{"id":707622,"date":"2026-01-10T11:37:18","date_gmt":"2026-01-10T11:37:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/707622\/"},"modified":"2026-01-10T11:37:18","modified_gmt":"2026-01-10T11:37:18","slug":"europa-besorgt-ueber-berichte-aus-iran-ihre-sz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/707622\/","title":{"rendered":"Europa besorgt \u00fcber Berichte aus Iran &#8211; Ihre SZ"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Seit rund zwei Wochen gehen in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Iran\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Iran<\/a> landesweit M\u00e4nner und Frauen gegen die dramatische Wirtschaftskrise auf die Stra\u00dfe \u2013 und damit zunehmend auch gegen das islamische Regime. Ausl\u00f6ser war der Rekordtiefstand der Landesw\u00e4hrung Rial Ende Dezember. Zun\u00e4chst waren es vor allem H\u00e4ndler und Ladenbesitzer, die ihre Gesch\u00e4fte schlossen, die T\u00fcren verriegelten und protestierend durch die Stra\u00dfen zogen. Inzwischen hat sich die Bewegung landesweit ausgeweitet: Armut, Unmut und Perspektivlosigkeit greifen immer weiter um sich.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Am Donnerstag und Freitag erreichten die Proteste ein neues Ausma\u00df. Nach Angaben des US-amerikanischen\u00a0<a href=\"https:\/\/understandingwar.org\/research\/middle-east\/iran-update-january-8-2026\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Institute for the Study of War<\/a> wurden allein am Donnerstag 156 Demonstrationen in 27 iranischen Provinzen registriert. In Teheran waren ganze Hauptstra\u00dfen voll mit Menschen. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/politik\/iran-jina-mahsa-amini-protestbewegung-jahrestag-e542711\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Damit sind es die gr\u00f6\u00dften Proteste seit der \u201eFrau, Leben, Freiheit\u201c-Bewegung im Herbst 2022<\/a>. Ausl\u00f6ser der Massendemonstrationen war damals der Tod der Kurdin Jina Mahsa Amini. Die 22-J\u00e4hrige wurde von der Sittenpolizei verhaftet, weil sie die Vorschriften f\u00fcr das Tragen des Kopftuches nicht vollst\u00e4ndig eingehalten hatte. Sie verstarb am 16. September 2022 nach Schl\u00e4gen auf den Kopf im Polizeigewahrsam.<\/p>\n<p>Merz, Macron und Starmer rufen iranische F\u00fchrung zu Gewaltverzicht auf<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wie schon 2022 l\u00f6st das brutale Vorgehen des Regimes gegen die Proteste der Zivilbev\u00f6lkerung auch diesmal in Europa Kritik aus. Bundeskanzler <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Friedrich_Merz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedrich Merz<\/a>, Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer verurteilten am Freitagabend in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung die Gewalt gegen Demonstrierende. Teheran m\u00fcsse die Grundrechte der B\u00fcrger wahren. \u201eDie iranischen Beh\u00f6rden haben die Verantwortung, ihre eigene Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen, und m\u00fcssen die Meinungsfreiheit sowie das Recht auf friedliche Versammlungen ohne Angst vor Repressalien gew\u00e4hrleisten\u201c, hei\u00dft es darin.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die drei Regierungschefs zeigten sich zudem \u201ezutiefst besorgt\u201c \u00fcber Berichte von Gewalt durch Sicherheitskr\u00e4fte und verurteilten die T\u00f6tung von Demonstranten \u201eauf das Sch\u00e4rfste\u201c. Zugleich forderten sie die iranischen Beh\u00f6rden nachdr\u00fccklich auf, Zur\u00fcckhaltung zu \u00fcben, von Gewalt abzusehen und die Grundrechte der iranischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu wahren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Teheran wies die Kritik aus Berlin, Paris und London zur\u00fcck und sprach von \u201eheuchlerischen\u201c Sorgen. In einer Erkl\u00e4rung der iranischen Botschaft in Berlin hie\u00df es, jene Staaten, die seit Langem einen rechtswidrigen wirtschaftlichen Krieg gegen die iranische Bev\u00f6lkerung f\u00fchrten, m\u00fcssten f\u00fcr die Folgen zur Rechenschaft gezogen werden \u2013 eine Anspielung auf internationale Sanktionen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u00dcber die gemeinsame Erkl\u00e4rung hinaus kam aus Deutschland weitere Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Demonstranten. Bildungsministerin Karin Prien (<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/CDU\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CDU<\/a>) sagte der\u00a0S\u00fcddeutschen Zeitung, sie habe \u201egr\u00f6\u00dften Respekt\u201c \u2013 besonders vor den Frauen in Iran, die erneut mutig gegen die Unterdr\u00fcckung durch die Mullahs auf die Stra\u00dfe gingen. Frauen seien das Herzst\u00fcck des Widerstands in einem Land, das seit bald einem halben Jahrhundert von religi\u00f6sen Diktatoren unterdr\u00fcckt werde, sagte Prien. Zuletzt seien viele Bilder von Frauen zu sehen gewesen, die ihr Kopftuch abgelegt h\u00e4tten. Trotz Internet-Blockaden gebe es weiterhin Aufnahmen gro\u00dfer Proteste im ganzen Land \u2013 jede Art von Gewalt gegen Demonstrierende m\u00fcsse umgehend beendet werden, forderte sie.