{"id":707332,"date":"2026-01-10T08:50:15","date_gmt":"2026-01-10T08:50:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/707332\/"},"modified":"2026-01-10T08:50:15","modified_gmt":"2026-01-10T08:50:15","slug":"populisten-im-schock-dw-09-01-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/707332\/","title":{"rendered":"Populisten im Schock \u2013 DW \u2013 09.01.2026"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahren preist <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ungarn\/t-17548083\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ungarns<\/a> Premier <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/viktor-orban\/t-18980484\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Viktor Orban<\/a> ihn unerm\u00fcdlich als &#8222;Mann des Friedens&#8220;. F\u00fcr die Waffenruhe zwischen Israel und den Pal\u00e4stinensern lobte er den <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/donald-trump\/t-18901598\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump<\/a> in den h\u00f6chsten T\u00f6nen. Orban behauptet auch: W\u00e4re Trump 2022 Pr\u00e4sident gewesen, h\u00e4tte Russland seinen Krieg gegen die Ukraine niemals begonnen. <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/orban-bei-trump-posing-und-gesch\u00e4fte-zweier-rechtspopulisten\/a-74673562\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Trump ist Teil von Orbans &#8222;Friedensrethorik&#8220;<\/a> &#8211; ein Eckpfeiler im gegenw\u00e4rtigen Wahlkampf des ungarischen Premiers.<\/p>\n<p>Doch als der &#8222;Mann des Friedens&#8220; am 3. Januar <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/trumps-milit\u00e4rschlag-gegen-venezuela\/t-75118398\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Venezuela angreifen<\/a> und den Diktator <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/nicol\u00e1s-maduro\/t-47264148\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nicolas Maduro<\/a> kidnappen lie\u00df, herrschte in Orbans Kommunikationskan\u00e4len stundenlanges Schockschweigen. Am Abend erschienen auf der Facebook-Seite des Premiers zwei d\u00fcrftige S\u00e4tze: Es gebe nach der Milit\u00e4raktion in Venezuela &#8222;keine ungarischen Betroffenen oder Verletzten&#8220;. Man sei mit den ungarischen Botschaften der Region in Kontakt, damit kein Ungar in Gefahr gerate.<\/p>\n<p>Erst zwei Tage sp\u00e4ter fand Viktor Orban auf seiner regul\u00e4ren Pressekonferenz am Jahresanfang einen Dreh, mit dem er Trumps Angriff auf Venezuela erkl\u00e4ren konnte. Es gehe um die &#8222;Beseitigung eines Narko-Staates&#8220;. Das sei f\u00fcr Ungarn eine &#8222;freudige Nachricht&#8220;. Sp\u00e4ter lie\u00df der Premier zu seinen Worten auf Facebook ein Kurzvideo posten, das ungarische Polizisten bei einer Anti-Drogen-Razzia zeigte. Stellungnahmen zum V\u00f6lkerrecht sind von Orban bisher nicht zu h\u00f6ren. Damit Trump in Ungarn nicht als &#8222;Mann des Krieges&#8220; dasteht, spricht Orban von einer &#8222;Venezuela-Krise&#8220;.<\/p>\n<p>Kalt erwischt<\/p>\n<p>Der von Trump befohlene Angriff auf Venezuela und das Diktatoren-Kidnapping hat die mittel- und s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Staaten, von denen die meisten als besonders US-freundlich gelten, kalt erwischt &#8211; darunter vor allem jene, in denen Populisten und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wie-trumps-unterst\u00fctzung-f\u00fcr-rechte-parteien-europa-spaltet\/a-75136742\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">autorit\u00e4re Trump-Fans<\/a> an der Macht sind. Obwohl viele der Letzteren selbst trickreich an geltenden Rechtsordnungen vorbeiregieren oder sie nach Belieben ver\u00e4ndern, herrscht bei ihnen nach dem \u00dcberfall auf Venezuela nun \u00fcberwiegend eine Mischung aus Schockstarre und Schmallippigkeit, bei manchen auch Entsetzen.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"75432074\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/75432074_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Donald Trump an einem Mikrofon\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Trump bei einer Pressekonferenz nach der Gefangennahme von Nicolas MaduroBild: Molly Riley\/Avalon\/Photoshot\/picture alliance<\/p>\n<p>Der ungarische Publizist Imre Para-Kovacs analysiert die Stimmung in der Region im Wochenmagazin HVG so: &#8222;Venezuela ist das erste Land. Aber auch die Holzkopf-Politiker Europas k\u00f6nnten sich schnell in einem New Yorker Gef\u00e4ngnis wiederfinden.