{"id":709765,"date":"2026-01-11T09:11:25","date_gmt":"2026-01-11T09:11:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/709765\/"},"modified":"2026-01-11T09:11:25","modified_gmt":"2026-01-11T09:11:25","slug":"thomas-monster-schoppe-erklaert-das-ende-der-rocklegende-renft-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/709765\/","title":{"rendered":"Thomas \u201eMonster\u201c Schoppe erkl\u00e4rt das Ende der Rocklegende RENFT \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Weitergegangen sind sie immer. Manchmal zu weit. Und mitunter haben sie sich verlaufen. Die Band RENFT hat eine beispiellose Geschichte hinter sich. Jetzt schlie\u00dft der letzte aktive Musiker der einstigen Stammbesetzung dieses Kapitel Rockgeschichte. Ende April verschwindet RENFT von der B\u00fchne. Ein Name, der f\u00fcr Generationen mit Rebellion gegen Mauer und Zensur verbunden war, wird nur noch in Erinnerungen und auf Tontr\u00e4gern weiterleben. Exklusiv f\u00fcr die LZ erkl\u00e4rt S\u00e4nger und Bandleader Thomas \u201eMonster\u201c Schoppe die Gr\u00fcnde.\u00a0<\/p>\n<p>Von der Revolution zur Rebellion<\/p>\n<p>1958 von Klaus Jentzsch (1942\u20132006) in Leipzig gegr\u00fcndet, wird die Gruppe schon vier Jahre sp\u00e4ter wieder verboten. Jentzsch, der sich und der Band den Geburtsnamen seiner Mutter Charlotte Renft verleiht, gibt nicht auf, formiert ein neues Projekt: die Butlers. Vom Publikum gefeiert, vom Staat verachtet, wird auch dieses Ensemble verboten. Mit Konsequenzen, die Geschichte schreiben.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/deutsche-teilung\/der-aufstand-des-17-juni-1953\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">17. Juni 1953<\/a> steckt den Menschen noch in den Knochen, die Wut auf den SED-Staat ist gro\u00df. In Leipzig besonders, wurden neben den Butlers schlie\u00dflich auch weiteren lokalen Bands die Lizenzen entzogen. Am 31. Oktober 1965 kommt es auf dem Leuschner-Platz zu einer nicht genehmigten Kundgebung, der sogenannten <a href=\"https:\/\/www.leipzig.de\/rathaus\/stadtgeschichte-und-gedenken\/stadtgeschichte\/historisches-aus-1000-jahren\/beat-demo-leuschnerplatz-am-31101965\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leipziger Beat-Demo<\/a>. Die Polizei greift brutal durch, pr\u00fcgelt gegen mehr als 2.000 Teilnehmer, Wasserwerfer kommen zum Einsatz. 267 Menschen werden verhaftet. 97 landen zur Zwangsarbeit im Tagebau. Ohne Prozess und Urteil.<\/p>\n<p>1967 wird das Verbot der Klaus-Renft-Combo aufgehoben. Die Band stellt sich neu auf. An Liedern wie \u201eChilenisches Metall\u201c oder \u201eKetten werden knapper\u201c finden auch die Kulturideologen Gefallen. Sich mit Revolution\u00e4ren in fernen L\u00e4ndern zu solidarisieren, passt ins Konzept der Staatsf\u00fchrung. Es werden sogar zwei Schallplatten produziert.<\/p>\n<p>Doch die RENFT-Fans lesen zwischen den Zeilen und \u00fcbertragen Inhalte auf ihre eigene Situation, verstehen die Doppeldeutigkeit vieler Texte, gerade von Gerulf Pannach.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/161005_klre35.