{"id":710501,"date":"2026-01-11T16:17:16","date_gmt":"2026-01-11T16:17:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/710501\/"},"modified":"2026-01-11T16:17:16","modified_gmt":"2026-01-11T16:17:16","slug":"muenchen-auswirkungen-der-kaelte-auf-obdachlose-und-auf-dem-viktualienmarkt-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/710501\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen: Auswirkungen der K\u00e4lte auf Obdachlose und auf dem Viktualienmarkt &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die beiden Schlangen reichen hinaus bis aufs Trottoir der Karlstra\u00dfe. Auf der einen Seite stehen die, die sich heute noch unter eine warme Dusche stellen wollen, eine wattierte Winterjacke, dicke Stiefel oder sonst eine zus\u00e4tzliche Lage brauchen, damit ihnen die K\u00e4lte nicht noch mehr in die Knochen kriecht. Auf der anderen reihen sich M\u00e4nner und Frauen f\u00fcr einen Teller warmen Eintopf und ein paar Becher hei\u00dfen Tee ein \u2013\u00a0oder f\u00fcr eine \u00e4rztliche Versorgung. Von Montag bis Freitag kommen t\u00e4glich etwa 600 Menschen zur Obdachlosenhilfe von St. Bonifaz. \u201eDie aktuelle K\u00e4lte macht da keinen Unterschied\u201c, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder der Einrichtung, Frater Emmanuel Rotter.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/021f8c48-826c-47b0-8129-6277d492e162.jpg\"   alt=\"Frater Emmanuel Rotter hat die Obdachlosenhilfe von St. Bonifaz gegr\u00fcndet und leitet sie bis heute. \u201eHomeless Jesus\u201c hei\u00dft das Kunstwerk im tief verschneiten Hof der Benediktinerabtei, bei dem er steht. Die Bronze-Skulptur zeigt den in eine Decke eingeschlagenen Christus und soll an das Jesus-Wort aus dem Matth\u00e4us-Evangelium erinnern: \u201eIch war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.\u201c\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Frater Emmanuel Rotter hat die Obdachlosenhilfe von St. Bonifaz gegr\u00fcndet und leitet sie bis heute. \u201eHomeless Jesus\u201c hei\u00dft das Kunstwerk im tief verschneiten Hof der Benediktinerabtei, bei dem er steht. Die Bronze-Skulptur zeigt den in eine Decke eingeschlagenen Christus und soll an das Jesus-Wort aus dem Matth\u00e4us-Evangelium erinnern: \u201eIch war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.\u201c (Foto: Andrea Schlaier)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im Haneberghaus, das im Innenhof der Benediktinerabtei St. Bonifaz liegt, werden seit 1990 Menschen ohne festen Wohnsitz und in sozialen Notlagen wochentags versorgt. Ganz vorne in der Essens-Schlange steht an diesem Freitagmorgen mit 5 Grad Au\u00dfentemperatur Stephanie, 34. Es ist nicht auszumachen, wie viele Schichten Kleidung die junge Frau \u00fcbereinander tr\u00e4gt. Sie tritt von einem Bein aufs andere. \u201eIch lebe den vierten Winter drau\u00dfen, klar, es ist jetzt schon sehr kalt, aber tags\u00fcber komme ich hierher zum Essen, Trinken, Klamotten besorgen. Medikamente brauch&#8216; ich auch.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/625a483a-ee20-4d2b-9756-0c052e3f1988.jpg\"   alt=\"Nicht nur eine warme Suppe wird t\u00e4glich im Haneberghaus an Bed\u00fcrftige ausgegeben, sondern es gibt auch warme Getr\u00e4nke.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Nicht nur eine warme Suppe wird t\u00e4glich im Haneberghaus an Bed\u00fcrftige ausgegeben, sondern es gibt auch warme Getr\u00e4nke. (Foto: Robert Haas)<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/2b02f3ca-4de5-4701-87ac-aa106d7aab35.jpg\"   alt=\"Wer an diesen eiskalten Tagen Handschuhe, eine dicke Jacke oder sonstigen zus\u00e4tzlichen W\u00e4rmeschutz f\u00fcr den K\u00f6per braucht, kann sich bei der Kleiderkammer von St. Bonifaz eindecken.