{"id":70578,"date":"2025-04-29T12:19:13","date_gmt":"2025-04-29T12:19:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/70578\/"},"modified":"2025-04-29T12:19:13","modified_gmt":"2025-04-29T12:19:13","slug":"wie-kieler-forscher-die-geschichte-der-weltmeere-konservieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/70578\/","title":{"rendered":"Wie Kieler Forscher die Geschichte der Weltmeere konservieren"},"content":{"rendered":"<p class=\"\">\n                    Es ist kalt. Nicht eisig, aber doch so, dass man den Kragen instinktiv ein St\u00fcck h\u00f6her zieht. In der Halle, in der meterhohe Regale aus Metall stehen, gef\u00fcllt mit Boxen, herrscht eine Temperatur von vier Grad. Hier lagert das, was aus den allen Weltmeeren geborgen wurde: Sedimentkerne, konservierte Geschichte des Meeresbodens.\n            <\/p>\n<p>            Kieler Forscher lagern Meeresboden <\/p>\n<p class=\"\">\n                    \u201eF\u00fcr die Forschung nehmen wir seit rund 60 Jahren Proben vom Meeresboden\u201c, sagt Dr. Doris Maicher vom Geomar Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Ozeanforschung in Kiel. Sie ist die Kuratorin der Sammlung. \u201eDamit das Material m\u00f6glichst im Originalzustand erhalten bleibt, ist es hier ungef\u00e4hr so kalt wie auf dem Meeresboden.\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Eine \u00dcbersicht der gelagerten Sedimentkerne gibt es im Internet. Die \u00e4ltesten Proben stammen von 1964 und wurden vor der K\u00fcste \u00c4gyptens entnommen. Der tiefste Kern wurde in 8.323 Meter Wassertiefe im Puerto Rico Graben am S\u00fcdwestrand des Nordatlantiks geborgen. Wo sich diese in der 600 Quadratmeter gro\u00dfen Halle befinden, wei\u00df Maicher auf Anhieb nicht. \u201eWir haben hier eine chaotische Lagerhaltung. Die Datenbank wei\u00df, wo was ist\u201c, sagt sie.\n            <\/p>\n<p>\n                                Circa 35.000 Kernsegmente werden im Lager aufbewahrt.<br \/>\n                            Foto: J\u00fcrgen Sieg<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kernlager-7145-2.jpg\" title=\"Circa 35.000 Kernsegmente werden im Lager aufbewahrt.\" alt=\"Circa 35.000 Kernsegmente werden im Lager aufbewahrt.\" class=\"lightbox__single-image__content__image-wrapper__img\" loading=\"lazy\" width=\"375\" height=\"249\"\/>Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize<\/p>\n<p>SchliessenX ZeichenKleines Zeichen welches ein X symbolisiert<\/p>\n<p><img class=\"lightbox--enabled__container__image-wrapper__img\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>            Anfragen f\u00fcr Proben aus aller Welt<\/p>\n<p class=\"\">\n                    F\u00fcr die Forschung ist die Sammlung ein Schatz. \u201eImmer wieder gibt es neue Forschungsfragen oder -methoden. Dann greift man unter Umst\u00e4nden auf altes Material zur\u00fcck\u201c, sagt Maicher. Expeditionen, bei denen die Sedimentkerne geborgen werden, kosten schnell mehrere tausend Euro. \u201eDer Wert der hier lagert, liegt im Millionenbereich\u201c, sagt Maicher. Anfragen f\u00fcr Proben aus dem Lager kommen aus aller Welt, sie werden per Post an Institute und Universit\u00e4ten verschickt.\n            <\/p>\n<p>\n                                In einem wei\u00dfen Container lagern gek\u00fchlte Kleinproben.<br \/>\n                            Foto: J\u00fcrgen Sieg<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kernlager-7296.jpg\" title=\"In einem wei\u00dfen Container lagern gek\u00fchlte Kleinproben.\" alt=\"In einem wei\u00dfen Container lagern gek\u00fchlte Kleinproben.