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-643517 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/161005_klre35.jpg\" alt=\"Klaus Jentzsch 2005 in seinem Haus. 2006 stirbt der RENFT-Gr\u00fcnder. Foto: Benjamin Weinkauf\" width=\"1874\" height=\"1250\"  \/><\/a>Klaus Jentzsch 2005 in seinem Haus. 2006 stirbt der RENFT-Gr\u00fcnder. Foto: Benjamin Weinkauf<br \/>\nMehr als nur ein G\u00e4nselieschen<\/p>\n<p>\u00dcber das Lied \u201eG\u00e4nselieschen\u201c k\u00f6nnen die Zensoren noch lachen. Zwar macht es sich \u00fcber die Verstaatlichungen im Agrarbereich lustig, aber auf eine charmante Weise. Immerhin thematisiert es auch die emanzipierte Frau im Sozialismus, die nicht in der b\u00e4uerlichen Stube schuftet, sondern allmorgendlich einhundert G\u00e4nse auf die Wiese der Genossenschaft f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Schluss mit lustig ist bei den Texten f\u00fcrs dritte Album. Ein bestelltes Vorspiel vor einer sogenannten Einstufungskommission im Leipziger Kulturhaus \u201eArthur Nagel\u201c endet schon vor Beginn.<\/p>\n<p>Die Vorsitzende Ruth Oelschlegel (1914\u20132014): \u201eIch m\u00f6chte Ihnen im Namen der Kommission mitteilen, dass wir nicht der Auffassung sind, dass dieses Vorspiel heute stattfindet, und zwar aus folgenden Gr\u00fcnden: die Texte, die Sie mir \u00fcbergeben haben, haben mit der sozialistischen Wirklichkeit (eine Unruhe bei den Bandmitgliedern unterbricht die Rede kurz), ich habe Ihnen gesagt: dass wir uns das Vorspiel heute nicht anh\u00f6ren, und zwar aus folgendem Grund: weil die Texte mit unserer sozialistischen Wirklichkeit nicht das Geringste zu tun haben.<\/p>\n<p>Weil in den Texten dar\u00fcber hinaus die Arbeiterklasse verletzt wird, und die Staats- und Schutzorgane diffamiert werden. Sie werden das verstehen, dass wir nicht gewillt sind, uns das auch noch musikalisch untermalen zu lassen, was Sie uns textlich vorgelegt haben, und wir sind der Auffassung, dass damit die Gruppe Renft als nicht mehr existent anzusehen ist, mit diesen Texten, die Sie uns hier vorgelegt haben.\u201c<\/p>\n<p>Christian Kunert, Gitarrist und einer der S\u00e4nger der Band, fragt aufgrund dieser Ansage nach: \u201cDas bedeutet also, dass wir verboten werden?\u201d Ruth Oelschlegel antwortet s\u00fcffisant: \u201eIch habe Ihnen nicht gesagt, dass Sie verboten sind, ich habe Ihnen gesagt, dass Sie aufgrund dieser Tatsachen nicht mehr existieren.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/091007_r27-2-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-643489 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/091007_r27-2-1.jpg\" alt=\"Das Grab von Bandgr\u00fcnder Klaus \u201eRenft\u201c Jentzsch auf dem Leipziger S\u00fcdfriedhof. Foto: Benjamin Weinkauf\" width=\"3540\" height=\"2361\"  \/><\/a>Das Grab von Bandgr\u00fcnder Klaus \u201eRenft\u201c Jentzsch auf dem Leipziger S\u00fcdfriedhof. Foto: Benjamin Weinkauf<br \/>\nEin Ende und die Wende<\/p>\n<p>Das Aus ist besiegelt. Texter Gerulf Pannach und Gitarrist Christian Kunert landen aufgrund ihres Protestes gegen die Biermann-Ausb\u00fcrgerung im Stasi-Knast Berlin-Hohensch\u00f6nhausen, werden nach neun Monaten abgeschoben. Klaus Jentzsch und Thomas Schoppe stellen notgedrungen und s\u00e4mtlicher Illusionen beraubt Ausreiseantr\u00e4ge. <\/p>\n<p>Peter \u201eC\u00e4sar\u201c Gl\u00e4ser und Jochen Hohl bleiben, gr\u00fcnden mit Wolf-R\u00fcdiger Raschke die Band Karussell, einige Titel (u.a. \u201eWer die Rose ehrt\u201c) k\u00f6nnen ins Repertoire \u00fcbernommen werden. Die Band RENFT ist Geschichte.