{"id":703664,"date":"2026-01-08T22:15:22","date_gmt":"2026-01-08T22:15:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/703664\/"},"modified":"2026-01-08T22:15:22","modified_gmt":"2026-01-08T22:15:22","slug":"klaus-modick-ueber-worpswede-wie-eine-kuenstlerkolonie-zur-legende-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/703664\/","title":{"rendered":"Klaus Modick \u00fcber Worpswede: Wie eine K\u00fcnstlerkolonie zur Legende wurde"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/modick118.webp.webp\" alt=\"Klaus Modick\" title=\"Klaus Modick | picture alliance\/dpa, Marcus Brandt\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Klaus Modick \u00fcber Worpswede: Wie eine K\u00fcnstlerkolonie zur Legende wurde (8 Min)<\/p>\n<p>\n                Stand: 08.01.2026 16:29 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Die Malerin Paula Modersohn-Becker war Teil der Worpsweder K\u00fcnstlerkolonie. Der Autor Klaus Modick, der ein Buch \u00fcber Worpswede geschrieben hat, erz\u00e4hlt im Gespr\u00e4ch, warum das Dorf noch immer Kunstfans magisch anzieht.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Herr Modick, das Worpswede, das Paula Modersohn-Becker um die Jahrhundertwende kennengelernt hat, was war das f\u00fcr ein Ort?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Klaus Modick:<\/strong> Das war ein Dorf 25 Kilometer n\u00f6rdlich von Bremen, was in rein l\u00e4ndlicher Bedeutungslosigkeit vor sich hin lebte &#8211; bis um 1890 der Maler Mackensen das als Motivlieferanten entdeckte. Mackensens Anwesenheit in Worpswede zog dann Kollegen von ihm nach, und es entwickelte sich dann dort in sehr kurzer Zeit eine ganze K\u00fcnstlerkolonie, im Wesentlichen bildende K\u00fcnstler: Mackensen, Otto Modersohn, der dann der Ehemann von Paula Modersohn-Becker wurde, Fritz Overbeck, Hans am Ende. Zum eigentlichen Star dieser Gruppe stieg dann &#8211; obwohl er der J\u00fcngste war &#8211; Heinrich Vogeler auf. Er war Maler, aber auch ein k\u00fcnstlerisches Universalgenie; heute w\u00fcrde man ihn wohl eher als Designer bezeichnen. Um Vogler und dessen Haus dort &#8211; das war eigentlich ein Bauernhaus, was er nach seinen eigenen Vorstellungen umgebaut hatte &#8211; das war gewisserma\u00dfen das &#8222;Camelot&#8220; von Worpswede um 1900. Die ganze Sache hing zusammen mit der Lebensreformbewegung, die damals im Schwange war, wo mit v\u00f6llig anderen Lebensmodellen wie Nacktkultur und Vegetarismus experimentiert wurde. Da passte so eine Gruppe, die nicht mehr akademisch im Atelier malte, sondern die sich ins Worpsweder Moor stellte, wunderbar rein, Sie stie\u00dfen zuerst auf gro\u00dfe Skepsis, aber dann gab es Ausstellungen in Bremen und in M\u00fcnchen, und damit wurde das zu so einem mythischen Kunstort.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/paulamodersohnbecker-102.webp.webp\" alt=\"Frau betrachtet Foto von Paula Modersohn-Becker\" title=\"Frau betrachtet Foto von Paula Modersohn-Becker | picture alliance\/dpa | Carmen Jaspersen\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Die Malerin hat einen entscheidenden Teil ihres Lebens in Worpswede verbracht. Dort erinnern nun viele Ausstellungen an ihr Leben.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Inwiefern war dieses besondere Lebensmodell au\u00dfergew\u00f6hnlich oder vielleicht dann doch auch Ausdruck der Zeit?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Modick:<\/strong> Die hatten alle ihre eigenen H\u00e4user, aber es war eine eng untereinander vernetzte Gruppe von K\u00fcnstlern. Das schloss nat\u00fcrlich auch Eifers\u00fcchteleien und Konkurrenzdenken nicht aus &#8211; daran ist das nach 1900 immer mehr gescheitert. Aber das war Ausdruck der gesamtgesellschaftlichen Atmosph\u00e4re. Zugleich gab es die st\u00e4ndig zunehmende Industrialisierung in Deutschland mit gro\u00dfer Armut unter der Arbeiterschaft: Berlin zu der Zeit mit den Hinterh\u00f6fen, wo die Leute vegetierten &#8211; das war die H\u00f6lle, und Worpswede war der Himmel.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>In Ihrem Buch &#8222;Konzert ohne Dichter&#8220; kann man eintauchen in das Leben dort. Schriftsteller und Dichter seien damals so ein bisschen wie Popstars gewesen. Was hat das f\u00fcr die Frauen in Worpswede bedeutet?