{"id":702160,"date":"2026-01-08T08:23:31","date_gmt":"2026-01-08T08:23:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/702160\/"},"modified":"2026-01-08T08:23:31","modified_gmt":"2026-01-08T08:23:31","slug":"fortsetzung-folgt-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/702160\/","title":{"rendered":"Fortsetzung folgt \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Das Leipziger Literaturhaus ist das einzige im deutschsprachigen Raum ohne dauerhafte kommunale F\u00f6rderung. F\u00fcr den Erhalt der Kultureinrichtung m\u00fcsste sich das nun \u00e4ndern \u2013 und zwar schnell: Das Vereinsverm\u00f6gen wird voraussichtlich 2027 ausgesch\u00f6pft sein, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thorsten Ahrend im Gespr\u00e4ch mit dem kreuzer. Bereits Anfang 2026 m\u00fcsse das Literaturhaus nun den Mietvertrag f\u00fcr die R\u00e4ume im Haus des Buches am Gerichtsweg 28 k\u00fcndigen. Andernfalls drohe Insolvenzverschleppung, so Ahrend. Neu in die st\u00e4dtische Kulturf\u00f6rderung aufgenommen zu werden schien bis vor Kurzem unwahrscheinlich, zu angespannt ist die Haushaltslage. Doch am 12. Dezember \u2013\u00a0also am Ende des st\u00e4dtischen Themenjahres zur Buchstadt Leipzig \u2013 gab es im Stadtrat doch noch einen Antrag zur F\u00f6rderung des Literaturhauses ab dem Jahr 2027. Finanziert werden soll diese \u00fcber Kreditmittel, so die Kulturausschussvorsitzende Gesine M\u00e4rtens (Gr\u00fcne).<\/p>\n<p><strong><br \/>Finanziert aus DDR-R\u00fccklagen <\/strong><\/p>\n<p>Gegr\u00fcndet wurde der Verein 1990 als Kuratorium Haus des Buches, 1996 er\u00f6ffnete der Veranstaltungsort am Gerichtsweg. Finanziert wurde der Verein bislang aus R\u00fccklagen des DDR-Kulturministeriums: 30 Millionen Mark. Bei diesen Mitteln handele es sich nicht um \u00bbSED-Gelder\u00ab, sagt Ahrend. \u00bbNat\u00fcrlich sah das damals komisch aus\u00ab, er selbst habe zu der Zeit beim Reclam-Verlag in Leipzig gearbeitet, man habe sich gefragt, wo dieses Geld hergekommen ist. Mit Blick in die B\u00fccher des Hauses wisse er heute: Es ging nicht um dubiose Finanzierungen, sondern darum, das Geld der DDR auf den letzten Metern in die Infrastruktur der Buchstadt Leipzig zu investieren. <\/p>\n<p>Das Haus war das erste Literaturhaus in den damals neuen Bundesl\u00e4ndern und ist bis heute das einzige in Sachsen. Daraus leitet die Vereinsvorsitzende Stephanie Jacobs auch einen politischen Bildungsauftrag ab: \u00bbLiteratur ist genau richtig, um sich in demokratischer Streitkultur zu \u00fcben. Ein Literaturhaus ist deshalb insbesondere in einem Sachsen, in dem undemokratische Str\u00f6mungen immer breiter werden, wichtig.\u00ab Allein 2025 habe das Haus diesen Auftrag mit rund 150 Veranstaltungen und sieben Ausstellungen mit Autorinnen und Autoren aus 21 L\u00e4ndern und mit Kooperationspartnern umgesetzt. Zudem werde Literaturvermittlung f\u00fcr Kinder und Jugendliche angeboten. <\/p>\n<p>Durch Anlagen am freien Aktienmarkt habe das Literaturhaus das DDR-Erbe, das den Verein neben Einnahmen und Projektf\u00f6rdermitteln ma\u00dfgeblich finanziert, ausreizen k\u00f6nnen, so Ahrend. Doch auch bei Sparsamkeit und intensiver Drittmittelakquise sei die Endlichkeit der Mittel stets absehbar gewesen: \u00bbSchon seit Gr\u00fcndung des Hauses war klar, dass dieser Zeitpunkt kommen w\u00fcrde.