<\/p>\n<p> Aber ihre Platten und Konzertmitschnitte, auch eine aus der Bundesrepublik eingeschmuggelte und hundertfach kopierte LP, die neben den nie offiziell erschienenen Songs des dritten Albums auch einen heimlichen <a href=\"https:\/\/youtu.be\/HOfDT7MIGfM?si=ccmIykPkV5f3NzsH\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mitschnitt von Ruth Oelschlegels Kampfansage<\/a> beinhaltet, werden zu Diamanten in der Musik- und B\u00fcrgerrechtsszene. Wer die Platte besitzt, oder wenigstens eine Kopie auf Kassette, kann sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen. Und tr\u00e4gt das Erbe von RENFT in die n\u00e4chste Generation.<\/p>\n<p>Doch im November 1989 wird wahr, was niemand mehr zu tr\u00e4umen wagte. Die Mauer f\u00e4llt! Und RENFT stehen wieder auf der B\u00fchne. Das Zueinanderfinden jedoch f\u00e4llt schwer. Nach der anf\u00e4nglichen Euphorie gibt es immer wieder wechselnde Besetzungen. Mitunter sogar so verschiedene Projekte, dass man letztlich bis zum Tod von Bandgr\u00fcnder Klaus Jentzsch w\u00e4hlen kann, ob man zur \u201eKlaus-Renft-Combo\u201c oder zu \u201eMonsters Renft\u201c ins Konzert gehen m\u00f6chte.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/550ea498c0cb4f10b02d087b5b8f234c.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/kultur\/musik\/2026\/01\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/kultur\/musik\/2026\/01\/1\"\/><\/p>\n<p>Viele Wege, viele Gabelungen. Immer wieder. Weggef\u00e4hrten sterben. Und doch lebt ein unvergessener Name. Geblieben ist die Band RENFT, geleitet von Thomas \u201eMonster\u201c\u00a0Schoppe. Dem letzten Erben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/091007_t3-2-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-643487 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/091007_t3-2-1.jpg\" alt=\"In Leipzig wurde 2007 eine Stra\u00dfe nach Bandgr\u00fcnder Klaus \u201eRenft\u201c Jentzsch benannt. Direkt vor dem Konzerthaus ANKER, das in Musikerkreisen gern als der STAR CLUB von Leipzig bezeichnet wird. Foto: Benjamin Weinkauf\" width=\"3307\" height=\"2204\"  \/><\/a>In Leipzig wurde 2007 eine Stra\u00dfe nach Bandgr\u00fcnder Klaus \u201eRenft\u201c Jentzsch benannt. Direkt vor dem Konzerthaus ANKER, das in Musikerkreisen gern als der STAR CLUB von Leipzig bezeichnet wird. Foto: Benjamin Weinkauf<br \/>\nEs fehlt die Motivation<\/p>\n<p>Nach drau\u00dfen drang es \u00fcber Nacht. Zwar k\u00fcndigte eine Zeitung ein bevorstehendes Konzert \u201eals das letzte in Arnstadt\u201c an. Dass es gleichzeitig der Beginn einer zun\u00e4chst so nicht geplanten Abschiedstour sein w\u00fcrde, lie\u00df sie offen.