{"id":706112,"date":"2026-01-09T21:07:11","date_gmt":"2026-01-09T21:07:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/706112\/"},"modified":"2026-01-09T21:07:11","modified_gmt":"2026-01-09T21:07:11","slug":"so-vereinbart-nrw-minister-liminski-seinen-glauben-und-die-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/706112\/","title":{"rendered":"So vereinbart NRW-Minister Liminski seinen Glauben und die Politik"},"content":{"rendered":"<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Herr Liminski, es scheint so, als w\u00e4ren wir derzeit von mehr Krisen denn je umgeben: Die Kriege in Nahost und in der Ukraine, das Agieren der USA, die NATO ist geschw\u00e4chter denn je, jetzt droht Trump auch noch Gr\u00f6nland. Wie besorgt sind Sie pers\u00f6nlich?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Nathanael Liminski (Minister f\u00fcr Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen):\u00a0<\/strong>Ich kann verstehen, dass viele Menschen den Eindruck haben, diese Zeit sei besonders gepr\u00e4gt von Krisen, Konflikten und Kriegen. Umso wichtiger ist es, dass sie nat\u00fcrlich auch die gegenteilige Erfahrung machen, dass Politik, die sie selbst gew\u00e4hlt haben, funktioniert und dass der Staat seiner Grundfunktion nachkommt.\u00a0<\/p>\n<p>Das versuchen wir hier in Nordrhein-Westfalen, und das gelingt mal mehr, mal weniger \u2013 aber ich glaube, insgesamt schon. Das ist auch wichtig, damit wir die Fliehkr\u00e4fte nicht zu gro\u00df werden lassen, sowohl was die Gegner von au\u00dfen angeht, aber nat\u00fcrlich auch die von innen, die versuchen, mit der Wut und dem Zorn politisch zu wirtschaften und nicht wirklich L\u00f6sungen beizutragen.\u00a0<\/p>\n<p>        Nathanael Liminski<\/p>\n<p>&#8222;Ich ziehe Hoffnung aus meinem Glauben. Aus der Gewissheit, als Politiker nur f\u00fcr die vorletzten Antworten zust\u00e4ndig zu sein und nicht f\u00fcr die letzten.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Woraus ziehen Sie pers\u00f6nlich Hoffnung?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Liminski:\u00a0<\/strong>Ich pers\u00f6nlich ziehe Hoffnung zum einen aus meinem Glauben. Aus der Gewissheit, als Politiker nur f\u00fcr die vorletzten Antworten zust\u00e4ndig zu sein und nicht f\u00fcr die letzten. Das ist keine Flucht aus der Verantwortung, sondern das ist auch ein St\u00fcck weit einfach, auf dem Boden zu bleiben und nat\u00fcrlich selbst zu erleben, dass das, was ich tue, auch eine Wirkung hat und etwas ver\u00e4ndern kann. Das ist auch ein Privileg politischer \u00c4mter, das ich erleben darf. Das ist nat\u00fcrlich auch mit viel Arbeit verbunden und manchem Opfer, aber das tue ich gern.\u00a0<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Wie oft lassen Sie sich in Ihrem politischen Alltagsgesch\u00e4ft von Ihrem Glauben, Ihren \u00dcberzeugungen und Ihren christlichen Werten leiten?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Liminski:\u00a0<\/strong>Ich glaube, der christliche Glaube pr\u00e4gt das Menschenbild und damit auch das Bild von einer Gesellschaft, sicherlich auch das Verh\u00e4ltnis von Staat und einzelnen B\u00fcrgern. Das ist etwas, wobei die &#8222;Grundierung&#8220; eine ganz relevante Rolle spielt. In Einzelfragen ist das seltener der Fall, als man landl\u00e4ufig meint.\u00a0<\/p>\n<p>Nicht jede Frage ist ein Glaubenskonflikt oder eine Gewissensentscheidung, sondern h\u00e4ufig einfach eine G\u00fcterabw\u00e4gung: Was ist gut f\u00fcr Land und Leute? Das ist der Ma\u00dfstab, den ich auch in meinem Amt anzuwenden habe, und dem versuche ich gerecht zu werden.<\/p>\n<p>        Nathanael Liminski<\/p>\n<p>&#8222;Mit Blick auf die Migrationspolitik streiten in mir ein St\u00fcck weit der Christ Nathanael Liminski und der Konservative und Amtstr\u00e4ger Nathanael Liminski.