{"id":710145,"date":"2026-01-11T12:56:16","date_gmt":"2026-01-11T12:56:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/710145\/"},"modified":"2026-01-11T12:56:16","modified_gmt":"2026-01-11T12:56:16","slug":"was-wuerde-groenland-%f0%9f%87%ac%f0%9f%87%b1-die-usa-%f0%9f%87%ba%f0%9f%87%b8-unter-marktueblichen-preisen-kosten-%f0%9f%92%b0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/710145\/","title":{"rendered":"Was w\u00fcrde Gr\u00f6nland \ud83c\uddec\ud83c\uddf1 die USA \ud83c\uddfa\ud83c\uddf8 unter markt\u00fcblichen Preisen kosten? \ud83d\udcb0"},"content":{"rendered":"<p>Der Klimawandel als Katalysator und Bedrohung<\/p>\n<p>Gr\u00f6nlands Schicksal ist untrennbar mit dem Klimawandel verbunden. Der gr\u00f6nl\u00e4ndische Eisschild, der zweitgr\u00f6\u00dfte der Erde nach der Antarktis, schmilzt in beschleunigtem Tempo. Zwischen 1972 und 2023 hat er mehr als 6.000 Milliarden Tonnen Eis verloren, was den globalen Meeresspiegel um rund 17,3 Millimeter ansteigen lie\u00df. Besonders alarmierend ist die Beschleunigung dieser Entwicklung. In den 1980er Jahren verlor der Schild etwa 60 Milliarden Tonnen Masse pro Jahr, in den 2010er Jahren waren es bereits mehr als 245 Milliarden Tonnen j\u00e4hrlich. Die Jahre 2023 und 2024 zeigten zwar eine Verlangsamung des Schwunds aufgrund ungew\u00f6hnlich k\u00fchler Temperaturen und h\u00f6herer Niederschl\u00e4ge, doch am langfristigen Trend \u00e4ndert das nichts.<\/p>\n<p>Der Klimawandel verl\u00e4uft in der Arktis drei bis vier Mal schneller als im globalen Durchschnitt. Die Erw\u00e4rmung l\u00e4sst nicht nur das Eis schmelzen, sondern ver\u00e4ndert auch die Eisdynamik. Schmelzwasser dringt in Spalten ein und schmiert die Basis der Gletscher, was deren Flie\u00dfgeschwindigkeit erh\u00f6ht. Gleichzeitig werden die schwimmenden Eiszungen von unten durch w\u00e4rmeres Meerwasser angeschmolzen. Diese Eiszungen stabilisieren jedoch das Inlandeis. Schmelzen sie ab, k\u00f6nnen sich die Gletscher beschleunigen, und mehr Eis flie\u00dft ins Meer. Wissenschaftler warnen, dass der zentral-westliche Teil des gr\u00f6nl\u00e4ndischen Eisschilds bald einen Kipp-Punkt erreichen k\u00f6nnte. Wird dieser \u00fcberschritten, setzt eine selbstverst\u00e4rkende Schmelzspirale ein, die nicht mehr zu stoppen ist.<\/p>\n<p>Ein weiterer verst\u00e4rkender Mechanismus ist der Albedo-Effekt. Je weniger Fl\u00e4che von Eis und Schnee bedeckt ist, desto dunkler wird die Oberfl\u00e4che und desto weniger Sonnenlicht wird reflektiert. Dadurch erw\u00e4rmt sich die Oberfl\u00e4che schneller, was wiederum die Schmelze beschleunigt. Hinzu kommt die R\u00fcckkopplung \u00fcber die Atlantische Umw\u00e4lzstr\u00f6mung, kurz AMOC. Diese gewaltige Ozeanstr\u00f6mung transportiert warmes Wasser aus den Tropen nach Norden und kaltes Tiefenwasser zur\u00fcck in den S\u00fcden. Sie wird durch Dichteunterschiede des Ozeans angetrieben. Warmes, salzhaltiges Oberfl\u00e4chenwasser flie\u00dft nordw\u00e4rts, k\u00fchlt ab, wird dichter und sinkt in tiefere Schichten. Das Abschmelzen des gr\u00f6nl\u00e4ndischen Eisschildes f\u00fchrt jedoch massiven S\u00fc\u00dfwassereintrag in den Nordatlantik zu, was die Dichte des Wassers verringert und dessen Absinken hemmt. Modelle zeigen, dass die AMOC bereits jetzt so schwach ist wie nie zuvor in den vergangenen tausend Jahren. Eine weitere Abschw\u00e4chung oder gar ein Zusammenbruch der AMOC h\u00e4tte dramatische Folgen f\u00fcr das europ\u00e4ische Klima und k\u00f6nnte paradoxerweise zu einer erheblichen Abk\u00fchlung in Teilen Europas f\u00fchren.