<\/p>\n<p>\u201eWir wollten ohnehin zum Jahresende 2026 den Stecker ziehen\u201c, sagt Thomas Schoppe jetzt exklusiv im Gespr\u00e4ch mit der LZ. Kommuniziert wurde der Entschluss bisher nicht. Und dass dieses letzte Ende, von dem au\u00dfer den Musikern noch niemand wusste, vorverlegt wurde, erfuhren die Fans durch zwei kurze Zeilen auf Facebook: \u201eAn allen Orten, an denen wir in diesem Jahr noch spielen, werden wir zum letzten Mal spielen. Danke f\u00fcr die vielen sch\u00f6nen Jahre.\u201c<\/p>\n<p>Letzte und sehr knappe Worte, die \u201eMonster\u201c Schoppe gegen\u00fcber der LZ zu begr\u00fcnden versucht. Zunehmend habe er eine Motivationslosigkeit innerhalb der Band gesp\u00fcrt. Neben den alten Hits Neues auszuprobieren, stie\u00df seiner Darstellung nach an Grenzen. Reibereien h\u00e4tte es gegeben, was beim Blick auf die Historie von RENFT wenig \u00fcberrascht: \u201eDie Bew\u00e4ltigung\u00a0der Songs war schon seit Jahren nicht mehr zufriedenstellend.\u201c<\/p>\n<p>Es g\u00e4be Diskrepanzen, weit \u00fcber Arrangements hinaus, gesteht er ein. So konnte sich Schoppe nicht mit dem Wunsch durchsetzen, wieder einen Pianisten in die Band zu holen.\u00a0Doch noch ein anderes Problem l\u00e4sst ihn die Freude an RENFT verlieren: \u201eUnser Publikum erwartet Hits, mit denen ich selbst nichts mehr anfangen kann.\u201c<\/p>\n<p>So seien Lieder wie \u201eChilenisches Metall\u201c oder selbst \u201eKetten werden knapper\u201c letztlich ideologische Fallen gewesen, in die sie als Musiker tappten. \u201eIch m\u00f6chte keine Lieder mehr spielen, die dem Publikum etwas bedeuten, die es fordert, weil sie zur Bandgeschichte geh\u00f6ren, die ich aber nicht mehr vertreten und singen kann.\u201c<\/p>\n<p>Nicht m\u00fcde wird Schoppe trotz allem zu betonen: \u201eDiese Truppe, mit der wir jetzt unterwegs sind, ist die beste Wiederbesetzung nach der Wende. Als Peter Rasym nach dem Tod von \u201aBasskran\u2018 Schloussen bei uns einstieg, hat mancher die Nase\u00a0ger\u00fcmpft. Ausgerechnet ein Puhdy bei RENFT?\u201c<\/p>\n<p>Rasym hatte bei den oft als Staatsrocker verschrienen PUHDYS nach dem Ausscheiden von Harry Jeske ab 1997 den Bass gespielt. \u201ePeter hat zu uns gepasst und die Band strukturiert und aufger\u00e4umt. Und die alten Rivalit\u00e4ten waren ohnehin Quatsch.\u201c<\/p>\n<p>Spuren einer Rocklegende<\/p>\n<p>Das Aus von RENFT besch\u00e4ftigt nicht nur die Konzertbesucher. Gegen\u00fcber der LZ erinnern sich Zeitzeugen an die Band, und welche Rolle sie in ihrem Leben spielte.<\/p>\n<p>Stephan Krawczyk (Liedermacher und Schriftsteller): \u201eMeine erste Begegnung mit einem Renft-Lied war im Fr\u00fchjahr 1973: \u201aKetten werden knapper.\u2018 Das sang ich dann mit einem FDJ-Singeklub im Sommer zu den Weltfestspielen. Damals war noch nichts zu sp\u00fcren von dem Aufruhr, der vor allem durch die Texte von Gerulf Pannach bei den Konzerten der Renft-Combo mitschwang, weil sich die Jugend in Diktaturen von Denkvorschriften befreien will.\u201c<\/p>\n<p>Krawczyk selbst wird am 17. Januar 1988 als Oppositioneller verhaftet und am 2. Februar in den Westen abgeschoben.