{"id":706985,"date":"2026-01-10T05:32:19","date_gmt":"2026-01-10T05:32:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/706985\/"},"modified":"2026-01-10T05:32:19","modified_gmt":"2026-01-10T05:32:19","slug":"wie-der-hausfotograf-der-horten-collection-das-haus-sieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/706985\/","title":{"rendered":"Wie der Hausfotograf der Horten Collection das Haus sieht"},"content":{"rendered":"<p>Seit November 2025 ist <strong>Agnes Husslein-Arco<\/strong> nicht mehr Direktorin der Horten Collection. Die Institution, die sie ihrer Nachfolgerin <strong>Verena Kaspar-Eisert<\/strong> hinterlie\u00df, ist vielleicht der niedrigschwelligste Ort, an dem in Wien hochrangige, teure Kunst gezeigt wird: Man betritt das Foyer und steht gleich zwischen Werken von Kirchner, Chagall oder Warhol.<\/p>\n<p>Das Museum ist bunt \u2013 vom zuletzt mit klimafreundlichem Belag eingef\u00e4rbten Vorplatz bis zur Website \u2013 und ein bisschen drunter und dr\u00fcber: Meist wuseln Schulklassen durch die offenen R\u00e4ume und die frei stehenden Treppen auf und ab.<\/p>\n<p>Kurz: Fast alles ist so, wie es in den Fotografien von <strong>Ouriel Morgensztern<\/strong> nicht ist.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfformatigen Schwarz-Wei\u00df-Bilder, die als letzte von Husslein orchestrierte \u201eIntervention\u201c noch bis 12. April im Parterre des Museums gezeigt werden, geben dem zum Privatmuseum umgebauten ehemaligen Garagengeb\u00e4ude die Anmutung eines modernistischen Monuments: Nirgendwo sind Menschen zu sehen, daf\u00fcr nehmen die Treppen, Stiegengel\u00e4nder und gl\u00e4sernen Dachfl\u00e4chen eine stille, schwere Monumentalit\u00e4t an. Die Kontraste sind hart, die Schatten scharf gezogen \u2013 und wirkt fast, als h\u00e4tte jemand in den Bildern den Ton abgedreht.<\/p>\n<p>    Spiel und Ernst<\/p>\n<p>Morgensztern, der seit der Er\u00f6ffnung des Museums 2022 oft als \u201eHausfotograf\u201c der Horten Collection agierte und in dessen Auftrag eher konventionelle Ausstellungsansichten, aber auch Dokumentationen von Vernissagen und anderen Events anfertigte, wagt sich hier ans andere Ende seines stilistischen Spektrums. Bei aller Ernsthaftigkeit, die die Bilder verstr\u00f6men, meint man auch ein spielerisches Element zu erkennen.\u00a0<\/p>\n<p>Der in Paris geborene Fotograf, der nach Stationen in S\u00fcdfrankreich und Israel seit 20 Jahren in Wien lebt, hat jedenfalls einen Reichtum an fotohistorischen Referenzpunkten parat und wei\u00df, wie Bauhaus-K\u00fcnstler wie Laszlo Moholy-Nagy mit radikalen Untersichten und gekippten Blickwinkeln agierten, um mithilfe der Fotografie neuartige R\u00e4ume, neue Bauten, neue Monumente zu schaffen.<\/p>\n<p>Auch Morgenszterns Perspektiven auf die Horten Collection betonen gern das Abstrakte, Monumentale. So wirken die von unten gesehenen, aber um 90 Grad gekippten Aufnahmen von Plateaus im Museum wie zweckfreie minimalistische Skulpturen , die Handl\u00e4ufe und Relings fast wie eine abstrakte Konstruktion eines El Lissitzky.<\/p>\n<p>Doch dann sorgen wieder witzige Details daf\u00fcr, dass man Morgensztern den modernen Puristen nicht ohne Augenzwinkern abnimmt: Die Pranke einer Tierskulptur aus der Sammlung oder der Bildausschnitt, der den Schriftzug \u201eHorten\u201c kurzerhand zum \u201eORT\u201c verk\u00fcrzt, l\u00e4sst Morgenstzern gar als leicht subversiven, jedenfalls aber mit Schalk ausgestatteten Beobachter erscheinen. In jedem Fall halten die Bilder im Museum kurz die Uhren an \u2013 und lassen fragen, ob das Haus in seiner n\u00e4chsten Entwicklungsphase wohl eher das Strenge oder das Quietschige forciert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit November 2025 ist Agnes Husslein-Arco nicht mehr Direktorin der Horten Collection. 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