<\/p>\n<p>F\u00fcr Gr\u00f6nland selbst hat der Klimawandel ambivalente Auswirkungen. Einerseits bedroht er die traditionelle Lebensweise der Inuit, ver\u00e4ndert die Fischbest\u00e4nde und gef\u00e4hrdet die fragilen arktischen \u00d6kosysteme. Andererseits er\u00f6ffnet er wirtschaftliche Chancen. Das Abschmelzen der Gletscher legt neue Fl\u00e4chen frei, die potenziell landwirtschaftlich genutzt werden k\u00f6nnten. In S\u00fcdgr\u00f6nland wird bereits Schafzucht betrieben, und die w\u00e4rmeren Temperaturen k\u00f6nnten den Anbau von Nutzpflanzen erleichtern. Auch die Zug\u00e4nglichkeit der Rohstofflagerst\u00e4tten verbessert sich, wenn Eis und Permafrost zur\u00fcckgehen. Die neu entstehenden Seewege durch die Arktis verk\u00fcrzen Handelswege und machen Gr\u00f6nland zu einem potenziellen Logistikzentrum zwischen Europa, Nordamerika und Asien.<\/p>\n<p>Diese Perspektive ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden. Die \u00f6kologischen Kosten des Klimawandels sind immens, und die wirtschaftlichen Chancen k\u00f6nnten sich als tr\u00fcgerisch erweisen, wenn die globale Gemeinschaft tats\u00e4chlich ernst macht mit der Dekarbonisierung. Eine Wirtschaftsstrategie, die auf fossilen Brennstoffen oder intensivem Rohstoffabbau basiert, w\u00e4re kurzfristig gedacht und w\u00fcrde Gr\u00f6nland langfristig verwundbar machen. Die gr\u00f6nl\u00e4ndische Regierung hat das erkannt und setzt bewusst auf nachhaltigen Tourismus und die F\u00f6rderung von Rohstoffen f\u00fcr die gr\u00fcne Transformation, nicht von \u00d6l und Gas. Ob diese Strategie aufgeht und Gr\u00f6nland tats\u00e4chlich wirtschaftlich auf eigenen F\u00fc\u00dfen stehen kann, wird die kommenden Jahrzehnte zeigen.<\/p>\n<p>Trumps Angebot und die Logik territorialer Expansion<\/p>\n<p>Donald Trumps Kaufangebot f\u00fcr Gr\u00f6nland muss im Kontext seiner politischen Philosophie und der amerikanischen Tradition territorialer Expansion gesehen werden. Trump pr\u00e4sentiert sich als Dealmaker, als jemand, der komplexe Probleme durch gesch\u00e4ftliche Transaktionen l\u00f6st. In dieser Logik ist Gr\u00f6nland ein Asset, das erworben werden kann, wenn der Preis stimmt. Berichten zufolge haben US-Beamte, darunter Mitarbeiter des Wei\u00dfen Hauses, \u00fcber Zahlungen zwischen 10.000 und 100.000 US-Dollar pro Einwohner Gr\u00f6nlands gesprochen, um diese davon zu \u00fcberzeugen, sich von D\u00e4nemark zu l\u00f6sen und den USA anzuschlie\u00dfen. Bei 56.836 Einwohnern und einem Betrag von 100.000 Dollar pro Kopf erg\u00e4be sich eine Gesamtsumme von etwa 5,68 Milliarden Dollar oder rund 4,86 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Diese Zahl liegt am unteren Ende der eingangs erw\u00e4hnten Bewertungsspanne