<\/p>\n<p>Eine Rivalit\u00e4t wurde immer zwischen der Renft-Combo und den Puhdys wahrgenommen. Oder konstruiert? Mit dem Blick auf das Ende von RENFT schafft Ex-Puhdy Dieter \u201eQuaster\u201c Hertrampf Klarheit: \u201eRENFT waren rebellisch, wir waren eher kommerziell orientiert. Respekt vor der Arbeit der anderen hatten wir aber immer. Renft waren gesch\u00e4tzt, und was ihnen passierte, war falsch. Ich bin traurig, dass es nun wieder eine Band weniger gibt, die aus \u201aunserer\u2018\u00a0Zeit stammte. Aber so ist nun leider der Lauf der Dinge.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/091108_gra26-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-643477 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/091108_gra26-1.jpg\" alt=\"Als Peter \u201eC\u00e4sar\u201c Gl\u00e4ser 2008 starb, trauerten auch die vermeintlichen Rivalen. Foto: Benjamin Weinkauf\" width=\"3778\" height=\"2518\"  \/><\/a>Als Peter \u201eC\u00e4sar\u201c Gl\u00e4ser 2008 starb, trauerten auch die vermeintlichen Rivalen. Foto: Benjamin Weinkauf<\/p>\n<p>Regisseur Hasko Weber inszenierte am Deutschen Nationaltheater Weimar einen Theater-Konzert-Abend rund um die RENFT-Geschichte. Eine \u201emusikalische Erkundung mit Hintergrundinformationen\u201c, wie er das Projekt nennt. Urauff\u00fchrung war am 19. November 2021. Sp\u00e4ter ging das Ensemble mit dem Programm sogar auf Tour.<\/p>\n<p>\u201eUm RENFT selbst live zu h\u00f6ren, war ich damals zu jung. Aber auch nach dem Verbot waren sie immer pr\u00e4sent. Durch die Platten, durch Kassetten. Und in dem ein oder anderen Gasthof spielten andere Gruppen an den Wochenenden auch RENFT-Songs und hielten die Klassiker so am Leben.\u201c<\/p>\n<p>Dass nach dem bevorstehenden Ende der Band auch deren Musik verschwindet, glaubt Hasko Weber nicht. \u201eDie Lieder sind ja Kulturgeschichte und werden in der ein oder anderen Form immer wieder auftauchen. Wir haben unser St\u00fcck auch noch nicht begraben. Wenn sich irgendwann die M\u00f6glichkeit bietet, wenn es f\u00fcr alle passt, k\u00f6nnen wir es wieder auff\u00fchren. Und bestimmt werden sich auch andere K\u00fcnstler mit der Band und ihrem Repertoire befassen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG_5316.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-643565 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG_5316.jpeg\" alt=\"\" width=\"3887\" height=\"2591\"  \/><\/a>Hasko Weber (links) mit seinem Ensemble, Ehrengast Thomas Schoppe (Mitte) und Veranstalterin Heike Engel (rechts) am 3. Mai 2024 beim Gastspiel im Leipziger \u201eAnker\u201c.\u00a0Foto: Benjamin Weinkauf<\/p>\n<p>Eine ganz besondere Beziehung zu RENFT hat der Musiker Dirk Michaelis. 1985 wurde er S\u00e4nger bei Karussell, der Band, die seinerzeit als die Nachfolger der aufgel\u00f6sten Gruppe gehandelt wurden. \u201eRENFT war f\u00fcr mich als Teenager der Grund, deutschsprachige Songs zu schreiben. Rockmusik war ja immer irgendwie englisch, aber das, was ich da h\u00f6rte, war meine Sprache, und die hat mich erreicht.\u201c<\/p>\n<p>Als er bei Karussell einstieg, sang er dann selbst Songs der Altvorderen. Dass RENFT mit dem B\u00fchnen-Aus verschwindet, glaubt auch Dirk Michaelis nicht. \u201eRio Reiser ist im August 30 Jahre tot. Es gibt so viele Rio-Reiser-Programme, unz\u00e4hlige tolle K\u00fcnstler tragen sein Werk in die Zukunft. Genauso wird auch RENFT niemals in Vergessenheit geraten.