{"id":709052,"date":"2026-01-11T01:42:14","date_gmt":"2026-01-11T01:42:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/709052\/"},"modified":"2026-01-11T01:42:14","modified_gmt":"2026-01-11T01:42:14","slug":"europa-haengt-zu-stark-von-us-techkonzernen-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/709052\/","title":{"rendered":"Europa h\u00e4ngt (zu) stark von US-Techkonzernen ab"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"watson-snippet__image bg-grey-10 block h-auto w-full \" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/8154220921701261.webp\" fetchpriority=\"high\" width=\"4223\" height=\"2697\" alt=\"Guests including Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Sundar Pichai and Elon Musk, arrive before the 60th Presidential Inauguration in the Rotunda of the U.S. Capitol in Washington, Monday, Jan. 20, 2025. (AP ...\" data-image-id=\"8154220921701261\"\/><\/p>\n<p>US-Techmilliard\u00e4re setzen auf Trump, um sich mit ihren Konzernen den vergleichsweise strengen europ\u00e4ischen Vorschriften zu entziehen. Bild: keystone<\/p>\n<p>Fr\u00fcher undenkbar, sp\u00e4testens mit den Spannungen rund um Gr\u00f6nland aber ein Bedrohungsszenario: Was w\u00e4re, wenn die Trump-Regierung Europa den Zugang zu amerikanischer Technologie kappt?<\/p>\n<p>10.01.2026, 19:3710.01.2026, 20:54<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Streit \u00fcber die NATO-Finanzierung, Strafz\u00f6lle, Ukraine-Hilfen, jetzt Gr\u00f6nland \u2013 unter Donald Trump taumeln die Beziehungen zwischen den USA und Europa von einer Krise zur n\u00e4chsten. <\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Mit diplomatischer Akrobatik versuchen die Europ\u00e4er, den oft unberechenbaren US-Pr\u00e4sidenten immer wieder auf ihre Seite zu ziehen. Laute Kritik spart man sich lieber, wie auch nach der Milit\u00e4raktion in Venezuela. Zu gross ist die Angst, dass ein offener Konflikt mit Washington die Lage nur noch schlimmer macht. Denn die USA sitzen am l\u00e4ngeren Hebel.<\/p>\n<p>Das Horror-Szenario<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Was w\u00e4re beispielsweise, wenn die USA daf\u00fcr sorgen sollten, dass ihre Techkonzerne Microsoft, Google, Amazon, Meta (Facebook\/Instagram\/WhatsApp) und Apple Europa quasi digital den Saft abstellen? Dieses Szenario wird im Newsletter \u00abTagesanbruch\u00bb des deutschen Nachrichtenportals (und watson-Medienpartners) \u00abT-Online\u00bb  entworfen \u2013 und es klingt d\u00fcster.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Das w\u00fcrde nicht nur bedeuten, dass WhatsApp lahm liegt, das neueste Strandfoto bei Instagram nicht mehr hochgeladen werden kann oder Bestellungen bei Amazon nicht mehr m\u00f6glich w\u00e4ren. <\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\"><b>Viel schlimmer:<\/b> In vielen F\u00e4llen w\u00e4re auch gesch\u00e4ftlicher E-Mail-Verkehr betroffen, Kalendereintr\u00e4ge w\u00fcrden nicht mehr funktionieren, Dokumente w\u00e4ren nicht mehr abrufbar, der Zugriff auf Gesch\u00e4ftsdaten in der Cloud w\u00e4re gest\u00f6rt. Denn viele Unternehmen, aber auch staatliche Institutionen, nutzen nun einmal Office von Microsoft, und auch die Cloud-Dienste von Amazon, Microsoft und Google dominieren hierzulande den Markt.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Es gibt denn auch schon reale F\u00e4lle, in denen die Trump-Regierung die digitale Abh\u00e4ngigkeit Europas dazu missbrauchte, missliebige Akteure zu bestrafen. Darunter ein Richter am Internationalen Strafgerichtshof.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Die mittlerweile vielzitierte digitale Erpressbarkeit sei schon lange kein theoretisches Risiko mehr, sagt der IT-Rechtsexperte Dennis-Kenji Kipker von der Hochschule Bremen gegen\u00fcber der Deutschen Presse-Agentur. <\/p>\n<p>\u00abZumindest punktuell und in kritischen Funktionen k\u00f6nnten die USA direkt \u00fcber Politik, Exportkontrollen und Sanktionsrecht oder indirekt \u00fcber die Compliance-Vorschriften grosser US-Anbieter Deutschlands digitale Leistungsf\u00e4higkeit sp\u00fcrbar beeintr\u00e4chtigen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Ein Szenario, in dem Deutschland insgesamt und von einem Tag auf den anderen digital handlungsunf\u00e4hig werde, halte er hingegen f\u00fcr weniger realistisch, weil kritische Basisinfrastrukturen heterogen seien und es durchaus Redundanzen und Workarounds gebe. <\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Dennoch werde man sich in Europa in Zukunft grunds\u00e4tzlich darauf einstellen m\u00fcssen, \u00abdass der eine oder andere Dienst, auf den wir uns bislang immer verlassen haben, vielleicht stunden- oder tageweise nicht funktioniert oder deutlich langsamer als gewohnt l\u00e4uft\u00bb. So entstehe auch die \u00abdigitale Erpressbarkeit\u00bb.