und entspricht in etwa der Barwertmethode, die sich am d\u00e4nischen Blockzuschuss orientiert. Sie ignoriert jedoch vollst\u00e4ndig den Rohstoffwert und das strategische Potential der Insel. Aus gr\u00f6nl\u00e4ndischer Sicht w\u00e4re ein solches Angebot vermutlich eine Beleidigung. Umgerechnet auf die hypothetische Bewertung der Bodensch\u00e4tze von 3,76 Billionen Euro w\u00fcrde jedem Gr\u00f6nl\u00e4nder theoretisch ein Anteil von \u00fcber 66 Millionen Euro zustehen. Die Diskrepanz zwischen Trumps Angebot und dem theoretischen Wert der Insel k\u00f6nnte gr\u00f6\u00dfer kaum sein.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der konkreten Summe bleibt die grunds\u00e4tzliche Frage, ob ein solcher Deal \u00fcberhaupt moralisch und rechtlich vertretbar w\u00e4re. Die Vorstellung, eine Bev\u00f6lkerung durch finanzielle Anreize zu einer \u00c4nderung ihrer Staatszugeh\u00f6rigkeit zu bewegen, wirft fundamentale Fragen \u00fcber Souver\u00e4nit\u00e4t, Selbstbestimmung und die Kommodifizierung von Territorien auf. Die gr\u00f6nl\u00e4ndische Identit\u00e4t ist nicht k\u00e4uflich, und die meisten Gr\u00f6nl\u00e4nder d\u00fcrften wenig Interesse daran haben, ihre Heimat gegen eine Einmalzahlung einzutauschen, selbst wenn diese gro\u00dfz\u00fcgig w\u00e4re.<\/p>\n<p>Trumps Rhetorik hat sich seit 2019 kaum ver\u00e4ndert. Er spricht von der Notwendigkeit, Gr\u00f6nland f\u00fcr die amerikanische Sicherheit zu erwerben, und schlie\u00dft milit\u00e4rische Optionen nicht aus. Diese Drohung, so implizit sie auch formuliert sein mag, ist v\u00f6lkerrechtlich inakzeptabel und hat international f\u00fcr Emp\u00f6rung gesorgt. Die d\u00e4nische Ministerpr\u00e4sidentin reagierte am Sonntag nach Trumps j\u00fcngsten \u00c4u\u00dferungen mit ungew\u00f6hnlich scharfen Worten. Sie sagte den USA sehr direkt, dass es absolut sinnlos sei, davon zu reden, dass es f\u00fcr die USA notwendig sei, Gr\u00f6nland zu \u00fcbernehmen. Auch die gr\u00f6nl\u00e4ndische F\u00fchrung hat deutlich gemacht, dass keine Fantasien \u00fcber eine Annexion mehr toleriert werden. Premierminister Jens-Frederik Nielsen betonte, dass man offen f\u00fcr Dialog und Diskussionen sei, dies aber \u00fcber die angemessenen Kan\u00e4le und unter Achtung des V\u00f6lkerrechts geschehen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Die Frage bleibt, warum Trump auf seiner Gr\u00f6nland-Strategie beharrt, obwohl die politischen Kosten erheblich sind. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung liegt in der Innenpolitik. Trumps W\u00e4hlerbasis sch\u00e4tzt seine unkonventionelle Au\u00dfenpolitik und sein Selbstbild als harter Verhandler. Die Gr\u00f6nland-Offensive spielt diese Rolle perfekt. Sie demonstriert St\u00e4rke, Unabh\u00e4ngigkeit von diplomatischen Konventionen und den Anspruch, amerikanische Interessen ohne R\u00fccksicht auf europ\u00e4ische Befindlichkeiten durchzusetzen. Zudem lenkt sie von innenpolitischen Problemen ab und erzeugt mediale Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Eine andere Erkl\u00e4rung ist strategischer Natur. Die USA befinden sich in einem intensivierenden geopolitischen