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) teilte gemeinsam mit Parteikollegen \u2013 darunter der au\u00dfenpolitische Sprecher Adis Ahmetovi\u0107 und die verteidigungspolitische Sprecherin Siemtje M\u00f6ller \u2013 auf Instagram ein Video mit dem Titel \u201eAll eyes on Iran\u201c. Die Bewegung erhalte zu wenig Aufmerksamkeit, schrieben die SPD-Politiker dazu. \u201eWir sehen den mutigen Einsatz von Millionen Iranerinnen und Iranern f\u00fcr Freiheit, Gleichheit und W\u00fcrde.\u201c Deutschland und die EU erh\u00f6hten den Druck auf das Regime. \u201eDie Repression muss enden\u201c, so die Politiker.<\/p>\n<p>Der Staatsanwalt von Teheran droht dem Demonstranten mit der Todesstrafe<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Unterdessen setzt das Regime offenbar auf H\u00e4rte, um die Bewegung zu stoppen. Nach Angaben der in Oslo ans\u00e4ssigen Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) wurden bei den landesweiten Protesten 51 Demonstrierende get\u00f6tet. Hunderte weitere sollen bei Konfrontationen mit Sicherheitskr\u00e4ften verletzt worden sein. In der Nacht zum Freitag schaltete die Islamische Republik das Internet ab. Zudem hat der Oberste F\u00fchrer Irans, Ayatollah Chamenei, in einer Fernsehansprache einen repressiven Kurs angek\u00fcndigt. Er warf den Demonstranten vor, im Auftrag von Oppositionsgruppen im Exil und von den USA zu handeln. Der Chef der Justiz k\u00fcndigte dem Staatsfernsehen zufolge eine \u201eentschlossene, maximale und ohne rechtliche Nachsicht\u201c erfolgende Bestrafung von Protesten an. Der Staatsanwalt von Teheran drohte mit der Todesstrafe. Pr\u00e4sident Peseschkian hatte noch in der vergangenen Woche zu einem \u201efreundlichen und verantwortungsvollen Vorgehen\u201c aufgerufen. Doch das Regime der Islamischen Republik setzt auf H\u00e4rte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eDie Demonstrationen sind gef\u00e4hrlich f\u00fcr das Regime, da es sich diesmal nicht, wie 2022, um die Freiheit der Menschen, sondern um deren Existenz handelt\u201c, sagt Hans-Jakob Schindler, der sechs Jahre an der deutschen Botschaft in Teheran gearbeitet hat und heute das Counter Extremism Project leitet, einen Thinktank mit dem Schwerpunkt Terrorismus. Die Teuerung treffe alle \u2013 selbst die Sicherheitskr\u00e4fte. Einen Umsturz des Mullah-Regimes erwartet er dennoch nicht: \u201eDer Opposition fehlt es an Organisation und einer Vision f\u00fcr die Zukunft\u201c, sagt Schindler. Auch von innen sei bislang keine ernsthafte Erosion des Machtapparats erkennbar.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Kann Druck von au\u00dfen wirken? Schindler zufolge hat die Bundesregierung ihren Einfluss auf Iran und die iranische Gesellschaft weitgehend verloren. \u201eWir k\u00f6nnen eigentlich nur Symbolpolitik betreiben\u201c, sagt er \u2013 auch weil Deutschland durch die Sanktionen an Einfluss eingeb\u00fc\u00dft habe. Man k\u00f6nne vor allem darauf verweisen, dass die Gewalt des Regimes nicht zu rechtfertigen sei. Also eben das, was die Regierung eben tut. Zugleich liege die Wirtschaftskrise in Iran nicht nur an Sanktionen, sondern auch an Misswirtschaft.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wie sich die Proteste unter diesen Bedingungen weiterentwickeln und welche Konsequenzen daraus entstehen, ist derzeit nicht absehbar. Viele f\u00fcrchten jedoch eine weitere Eskalation: mehr Gewalt, Verhaftungen und harte Urteile.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit rund zwei Wochen gehen in Iran landesweit M\u00e4nner und Frauen gegen die dramatische Wirtschaftskrise auf die Stra\u00dfe&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":707623,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,1157,31,548,663,158,3934,3935,775,13,94698,345,14,6000,15,12,149],"class_list":{"0":"post-707622","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-aussenpolitik","11":"tag-cdu","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europe","16":"tag-european-union","17":"tag-friedrich-merz","18":"tag-headlines","19":"tag-ihre-sz","20":"tag-iran","21":"tag-nachrichten","22":"tag-nahost","23":"tag-news","24":"tag-schlagzeilen","25":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115870606596037222","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/707622","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=707622"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/707622\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/707623"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=707622"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=707622"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=707622"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}