{"id":708278,"date":"2026-01-10T17:55:11","date_gmt":"2026-01-10T17:55:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/708278\/"},"modified":"2026-01-10T17:55:11","modified_gmt":"2026-01-10T17:55:11","slug":"berliner-schau-ueber-die-familie-weltweit-care-koenig-ki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/708278\/","title":{"rendered":"Berliner Schau \u00fcber die Familie weltweit: Care, K\u00f6nig, KI"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">\u201eMeine Kunst muss getragen, ber\u00fchrt und benutzt werden\u201c, sagt Catherine Blackburn beim Presserundgang durch die Ausstellung \u201eSich verwandt machen\u201c im Berliner Humboldt Forum. Nur durch direkte Erfahrung, betont die multidisziplin\u00e4re D\u00ebnes\u0173\u0142in\u00eb-K\u00fcnstlerin aus dem Norden Kanadas, werde sie lebendig. Doch ihre funkelnden, von der Geschichte ihrer weiblichen Vorfahren durchdrungenen Objekte werden hier in verschlossenen Glaskuben pr\u00e4sentiert \u2013 unnahbar und weggesperrt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Der Totensch\u00e4del mit Geweih, verziert mit Swarovski-Steinen und Karibuhaar, wirkt eher konserviert als nutzbar. \u201eWir mussten die Sicherheitsvorschriften des Humboldt Forums beachten\u201c, sagt Kerstin Pinther, Kuratorin f\u00fcr Moderne und Zeitgen\u00f6ssische Kunst im globalen Kontext, als die Diskrepanz zwischen Blackburns Anspruch und der Pr\u00e4sentation zur Sprache kommt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Gemeinsam mit Ute Marxreiter aus der Bildungs- und Vermittlungsabteilung hat sie die Ausstellung kuratiert. Auf den Hinweis, dass die R\u00e4umlichkeiten des Humboldt Forums generell wenig Spielraum lassen, reagiert sie mit einem Seufzen. Ein Jammer. Denn eigentlich k\u00f6nnte alles so \u00fcberzeugend sein. Im Rahmen des Programmschwerpunkts \u201eBeziehungsweise Familie\u201c er\u00f6ffnen vier neue Ausstellungen im Humboldt Forum, die klug und vielf\u00e4ltig zeigen, wie prek\u00e4r, politisch und facettenreich Zugeh\u00f6rigkeit heute ist.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Dass dieses Programm ausgerechnet <a href=\"https:\/\/taz.de\/Streit-ums-Humboldt-Forum\/!5781766\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im wiederaufgebauten Stadtschloss stattfindet<\/a>, einem Geb\u00e4ude, das mit seinem goldenen Kreuz auf der Kuppel eher konservative Werte symbolisiert, verleiht dem Ganzen zus\u00e4tzlichen Reiz. Oder k\u00f6nnte es zumindest, wenn die R\u00e4ume dieses neu-alten Museumsgeb\u00e4udes nicht so abweisend w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Ausstellung<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\"><strong>\u201eBeziehungsweise Familie\u201c<\/strong>. Sechs Ausstellungen und Programm, <a href=\"https:\/\/www.humboldtforum.org\/de\/programm\/laufzeitangebot\/ausstellung\/beziehungsweise-familie-148458\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"noopener\">Humboldt Forum Berlin<\/a>, bis 12. Juli 2026<\/p>\n<p>      Verwandtschaft nicht als Blutlinie<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Besonders leidet die Ausstellung \u201eSich verwandt machen\u201c im hinteren Teil des Ethnologischen Museums. Sie zeigt die Arbeiten von zw\u00f6lf K\u00fcnstlerinnen, die Verwandtschaft nicht als Blutlinie, sondern als Geflecht aus spirituellen, organischen, materiellen und historischen Bindungen begreifen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Ein offenes Verst\u00e4ndnis zieht sich durch die Werke: Haegue Yangs Skulpturen verbinden Elemente des koreanischen Schamanismus mit Alltagsmaterialien und verschieben so die Grenze zwischen Ritual und Routine. Meryl McMaster nutzt Objekte ihrer indigenen und europ\u00e4ischen Herkunft, die sie in ihren Fotografien wie fragile Erinnerungsf\u00e4den an den K\u00f6rper zur\u00fcckbindet.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Soe Yu Nwe geht noch weiter: Ihre Keramiken dehnen Verwandtschaft auf Brunnen, B\u00e4ume und andere Dinge aus. Zugeh\u00f6rigkeit wird bei ihr zu einem offenen, nichtmenschlichen Gef\u00fcge. Es sind fl\u00fcchtige, immaterielle und zarte Bindungen, die die Arbeiten sichtbar machen \u2013 doch die grauen Podeste, die geschlossenen Vitrinen und die sterile Atmosph\u00e4re der R\u00e4ume halten die Besucher auf Abstand.