{"id":705288,"date":"2026-01-09T13:41:16","date_gmt":"2026-01-09T13:41:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/705288\/"},"modified":"2026-01-09T13:41:16","modified_gmt":"2026-01-09T13:41:16","slug":"sorge-vor-staatlicher-gewalt-bei-massenprotesten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/705288\/","title":{"rendered":"Sorge vor staatlicher Gewalt bei Massenprotesten"},"content":{"rendered":"<p>Teheran (dpa) &#8211; Inmitten massiver Proteste gegen die autorit\u00e4re Staatsf\u00fchrung ist der Iran fast vollst\u00e4ndig von der Au\u00dfenwelt abgeschnitten. Nur sehr wenige Informationen dringen nach au\u00dfen. Die Bev\u00f6lkerung ist vom Internet abgeschnitten. Damit reagiert die Staatsf\u00fchrung auf die bislang heftigsten Demonstrationen seit Beginn der Unruhen Ende Dezember.<\/p>\n<p>Wie bei fr\u00fcheren Protestwellen w\u00e4chst die Sorge vor brutaler staatlicher Repression. Irans oberster F\u00fchrer Ajatollah Ali Chamenei stellte einen harten Kurs gegen die Demonstrierenden in Aussicht. Auch die Justiz drohte mit einer Bestrafung ohne Nachsicht. Menschenrechtsorganisationen zufolge sind schon jetzt Dutzende Menschen von Sicherheitskr\u00e4ften get\u00f6tet worden. Auch auf Seite der Staatskr\u00e4fte soll es Todesopfer geben.<\/p>\n<p>Am Donnerstag waren die Proteste im Iran eskaliert. Nachdem in den Tagen zuvor vor allem in l\u00e4ndlichen Regionen im Westen des Landes demonstriert worden war, erfassten die Unruhen nun auch die Metropolen. In Teheran und in Maschhad str\u00f6mten Menschenmassen auf Pl\u00e4tze und Hauptverkehrsadern. Aufgerufen zu dem j\u00fcngsten Protest hatte Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gest\u00fcrzten Schahs, der aus dem Exil eine F\u00fchrungsrolle in der Opposition f\u00fcr sich beansprucht.<\/p>\n<p>Bev\u00f6lkerung vom Internet abgeschnitten<\/p>\n<p>Wegen der Internetsperre war am Freitag zun\u00e4chst unklar, wie sich die Proteste im Land weiterentwickeln. Airlines strichen vor\u00fcbergehend Fl\u00fcge in das Land. In sozialen Medien kursierten Videos von Aktivisten, die verletzte und blut\u00fcberstr\u00f6mte Demonstrierende zeigen sollen. Unabh\u00e4ngig \u00fcberpr\u00fcfen lie\u00dfen sich die Aufnahmen zun\u00e4chst nicht. Bilder aus den Millionenmetropolen zeigten Menschenmassen auf den Stra\u00dfen \u2013 in einem Ausma\u00df, wie es seit Jahren nicht mehr zu sehen war.<\/p>\n<p>Nur der staatliche Rundfunk ver\u00f6ffentlicht auf seinem Telegram-Kanal noch offizielle Nachrichten aus dem Land. Andere Medien mussten ihre Arbeit einstellen. Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten einen Einbruch des Web-Traffics um 99,9 Prozent. Ein kleiner Teil des Milit\u00e4r- und Machtapparats d\u00fcrfte das Internet weiter frei nutzen k\u00f6nnen. Auch per Telefon waren Kontakte im Iran zun\u00e4chst nicht mehr erreichbar.<\/p>\n<p>Sorge vor gewaltsamer Niederschlagung der Proteste<\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndige Internetsperre weckt Erinnerungen an das staatliche Vorgehen vor rund sechs Jahren: Damals protestierten vor allem Menschen wegen stark gestiegener Benzinpreise. Der Staat verh\u00e4ngte eine fast einw\u00f6chige Internetsperre, w\u00e4hrend der nach Sch\u00e4tzungen von Menschenrechtlern Hunderte Demonstrierende get\u00f6tet wurden. In sozialen Medien \u00e4u\u00dferten viele Iranerinnen und Iraner die Sorge vor einer Wiederholung der Gewalt.