Wettbewerb mit China und in einem wiederauflebenden Konflikt mit Russland. In diesem Kontext erscheint Gr\u00f6nland als unverzichtbarer Baustein amerikanischer Gro\u00dfmachtstrategie. Sollte es Trump tats\u00e4chlich gelingen, Gr\u00f6nland unter amerikanische Kontrolle zu bringen, sei es durch Kauf, durch eine Freistaaten-Assoziation oder durch eine andere Konstruktion, w\u00fcrde dies die strategische Position der USA in der Arktis fundamental st\u00e4rken. Die Kontrolle \u00fcber den GIUK Gap w\u00fcrde gesichert, der Zugang zu Rohstoffen verbessert und die F\u00e4higkeit, russische und chinesische Aktivit\u00e4ten in der Region zu \u00fcberwachen und zu begrenzen, erheblich gesteigert.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Dimension und die NATO<\/p>\n<p>F\u00fcr Europa stellt Trumps Gr\u00f6nland-Offensive eine erhebliche Herausforderung dar. D\u00e4nemark ist Mitglied der Europ\u00e4ischen Union und der NATO. Ein amerikanischer Druck auf Kopenhagen, Gr\u00f6nland abzutreten, tangiert nicht nur bilaterale Beziehungen, sondern das gesamte transatlantische Verh\u00e4ltnis. Innerhalb der NATO herrscht Verwirrung und teilweise Entsetzen \u00fcber Trumps Rhetorik. Die Allianz basiert auf dem Prinzip der kollektiven Verteidigung und dem Respekt f\u00fcr die Souver\u00e4nit\u00e4t der Mitgliedstaaten. Dass ein NATO-Partner einen anderen unter Druck setzt, sein Territorium abzutreten, widerspricht diesen Grunds\u00e4tzen fundamental.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union hat bislang verhalten reagiert. Viele europ\u00e4ische Politiker scheuen sich, Trump direkt zu konfrontieren, aus Angst vor einer weiteren Verschlechterung der ohnehin angespannten transatlantischen Beziehungen. Gleichzeitig w\u00e4chst das Bewusstsein, dass Europa seine eigenen strategischen Interessen in der Arktis definieren und verfolgen muss. Die EU hat mit Gr\u00f6nland eine Rohstoffpartnerschaft geschlossen, die Gr\u00f6nland an Europa bindet und eine Alternative zur exklusiven Abh\u00e4ngigkeit von den USA bietet.<\/p>\n<p>Einige Beobachter argumentieren, dass Europa die Gr\u00f6nland-Frage als Weckruf nutzen sollte. Die Arktis ist nicht nur f\u00fcr die USA und Russland von Bedeutung, sondern auch f\u00fcr Europa. Klimawandel, Schifffahrtsrouten und Rohstoffvorkommen betreffen europ\u00e4ische Interessen direkt. Eine koh\u00e4rente europ\u00e4ische Arktis-Strategie, die milit\u00e4rische, wirtschaftliche und \u00f6kologische Aspekte integriert, fehlt jedoch weitgehend. Die nordischen L\u00e4nder, insbesondere Norwegen, Finnland und Schweden, haben eigene Arktis-Strategien, doch eine gemeinsame EU-Position ist unterentwickelt. Trumps Vorst\u00f6\u00dfe k\u00f6nnten Europa dazu zwingen, hier nachzubessern und eine aktivere Rolle in der Region zu spielen.