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Wer an diesen eiskalten Tagen Handschuhe, eine dicke Jacke oder sonstigen zus\u00e4tzlichen W\u00e4rmeschutz f\u00fcr den K\u00f6per braucht, kann sich bei der Kleiderkammer von St. Bonifaz eindecken. (Foto: Robert Haas)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die N\u00e4chte verbringt die junge Frau zurzeit in der Lotte-Branz-Stra\u00dfe im Euroindustriepark, wo im sogenannten \u201e\u00dcbernachtungsschutz\u201c der Stadt seit knapp zwei Jahren 728 Betten f\u00fcr wohnungslose Menschen bereitstehen. \u201eTags\u00fcber m\u00fcssen wir da raus, da halte ich mich oft im HP8 am Computer auf, wenn&#8217;s so kalt ist, oder auch mal in einem kirchlichen Raum. Das geht schon.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eIn <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> muss niemand auf der Stra\u00dfe schlafen\u201c, sagt auf SZ-Anfrage eine Sprecherin des Sozialreferats. Das soll hei\u00dfen: Auch nicht bei der Eisesk\u00e4lte der letzten Tage. Was die Nachfrage nach \u00dcbernachtungspl\u00e4tzen angehe, habe man \u201eentgegen der landl\u00e4ufigen Einsch\u00e4tzung keinen Peak in der kalten Jahreszeit\u201c. Ende Dezember seien etwa im \u201e\u00dcbernachtungsschutz\u201c noch 400 Pl\u00e4tze frei gewesen. Dies sei nach Einsch\u00e4tzung der Beh\u00f6rde in den Folgetagen nicht \u201edeutlich anders\u201c gewesen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Richard Brunner, der den \u00dcbernachtungsschutz \u201eSchiller\u201c des Evangelischen Hilfswerks leitet, konstatiert im Gespr\u00e4ch mit der Evangelischen Presseagentur einen gr\u00f6\u00dferen Andrang auf die Hilfsangebote als im vorigen Winter. Das liege wohl am k\u00e4lteren Wetter, aber auch an \u201egesellschaftlichen Entwicklungen\u201c wie der weiter wachsenden Wohnungsnot und dem anhaltenden Zuzug. Auch bei der evangelischen Teestube \u201ekomm\u201c stauten sich die Menschen vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Einer j\u00fcngsten Studie zufolge, sagt die Sprecherin des Sozialreferats, lebten in M\u00fcnchen aktuell 340 Menschen dauerhaft auf der Stra\u00dfe &#8211; in St. Bonifaz gehen sie von 500 bis 1000 aus. \u201eStreetwork und der W\u00e4rmebus der Teestube \u201akomm\u2018 suchen die Menschen an den bekannten Orten auf und bieten Hilfe an.\u201c Die Annahme dieser Hilfe sei jedoch freiwillig und erfordere oft intensiven Kontaktaufbau, bis das Hilfsangebot auch angenommen werde \u2013\u00a0\u201eleider nicht immer mit Erfolg\u201c, sagt die Vertreterin des Sozialreferats.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Frater Emmanuel best\u00e4tigt das beim Gespr\u00e4ch im Haneberghaus: \u201eEs gibt trotz der K\u00e4lte viele, die sagen, sie wollen lieber drau\u00dfen bleiben.\u201c Manche holten sich bei ihnen in der Kleiderkammer eine dritte M\u00fctze und die \u201ezigste Lage. Sie sind bei minus 15 Grad eingemummelt wie im Iglu\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/667fb6ee-a272-4c22-8cf1-8e4db29a95f1.jpg\"   alt=\"In der Arztpraxis der Benediktinerabtei werden auch Erfrierungen behandelt und Medikamente ausgegeben.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>In der Arztpraxis der Benediktinerabtei werden auch Erfrierungen behandelt und Medikamente ausgegeben. (Foto: Robert Haas)<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/7a14f5a7-0cf0-4365-84ca-b0ac9fc32533.jpg\"   alt=\"Vor der Pforte der Pfarrei St. Bonifaz haben sich zurzeit wieder wohnungslose Menschen einen Schlafplatz eingerichtet. Viele wollen trotz der eisigen K\u00e4lte die Nacht nicht in einer Einrichtung verbringen.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Vor der Pforte der Pfarrei St. Bonifaz haben sich zurzeit wieder wohnungslose Menschen einen Schlafplatz eingerichtet. Viele wollen trotz der eisigen K\u00e4lte die Nacht nicht in einer Einrichtung verbringen. (Foto: Robert Haas)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Oliver Gunia ist Wundmanager und Pflegedienstleiter im Haneberghaus von St. Bonifaz.\u00a0\u201eK\u00e4lte ist ab Oktober bei uns Thema, wenn die Temperatur unter zehn Grad rutscht.