<\/p>\n<p>Irans oberster F\u00fchrer Chamenei verurteilte die Proteste. In einer am Freitag ver\u00f6ffentlichten Rede sprach der 86-J\u00e4hrige von \u00abUnruhestiftern\u00bb und \u00abdem Land sch\u00e4dlichen\u00bb Menschen. \u00abEs gibt auch Leute, deren Arbeit Zerst\u00f6rung ist\u00bb, sagte er. Sie richteten Zerst\u00f6rung an, \u00abnur damit sich der Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten freut\u00bb, sagte das Staatsoberhaupt mit Blick auf Donald Trump. Der US-Pr\u00e4sident hat der iranischen F\u00fchrung bereits mehrfach mit einem Einschreiten gedroht, sollte die Staatsmacht Demonstranten t\u00f6ten.\u00a0<\/p>\n<p>Chamenei signalisiert hartes Vorgehen gegen Proteste<\/p>\n<p>Noch am Mittwoch hatte Irans Pr\u00e4sident Massud Peseschkian die Sicherheitskr\u00e4fte zur Zur\u00fcckhaltung aufgerufen und betont, der Staat werde bei friedlichen Protesten ma\u00dfvoll reagieren. Doch nun signalisierte Chamenei, der zugleich Oberbefehlshaber der Streitkr\u00e4fte sowie politisches und religi\u00f6ses Oberhaupt des Landes ist, ein hartes Vorgehen. \u00abDie Islamische Republik ist mit dem Blut von mehreren Hunderttausend ehrenhaften Menschen an die Macht gekommen\u00bb, zitierte ihn der staatliche Rundfunk. \u00abZerst\u00f6rerischem Handeln\u00bb werde man nicht nachgeben.<\/p>\n<p>Justiz k\u00fcndigt harte Strafen an<\/p>\n<p>Dazu passend drohte Irans Justiz den Demonstrierenden. \u00abDie Bestrafung der aufr\u00fchrerischen und unruhestiftenden Elemente wird entschlossen, maximal und ohne jegliche gesetzliche Nachsicht erfolgen\u00bb, sagte Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi dem staatlichen Rundfunk zufolge. Bei vergangenen Protestwellen hatte die Justiz auch Todesurteile verh\u00e4ngt. Im Herbst 2022 waren Menschenmassen unter dem Motto \u00abFrau, Leben, Freiheit\u00bb auf die Stra\u00dfe gegangen. Im Zusammenhang mit den Aufst\u00e4nden lie\u00df der Staat danach mindestens zw\u00f6lf Menschen hinrichten.<\/p>\n<p>Ausgel\u00f6st wurden die Demonstrationen Ende Dezember durch eine massive Wirtschaftskrise und einen pl\u00f6tzlichen Absturz der landeseigenen W\u00e4hrung Rial. In Teheran gingen daraufhin w\u00fctende H\u00e4ndler auf die Stra\u00dfe. Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet. Schon davor war die Unzufriedenheit in der Bev\u00f6lkerung angesichts von Dauerkrisen gestiegen. Auch f\u00fcr Freitagabend hatte Pahlavi zu weiteren Protesten aufgerufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Teheran (dpa) &#8211; Inmitten massiver Proteste gegen die autorit\u00e4re Staatsf\u00fchrung ist der Iran fast vollst\u00e4ndig von der Au\u00dfenwelt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":705289,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[3364,507,29,30,345,8970,1209],"class_list":{"0":"post-705288","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-de","9":"tag-demonstration","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-iran","13":"tag-muenster","14":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115865431907305889","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/705288","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=705288"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/705288\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/705289"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=705288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=705288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=705288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}