{"id":704648,"date":"2026-01-09T07:47:13","date_gmt":"2026-01-09T07:47:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/704648\/"},"modified":"2026-01-09T07:47:13","modified_gmt":"2026-01-09T07:47:13","slug":"berlin-sind-pr-touren-die-neuen-kinofilme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/704648\/","title":{"rendered":"Berlin | Sind PR-Touren die neuen Kinofilme?"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; K\u00fcrzlich erschien ein Video mit Timoth\u00e9e Chalamet, das angeblich nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmt war. Darin zu sehen: eine Besprechung von ihm mit dem Marketing-Team seines neuen Films \u00abMarty Supreme\u00bb. Chalamet stellt darin wahnwitzige Ideen zum Marketing des Films vor, etwa: die Freiheitsstatue in Orange, der Signaturfarbe von \u00abMarty Supreme\u00bb, zu streichen.<\/p>\n<p>Im Lauf des Videos werden Chalamets Ideen immer absurder &#8211; und es wird klar, dass das von der Produktionsfirma A24 hochgeladene Video selbst ein cleverer Marketinggag ist.<\/p>\n<p>Provokation als Teil der Rolle<\/p>\n<p>\u00abMarty Supreme\u00bb (deutscher Kinostart: 26. Februar) wird gerade zu einem Paradebeispiel f\u00fcr ein Ph\u00e4nomen, das in der Branche immer h\u00e4ufiger auftritt: Die PR-Phase ist nicht mehr blo\u00dfe Begleitung eines Films. Sie ist ein wichtiger Teil des Kulturerlebnisses.<\/p>\n<p>Das zeigt ein weiteres Beispiel aus der Promo von \u00abMarty Supreme\u00bb: Ger\u00fcchte \u00fcber ein angeblich gel\u00f6schtes Interview machten die Runde, in dem Chalamet arrogant davon gesprochen haben soll, in seiner neuen Rolle \u00abtop-level shit\u00bb und seine beste Performance jemals zu zeigen.\u00a0<\/p>\n<p>Ist Chalamet v\u00f6llig gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig geworden, fragten daraufhin manche. Nein, er betreibe nur \u00abmethod campaigning\u00bb, antworteten andere &#8211; mache also im Stil des \u00abmethod acting\u00bb Werbung im Charakter seiner neuen Filmrolle: eines arroganten, gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen M\u00f6chtegern-Sportprofis.<\/p>\n<p>Vermarktung des Films ist so wichtig wie Film-Story selbst<\/p>\n<p>Das Interessante an diesen zwei Aktionen ist die Mechanik dahinter: Film-PR an sich wird gespr\u00e4chswertig, und die Grenze zwischen Film, Marketing und Performance verschwimmt. Ein Wandel in der Kinolandschaft, den Branchenkenner best\u00e4tigen.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDie &#8222;Story&#8220; der Vermarktung ist inzwischen mindestens so wichtig wie die Geschichte des Films selbst\u00bb, sagt der Filmproduzent Martin Moszkowicz. \u00abDie Vorstellung, man k\u00f6nne einen Film kurzfristig platzieren, weil das Publikum erst kurz vor dem Kinobesuch entscheidet, ist \u00fcberholt &#8211; zumindest bei Blockbustern. Hier braucht es einen langen, sorgf\u00e4ltig aufgebauten Vorlauf, um \u00fcberhaupt relevant wahrgenommen zu werden.\u00bb<\/p>\n<p>Dass sich die Art, wie Filme beworben werden, ver\u00e4ndert hat, findet auch Moderator Steven G\u00e4tjen. Heute n\u00e4hmen \u00abStars durch ihre Social-Media-Accounts und ihre Reichweite deutlich mehr Einfluss darauf, was wann wie gepostet und gezeigt wird. Viele von ihnen wollen zudem nicht mehr das klassische Interview geben, sondern durch besondere Aktionen eine andere Art von Buzz kreieren.\u00bb<\/p>\n<p>Zendaya und das \u00abWicked\u00bb-Team: Inszenierung der Promo<\/p>\n<p>Virale Video-Clips und Social-Media-Stunts erzeugen Geschichten, Diskussionen und Emotionen, bevor ein Gro\u00dfteil der Leute den Film \u00fcberhaupt sehen konnte. Das lie\u00df sich k\u00fcrzlich etwa auch bei den beiden Teilen des Musicalfilms \u00abWicked\u00bb verfolgen, als die Promo-Tour von Ariana Grande und Cynthia Erivo f\u00fcr manche noch unterhaltsamer war als der Film selbst.\u00a0<\/p>\n<p>Die Stars pr\u00e4sentierten sich in Interviews besonders emotional und einander zugewandt, wiederholt brachen sie in Tr\u00e4nen aus, was in den sozialen Netzwerken viel kommentiert wurde. Grande trug zum Beispiel auch privat blondes Haar wie ihre Filmrolle. Nach Ende der Promo-Tour hat sie es wieder braun f\u00e4rben lassen.<\/p>\n<p>Auch andere Filmstars inszenieren eigent\u00fcmliche Werbetouren. Etwa Zendaya, die sich bei Terminen vor dem Kinostart des Tennis-Films \u00abChallengers\u00bb nur noch in Tennis-Outfits zeigte.\u00a0<\/p>\n<p>In ihrem n\u00e4chsten Film \u00abThe Drama\u00bb (deutscher Kinostart 2. April) spielen Zendaya und Robert Pattinson ein Paar, dessen Beziehung kurz vor der Hochzeit aus dem Gleichgewicht ger\u00e4t. Die Produktionsfirma sorgte vorab mit einem PR-Stunt f\u00fcr Erheiterung: Sie schaltete eine vermeintlich echte Verlobungsanzeige des Film-Paars in einer Zeitung.