{"id":70912,"date":"2025-04-29T15:20:09","date_gmt":"2025-04-29T15:20:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/70912\/"},"modified":"2025-04-29T15:20:09","modified_gmt":"2025-04-29T15:20:09","slug":"kommunalwahlen-in-grossbritannien-der-erste-test-fuer-nigel-farage-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/70912\/","title":{"rendered":"Kommunalwahlen in Gro\u00dfbritannien: Der erste Test f\u00fcr Nigel Farage &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Tritt man an sonnigen Tagen hinaus auf die pr\u00e4chtige Terrasse des Palace of Westminster, die direkt an der Themse liegt, dann kann es vorkommen, dass man dort auf einen grauhaarigen, rauchenden Mann trifft. Erst neulich stand <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Nigel_Farage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nigel Farage<\/a> da wieder, begleitet nur von ein paar Mitarbeitern (seine Mitarbeiter scheinen \u00fcberwiegend M\u00e4nner zu sein), eine Hand in der Hosentasche. Er zog langsam an der Zigarette und blickte hinaus aufs Wasser, hin\u00fcber zum London Eye und Big Ben. Er stand nicht lange da, zehn Minuten vielleicht, aber das Bild von Farage, der auf der Parlamentsterrasse seine Zigarette und die Aussicht genie\u00dft, wird man nicht mehr los, wenn man es einmal gesehen hat.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">In Westminster m\u00f6gen viele dieses Bild nicht, aber es hilft ja nichts. Nigel Farage hat jetzt freien Zutritt hier, er ist jetzt einer von ihnen. Er ist, in den Worten des Magazins The Economist auf dem Titel der aktuellen Ausgabe, \u201eder Mann, den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Gro%C3%9Fbritannien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gro\u00dfbritannien<\/a> nicht ignorieren kann\u201c. Farage tr\u00e4gt eine Sonnenbrille auf dem Foto der Titelseite, er blickt direkt in die Kamera, mit der ganzen Ausstrahlung des selbstgef\u00e4lligen Terrassenrauchers.<\/p>\n<p>Reform UK ist eigentlich eine Firma \u2013 und Farage der \u201eDirector\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Der Rechtspopulist Nigel Farage hat immer schon viel daf\u00fcr getan, nicht \u00fcberh\u00f6rt und \u00fcbersehen zu werden. Etwa, als er <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/medien\/grossbritannien-nigel-farage-brexit-dschungelcamp-1.6303454\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">vor eineinhalb Jahren ins britische Dschungelcamp ging<\/a>. Oder, das vor allem, als er 2016 mit der von ihm gegr\u00fcndeten UK Independence Party (Ukip) das Land in den Brexit schubste. Nach acht erfolglosen Versuchen ist er im vergangenen Sommer ins Parlament gew\u00e4hlt worden, zusammen mit vier weiteren Abgeordneten seiner aktuellen Partei Reform UK. Seiner ist dabei w\u00f6rtlich zu verstehen: Reform UK, das Nachfolgeprojekt von Ukip, ist technisch gesehen keine Partei, <a href=\"https:\/\/find-and-update.company-information.service.gov.uk\/company\/11694875\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Reform UK ist eine Firma<\/a>, deren gr\u00f6\u00dfter Anteilseigner bis vor zwei Monaten Farage war; seit Februar ist er nur noch als \u201eDirector\u201c eingetragen. Stattdessen geh\u00f6rt die Partei\/Firma nun den 200 000 Mitgliedern, die allerdings den Direktor nur dann entfernen k\u00f6nnen, wenn mehr als die H\u00e4lfte schriftlich ein Misstrauensvotum einfordert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Die Mitglieder scheint das nicht zu st\u00f6ren, kein Parteichef hat derart hohe Beliebtheitswerte bei der eigenen Klientel wie Farage. In den aktuellen Umfragen liegt Reform gleichauf mit Labour, in manchen gar auf Platz eins. Das liegt zwar haupts\u00e4chlich an der dramatisch gesunkenen Zustimmung f\u00fcr die Labour-Partei, und die n\u00e4chsten Unterhauswahlen sind ohnehin noch mindestens vier Jahre entfernt. Aber genauso lang wird das Land nun die Frage begleiten, ob die Umfragewerte tats\u00e4chlich reale Folgen haben k\u00f6nnen, in Gro\u00dfbritannien im Allgemeinen und in dem Geb\u00e4ude mit der sch\u00f6nen Terrasse im Konkreten.<\/p>\n<p>Was wirklich z\u00e4hlt: Wie geht es den W\u00e4hlern?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Eine erste Antwort darauf gibt es an diesem Donnerstag, wenn in Teilen Englands die local elections stattfinden. Normalerweise sind die Wahlen von B\u00fcrgermeistern und Stadt- und Gemeinder\u00e4ten im nationalen Kontext eher nicht der Rede wert, es geht vor allem um Themen wie die \u00f6rtliche M\u00fcllentsorgung oder die Baustellen auf den Stra\u00dfen der Nachbarschaft. Aber diese Lokalwahlen sind die ersten, seit Reform im Parlament sitzt, die Partei bewirbt sich in zahlreichen Kommunen. Und das macht die Wahlen zu einem ersten Wirklichkeitsabgleich f\u00fcr die selbstbewusste Prophezeiung, die Farage und seine Leute so gern sagen, schreiben und posten: Dass er der n\u00e4chste Premierminister sein wird.