&#8220;<\/p>\n<p>Andere Beobachter weisen darauf hin, dass die Gefahr in Trumps neuer Weltordnung f\u00fcr Mittel- und S\u00fcdosteuropa nun vor allem aus Russland komme. F\u00fcr Polen sieht der Publizist Artur Bartkiewicz &#8222;sehr dunkle Wolken am Horizont aufziehen&#8220;, wie er in der Zeitung Rzeczpospolita schreibt. Die polnische Sicherheitsexpertin Justyna Gotkowska urteilt in einem Facebook-Beitrag, Russland werde &#8222;die USA und ihre Bereitschaft zur Verteidigung der bisher aufrechterhaltenen Grenzen auf die Probe stellen&#8220;.<\/p>\n<p>Das Schweigen der Souver\u00e4nisten<\/p>\n<p>Es ist unklar, ob sich <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/polen\/t-17565924\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Polens<\/a> rechtspopulistischer Staatspr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/karol-nawrocki\/t-73834627\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karol Nawrocki<\/a> dessen bewusst ist. Er schweigt bis heute zum US-Angriff auf Venezuela. Auch sonst herrscht im Lager der polnischen Rechtspopulisten und Rechtsextremen eher Schweigen oder die Ansicht, man solle sich m\u00f6glichst wenig und h\u00f6chstens vorsichtig \u00e4u\u00dfern, um den langj\u00e4hrigen Verb\u00fcndeten USA nicht zu verprellen.<\/p>\n<p>Au\u00dfenminister Radoslaw Sikorski schreibt dazu auf X sarkastisch: &#8222;Es vergeht ein weiterer Tag, an dem unsere Souver\u00e4nisten die Souver\u00e4nit\u00e4t Venezuelas nicht verteidigen. Gilt sie etwa nur gegen\u00fcber der Europ\u00e4ischen Union, die sie nicht bedroht?&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"75074627\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/75074627_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Andrej Babis hinter Mikrofonen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Der tschechische Premier Andrej BabisBild: Petr David Josek\/AP Photo\/picture alliance<\/p>\n<p>In <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/tschechien\/t-17966056\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tschechien<\/a> reagierte der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/tschechischer-ex-premier-und-milliard\u00e4r-andrej-babis-wechselt-zu-europas-rechtsextremen\/a-69743625\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rechtspopulist Andrej Babis<\/a>, der seit wenigen Wochen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/tschechiens-neue-regierung-unter-premier-andrej-babis-ein-rechtsruck-mit-vielen-unbekannten\/a-75175590\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erneut als Regierungschef amtiert<\/a>, ebenfalls vorsichtig und mit einem betroffenen Unterton. &#8222;Hoffen wir, dass all dies dazu f\u00fchren wird, dass die B\u00fcrger Venezuelas Freiheit und Demokratie genie\u00dfen k\u00f6nnen und dass sie eine demokratische Regierung w\u00e4hlen werden.&#8220;<\/p>\n<p>Der Milliard\u00e4r Babis wird mitunter als &#8222;tschechischer Trump&#8220; tituliert und ist selbst jemand, der seine Positionen je nach politischer Konjunktur oder Interessenlage schnell wechselt. Gegen ihn wird seit Jahren wegen Subventionsbetrugs ermittelt, auch steht er wegen\u00a0Interessenkonflikten zwischen Politik und Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten in der Kritik.<\/p>\n<p>Entsetzen bei Fico<\/p>\n<p>Anders als seine mitteleurop\u00e4ischen Verb\u00fcndeten in Polen, Tschechien und Ungarn reagierte der slowakische Premier Robert Fico. &#8222;Das V\u00f6lkerrecht gilt nicht mehr, milit\u00e4rische Macht wird ohne UN-Mandat genutzt und jeder, der gro\u00df und stark ist, tut was er will, um seine eigenen Interessen durchzusetzen&#8220;, schrieb Fico nur Stunden nach dem US-Angriff auf Venezuela entsetzt auf Facebook. &#8222;Als Ministerpr\u00e4sident eines kleinen Landes muss ich eine solche Verletzung des V\u00f6lkerrechts entschlossen zur\u00fcckweisen. Ich bin gespannt, wie die EU auf den Angriff auf Venezuela reagieren wird, der es verdient, verurteilt zu werden.&#8220;<\/p>\n<p>Einen Tag sp\u00e4ter legte Fico etwas milder nach und sagte, er werde alles daf\u00fcr tun, dass die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/slowakei\/t-17966086\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Slowakei<\/a> sich &#8222;niemals in milit\u00e4rische Abenteuer&#8220; verstricke. Ansonsten aber bleibe seinem Land\u00a0nicht viel \u00fcbrig, als dem Konflikt zwischen den USA und Venezuela &#8222;tatenlos zuzusehen&#8220;.