<\/p>\n<p>Die NATO steht ebenfalls vor schwierigen Fragen. Der GIUK Gap ist f\u00fcr die Allianz von zentraler Bedeutung. Sollte Gr\u00f6nland tats\u00e4chlich unter direkte amerikanische Kontrolle geraten, w\u00fcrde dies die strategische Balance innerhalb der NATO verschieben. Die USA w\u00fcrden noch dominanter, w\u00e4hrend europ\u00e4ische Partner weiter an Einfluss verl\u00f6ren. Andererseits ist die Sicherheit des GIUK Gap f\u00fcr Kanada, das Vereinigte K\u00f6nigreich, Norwegen und die gesamte EU existenziell. Ein Versagen in dieser Region w\u00fcrde bedeuten, dass russische U-Boote ungehindert in den Atlantik vordringen und die Versorgungslinien zwischen Nordamerika und Europa bedrohen k\u00f6nnten. Jede notwendige Ma\u00dfnahme zur Sicherung dieser Region muss daher akzeptabel sein, argumentieren einige Strategen.<\/p>\n<p>Die langfristige Perspektive und die Unabh\u00e4ngigkeit Gr\u00f6nlands<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von Trumps Ambitionen wird Gr\u00f6nland sich \u00fcber kurz oder lang von D\u00e4nemark emanzipieren. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und unter welchen Bedingungen. Die gr\u00f6nl\u00e4ndische Gesellschaft strebt mehrheitlich nach Unabh\u00e4ngigkeit, auch wenn die Meinungen \u00fcber das Tempo und die konkrete Ausgestaltung auseinandergehen. Die wirtschaftlichen H\u00fcrden sind erheblich. Gr\u00f6nland m\u00fcsste den d\u00e4nischen Blockzuschuss ersetzen, der derzeit etwa die H\u00e4lfte der Staatseinnahmen ausmacht. Das erfordert entweder eine drastische Steigerung der eigenen Wirtschaftsleistung oder die Erschlie\u00dfung neuer Einnahmequellen.<\/p>\n<p>Der Rohstoffsektor k\u00f6nnte theoretisch eine solche Quelle sein, doch wie dargelegt, sind die praktischen H\u00fcrden enorm. Der Tourismus bietet Potential, doch auch hier sind die Erwartungen mit Vorsicht zu genie\u00dfen. Gr\u00f6nland ist teuer, schwer erreichbar und klimatisch extrem. Es wird nie ein Massentourismusziel wie Spanien oder Thailand werden. Mikrotourismus mit zahlungskr\u00e4ftiger Klientel kann Einkommen generieren, aber kaum die gesamte Wirtschaft tragen.<\/p>\n<p>Eine realistische Perspektive f\u00fcr Gr\u00f6nlands Zukunft k\u00f6nnte in einer abgestuften Unabh\u00e4ngigkeit liegen, verbunden mit strategischen Partnerschaften. Gr\u00f6nland k\u00f6nnte formal unabh\u00e4ngig werden, aber enge Assoziierungsabkommen mit D\u00e4nemark, der EU und m\u00f6glicherweise auch den USA schlie\u00dfen. Solche Abkommen k\u00f6nnten finanzielle Unterst\u00fctzung, Zugang zu M\u00e4rkten und Sicherheitsgarantien umfassen, ohne dass Gr\u00f6nland seine Souver\u00e4nit\u00e4t aufgeben m\u00fcsste. Das Modell der freien Assoziation, das die USA mit pazifischen Inselstaaten praktizieren, bietet hier Anschauungsmaterial, wenngleich es nicht eins zu eins \u00fcbertragbar ist.<\/p>\n<p>Entscheidend wird sein, dass Gr\u00f6nland seine eigene Identit\u00e4t und seine eigenen Interessen klar definiert. Die Gefahr besteht darin, zwischen verschiedenen externen Akteuren zerrieben zu werden, die alle ihre eigenen Agenden verfolgen. D\u00e4nemark m\u00f6chte seine Rolle als Arktisstaat bewahren. Die USA streben nach strategischer Dominanz. China sucht Zugang zu Rohstoffen und Handelswegen. Russland will seine Position in der Arktis sichern. Inmitten dieser geopolitischen Kr\u00e4fte muss Gr\u00f6nland einen eigenen Weg finden, der den Interessen seiner Bev\u00f6lkerung dient.