\u201c Dann gebe es schon erste Erfrierungen an F\u00fc\u00dfen und H\u00e4nden. \u201eDie Menschen laufen teilweise noch in Sommerschuhen rum, und durch andere Grunderkrankungen, zum Beispiel Diabetes, sp\u00fcren sie ihre Beine nicht mehr und nehmen auch nicht wahr, wenn sich was ver\u00e4ndert.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Frater Emmanuel appelliert an die Stadtgesellschaft, \u201ewenn man jemanden an der Tramhaltestelle oder auf dem Gehweg oder sonstwo liegen sieht und den Eindruck hat, der kommt nicht mehr hoch, vielleicht auch weil er betrunken ist, was bei der K\u00e4lte sehr gef\u00e4hrlich ist, denjenigen ansprechen und, wenn man den Eindruck hat, der braucht Hilfe, einen Notruf bei der Polizei absetzen\u201c. Au\u00dferdem baue er auf \u201eMenschlichkeit und Toleranz\u201c, damit obdachlose Menschen bei dem eisigen Wetter nicht aus den Zwischengeschossen von U- und S-Bahn vertrieben w\u00fcrden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/3a322abd-739f-4f22-a5b0-a8db80906eac.jpg\"   alt=\"Einige H\u00e4ndler machen zurzeit auf dem Viktualkienmarkt ihre Bude dicht: zu kalt.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Einige H\u00e4ndler machen zurzeit auf dem Viktualkienmarkt ihre Bude dicht: zu kalt. (Foto: Catherina Hess)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auf der anderen, der wohlhabenden Postkarten-Seite der Stadt, dem <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Viktualienmarkt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Viktualienmarkt<\/a>, ist an diesen frostigen Tagen deutlich weniger los als sonst. Einzelne Zettel an geschlossenen Holzl\u00e4den melden: \u201eWegen K\u00e4lte geschlossen.\u201c\u00a0 Marco Stohr vom Obsthof Bucher und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Viktualienmarkt (IGV) sch\u00e4tzt, dass zurzeit von den etwa 100 St\u00e4nden \u201ezehn bis 25 Prozent zu sind\u201c. Das liege seiner Einsch\u00e4tzung nach aber weniger an den tiefen Temperaturen, sondern vielmehr daran, \u201edass in dieser Zeit wenig Kunden unterwegs sind\u201c. Der Viktualienmarkt habe sich vom Versorger- zum Genussmarkt entwickelt, man lebe damit weniger von Stammkunden, die auch bei schlechtem Wetter k\u00e4men, und vielmehr von Touristen. Und die blieben gerade aus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/72ba2b6a-d9e9-48c5-9e08-b7e9d4593fdf.jpeg\"   alt=\"Marco Stohr, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Viktualienmarkt, ist auch bei Minusgraden an seinem Stand zu finden.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Marco Stohr, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Viktualienmarkt, ist auch bei Minusgraden an seinem Stand zu finden. (Foto: Robert Haas)<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1a31d428-84c7-4b12-b5c1-ec775944ff11.jpg\"   alt=\"Wenn die Touristen im kalten Januar ausbleiben, gehen einige H\u00e4ndler des Viktualienmarkts in Urlaub.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Wenn die Touristen im kalten Januar ausbleiben, gehen einige H\u00e4ndler des Viktualienmarkts in Urlaub. (Foto: Catherina Hess)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Viele Kollegen, sagt Stohr, w\u00fcrden deshalb jetzt ihren Jahresurlaub nehmen. Die, die da sind, erz\u00e4hlt Stohr, legen dicke Matten auf den Boden \u2013\u00a0\u201eals K\u00e4ltepuffer\u201c, lassen Plastikplanen herunter, auch um die Ware zu sch\u00fctzen, und \u201ebei uns heizen wir halt so gut wie m\u00f6glich\u201c.\u00a0 Gef\u00fctterte Winterstiefel, Skiunterw\u00e4sche und Wollm\u00fctzen geh\u00f6ren aktuell zur Grundausstattung. \u201eWenn die Sonne dann wieder so richtig runterkommt\u201c, sagt Stohr, \u201eist der Viktualienmarkt schnell wieder voll mit Leuten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die beiden Schlangen reichen hinaus bis aufs Trottoir der Karlstra\u00dfe. 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