{"id":708952,"date":"2026-01-11T00:37:23","date_gmt":"2026-01-11T00:37:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/708952\/"},"modified":"2026-01-11T00:37:23","modified_gmt":"2026-01-11T00:37:23","slug":"ein-ruhiger-und-sicherer-ort-zum-lernen-war-kein-nice-to-have-sondern-grundversorgung-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/708952\/","title":{"rendered":"\u00bbEin ruhiger und sicherer Ort zum Lernen war kein Nice-to-have, sondern Grundversorgung\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>2022 entstand mit der Study-Hall ein au\u00dferschulischer Lerntreff im Allee-Center in Gr\u00fcnau. Drei Nachmittage pro Woche, f\u00fcr jeweils f\u00fcnf Stunden konnten Jugendliche der 5. bis 12. Klasse spontan vorbeikommen \u2013 f\u00fcr Hausaufgabenhilfe, zum Drucken oder weil ein Laptop gebraucht wurde. Nach drei Jahren endete die Projektfinanzierung, im November 2025 wurde die Study-Hall geschlossen. Laurine Lutter begleitete die Study-Hall von Anfang an und ist jetzt an einem \u00dcbergangsprojekt beteiligt w\u00e4hrend sie ehrenamtlich nach einer Finanzierungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein Nachfolgeprojekt sucht. Wir haben uns in den R\u00e4umlichkeiten des Heizhauses mit ihr getroffen, wo sie seit zwei Wochen arbeitet.<\/p>\n<p><strong>Die Study-Hall war ein offener Lernort im Allee-Center. Wie kam es dazu?<\/strong><\/p>\n<p> W\u00e4hrend der Pandemie wurde in Gr\u00fcnau klar, wie gro\u00df die Bedarfe sind: beengte Wohnungen, kein Internet, keine Technik. Jugendliche versuchten, Aufgaben auf dem Smartphone im \u00f6ffentlichen Raum zu erledigen. Ein ruhiger und sicherer Ort zum Lernen war kein Nice-to-have, sondern Grundversorgung. Die Stadt Leipzig hat ein Konzept erarbeitet und konnte den Verein Ein Herz f\u00fcr Kinder f\u00fcr eine Projektfinanzierung \u00fcber drei Jahre gewinnen.<\/p>\n<p><strong><br \/>Wie sah der Start aus?<\/strong><\/p>\n<p> Es wurden zwei ehemalige B\u00fcror\u00e4ume im Allee-Center ausgestattet. Dort konnten Jugendliche allein oder in Gruppen arbeiten. Es gab einige Laptops, Lernmaterial und Honorarkr\u00e4fte als Lernbegleiter:innen, sowie zwei festangestellte Mitarbeitende, die f\u00fcr die Projektorganisation, P\u00e4dagogische Konzeption sowie f\u00fcr \u00d6ffentlichkeits- und Netzwerkarbeit verantwortlich waren. <\/p>\n<p><strong><br \/>Wie wurde das Angebot angenommen?<\/strong><br \/>Zun\u00e4chst waren nur wenige Jugendliche da. Solche Projekte brauchen Zeit. Wir haben Schulklassen eingeladen, Kooperationen aufgebaut, Lehrkr\u00e4fte und Schulsozialarbeiter:innen informiert. Im dritten Jahr wurden die Pl\u00e4tze dann regelm\u00e4\u00dfig gut genutzt. Wer einmal kam, kam fast immer wieder.<\/p>\n<p><strong><br \/>Warum wurde die Study-Hall trotz des Erfolgs geschlossen?