{"id":707046,"date":"2026-01-10T06:08:12","date_gmt":"2026-01-10T06:08:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/707046\/"},"modified":"2026-01-10T06:08:12","modified_gmt":"2026-01-10T06:08:12","slug":"schillernder-star-aber-kein-chamaeleon-vor-10-jahren-starb-david-bowie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/707046\/","title":{"rendered":"Schillernder Star, aber kein Cham\u00e4leon: Vor 10 Jahren starb David Bowie"},"content":{"rendered":"<p>Dutzende Kerzen zwischen Rosen vor der T\u00fcre in der Hauptstra\u00dfe 155 in Berlin. Ein Meer von Bl\u00fcten vor dem Mural in London. Und in der Lafayette Street 285 in New York \u201eRest in Peace\u201c- und Danke-Botschaften, CD-Cover und andere Abschiedsgeschenke zwischen Blumenstr\u00e4u\u00dfen.<\/p>\n<p>Das war die Szenerie, als am 10. J\u00e4nner 2016 bekannt wurde, dass David Bowie gestorben war. Die Fans pilgerten zu den Orten, an denen er gelebt hatte, trauerten und sangen seine Songs. Vor der Wohnung in Sch\u00f6neberg, wo er von 1976 bis 1978 mit Iggy Pop residierte, beim Wandbild in Brixton nahe der Stansfield Road, wo er aufgewachsen war, und vor dem Apartment im Big Apple, in dem er die letzten Jahrzehnte mit seiner Frau Iman und Tochter Lexi gl\u00fccklich gewesen war.<\/p>\n<p>All das hatte Bowie in dem am 8. 1. 2016 (seinem 69. Geburtstag) erschienenen Album \u201eBlackstar\u201c visualisiert. Er hatte es aufgenommen, w\u00e4hrend er gegen den Leberkrebs k\u00e4mpfte. Es war ein letztes Meisterwerk, gepr\u00e4gt von Jazz-Kl\u00e4ngen, ganz anders als das rockige \u201eThe Next Day\u201c von 2013.<\/p>\n<p>    Nie angepasst<\/p>\n<p>Genau diese Wandlungsf\u00e4higkeit machte den als David Robert Jones geborenen Musiker so einzigartig. \u201eCham\u00e4leon\u201c nannte man ihn deshalb. Er hasste das. \u201eEin Cham\u00e4leon \u00e4ndert seine Farbe, um sich anzupassen. Ich mache das Gegenteil\u201c, war sein Standpunkt. Mit gutem Grund. Bowie hat sich fast immer gegen den Mainstream gestemmt, mit jedem seiner 26 Studio-Alben etwas Neues geliefert.\u00a0<\/p>\n<p>Mit \u201eEarthling\u201c erforschte er Drum \u2019n\u2019 Bass, mit \u201eLow\u201c die Welt der Synthesizer, weil er die Sounds von Kraftwerk liebte. Als er der Plattenfirma nach dem Soul-Album \u201eYoung Americans\u201c das grandiose, aber experimentelle \u201eStation To Station\u201c lieferte, schlug deren Boss ihm vor, zur\u00fcck ins Studio zu gehen und etwas im Stil des funkigen Nummer-eins-Hits \u201eFame\u201c zu schreiben. Bowies Reaktion: \u201eIch habe vor Wut gezittert!\u201c<\/p>\n<p>Immer offen f\u00fcr Neues<\/p>\n<p>\u201eVer\u00e4nderung\u201c war David Bowies Lebensmotto und Selbstverst\u00e4ndnis als K\u00fcnstler, wie er 1971 in dem Song \u201eChanges\u201c beschrieb. Die Basis daf\u00fcr lag in seiner genauso humorvollen wie feinsinnigen und zeitweise depressiven Pers\u00f6nlichkeit. Er erschuf wechselnde Charaktere, weil er zu Beginn seiner Karriere zu sch\u00fcchtern war, um als er selbst aufzutreten. Er blieb bis zum Tod neugierig und begeisterungsf\u00e4hig, sei es auf Underground-Musikstile, technische Innovationen wie das Internet, bildende Kunst (er malte selbst, besa\u00df Gem\u00e4lde von Tintoretto und Hockney), neue Str\u00f6mungen in Literatur und Film.<\/p>\n<p>Sein zehn Jahre \u00e4lterer Halbbruder Terry stellte ihm die Werke der Beatpoeten vor, weshalb Bowie f\u00fcr die Texte seiner Songs mit der \u201eCut-up\u201c-Technik von William S. Burroughs experimentierte. Ebenfalls \u00fcber Terry lernte er fern\u00f6stliche Kunst und Philosophien kennen, was zu einer \u201elebenslangen Faszination mit allem Asiatischen\u201c f\u00fchrte. Die spiegelte sich immer wieder in seiner Kunst, etwa im Video von \u201eChina Girl\u201c oder den B\u00fchnen-Outfits der \u201eZiggy Stardust\u201c-Zeit.<\/p>\n<p>Dieses ikonische Album etablierte Bowie nach ersten Erfolgen mit dem Song \u201eSpace Oddity\u201c 1972 endg\u00fcltig als Vision\u00e4r der Rock-Szene. \u201eSpace Oddity\u201c war noch ausschlie\u00dflich von \u201e2001: Odyssee im Weltraum\u201c gepr\u00e4gt, einem Film, der in Bowie eine ebenso lebenslange Faszination mit dem All ausl\u00f6ste. Bei \u201eZiggy Stardust\u201c, einem Konzeptalbum \u00fcber einen Au\u00dferirdischen, kamen seine Erfahrungen mit Lindsay Kemp hinzu.<\/p>\n<p>Bowie hatte bei dem britischen Pantomime-Star Unterricht genommen, konzipierte mit der \u201eZiggy Stardust\u201c-Musik gleich die B\u00fchnenshow mit, begr\u00fcndete damit die Glam-Rock-\u00c4ra.<\/p>\n<p>Oft sagte Bowie, er stehle nur von anderen K\u00fcnstlern. Aber er machte sich alle Einfl\u00fcsse zu eigen. Mit seinem Talent, Visuelles und Musik zu einem Gesamtkunstwerk zu verschmelzen, mit seinem charismatischen Gesang und mit seinen Themen, die sich h\u00e4ufig um Entfremdung und der Suche nach dem Sinn des Lebens drehten. Vor allem aber mit seinem unfehlbaren Instinkt, komplexe Melodien zu schreiben, sie \u00fcber genauso komplexe Harmoniefolgen zu legen und zu eing\u00e4ngigen und eindringlichen Rock-Songs zu machen.<\/p>\n<p>Das Resultat: 140 Millionen verkaufte Tontr\u00e4ger, Klassiker wie \u201eThe Jean Genie\u201c, \u201eStarman\u201c, \u201eHeroes\u201c oder \u201eLife On Mars?\u201c. Songs, die David Bowie-Fans auch heute wieder in der Lafayette Street, beim Mural in Brixton und in Sch\u00f6neberg singen werden, um den Ausnahmek\u00fcnstler zu feiern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dutzende Kerzen zwischen Rosen vor der T\u00fcre in der Hauptstra\u00dfe 155 in Berlin. 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