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/8148905\/1200\/6949799bf21c1-SHF-eb00257759-1.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/6949799bf21c1-SHF-eb00257759-1.jpeg\" alt=\"ein KI-generiertes Bild von Sophie von Hannover im Treppenhaus des Humboldt Forums\" title=\"ein KI-generiertes Bild von Sophie von Hannover im Treppenhaus des Humboldt Forums\" height=\"794\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Wenn nur der Raum nicht w\u00e4r: KI-generiertes Bild der Hohenzollern-Frau Sophie von Hannover und Skulptur eines Hohenzollern-F\u00fcrsten<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nAlfred Hagemann; Stiftung Preu\u00dfische Schl\u00f6sser und G\u00e4rten Berlin-Brandenburg \/ Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Anders die Ausstellung \u201eAn das wir uns festhalten\u201c in einem begehbaren roten Kubus. Dessen r\u00e4umliche Intimit\u00e4t tut den Arbeiten gut. Hier geht es darum, wie queere und postmigrantische Lebensentw\u00fcrfe famili\u00e4ren Halt neu definieren. Cheryl Mukherji etwa lenkt den Blick auf digitale N\u00e4he: \u00dcberwachungskameras im Haus ihrer in Indien lebenden Mutter werden zu Werkzeugen f\u00fcrsorglicher Pr\u00e4senz \u2013 Care-Arbeit \u00fcber Kontinente hinweg.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"10\">George Demir entwirft drei Familienwappen, die die klassische Wappensymbolik in ein flie\u00dfendes Vokabular queerer und migrantischer Erfahrungen \u00fcberf\u00fchren. Zugeh\u00f6rigkeit wird so neu codiert.<\/p>\n<p>      KI-generierte Figuren von Hohenzollern-Frauen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">Die st\u00e4rkste thematische Konzentration zeigt \u201eAlles unter dem Himmel\u201c im Museum f\u00fcr Asiatische Kunst. Hier geht es um Familie als staatlich reguliertes Gef\u00fcge in China und Korea. Fotografien des chinesischen K\u00fcnstlers He Chongyue etwa machen historische Propagandaparolen zur Ein-Kind-Politik in l\u00e4ndlichen Regionen sichtbar. Chongyues Fotos werden von grell pinken Plexiglasrahmungen eingefasst, \u201edamit sie sich deutlich von der st\u00e4ndigen Ausstellung absetzen\u201c, sagt Kuratorin Maria Sobotka, leider nur \u00fcberstrahlt die dominante Farbe die zarte Kolorierung der Fotos.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"13\">Die vierte Ausstellung \u201eSystemrelevant: Frauen in Herrscherfamilien\u201c ist das gr\u00f6\u00dfte Opfer der Humboldt Forum-Architektur. Sie hinterfragt patriarchale Machtlinien, indem sie den dauerhaft im dritten Geschoss des Treppenhauses stehenden <a href=\"https:\/\/taz.de\/Historiker-Malinowski-ueber-Hohenzollern\/!5818046\/\" class=\"link in-text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">m\u00e4nnlichen Hohenzollern-Skulpturen<\/a> vier KI-generierte Hohenzollern-Frauen hinzuf\u00fcgt. Die stehen aber nun wie vergessene Requisiten im offenen Treppenhausambiente herum, das st\u00e4ndige Surren der Rolltreppen liefert den Hintergrundsound eines Einkaufszentrums.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"14\">Die vier Ausstellungen im Rahmen von \u201eBeziehungsweise Familie\u201c bieten ein kluges, internationales Panorama dessen, was Verbundenheit im 21. Jahrhundert bedeuten kann. Man erkennt: Familie ist heute flexibler, \u00fcberraschender und lebendiger, als es die steinerne Fassade des Humboldt-Forums vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eMeine Kunst muss getragen, ber\u00fchrt und benutzt werden\u201c, sagt Catherine Blackburn beim Presserundgang durch die Ausstellung \u201eSich verwandt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":708279,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-708278","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kunst-und-design","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115872092916456577","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/708278","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=708278"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/708278\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/708279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=708278"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=708278"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=708278"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}