{"id":703386,"date":"2026-01-08T19:43:11","date_gmt":"2026-01-08T19:43:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/703386\/"},"modified":"2026-01-08T19:43:11","modified_gmt":"2026-01-08T19:43:11","slug":"dieser-asteroid-trotzt-der-fliehkraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/703386\/","title":{"rendered":"Dieser Asteroid trotzt der Fliehkraft"},"content":{"rendered":"<p>710 Meter Durchmesser und extrem schnell: Asteroid 2025 MN45 stellt die Astronomie vor R\u00e4tsel. Er ist einfach zu schnell f\u00fcr einen Ger\u00f6llhaufen.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/noirlab2601a-e1767896139927-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Diese k\u00fcnstlerische Darstellung zeigt 2025 MN45 \u2013 den am schnellsten rotierenden Asteroiden\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Diese k\u00fcnstlerische Darstellung zeigt 2025 MN45 \u2013 den am schnellsten rotierenden Asteroiden mit einem Durchmesser von \u00fcber 500 Metern, den Wissenschaftler jemals gefunden haben.  <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: NSF\u2013DOE Vera C. Rubin Observatory\/NOIRLab\/SLAC\/AURA\/P. Marenfeld<\/p>\n<p>Forschende haben mit dem neuen Vera C. Rubin Observatorium den am schnellsten rotierenden Asteroiden entdeckt, der gr\u00f6\u00dfer als 500 Meter ist. Das Objekt mit der Bezeichnung 2025 MN45 ben\u00f6tigt nur 1,88 Minuten f\u00fcr eine volle Umdrehung. Diese Geschwindigkeit stellt die physikalische Integrit\u00e4t des K\u00f6rpers vor Herausforderungen: Er kann kein loser \u201eGer\u00f6llhaufen\u201c sein, sondern muss aus solidem Material mit hoher innerer Festigkeit bestehen.<\/p>\n<p>Rubin entdeckt ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Objekt<\/p>\n<p>Die Astronomie st\u00fctzt sich oft auf lange Beobachtungsreihen. Doch manchmal gen\u00fcgen wenige Stunden, um bestehende Annahmen \u00fcber unser Sonnensystem herauszufordern. Forschende, die Daten des NSF\u2013DOE Vera C. Rubin Observatoriums auswerten, meldeten nun die Entdeckung eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen Objekts. Es handelt sich um den schnellsten bisher beobachteten Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als 500 Metern.<\/p>\n<p>Dieser Fund gelang w\u00e4hrend einer fr\u00fchen Testphase des Observatoriums im April und Mai 2025. Das Projekt wird von der US-amerikanischen National Science Foundation (NSF) und dem US-Energieministerium (DOE) finanziert. In nur sieben N\u00e4chten erfasste das System Tausende von Asteroiden. Unter diesen identifizierte ein Team 19 Objekte, die extrem schnell rotieren.<\/p>\n<p>Ein Gigant im Schleudergang<\/p>\n<p>Das auff\u00e4lligste Objekt tr\u00e4gt die Bezeichnung 2025 MN45. Mit einem Durchmesser von 710 Metern ist es gr\u00f6\u00dfer als sieben Fu\u00dfballfelder. F\u00fcr eine komplette Rotation um die eigene Achse ben\u00f6tigt dieser Gesteinsbrocken lediglich 1,88 Minuten. F\u00fcr die Astronomie ist dieser Wert eine wichtige Kennzahl. Er gibt Aufschluss \u00fcber die innere Beschaffenheit und die Entstehungsgeschichte des K\u00f6rpers.<\/p>\n<p>\u201eDas NSF\u2013DOE Rubin-Observatorium wird Dinge entdecken, von denen niemand wusste, dass man danach suchen muss\u201c, sagt Luca Rizzi, Programmdirektor f\u00fcr Forschungsinfrastruktur bei der NSF. Er erg\u00e4nzt: \u201eWenn Rubins Legacy Survey of Space and Time beginnt, wird dieser riesige rotierende Asteroid von einer Lawine neuer Informationen \u00fcber unser Universum begleitet, die jede Nacht erfasst werden.\u201c<\/p>\n<p>Festes Gestein statt loser Tr\u00fcmmer<\/p>\n<p>Die meisten gr\u00f6\u00dferen Asteroiden im Sonnensystem gelten als sogenannte \u201eGer\u00f6llhaufen\u201c (Rubble Piles). Sie bestehen aus Gesteinsst\u00fccken und Staub, die lediglich durch die eigene Schwerkraft zusammengehalten werden. F\u00fcr solche Objekte existiert eine physikalische Grenze: Im Hauptasteroideng\u00fcrtel liegt das Limit f\u00fcr die Rotationsdauer bei etwa 2,2 Stunden. Dreht sich ein Asteroid schneller, \u00fcbersteigen die Fliehkr\u00e4fte die Gravitationskraft. Er w\u00fcrde einfach auseinanderfliegen.