<\/p>\n<p>Die 56.000 bis 57.000 Gr\u00f6nl\u00e4nder sind keine Schachfiguren auf einem geopolitischen Brett, auch wenn sie oft so behandelt werden. Sie sind Menschen mit eigenen Tr\u00e4umen, Hoffnungen und Rechten. Die koloniale Vergangenheit hat ihnen gelehrt, dass externe M\u00e4chte ihre Interessen nicht automatisch ber\u00fccksichtigen. Die Zukunft Gr\u00f6nlands sollte daher von den Gr\u00f6nl\u00e4ndern selbst gestaltet werden, in einem transparenten, demokratischen Prozess, der alle Stimmen einbezieht. Internationale Partner k\u00f6nnen und sollten dabei unterst\u00fctzen, aber die Entscheidung muss in Nuuk fallen, nicht in Washington, Peking, Moskau oder Kopenhagen.<\/p>\n<p>Eine unfertige Geschichte<\/p>\n<p>Die Debatte um Gr\u00f6nlands Wert, Zukunft und Zugeh\u00f6rigkeit ist alles andere als abgeschlossen. Sie steht exemplarisch f\u00fcr die gro\u00dfen Verschiebungen des 21. Jahrhunderts: den Klimawandel, der ganze Regionen neu definiert, den Rohstoffhunger einer wachsenden Weltwirtschaft, die geopolitische Konkurrenz zwischen Gro\u00dfm\u00e4chten und die Frage nach Selbstbestimmung und Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt. Gr\u00f6nland, lange ein vergessener Au\u00dfenposten am Rande der Weltkarte, ist ins Zentrum dieser Dynamiken ger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Die Bewertung der Insel schwankt zwischen 10,5 Milliarden und 3,76 Billionen Euro, je nachdem, welche Methode man anlegt und welche Zukunftsszenarien man unterstellt. Doch letztlich sind solche Zahlen nur begrenzt aussagekr\u00e4ftig. Der wahre Wert Gr\u00f6nlands l\u00e4sst sich nicht in Euros oder Dollars beziffern. Er liegt in seiner strategischen Lage, seinen Rohstoffen, seiner einzigartigen Natur und vor allem in den Menschen, die dort leben. Gr\u00f6nland ist kein unbewohntes St\u00fcck Land, das man kaufen und verkaufen kann wie eine Immobilie. Es ist eine Heimat, eine Gesellschaft, eine Nation im Werden.<\/p>\n<p>Donald Trumps Kaufangebot von f\u00fcnf Milliarden Dollar mag auf den ersten Blick gro\u00dfz\u00fcgig erscheinen, doch es verkennt die Realit\u00e4t vollst\u00e4ndig. Gr\u00f6nland steht nicht zum Verkauf, nicht f\u00fcr f\u00fcnf Milliarden, nicht f\u00fcr f\u00fcnf Billionen. Die Zukunft der Insel wird durch politische Prozesse, wirtschaftliche Entwicklungen und gesellschaftliche Entscheidungen bestimmt, nicht durch einen Deal im Stil einer Immobilientransaktion. Ob Gr\u00f6nland eines Tages unabh\u00e4ngig wird, ob es enge Beziehungen zu den USA, zu Europa oder zu anderen Partnern aufbaut, wird sich zeigen. Sicher ist nur, dass diese Entscheidungen den Gr\u00f6nl\u00e4ndern zustehen und niemand sonst das Recht hat, \u00fcber ihr Schicksal zu verf\u00fcgen. In einer Welt, die zunehmend von Machtpolitik und \u00f6konomischen Interessen dominiert wird, ist diese Erinnerung an die Prinzipien der Selbstbestimmung und der Achtung vor dem Willen der Menschen vielleicht der wichtigste Wert \u00fcberhaupt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Klimawandel als Katalysator und Bedrohung Gr\u00f6nlands Schicksal ist untrennbar mit dem Klimawandel verbunden. 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