<\/strong><br \/>Die Finanzierung war von Anfang an auf drei Jahre befristet. Ein Herz f\u00fcr Kinder versteht sich als Anschubfinanzierer \u2013 starten ja, verstetigen muss die Stadt oder ein Tr\u00e4ger. Aber in der aktuellen prek\u00e4ren Haushaltslage sind freiwillige Leistungen kaum m\u00f6glich. Ein ganzes Projekt zu \u00fcbernehmen, ist auch nicht m\u00f6glich. Das wurde fr\u00fchzeitig kommuniziert, auch weil wir es p\u00e4dagogisch begleiten mussten. Die Jugendlichen hat die Schlie\u00dfung sehr getroffen. Viele waren w\u00fctend oder entt\u00e4uscht. In den letzten Wochen ging es viel darum, das aufzufangen.<\/p>\n<p><strong><br \/>Wie ging es nach dem Aus weiter?<\/strong><br \/>Wir haben viele Gespr\u00e4che gef\u00fchrt und um Unterst\u00fctzung im lokalen Netzwerk gebeten. So wurde das Heizhaus auf uns aufmerksam und hat kurzfristig einen Raum zur Verf\u00fcgung gestellt. Daraus entstand das Projekt \u00bbSkill-Up!\u00ab \u2013 allerdings in deutlich kleinerem Rahmen: nur einmal pro Woche, mit weniger Ausstattung. Trotzdem wird es gut genutzt. Zuletzt haben sieben Jugendliche die kleinen R\u00e4umlichkeiten zum Lernen genutzt und die Lernbegleiter:innen aus der Study-Hall machen jetzt hier weiter. Das Projekt wird auch zuk\u00fcnftig nur eine kleine \u00dcbergangsl\u00f6sung bleiben, solange es keine sichere Finanzierung daf\u00fcr gibt. Wir sind also weiterhin dringend auf Unterst\u00fctzung angewiesen.<\/p>\n<p><strong><br \/>Und parallel arbeiten Sie an einem echten Nachfolgeprojekt?<\/strong><br \/>Ja, das Projekt tr\u00e4gt bisher den Arbeitstitel \u00bbLern:Praxis\u00ab. Der Verein Leipziger Modell ist als Tr\u00e4ger vorgesehen, er kooperiert eng mit der Leipziger Modellschule. In der alten Post, die gerade umfassend saniert wird, k\u00f6nnte es zuk\u00fcnftig geeignete R\u00e4umlichkeiten geben \u2013 zentral, sichtbar, direkt neben dem Allee-Center. Das w\u00e4re ideal f\u00fcr ein niedrigschwelliges Angebot. Die F\u00f6rderantr\u00e4ge sind gestellt, aber Zusagen gibt es noch nicht. So ein Projekt mit mehreren \u00d6ffnungstagen, Personal und Technik kostet viel Geld. Und die Konkurrenz um F\u00f6rdermittel ist gro\u00df. Dass wir mit Skill-Up bereits eine kleine Alternative aufgebaut haben, freut uns deshalb umso mehr.<\/p>\n<p><strong><br \/>Was braucht ein funktionierendes Nachfolgeprojekt unbedingt?<\/strong><br \/>Sichtbarkeit, einen unkomplizierten Zugang und vor allem Verl\u00e4sslichkeit. Und Netzwerkarbeit ist entscheidend: Stadtteilfeste, Kooperationsrunden, gemeinsame Aktionen. Dort erreicht man die Jugendlichen am besten, manchmal \u00fcber Umwege. Inhaltlich geht es hier in Gr\u00fcnau vor allem um Grundlagen: eine ruhige Atmosph\u00e4re, ein Arbeitsplatz, funktionierende Technik und jemanden, der freundlich fragt: \u00bbKann ich dir helfen?\u00ab Mehr braucht es gar nicht.<\/p>\n<p>&gt; SKILL UP! &#8211; Lern- und Hausaufgabenhilfe: 14.01., 21.01., 28.01., 04.02.2026, 15:30 \u2013 18:30 Uhr,\u00a0, Ladenzeile, Alte Salzstr. 54, Leipzig-Gr\u00fcnau<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"2022 entstand mit der Study-Hall ein au\u00dferschulischer Lerntreff im Allee-Center in Gr\u00fcnau. 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