<\/p>\n<p>Wie geht das \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\"><b>Trevor H. Rudolph<\/b>, der im Weissen Haus in der zweiten Amtszeit von Barack Obama mit f\u00fcr Cybersicherheit verantwortlich war, warf bereits im August des vergangenen Jahres die Frage auf, ob es f\u00fcr eine US-Regierung \u00fcberhaupt m\u00f6glich w\u00e4re, Europ\u00e4ern den Zugang zu amerikanischen Cloud-Diensten zu kappen. Seine Antwort in einem damals ver\u00f6ffentlichten Meinungsartikel: \u00abJa \u2013 zumindest kurzfristig.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\"><b>Ein Weg f\u00fcr einen US-Pr\u00e4sidenten w\u00e4re aus Sicht von Rudolph, auf das Notstandsgesetz IEEPA zur\u00fcckzugreifen<\/b>, das Trump auch als Grundlage f\u00fcr seinen Zoll-Rundumschlag bem\u00fchte. Laut dem International Emergency Economic Powers Act kann der Pr\u00e4sident durchgreifen, wenn es eine \u00abausserordentliche Bedrohung\u00bb f\u00fcr Sicherheit oder Wirtschaft der USA gibt. <\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Dar\u00fcber, ob das bei den Z\u00f6llen angebracht war, entscheidet gerade das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten von Amerika. Trump und Vizepr\u00e4sident JD Vance verurteilten derweil bereits strengere europ\u00e4ische Digitalgesetze als Attacke auf US-Interessen.<\/p>\n<p>Welche M\u00f6glichkeiten hat Trump sonst noch?<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Die US-Regierung k\u00f6nnte alternativ zu Exportkontrollen greifen. Durch Ausfuhrverbote verlor bereits etwa der chinesische Smartphone-Anbieter Huawei den Zugang zu Google-Diensten und Chips aus dem Westen. <\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Zudem d\u00fcrften Trumps Drohgeb\u00e4rden gegen die Techkonzerne, dass sie lukrative US-Staatsauftr\u00e4ge verlieren k\u00f6nnten, sie gef\u00fcgiger machen, so Rudolph.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Auch <b>Professor R\u00fcdiger Weis von der Hochschule f\u00fcr Technik Berlin (BHT)<\/b> warnt vor den Folgen: <\/p>\n<p>\u00abAus technologischer Sicht w\u00fcrde bereits ein Pr\u00e4sidialerlass selbst f\u00fcr eine nur kurzzeitige Unterbrechung der US-Cloud-Dienste Deutschland wirtschaftlich und verwaltungstechnisch digital ernsthaft beeintr\u00e4chtigen, wenn nicht sogar handlungsunf\u00e4hig machen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Ein Gegenargument zu solchen Bedrohungsszenarien w\u00e4re, dass Trumps Regierung das Ziel verfolgt, die Welt vorrangig auf amerikanischer Technologie laufen zu lassen. Selbst die Androhung einer Digital-Blockade w\u00fcrde die seit Jahren schwelenden Versuche, sich aus der Abh\u00e4ngigkeit zu l\u00f6sen, neu anfachen.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\"><b>Nvidia-Chef Jensen Huang<\/b> setzte j\u00fcngst mit dem Argument, dass die USA nicht selbst den Boden f\u00fcr die Entstehung neuer Rivalen bereiten sollten, sogar die Erlaubnis f\u00fcr die Lieferung leistungsst\u00e4rkerer KI-Chips an den Unrechtsstaat China durch. Doch es bleibt die Frage, ob man in den USA die Europ\u00e4er \u00fcberhaupt f\u00fcr f\u00e4hig h\u00e4lt, konkurrenzf\u00e4hige Alternativen zu entwickeln.<\/p>\n<p>Was ist mit der digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t?<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">In Europa wird zwar schon lange \u00fcber sogenannte digitale Souver\u00e4nit\u00e4t diskutiert. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron machten bei einem Digitalgipfel 2025 in Berlin einen neuen symbolischen Vorstoss daf\u00fcr. Aber von Unabh\u00e4ngigkeit von den USA \u2013 wenn so etwas \u00fcberhaupt erreichbar ist \u2013 ist Europa weit entfernt. So verhallten etwa Versuche, eine europ\u00e4ische Suchmaschine als Alternative zu Google zu etablieren, am Interesse der User.