{"id":707534,"date":"2026-01-10T10:44:10","date_gmt":"2026-01-10T10:44:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/707534\/"},"modified":"2026-01-10T10:44:10","modified_gmt":"2026-01-10T10:44:10","slug":"bruder-paulus-sieht-auch-in-krisenzeiten-hoffnungszeichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/707534\/","title":{"rendered":"Bruder Paulus sieht auch in Krisenzeiten Hoffnungszeichen"},"content":{"rendered":"<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Die anhaltenden Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, die US-Intervention in Venezuela. Die NATO wackelt und die Nationalisten sind auf dem Vormarsch, ebenso der Klimawandel: Wir sind derzeit von multiplen Krisen umgeben. Viele Menschen erleben diese Situation als hoffnungslos. Sie auch?<\/p>\n<p><strong>Bruder Paulus Terwitte (<\/strong><a href=\"https:\/\/www.bruderpaulus.de\/buch-stark-durch-den-wandel\/#profil\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Autor, Kapuziner und Leiter des Kapuzinerklosters in M\u00fcnster<\/strong><\/a><strong>): <\/strong>In dieser Welt gab es schon immer Krisen, ein Blick in die Kirchengeschichte und die Weltgeschichte reichen. Immer schon waren die Menschen herausgefordert, zu reagieren auf das, was durch Entscheidungen der M\u00e4chtigen in Gang gesetzt wurde. Immer schon haben sie sich ohnm\u00e4chtig gef\u00fchlt und mussten sich neu zurechtfinden in einer ver\u00e4nderten Welt. Im Verlauf der Menschheitsgeschichte sind wir also nicht allein mit der Lage, ich finde, das ist ein wichtiger Punkt.<\/p>\n<p>        Bruder Paulus<\/p>\n<p>&#8222;Solange Kriege eine Nachricht wert sind, sind sie offenbar noch eine Abweichung von der Normalit\u00e4t.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Ist es also eine Frage der Wahrnehmung, weil wir heute alle Nachrichten quasi in Echtzeit aus jeder Ecke der Welt erhalten?<\/p>\n<p><strong>Bruder Paulus:<\/strong> Die Logik der Medien, die ich sehr gut kenne, ist die, dass nur eine schlechte Nachricht eine Nachricht ist. Abweichungen von der Normalit\u00e4t werden vermeldet.<\/p>\n<p>Das bedeutet aber auch: Solange Kriege eine Nachricht wert sind, sind sie offenbar noch eine Abweichung von der Normalit\u00e4t. Und normal ist eben, dass keine Kriege und keine Gewalt herrschen. Das halte ich mir vor Augen f\u00fcr die richtige Haltung f\u00fcr mein Leben: Ich schaue, auch in meinem pers\u00f6nlichen Leben: Wo ist Normalit\u00e4t? Und in Deutschland geht es uns heute \u2013 trotz allem \u2013 so gut wie schon lange nicht mehr. Und dann m\u00fcssen wir sehen, was abweicht und wie uns das herausfordert, selbst t\u00e4tig zu werden.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Ist das die Basis f\u00fcr Hoffnung, auch in \u2013 scheinbar \u2013 hoffnungslosen Zeiten?<\/p>\n<p><strong>Bruder Paulus:<\/strong> F\u00fcr mich ist Hoffnung nicht das Ergebnis eines Denkprozesses, sondern der Denkprozess macht mich erstmal realistisch. Und Hoffnung ist etwas, was Gott in mein Herz hineingestiftet hat, n\u00e4mlich die Zusage, dass er uns alle und diese Welt so gewollt hat und dass dieser Wille nicht zur\u00fcckgenommen wird.<\/p>\n<p>Als Christ f\u00fcge ich noch hinzu, dass das Leid und die Dunkelheit, die wir in dieser Welt erfahren haben, Gott selbst geteilt hat. Wir haben in den dunklen Stall von Bethlehem geschaut, wir werden ins Grab schauen an Ostern und wir werden dann sehen: Die Auferstehung und das Licht sind st\u00e4rker als alles andere.<\/p>\n<p>Und das ist das, was in meinem Herzen auch ist: Ich sehe in jeder Herausforderung, in jeder dunklen Wolke, in jeder schlechten Nachricht zwar die Dunkelheit, aber es ist in Gottes Hand. Und das ist alle ein Teil des kreativen Prozesses, den Gott in Richtung Auferstehung f\u00fchrt.