<\/p>\n<p>Da 2025 MN45 dieses Limit deutlich unterschreitet, muss er eine hohe strukturelle Stabilit\u00e4t besitzen. Sarah Greenstreet, Assistenzastronomin am NSF NOIRLab und Leiterin der Studie, erkl\u00e4rt dazu: \u201eDieser Asteroid muss eindeutig aus einem Material bestehen, das eine sehr hohe Festigkeit aufweist, damit er bei seiner rasanten Rotation in einem St\u00fcck bleibt.\u201c Die Berechnungen des Teams zeigen, dass eine Koh\u00e4sionsfestigkeit n\u00f6tig ist, die festem Gestein entspricht. Dies widerspricht der g\u00e4ngigen Annahme, dass fast alle gro\u00dfen Objekte in dieser Region nur lose Tr\u00fcmmerhaufen sind.<\/p>\n<p>Die Technik hinter der Entdeckung<\/p>\n<p>Der Erfolg dieser Beobachtung basiert auf der technischen Ausstattung des Rubin-Observatoriums in Chile. Herzst\u00fcck ist die LSST-Kamera, die gr\u00f6\u00dfte Digitalkamera der Welt. Sie erm\u00f6glicht es, alle 40 Sekunden ein neues Bild aufzunehmen und so den Himmel in einer hohen zeitlichen Aufl\u00f6sung zu scannen.<\/p>\n<p>\u201eDie Investition des Energieministeriums in die Spitzentechnologie des Rubin-Observatoriums, insbesondere in die LSST-Kamera, erweist sich als unsch\u00e4tzbar wertvoll\u201c, sagt Regina Rameika, stellvertretende Direktorin f\u00fcr Hochenergiephysik im Energieministerium. Sie betont, dass solche Entdeckungen ein direktes Ergebnis der F\u00e4higkeit sind, hochaufl\u00f6sende Daten im Zeitbereich zu liefern.<\/p>\n<p>Neue Einblicke in den Hauptg\u00fcrtel<\/p>\n<p>Bisher fanden Astronominnen und Astronomen extrem schnelle Rotatoren vor allem in Erdn\u00e4he (Near-Earth Objects, NEOs). Im Hauptg\u00fcrtel zwischen Mars und Jupiter sind solche Entdeckungen seltener. Das liegt nicht an ihrer Abwesenheit, sondern an der Entfernung. Die Objekte dort sind lichtschw\u00e4cher und schwerer zu erfassen.<\/p>\n<p>Mit Ausnahme eines Objekts befinden sich alle 19 neu entdeckten schnellen Rotatoren im Hauptg\u00fcrtel. Das Team um Sarah Greenstreet fand neben 2025 MN45 weitere bemerkenswerte K\u00f6rper:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>2025 MJ71<\/strong>: Rotationszeit 1,9 Minuten<\/li>\n<li><strong>2025 MK41<\/strong>: Rotationszeit 3,8 Minuten<\/li>\n<li><strong>2025 MV71<\/strong>: Rotationszeit 13 Minuten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Daten stammen aus lediglich zehn Beobachtungsstunden. Aaron Roodman, stellvertretender Leiter von LSST und Professor am SLAC, sieht darin nur den Anfang: \u201eDie F\u00e4higkeit, in so kurzer Zeit Tausende neuer Asteroiden zu finden und so viel \u00fcber sie zu erfahren, ist ein Fenster zu dem, was w\u00e4hrend der zehnj\u00e4hrigen Untersuchung entdeckt werden wird.\u201c<\/p>\n<p>Ausblick auf die Zehnjahres-Mission<\/p>\n<p>In wenigen Monaten startet die Hauptmission des Observatoriums, der \u201eLegacy Survey of Space and Time\u201c (LSST). Zehn Jahre lang wird das System den s\u00fcdlichen Sternenhimmel systematisch kartieren. Die Forschenden erwarten, dabei eine Vielzahl weiterer schneller Rotatoren zu identifizieren.<\/p>\n<p>\u201eWie diese Studie zeigt, erm\u00f6glicht uns Rubin bereits in der fr\u00fchen Phase der Inbetriebnahme die Untersuchung einer Population relativ kleiner, sehr schnell rotierender Asteroiden im Hauptg\u00fcrtel, die zuvor nicht erreichbar waren\u201c, fasst Sarah Greenstreet zusammen. Die gewonnenen Daten werden dabei helfen, die Kollisionsgeschichte und die Materialeigenschaften dieser primitiven Himmelsk\u00f6rper besser zu verstehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/2041-8213\/ae2a30\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier geht es zur Originalpublikation<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"710 Meter Durchmesser und extrem schnell: Asteroid 2025 MN45 stellt die Astronomie vor R\u00e4tsel. 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