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Merz k\u00fcndigte an, bei der Beschaffung von Technologie st\u00e4rker auf europ\u00e4ische Produkte zu setzen. Die Bundesverwaltung werde dies noch viel st\u00e4rker tun. \u00abWir machen den Staat zum Ankerkunden f\u00fcr souver\u00e4ne Arbeitsmittel in der \u00f6ffentlichen Verwaltung.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Auch in der Schweiz gibt es seitens Bundesverwaltung Bem\u00fchungen, sich aus der riskanten Abh\u00e4ngigkeit von US-Techkonzernen, respektive deren Produkten und Cloud-Dienstleistungen, etwas zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Allerdings zeigen neuere F\u00e4lle wie die Schweizer Armee oder der Staatsbetrieb Post, dass es in den F\u00fchrungsetagen an Problembewusstsein mangelt, oder die Verantwortlichen aus Kostengr\u00fcnden und wegen der immensen technischen Cloud-Infrastruktur weiterhin auf die Dienste amerikanischer \u00abHyperscaler\u00bb setzen.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Der auf Ende 2025 zur\u00fcckgetretene Schweizer Armeechef Thomas S\u00fcssli brachte die Sicherheitsbedenken wegen der Abh\u00e4ngigkeit im letzten September aufs Tapet.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">In der Folge kam es zu \u00fcberraschendenpartei\u00fcbergreifende Vorst\u00f6ssen aus dem Schweizer Parlament, die zeigen, dass viele Politiker die Problematik ernst nehmen. So schafften es der gr\u00fcne Nationalrat Gerhard Andrey und der SVP-St\u00e4nderat Werner Salzmann, dass die Armee mit 10 Millionen Franken ihres Budgets mithelfen soll, an der Open-Source-Alternative der Bundesverwaltung zu Microsoft Office zu arbeiten.<\/p>\n<p>Wird das reichen?<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Als Vorreiter in Deutschland gilt Schleswig-Holstein. Das Bundesland im Norden ersetzt in der Verwaltung bereits Microsoft-Programme wie Outlook, Excel oder Word durch andere Systeme. Ministerpr\u00e4sident Daniel G\u00fcnther warb am Mittwoch in der ZDF-Sendung \u00abMarkus Lanz\u00bb noch einmal daf\u00fcr. Der CDU-Politiker sagte:<\/p>\n<p>\u00abWir sind das einzige Bundesland, wahrscheinlich weltweit das einzige Land, was alles aus Landesbeh\u00f6rden rausgeschickt hat, was mit diesen Techkonzernen verbunden ist, damit wir von denen nicht mehr infiltriert werden.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Und er sprach sich gleichzeitig f\u00fcr ein Social-Media-Verbot f\u00fcr unter 16-J\u00e4hrige aus, wie es in Australien gilt.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Von Experten bekommt der bisherige Fortschritt bei der Abnabelung von Amerika schlechte Noten. \u00abDeutschland ist in Verwaltung und Wirtschaft komplett abh\u00e4ngig von amerikanischen Digital-Unternehmen\u00bb, sagt etwa der ehemalige Direktor des Hasso-Plattner-Instituts, Christoph Meinel. Dass im wirtschaftlichen Wettbewerb die besten Tools eingesetzt werden, sei jahrelang kein Problem in der freien Welt gewesen. \u00abIm Zeitalter von Trump ist darauf aber kein Verlass mehr.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">Auch Professor Weis \u00e4ussert sich skeptisch mit Blick auf die europ\u00e4ischen Handlungsoptionen: Die Europ\u00e4ische Union habe versucht, \u00abdie schon lange bestehenden tiefgreifenden Eingriffsm\u00f6glichkeiten der US-Beh\u00f6rden\u00bb, \u00fcber rechtliche Rahmenvertr\u00e4ge zu beschr\u00e4nken. Die geschlossenen EU-Digitalvereinbarungen w\u00fcrden von der aktuellen US-Regierung als wenig bindend angesehen und \u00abnun ganz zur Disposition gestellt\u00bb.<\/p>\n<p>Quellen<\/p>\n<ul class=\"watson-snippet__list\">\n<li class=\"watson-snippet__list__item bg-no-repeat pl-5 pb-3 last:pb-0 text-[16px] lg:text-[18px]\"><strong>Nachrichtenagenturen SDA\/AWP\/DPA<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] lg:text-[18px] leading-normal md:w-3\/5\">(dsc)<\/p>\n<p>Was du tun kannst<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"US-Techmilliard\u00e4re setzen auf Trump, um sich mit ihren Konzernen den vergleichsweise strengen europ\u00e4ischen Vorschriften zu entziehen. 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