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/071108_caes58.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-643609 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/071108_caes58.jpg\" alt=\"\" width=\"2848\" height=\"1898\"  \/><\/a>\u201eWer die Rose ehrt\u2026\u201c Dirk Michaelis 2008 am Grab von Peter \u201eC\u00e4sar\u201c Gl\u00e4ser. Die RENFT-Musik pr\u00e4gte ihn. Foto: Benjamin Weinkauf<br \/>\nAbschied, oder doch weitergehen?<\/p>\n<p>Umst\u00e4nde sind Thomas \u201eMonster\u201c Schoppe wichtig. Immer hat er sich ins Verh\u00e4ltnis zu seiner Umgebung gesetzt. Einst im gro\u00dfen Konflikt mit dem System, mit den derzeitigen Unw\u00e4gbarkeiten jetzt. Heute lebt er in einer th\u00fcringischen Kleinstadt, w\u00fcrde lieber wieder in Leipzig wohnen. \u201eAber bezahlen kann man das ja \u00fcberhaupt nicht mehr.\u201c Und die vielen geliebten Pflanzen in seiner Wohnung sind eben auch Umst\u00e4nde. Wo sollen die denn hin?<\/p>\n<p>Wor\u00fcber der Musiker ungern spricht, es aber eben doch benennt, sind die Dinge, die ihn selbst betreffen. Im Gespr\u00e4ch gesteht er, seit Jahren an immer wiederkehrendem Rheuma zu leiden. Und die Augen seien auch nicht mehr so gut. \u201eEigentlich nur noch im Sitzen auftreten zu k\u00f6nnen, \u00e4rgert mich schon sehr\u201c, gesteht er. Dass ihn die Leiden selbst auch m\u00fcde machen, m\u00f6chte er nicht zulassen. Und so blickt er voller Zuversicht auf das Leben nach RENFT. \u201eEs ging so nicht mehr weiter.\u201c<\/p>\n<p>Aber wenn er endlich wieder gesund ist, dann m\u00f6chte er projektbezogen arbeiten. Tr\u00e4umt von Auftritten mit den nach der Wende ebenfalls wiedergegr\u00fcndeten Butlers, mit Streichern, mit dem in Amerika lebenden Keyboarder Martino Gerschwitz. Mit ganz viel neuem Material und den Songs von RENFT, die er selbst nicht f\u00fcr belastet h\u00e4lt.<\/p>\n<p>80 Jahre alt ist Thomas Schoppe im Fr\u00fchjahr 2025 geworden. F\u00fcr Rocker kein Alter. Zumindest nicht f\u00fcr die Lebenden. \u201eMonster\u201c hat ja viele Weggef\u00e4hrten in deutlich j\u00fcngeren Jahren verloren. \u201eDas muss ich alles mal in Ruhe aufschreiben.\u201c Und w\u00e4hrend er das sagt, wirkt er ausgesprochen ruhelos.<\/p>\n<p>Die letzten Termine<\/p>\n<p>RENFT ist keine Resterampe. Das verspricht Schoppe im Gespr\u00e4ch mit der LZ. \u201eUnsere letzten Konzerte werden so, wie ihr sie von uns erwarten k\u00f6nnt. Wir gehen aufrecht auseinander, auch wenn ich im Moment sitzen muss, aber das m\u00fcssen ja viele unserer Fans inzwischen auch.\u201c<\/p>\n<p>In Leipzig gibts RENFT das letzte Mal am 14. M\u00e4rz im Anker, zumindest f\u00fcr Schoppe ein Heimspiel. Weitere Termine der April-Konzerte und Karten f\u00fcr den Anker sind <a href=\"https:\/\/www.renft-live.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier zu erwerben<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Weitergegangen sind sie immer. Manchmal zu weit. Und mitunter haben sie sich verlaufen. 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