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Spricht man mit Menschen im Umfeld der Parteien dar\u00fcber oder auch mit Umfrage-Experten, dann ist oft ein Einerseits\/Andererseits zu h\u00f6ren: Einerseits, ja, die Bedrohung von rechts f\u00fcr Keir Starmers Labour-Partei und Kemi Badenochs Tories sei real. Andererseits, Nigel Farage als Premierminister, das sei doch unwahrscheinlich, denn: Der Erfolg von Farage h\u00e4nge weniger von Farage selbst ab, sondern, simple Wahrheit der Politologie, davon, wie es den W\u00e4hlern gehe. Je schlechter, desto gr\u00f6\u00dfer ist ihre Wut auf die aktuelle Regierung. Und desto wahrscheinlicher ist, dass die Leute einen w\u00e4hlen, dessen gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke darin liegt, ihnen zu sagen, was sie h\u00f6ren wollen, ganz egal, wie sinnvoll oder realistisch das sein mag.<\/p>\n<p>Die Tories zum Fr\u00fchst\u00fcck verspeisen? Aus diesem Spruch macht Farage eine witzige Wahlwerbung<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">In seinen Aussagen schwankt Farage neuerdings zwischen Sozialismus und strammem Rechtskonservativismus, er pl\u00e4diert f\u00fcr die Verstaatlichung der Stahlindustrie, aber auch f\u00fcr eine \u201enet-zero-migration\u201c, wie er es nennt. Das ist der gr\u00f6\u00dfte Unterschied zwischen dem alten Ukip-Farage und dem neuen Reform-Farage: Er versucht, nicht nur die rechte Nischenkundschaft anzusprechen, sondern m\u00f6glichst auch ein paar auf der anderen Seite des politischen Spektrums.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Die Hauptgegner von Reform UK sind allerdings naturgem\u00e4\u00df die Tories, die unter der ungeschickten F\u00fchrung von Kemi Badenoch weit entfernt sind von fr\u00fcherer St\u00e4rke. Vor ein paar Tagen ver\u00f6ffentlichte Reform ein Foto: An einem Tisch sitzt Farage, er isst grinsend Fr\u00fchst\u00fccksm\u00fcsli, neben ihm steht eine Packung mit einem geschwungenen, roten K darauf, dazu der Schriftzug \u201eKemi\u201c. Das war nicht nur eine witzige Wahlwerbung, sondern spielte auch auf die Aussage von Premier Starmer im Parlament an, Farage w\u00fcrde \u201edie Tories zum Fr\u00fchst\u00fcck verspeisen\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">F\u00fcr Labour w\u00e4re es wahrscheinlich gut, wenn es so k\u00e4me. Sollten sich noch mehr Tory-Anh\u00e4nger Reform UK zuwenden, dann, sagt der Meinungsforscher James Johnson der S\u00fcddeutschen Zeitung, w\u00e4re das ein Vorteil f\u00fcr Starmer: \u201eEr k\u00f6nnte dann einfach sagen, wollt ihr lieber ihn oder mich in Downing Street?\u201c Die gruselige Aussicht auf einen Farage, der entweder allein oder in Koalition mit den Tories regiert, d\u00fcrfte ziemlich viele W\u00e4hler links von Farage mobilisieren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1ylqqlw\">Noch aber ist es nicht so weit, noch ist der Weg f\u00fcr den 61-J\u00e4hrigen vom Palace of Westminster ins Machtzentrum in Downing Street deutlich l\u00e4nger als die paar hundert Meter Fu\u00dfmarsch auf der Parliament Street. Aber er ist zumindest schon mal losgegangen. Das allein ist mehr, als sie bis vor Kurzem in Westminster wahrhaben wollten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tritt man an sonnigen Tagen hinaus auf die pr\u00e4chtige Terrasse des Palace of Westminster, die direkt an der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":70913,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,147,29538,551,13,20803,148,14,15,30683,16,4442,12,149,31192,3992,3993,3994,3995,3996,3997,31193],"class_list":{"0":"post-70912","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-ausland","11":"tag-conservative-party","12":"tag-grossbritannien","13":"tag-headlines","14":"tag-labour-party","15":"tag-leserdiskussion","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-nigel-farage","19":"tag-politik","20":"tag-rechtspopulismus","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-sueddeutsche-zeitung","23":"tag-tories","24":"tag-uk","25":"tag-united-kingdom","26":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","27":"tag-vereinigtes-koenigreich","28":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","29":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland","30":"tag-wahl-in-grossbritannien"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70912","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70912"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70912\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/70913"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70912"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70912"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70912"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}