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"74276203\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74276203_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Robert Fico breitet die H\u00e4nde aus\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Der slowakische Premier Robert FicoBild: Roman Hanc\/TASR\/dpa\/picture alliance<\/p>\n<p>Fico steht &#8211; anders als Nawrocki, Babis und Orban &#8211; Trump eher distanziert gegen\u00fcber. Der slowakische Premier ist nominell Sozialdemokrat, hat sich aber in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem nationalistischen Rechtspopulisten entwickelt. Derzeit versucht er, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/premier-robert-fico-slowakei-blockade-eu-sanktionen-russland-anti-eu-rhetorik-victor-orban-v3\/a-73350374\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Slowakei nach Orbanschem Vorbild umzubauen<\/a>. Kritik daran sieht er zunehmend als anti-slowakische Verschw\u00f6rung, vor allem, nachdem im Mai 2024 ein Attentat auf ihn ver\u00fcbt wurde, das er fast nicht \u00fcberlebt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Macht des serbischen Pr\u00e4sidenten bedroht<\/p>\n<p>Mit blankem Entsetzen reagierte auch der serbische Staatspr\u00e4sident Aleksandar Vucic auf den US-Angriff auf Venezuela. &#8222;Die internationale Rechtsordnung und die UN-Charta funktionieren nicht mehr&#8220;, sagte Vucic bei einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrates in Belgrad am 3. Januar. &#8222;Die Welt wird vom Gesetz der Gewalt, dem Gesetz des St\u00e4rkeren beherrscht, und das ist das einzige Prinzip der modernen Politik, das es heute in der Welt gibt.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"74993932\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74993932_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Aleksandar Vucic hinter Mikrofonen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Der serbische Pr\u00e4sident Aleksandar VucicBild: Filip Stevanovic\/Anadolu\/picture alliance<\/p>\n<p>Es sind Worte, die aus dem Mund von <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/serbien\/t-17595808\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Serbiens<\/a> Machthaber halb grotesk, halb zynisch klingen. Der Nationalist und Rechtspopulist Vucic, einst Informationsminister des Diktators Slobodan Milosevic, regiert im gr\u00f6\u00dften Land des Westbalkans seit \u00fcber zehn Jahren autokratisch und oft am Rande der Legalit\u00e4t. Er versuchte, Trumps Wohlwollen auf vielf\u00e4ltige Weise zu gewinnen, zuletzt mit einem umstrittenen Immobilienprojekt in Belgrad unter F\u00fchrung von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, das jedoch scheiterte.<\/p>\n<p>Derzeit steht Serbiens \u00d6lindustrie wegen der US-Sanktionen gegen den russischen Energiesektor stark unter Druck. Au\u00dferdem bedrohen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/jahrestag-des-bahnhofsungl\u00fccks-massenproteste-in-novi-sad\/a-74583555\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">seit \u00fcber einem Jahr andauernde B\u00fcrgerproteste<\/a> Vucics Macht.<\/p>\n<p>Einsame Herrscher<\/p>\n<p>Insgesamt wird durch Trumps Politik in Mittel- und S\u00fcdosteuropa sichtbar, wie einsam die nationalistischen und populistischen Herrscher mit ihren jeweils ganz spezifischen Interessen dastehen. Das gilt besonders f\u00fcr Ungarns Premier Orban, der seit Jahren darum bem\u00fcht ist, eine m\u00e4chtige <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/initiative-f\u00fcr-neue-rechtsau\u00dfen-fraktion-im-eu-parlament\/a-69517729\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Allianz der Rechtspopulisten und Rechtsextremen zu schmieden<\/a> &#8211; mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg.<\/p>\n<p>Orban k\u00f6nnte nun auch gr\u00f6\u00dfter Leidtragender der Politik jenes Mannes werden, den er seit Jahren so heftig umschmeichelt. Ungarns Premier br\u00fcstete sich lange damit, dass er der treueste und engste Verb\u00fcndete des US-Pr\u00e4sidenten in Europa sei und dass er, zusammen mit Trump, f\u00fcr Frieden in Europa und der Welt stehe &#8211; w\u00e4hrend in Br\u00fcssel &#8222;Kriegstreiber&#8220; an der Macht seien. Dieses Narrativ ist nun zusammengebrochen.<\/p>\n<p>Orban scheint die Gefahr f\u00fcr die Parlamentswahl im April zu erkennen: An diesem Freitag (9.1.2026) postete er auf Facebook einen pers\u00f6nlichen Brief Trumps von Anfang Dezember vergangenen Jahres. Darin bedankt sich der US-Pr\u00e4sident bei Orban f\u00fcr eine Einladung nach Ungarn,\u00a0l\u00e4sst aber offen, ob und wann er kommt. F\u00fcr Orban, soviel ist klar,\u00a0w\u00e4re ein Wahlkampfbesuch Trumps von h\u00f6chster Wichtigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit Jahren preist Ungarns Premier Viktor Orban ihn unerm\u00fcdlich als &#8222;Mann des Friedens&#8220;. 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