<\/p>\n<p>Kampf um Aufmerksamkeit ver\u00e4ndert Filmwelt<\/p>\n<p>Wieso wird pl\u00f6tzlich in die Bewerbung eines Films so viel kreative Energie gesteckt? Dazu Moszkowicz: \u00abDer Grund liegt vor allem im massiv gewachsenen Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Filme konkurrieren heute nicht mehr nur miteinander, sondern mit einem permanenten Strom aus Serien, Games, Social Media und globalen Events. Entsprechend haben sich bei gro\u00dfen Filmen sowohl der Werbezeitraum als auch die notwendige Kontaktfrequenz erheblich verl\u00e4ngert.\u00bb<\/p>\n<p>Der Film- und Kulturwissenschaftler Marcus Stiglegger von der Filmakademie Baden-W\u00fcrttemberg spricht ebenfalls davon, dass der Kampf um Aufmerksamkeit st\u00e4rker werde. Den Grund sieht er in der Online-Welt: \u00abDie Einf\u00fchrung des Internets ver\u00e4nderte nicht nur die Filmdistribution, die heute weitgehend als Onlinestream stattfindet und Kinos als Auswertungsort zunehmend infrage stellt, sondern auch die Aufmerksamkeits\u00f6konomie des Publikums.\u00bb<\/p>\n<p>Aktuelle Beispiele wie \u00abMarty Supreme\u00bb zeigten, dass kommunikative Marketingstrategien f\u00fcr den Erfolg von Kinofilmen heute entscheidender werden, findet Stiglegger. Hinzu kommt: Chalamet gilt momentan als einer der popul\u00e4rsten Schauspieler Hollywoods.<\/p>\n<p>Steven G\u00e4tjen: Chalamet ist \u00abThe Hottest Thing\u00bb<\/p>\n<p>Er sei mit der Art, wie er Aufmerksamkeit erzeuge, \u00abund auch was seinen Status in Hollywood betrifft, momentan &#8222;The Hottest Thing&#8220;\u00bb, sagt G\u00e4tjen. \u00abEr geht nicht nur bei der Rollenauswahl ungew\u00f6hnliche Wege, sondern auch bei der Promotion. Das finde ich klasse.\u00bb<\/p>\n<p>Ganz neu ist ein Vorab-Hype um Filme aber nicht, wie Filmwissenschaftler Stiglegger erkl\u00e4rt. \u00abEin vergleichsweise kleiner Indie-Film wie &#8222;The Blair Witch Project&#8220; bewies bereits 1999, dass kommunikatives crossmediales Marketing effektiv sein konnte.\u00bb Als einer der ersten Filme nutzte \u00abBlair Witch Project\u00bb gezielt das Internet als Marketingplattform. Die Grenzen zwischen Realit\u00e4t und Fiktion verschwammen: Eine scheinbar dokumentarische Website erz\u00e4hlte die Geschichte der verschwundenen Filmfiguren so, als w\u00e4re sie real.<\/p>\n<p>Werbe-Budgets der Filme steigen<\/p>\n<p>Heutzutage ist unkonventionelles Filmmarketing \u00fcblicher als vor gut 25 Jahren. Die Werbe-Budgets seien zudem in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, sagt Moszkowicz &#8211; \u00abund das, obwohl einige klassische Kostenbl\u00f6cke wie Kopien oder Versand stark zur\u00fcckgegangen sind und andere traditionell sehr teure Bereiche wie Print- oder TV-Werbung an Bedeutung verloren haben.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Stiglegger sagt: Empirische Forschung best\u00e4tige, \u00abdass Trailer, Social-First-Videos, Behind-the-Scenes-Clips und Community-Engagement heute effektiver sind als traditionelle Filmwerbung, weil sie Gespr\u00e4che, Teilhabe und virale Effekte ausl\u00f6sen.\u00bb<\/p>\n<p>Man geht heute also nicht mehr nur ins Kino, um einen Film zu sehen, sondern um ein bereits existierendes, von Marketing und Hype inszeniertes Erlebnis zu vollenden. Der Film selbst wirkt dabei fast wie der letzte Akt eines Schauspiels, das l\u00e4ngst im Feed, auf Tiktok und in Memes begonnen hat.\u00a0<\/p>\n<p>In Bezug auf \u00abMarty Supreme\u00bb sei aber schon mal so viel verraten: Kritiker sind sich einig, dass auch der Film selbst ein ziemliches Ereignis ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; K\u00fcrzlich erschien ein Video mit Timoth\u00e9e Chalamet, das angeblich nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmt war.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":704649,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,92,30,95,2549,62,1940,1938,64,10275],"class_list":{"0":"post-704648","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-berlin","11":"tag-berlin-news","12":"tag-deutschland","13":"tag-film","14":"tag-germany","15":"tag-kino","16":"tag-leute","17":"tag-medien","18":"tag-nachrichten-aus-berlin","19":"tag-news-aus-berlin","20":"tag-usa","21":"tag-werbung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115864039971351728","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/704648","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=704648"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/704648\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/704649"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=704648"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=704648"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=704648"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}