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Aber manche politischen Entscheidungen sind eben doch Gewissensentscheidungen, Stichwort Migrationspolitik oder damals die Corona-Politik. Wie oft sehen Sie als Politiker, der gleichzeitig ein gl\u00e4ubiger Mensch ist, dass die Realpolitik mit Ihren pers\u00f6nlichen, christlichen Werten kollidiert? Der Christ w\u00fcrde beispielsweise zu den Migranten, die zu uns kommen, sagen: Lasst sie alle zu uns kommen, denn sie sind Gesch\u00f6pfe Gottes, wir m\u00fcssen sie aufnehmen und mit W\u00fcrde behandeln. Die CDU sagt hingegen: Es geht nicht, nicht alle k\u00f6nnen hier rein. Wie oft stehen Sie da vor einem Dilemma?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Liminski:\u00a0<\/strong>Es ist schon so, dass gelegentlich mein Anspruch, aus dem christlichen Maximum, aus dem christlichen Optimum, aus dem christlichen Ideal heraus, und die Realit\u00e4t kollidieren. Sowohl die Realit\u00e4t im Land als auch die Realit\u00e4t des eigenen Tuns. Dann ist mir wichtig, zu vermitteln: Was wollte ich, was w\u00fcrde ich gerne, wonach strebe ich? Diese Haltung zum Ausdruck zu bringen. Und gleichzeitig zu erkl\u00e4ren, warum all das vielleicht nicht geht.\u00a0<\/p>\n<p>Minister Nathanael Liminski bei einem Gottesdienst im K\u00f6lner Dom.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die Migrationspolitik etwa streiten dann in mir, ein St\u00fcck weit der Christ Nathanael Liminski und der Konservative und Amtstr\u00e4ger Nathanael Liminski der sehen muss: Was kann dieses Land leisten, versus was w\u00fcrde man gerne, dass dieses Land leisten kann? Das ist dann sozusagen der Konflikt, den man aushalten muss und den man auch erkl\u00e4ren kann.\u00a0<\/p>\n<p>Wichtig ist, dass man pers\u00f6nlich erl\u00e4utert, was einen antreibt. Es kann insofern schon noch dem christlichen Anspruch gerecht werden, in der Frage, wie Sie dar\u00fcber reden. Dass Sie zum Beispiel den einzelnen Menschen mit seiner W\u00fcrde im Blick behalten und auch so behandeln, und ihn nicht als Masse oder als Problem objektiviert behandeln. Dann bleibt es christlich, trotz Konflikten.\u00a0<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Die Mitgliedszahlen der Kirchen in Deutschland schrumpfen beharrlich. Es gibt eine immer geringere gesellschaftliche und politische Relevanz der Kirchen. Kirchen werden auch immer seltener von der Politik bei gro\u00dfen moralischen und ethischen Fragen und Entscheidungen als Ratgeber einbezogen, im Vergleich zu fr\u00fcher. Bedauern Sie das, oder muss man das einfach auch als eine gesellschaftliche Entwicklung hinnehmen, im Zuge der S\u00e4kularisierung?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Liminski:\u00a0<\/strong>Zum einen gibt es nat\u00fcrlich eine starke Diversifizierung von Meinungen und Perspektiven. Durch die Digitalisierung werden auch die Perspektiven aus der ganzen Welt hereingeholt, durch das Internet, durch soziale Netzwerke, sodass die Vielfalt der Meinungen, der Einsch\u00e4tzungen, der Bewertungen nat\u00fcrlich rasant zugenommen und damit nat\u00fcrlich die Bedeutung Einzelner abgenommen hat.\u00a0<\/p>\n<p>Das andere ist, dass nat\u00fcrlich die Bindungskraft nachl\u00e4sst, wenn es weniger Mitglieder und Kirchg\u00e4nger gibt. Das geh\u00f6rt einfach zur Wahrheit dazu. Deswegen muss sich die Kirche im Dritten selbst die Frage stellen: Wie sehr gelingt es ihr, die Botschaft relevant f\u00fcr heute und f\u00fcr jeden Einzelnen zu \u00fcbersetzen in diese Zeit?\u00a0<\/p>\n<p>        Nathanael Liminski<\/p>\n<p>&#8222;Christen sind ja nicht Christ f\u00fcr sich selbst, um sich gut zu f\u00fchlen oder um irgendeinen Leistungskatalog zu erf\u00fcllen, sondern am Ende, um diese Welt menschlicher zu machen.