<\/p>\n<p>        Bruder Paulus<\/p>\n<p>&#8222;Der Glaube ist neben Hoffnung und Liebe eine der g\u00f6ttlichen Tugenden, die in jedem Menschen angelegt sind.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Das hei\u00dft, der Glaube hilft beim Hoffen?<\/p>\n<p><strong>Bruder Paulus:<\/strong> Der Glaube ist neben Hoffnung und Liebe eine der g\u00f6ttlichen Tugenden, die in jedem Menschen angelegt sind. Im Herzen eines jeden Menschen steckt die Kraft seines Menschseins, die F\u00e4higkeit zu vertrauen, dass Auferstehung und eine gute Entwicklung m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Ich spreche in der Seelsorge mit vielen Menschen, ich war lange Notfallseelsorger und habe in der Hospizarbeit Sterbende und Trauernde begleitet. Und ich teile mit ihnen diese Not und dieses Leid, wie Gott es tut. Indem wir uns in der Not solidarisieren, das Gespr\u00e4ch nicht abbrechen, nicht die Isolation w\u00e4hlen, sondern unsere Schw\u00e4chen und \u00c4ngste zeigen d\u00fcrfen, kann die Hoffnung wieder ihr Werk tun.<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Hilft Beten dabei?<\/p>\n<p><strong>Bruder Paulus: <\/strong>Wenn Beten nicht auf das Aufsagen von Formeln reduziert wird! Ich bete zum Beispiel jeden Tag den Rosenkranz und lasse mich in den Rhythmus von Sprache hineinfallen und in die Zusage, dass der Herr mit mir ist, auch in der Stunde des Todes. Darin bin ich geborgen und zuversichtlich, dass sich darin sich etwas auftun wird, in dem ich bestehen werde. Nicht so, wie ich mir das w\u00fcnsche, aber in einer ganz neuen Gestalt.<\/p>\n<p>        Bruder Paulus<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin da sehr zuversichtlich und hoffnungsfroh, weil Gott nicht aufh\u00f6rt, Neues zu schaffen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>DOMRADIO.DE:<\/strong> Und was ist Ihr Rat als Seelsorger an die Menschen in Sorge, was ist der erste Schritt da raus?<\/p>\n<p><strong>Bruder Paulus:<\/strong> Der erste Schritt ist, sich anzuvertrauen. Seelsorge ist die helfende Hand, die wir denen reichen, die zittern, die Angst haben, die im Dunkeln sind. Indem ich bei ihnen bin, d\u00fcrfen sie schwach sein und dann kann der Keim der Hoffnung wachsen.<\/p>\n<p>Ich sage als Seelsorger eigentlich ziemlich wenig, sondern ich zeige den Menschen: Du darfst dich bei mir sehen lassen, in deiner Not, in deiner S\u00fcnde, in deiner Verwirrung, in deinem Durcheinander. Ich w\u00fcrde mir sehr w\u00fcnschen, dass unsere Gottesdienste auch Orte w\u00e4ren, in denen es f\u00fcr das alles mehr Raum gibt, in denen wir nicht nur Halleluja singen, sondern auch miteinander klagen.<\/p>\n<p>Und zugleich sollte dieses &#8222;da sein&#8220; die Berufung eines jeden Christen sein. Ich besuche oft Gemeinden, die mir erz\u00e4hlen: &#8222;Es geht alles zu Ende, es ist alles weniger!&#8220; Dann sage ich: &#8222;Liebe Leute, wenn als Christen das Ende sehen, dann sehen wir auch schon das Leuchten der Auferstehung.&#8220; Und das ist eigentlich ein Grund zur Freude. Sonst w\u00e4re unser ganzes Reden vom Tod und von der Auferstehung Jesu sinnlos. Aber das haben viele nicht so auf dem Schirm. Aber ich bin da sehr zuversichtlich und hoffnungsfroh, weil Gott nicht aufh\u00f6rt, Neues zu schaffen.<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Ina Rottscheidt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"DOMRADIO.DE: Die anhaltenden Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, die US-Intervention in Venezuela. 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