\u00ab Seit Ahrend 2019 Leiter des Literaturhauses wurde, habe er darauf aufmerksam gemacht, dass das Haus irgendwann kommunale Unterst\u00fctzung brauchen werde, vor dreieinhalb Jahren auch pers\u00f6nlich vor dem Kulturausschuss der Stadt. Zwar sei er dort auf Wohlwollen gesto\u00dfen, ein anhaltendes Bewusstsein ob der Problemlage sei jedoch ausgeblieben. Stets wurde argumentiert, dass eine institutionelle F\u00f6rderung ausgeschlossen sei, solange der Verein \u00fcber eigenes Verm\u00f6gen verf\u00fcgt. Rechtzeitige Bem\u00fchungen des Hauses in der Finanzierungsfrage liefen folglich ins Nichts: Nach 35 Jahren Bestehen, 5.000 Literaturveranstaltungen und 300.000 Besuchenden droht damit die Schlie\u00dfung. <\/p>\n<p>Kulturdezernentin Skadi Jennicke (Linke) schreibt dem kreuzer, eine Neuaufnahme des Literaturhauses in die Kulturf\u00f6rderung der Stadt sei angesichts der Haushaltslage nur schwer umsetzbar. Die Stadt sei um den Fortbestand des Hauses bem\u00fcht und w\u00fcnsche dabei Unterst\u00fctzung des Landes. Das s\u00e4chsische Kulturministerium lehnt eine institutionelle F\u00f6rderung jedoch ab. Begr\u00fcndet wird dies neben der angespannten Haushaltslage mit dem Wirkungsschwerpunkt des Hauses, der vor allem in Leipzig liege. Ahrend berichtet, seine Anfrage an das Ministerium sei bislang unbeantwortet geblieben.<\/p>\n<p><strong><br \/>Reiten auf der Welle der Solidarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Anfang Dezember 2025 hatte der Verein seine prek\u00e4re Finanzierungslage publik gemacht \u2013 und Emp\u00f6rung im Feuilleton und der Literaturbranche entfacht. Videobotschaften von Schreibenden wie Buchpreistr\u00e4gerin Martina Hefter, eine Petition des Netzwerks der Literaturh\u00e4user in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz sowie ein Appell von PEN Deutschland machten die heikle Lage auch in den sozialen Medien sichtbar. Stephanie Jacobs berichtet ger\u00fchrt von einer \u00bbSolidarit\u00e4tswelle\u00ab, auf der das Literaturhaus seitdem reite. Eine Welle, die Wucht zu haben scheint: Am 12. Dezember, zehn Tage nach dem ersten \u00f6ffentlichen Aufschrei \u00fcber das m\u00f6gliche Aus des Literaturhauses, wurde im Stadtrat ein Antrag zur Sicherung des Literaturhauses mit j\u00e4hrlich 205.000 Euro eingereicht. Federf\u00fchrend waren dabei die kulturpolitischen Sprecherinnen und Sprecher Gesine M\u00e4rtens (Gr\u00fcne), Mandy Gehrt (Linke), Pia Heine (SPD) und Ralf Pannowitsch (BSW). Der Antrag wurde im Dezember in die Aussch\u00fcsse verwiesen, eine Entscheidung wird f\u00fcr Januar oder Februar erwartet, so M\u00e4rtens gegen\u00fcber dem kreuzer. Stimmt der Stadtrat entsprechend ab, w\u00e4re die Finanzierung und damit der Fortbestand des Literaturhauses gesichert \u2013\u00a0anders als der Standort: Ein Antrag sei noch kein Beschluss; die K\u00fcndigung der R\u00e4ume werde zwingend ausgesprochen, so Ahrend. Ob die K\u00fcndigung sp\u00e4ter gegebenenfalls zur\u00fcckgenommen werden kann, sei noch ungewiss. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Leipziger Literaturhaus ist das einzige im deutschsprachigen Raum ohne dauerhafte kommunale F\u00f6rderung. 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