&#8220;<\/p>\n<p>Mit Kirche meine ich aber nicht nur die Bisch\u00f6fe und die hauptamtlichen Strukturen, sondern Jede und Jeden selbst. Denn auch die Laien sind Kirche. Das dann zu \u00fcbersetzen und zu vermitteln, im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch, auch durch das Zeugnis, im Internet, in sozialen Netzwerken, und damit anderen erm\u00f6glichen, sich selbst das zu eigen zu machen, das ist der gro\u00dfe Auftrag dieser Zeit.\u00a0<\/p>\n<p>Wichtig ist mir, immer wieder daran zu erinnern: Wir tun das ja nicht f\u00fcr uns selbst. Christen sind nicht Christen f\u00fcr sich selbst, um sich gut zu f\u00fchlen oder um irgendeinen Leistungskatalog zu erf\u00fcllen. Sondern, am Ende, sind sie da um diese Welt menschlicher zu machen und auch anderen den Weg zu er\u00f6ffnen. Das ist der Grund f\u00fcr die Weitergabe des Glaubens.<\/p>\n<p>Ich halte das im \u00dcbrigen f\u00fcr sozusagen das erste Gebot, das nicht f\u00fcr sich zu behalten, wenn man das als Schatz und Hoffnung erlebt hat, erleben durfte, sondern das dann auch weiterzugeben.\u00a0<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:\u00a0<\/strong>Wo sehen Sie die katholische Kirche in 50 Jahren?\u00a0<\/p>\n<p><strong>Liminski:\u00a0<\/strong>Ich hoffe, dass die katholische Kirche in 50 Jahren noch mehr f\u00fcr sich selbst erkannt hat, worin ihr &#8222;unique selling point&#8220; f\u00fcr diese Welt und f\u00fcr die Menschen in dieser Welt und in dieser Zeit liegt, und den vielleicht noch besser als heute vermittelt bekommt. Das ist aber ein st\u00e4ndiges Ringen.\u00a0<\/p>\n<p>        Nathanael Liminski<\/p>\n<p>&#8222;Es h\u00e4ngt am Ende auch nicht nur am Bodenpersonal, sondern diese Kirche hat einen Grund, warum es sie gibt und warum sie geschaffen worden ist.&#8220;<\/p>\n<p>So war es im \u00dcbrigen auch durch all die Jahrhunderte hindurch, und insofern k\u00f6nnen wir uns auch ein St\u00fcck weit darauf verlassen, dass auch andere Generationen vor diesem Konflikt standen. Man glaubt immer, in der aktuellen Generation sei es am allerschwersten. Aber wir haben gleichzeitig auch so viele Chancen wie keine andere Generation. Wir haben so viel kumuliertes Wissen wie keine andere Generation vor uns. Wir haben so viele technische M\u00f6glichkeiten wie keine andere Generation vor uns.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn wir so die Perspektive wechseln, dann mache ich mir um die Zukunft der Kirche am Ende keine Sorgen. Dies liegt auch daran, dass es eine Zusage vom Stifter dieser Kirche gibt. Es h\u00e4ngt am Ende auch nicht nur am Bodenpersonal, sondern diese Kirche hat einen Grund, warum es sie gibt und weshalb sie geschaffen worden ist. Darauf m\u00fcssen wir uns verlassen, ohne uns darauf auszuruhen.\u00a0<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Ina Rottscheidt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"DOMRADIO.DE:\u00a0Herr Liminski, es scheint so, als w\u00e4ren wir derzeit von mehr Krisen denn je umgeben: Die Kriege in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":706113,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[29,30,1420,1209],"class_list":{"0":"post-706112","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-koeln","11":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115867186107079243","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/706112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=706112"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/706112\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/706113"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=706112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=706112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=706112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}