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Modick:<\/strong> Es war so, dass im ausgehenden 19. Jahrhundert Frauen noch nicht an \u00f6ffentlichen Kunstakademien studieren durften. Deswegen nahmen viele Frauen, die sich da berufen f\u00fchlten oder Talent hatten, Privatunterricht bei bildenden K\u00fcnstlern. Paula Modersohn-Becker zum Beispiel hat bei Fritz Mackensen Kunstunterricht in Worpswede bekommen.<\/p>\n<p class=\"\">Von heute aus gesehen, ist Paula Modersohn-Becker mit Sicherheit die kunsthistorisch bedeutendste Figur dieser ganzen Malergruppe gewesen. Das besondere Talent, was sich v\u00f6llig unterschied von dem, was in Worpswede sonst gemalt wurde, dieses Fr\u00fchexpressionistische, das hatte da sonst niemand.<\/p>\n<p class=\"\">Wenn man \u00fcber Paula Modersohn spricht, darf man von ihrem Mann nicht schweigen, weil der ihr vieles erm\u00f6glicht hat. Paula ist mehrfach nach Paris gegangen und hat da Kunst gesehen, die es zu der Zeit in Deutschland noch gar nicht gab und in Worpswede schon mal gar nicht. Paula hat am Ende mit Otto Modersohn ein Kind bekommen, und ist leider an den Folgen dieser Geburt sehr fr\u00fch gestorben.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/worpswede760.webp.webp\" alt=\"Expressionistisches Backstein-Geb\u00e4ude in Worpswede\" title=\"Expressionistisches Backstein-Geb\u00e4ude in Worpswede | picture alliance\/imageBROKER, Daniel Schoenen\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Museen, Ateliers und Galerien pr\u00e4gen den Ort bei Bremen. Namhafte K\u00fcnstler haben dort ihre Spuren hinterlassen.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Warum ist Worpswede heute immer noch so ein Ort, der uns so verzaubert? Es kommen immer noch Menschen in Scharen, um sich Worpswede anzugucken.<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Modick:<\/strong> Inzwischen ist Worpswede das Museum seines eigenen Ruhms. Denn der Kunsttourismus, der in Warpswede herrscht, wird nicht mehr angezogen durch die dort jetzt arbeitenden K\u00fcnstler &#8211; da sind ja immer noch K\u00fcnstler unterschiedlicher Couleur und unterschiedlicher Sparten t\u00e4tig. Aber wenn man diese Namen nennt, die ich auch nicht nennen kann, dann zuckt jeder mit den Schultern und sagt: Kenne ich nicht. Was kein Qualit\u00e4tsurteil sein soll. Kennen tun aber alle Modersohn, Vogler, Rilke, also die Besetzung des 19. Jahrhunderts. Das strahlt immer noch nach als so ein Mythos deutscher Geistes- und Kunstgeschichte. Das suchen die Leute und das kriegen sie auch, aber eben nur noch museal.<\/p>\n<p class=\"\">Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/anna-novak,anna1554.html\" title=\"Anna Nov\u00e1k\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anna Nov\u00e1k<\/a>.<\/p>\n<p>        Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/kunst\/malerei,malerei111.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Malerei<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Klaus Modick \u00fcber Worpswede: Wie eine K\u00fcnstlerkolonie zur Legende wurde (8 Min) Stand: 08.01.2026 16:29 Uhr Die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":703665,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,162378,1794,2705,1411,34046,215,34043],"class_list":{"0":"post-703664","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-klaus-modick","13":"tag-kunst-und-design","14":"tag-malerei","15":"tag-niedersachsen","16":"tag-paula-modersohn-becker","17":"tag-unterhaltung","18":"tag-worpswede"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115861790728647937","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/703664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=703664"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/703664\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/703665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=703664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=703664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=703664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}