Strompreise in Deutschland und den Nachbarl\u00e4ndern machten die heimische Stromerzeugung aus Gaskraftwerken wirtschaftlicher. Dadurch wurde mehr Strom im Inland produziert und weniger importiert.<\/p>\n<p>Wichtig ist dabei: Deutschland agiert nicht isoliert. Der Stromhandel ist Teil eines vollst\u00e4ndig gekoppelten europ\u00e4ischen Marktes. Strom wird dort erzeugt, wo er im jeweiligen Moment am g\u00fcnstigsten ist. Die Bundesnetzagentur <a href=\"https:\/\/www.bundesnetzagentur.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2026\/20260105_Smard.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">betont<\/a>, dass alle L\u00e4nder von diesem gemeinsamen Markt profitieren.<\/p>\n<p> Kein Schritt zur Autarkie <\/p>\n<p>Weniger Importe bedeuten daher nicht automatisch mehr Unabh\u00e4ngigkeit im Strommix. Eine j\u00fcngst in den Renewable and Sustainable Energy Reviews ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S1364032125007671\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00dcbersichtsarbeit<\/a> zeigt, dass sich die Strompreise in Zentraleuropa zunehmend gegenseitig beeinflussen. Erzeugungsspitzen oder Engp\u00e4sse in Nachbarl\u00e4ndern wirken direkt auf die Preisbildung in Deutschland.<\/p>\n<p>Hinzu kommen regulatorische Grenzen: Die Europ\u00e4ische Union schreibt vor, dass mindestens 70 Prozent der verf\u00fcgbaren grenz\u00fcberschreitenden \u00dcbertragungskapazit\u00e4t f\u00fcr den Stromhandel bereitgestellt werden m\u00fcssen. Der verbleibende Anteil dient entsprechend Verordnung <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32019R0943\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(EU) 2019\/943<\/a> der Netzstabilit\u00e4t und Systemsicherheit. Auch das begrenzt, wie stark Importe kurzfristig schwanken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Gro\u00dfhandelspreise steigen trotzdem <\/p>\n<p>F\u00fcr Privathaushalte ist weniger entscheidend, wie viel Strom die Bundesrepublik importiert, sondern zu welchem Preis der Strom gehandelt wird. Der durchschnittliche Day-Ahead-Gro\u00dfhandelspreis lag 2025 bei 89,32 Euro pro Megawattstunde. Das entspricht laut Bundesnetzagentur einem Anstieg um 13,8 Prozent gegen\u00fcber 2024.<\/p>\n<p>Umgerechnet entspricht das rund 8,9 Cent pro Kilowattstunde auf Gro\u00dfhandelsebene. Selbst wenn steigende Gro\u00dfhandelspreise vollst\u00e4ndig an Verbraucher*innen weitergegeben w\u00fcrden, l\u00e4ge der rechnerische Effekt f\u00fcr einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch bei rund 38 Euro pro Jahr. In der Praxis fallen die Effekte meist geringer aus und zeigen sich zeitverz\u00f6gert.<\/p>\n<p> Dynamische Tarife: Chancen und Risiken <\/p>\n<p>Direkt sp\u00fcren Verbraucher*innen diese Marktbewegungen bei dynamischen Stromtarifen. Diese koppeln den Arbeitspreis unmittelbar an den B\u00f6rsenstrompreis und m\u00fcssen seit 2025 von allen Stromanbietern angeboten werden, sofern ein intelligentes Messsystem installiert ist.<\/p>\n<p>Relevanz gewinnt hier eine weitere Zahl aus dem Bericht der Bundesnetzagentur: 2025 gab es 573 Stunden mit negativen Strompreisen \u2013 deutlich mehr als 2024. Haushalte mit flexiblen Verbrauchern wie Elektroautos, W\u00e4rmepumpen oder Batteriespeichern k\u00f6nnen solche Phasen gezielt nutzen. Gleichzeitig tragen sie jedoch auch das Risiko hoher Preise in Knappheitssituationen.<\/p>\n<p class=\"has-normal-font-size\"><strong>Topaktuell<\/strong><\/p>\n<p>  Netze und Klimabilanz <\/p>\n<p>Mehr inl\u00e4ndische Stromerzeugung kann zudem Auswirkungen auf die Stromnetze haben. Die Bundesnetzagentur hat die Transparenz zu Redispatch- und Netzstabilisierungsma\u00dfnahmen ausgeweitet, da diese Kosten langfristig \u00fcber die Netzentgelte in die Stromrechnung der Haushalte einflie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Klimapolitisch ist Vorsicht geboten: Das Umweltbundesamt <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/klima-energie\/energieversorgung\/strom-waermeversorgung-in-zahlen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">weist darauf hin<\/a>, dass Import- und Exportbewegungen die rechnerische CO2-Intensit\u00e4t des Strommix beeinflussen. Sinkende Importe bedeuten nicht automatisch geringere Emissionen im europ\u00e4ischen Gesamtsystem.<\/p>\n<p>Der R\u00fcckgang der Stromimporte 2025 ist kein grundlegender Richtungswechsel, sondern eine Folge ver\u00e4nderter Marktbedingungen im europ\u00e4ischen Stromsystem. F\u00fcr Haushalte bleiben die Auswirkungen begrenzt und meist indirekt. Entscheidend f\u00fcr die Stromrechnung sind weiterhin die Struktur des Strommix, die Preisbildung an der B\u00f6rse sowie die Entwicklung von Netzentgelten und Abgaben \u2013 nicht allein die Frage, wie viel Strom Deutschland importiert.<\/p>\n<p>Quellen: Fraunhofer-Institut f\u00fcr Solare Energiesysteme; Bundesnetzagentur; \u201eCross-border effects on electricity spot prices \u2013 a meta-study\u201c (Renew. Sustain. Energy Rev., 2025); Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union; Umweltbundesamt<\/p>\n<p> <strong>Hinweis: Ukraine-Hilfe<\/strong><\/p>\n<p class=\"has-small-font-size\">Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. <a href=\"https:\/\/www.futurezone.de\/digital-life\/article281984\/online-spenden-fuer-die-ukraine-wie-du-den-menschen-helfen-kannst.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier<\/a> kannst du den Betroffenen helfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Deutschland hat 2025 deutlich weniger Strom aus dem Ausland bezogen als im Vorjahr. 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