\" class=\"lightbox__single-image__content__image-wrapper__img\" loading=\"lazy\" width=\"375\" height=\"249\"\/>Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize<\/p>\n<p>SchliessenX ZeichenKleines Zeichen welches ein X symbolisiert<\/p>\n<p><img class=\"lightbox--enabled__container__image-wrapper__img\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Die Sedimentkerne werden mit einem sogenannten Schwerelot entnommen. An Bord werden die Kerne in Meterst\u00fccke geschnitten, der L\u00e4nge nach halbiert und wie ein Buch aufgeklappt. Eine H\u00e4lfte dient der Arbeit und darf beprobt werden, die andere bleibt f\u00fcr das Archiv erhalten und nur mit zerst\u00f6rungsfreien Methoden wie beispielsweise R\u00f6ntgen untersucht werden.\n            <\/p>\n<p>            Kleine Fossilien, gro\u00dfe Erkenntnisse<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Die Forschungsthemen sind vielf\u00e4ltig: Klimawandel, Vulkanausbr\u00fcche, Hangrutschungen. \u201eF\u00fcr die Pal\u00e4oklimaforschung untersuchen wir die Mikrofossilien, die in den Sedimentkernen sind. Die sind kleiner als ein Millimeter\u201c, sagt Maicher und holt sogleich kleine, wei\u00dfen Figuren hervor. \u201eWeil man das nicht so gut sieht, haben wir die in einem 3D-Drucker gr\u00f6\u00dfer ausgedruckt.\u201c Die Forscher untersuchen beispielsweise die Anzahl der unterschiedlichen Arten in den Sedimentkernen, den Kalk der Schale oder die Isotope.\n            <\/p>\n<p>\n                                3D-Modelle der in den Sedimenten enthaltenen Mikrofossilien.<br \/>\n                            Foto: J\u00fcrgen Sieg<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kernlager-7158-1.jpg\" title=\"3D-Modelle der in den Sedimenten enthaltenen Mikrofossilien.\" alt=\"3D-Modelle der in den Sedimenten enthaltenen Mikrofossilien.\" class=\"lightbox__single-image__content__image-wrapper__img\" loading=\"lazy\" width=\"375\" height=\"249\"\/>Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize<\/p>\n<p>SchliessenX ZeichenKleines Zeichen welches ein X symbolisiert<\/p>\n<p><img class=\"lightbox--enabled__container__image-wrapper__img\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Am Eingang der Halle arbeitet Isabel Diercks in einem kleinen Labor gerade an einem r\u00f6tlich gef\u00e4rbten Sedimentkern. Konzentriert f\u00fcllt sie Partikel in kleine Glasbeh\u00e4lter, mit dem blo\u00dfen Auge sind die Partikel kaum zu sehen. Die Doktorandin erforscht die Hydrothermalsysteme im Roten Meer. In fachlichen Worten erl\u00e4utert sie ihre Arbeit, doch f\u00fcr Laien bleibt vor allem h\u00e4ngen: hier entsteht ein weiteres Kapitel im gro\u00dfen Buch der Ozeanforschung schreibt.\n            <\/p>\n<p>            Konflikte und Kriege blockieren Forschung<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Und, das gerade in Zeiten globaler Krisen und Kriege, Lager und Archive wie das am Ostufer in Kiel an Bedeutung gewinnen. \u201eSeit einem Jahr versuche ich neue Proben aus dem Roten Meer zu bekommen, aber kein Forschungsschiff will dorthin\u201c, sagt Diercks. Der Nahost-Konflikt und die Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz machen die Region f\u00fcr die Wissenschaft unzug\u00e4nglich. Forscher m\u00fcssen auf das zur\u00fcckgreifen, was bereits geborgen und in Lagern wie in Kiel archiviert wurde.\n            <\/p>\n<p>\n                                Isabel Diercks untersucht ein Sediment aus dem Roten Meer.<br \/>\n                            Foto: J\u00fcrgen Sieg<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/kernlager-7266-1.jpg\" title=\"Isabel Diercks untersucht ein Sediment aus dem Roten Meer.\" alt=\"Isabel Diercks untersucht ein Sediment aus dem Roten Meer.\" class=\"lightbox__single-image__content__image-wrapper__img\" loading=\"lazy\" width=\"375\" height=\"249\"\/>Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize<\/p>\n<p>SchliessenX ZeichenKleines Zeichen welches ein X symbolisiert<\/p>\n<p><img class=\"lightbox--enabled__container__image-wrapper__img\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist kalt. 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