{"id":71205,"date":"2025-04-29T17:58:12","date_gmt":"2025-04-29T17:58:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/71205\/"},"modified":"2025-04-29T17:58:12","modified_gmt":"2025-04-29T17:58:12","slug":"trump-scheitert-an-putin-bei-ukraine-gespraechen-der-us-praesident-ist-voellig-in-der-defensive-und-schlaegt-nur-noch-um-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/71205\/","title":{"rendered":"Trump scheitert an Putin bei Ukraine-Gespr\u00e4chen: &#8222;Der US-Pr\u00e4sident ist v\u00f6llig in der Defensive und schl\u00e4gt nur noch um sich&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><b>ntv.de: US-Pr\u00e4sident Donald Trump machte seinem russischen Amtskollegen eine klare Ansage: &#8222;Ich will, dass Putin aufh\u00f6rt zu schie\u00dfen, sich hinsetzt und einen Deal unterschreibt.&#8220; Was will er erreichen?<\/b><\/p>\n<p>Thomas J\u00e4ger: F\u00fcr den amerikanischen Pr\u00e4sidenten geht es darum, den Krieg in der Ukraine zu beenden, weil ihm das eine gr\u00f6\u00dfere Handlungsfreiheit gibt. Zum einen kann er dann Gesch\u00e4fte mit Russland machen, das ist seine erkl\u00e4rte Absicht. Zum anderen kann er dann die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine einstellen. Auch das hat er im Wahlkampf versprochen. Das sind die zwei wesentlichen Gr\u00fcnde, warum er es auf ein Friedensabkommen abgesehen hat. Zudem wird stets ein pers\u00f6nliches Motiv angef\u00fchrt: Trump will den Friedensnobelpreis bekommen. Das mag sein, aber den kriegt er sowieso nicht.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1745949492_469_Jager.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Thomas J\u00e4ger ist Professor f\u00fcr Internationale Politik an der Universit\u00e4t K\u00f6ln.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1745949492_469_Jager.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Thomas J\u00e4ger ist Professor f\u00fcr Internationale Politik an der Universit\u00e4t K\u00f6ln.<\/p>\n<p><b>Nimmt Putin solche Aussagen von Trump ernst?<\/b><\/p>\n<p>Nein. An der russischen Interessenlage hat sich nichts ge\u00e4ndert. Russland f\u00fchrt diesen Krieg, um sich als Weltmacht wieder aufzubauen, mit Unterst\u00fctzung von China. Peking ist wie Moskau daran interessiert, die internationale Ordnung so zu gestalten, dass autokratische Systeme nicht mehr in Furcht vor irgendwelchen Protesten leben m\u00fcssen, weil ihnen die Legitimit\u00e4t fehlt. Eine Grundlage, um dieses Ziel zu erreichen, ist, die politische Dominanz \u00fcber Europa zu bekommen. Trump ist in diesem Zusammenhang ein Vorteil f\u00fcr Peking und Moskau. Denn der US-Pr\u00e4sident ist bereit, die transatlantischen Beziehungen so zu spannen, dass sie gar brechen k\u00f6nnen. Und er w\u00fcrde Russland zumindest einen Teil von Europa, vielleicht sogar ganz Europa \u00fcberlassen. Warum soll Putin da irgendwas aufgeben?<\/p>\n<p><b>Macht Trump der Aufbau einer russischen Weltmacht also nichts aus \u2013 hat er sogar ein Interesse daran, sich Europa mit Putin aufzuteilen?<\/b><\/p>\n<p>Das wei\u00df man nicht. Das Erstaunliche: Trump geht mit zwei Bildern von sich selbst hausieren. Das eine ist der Dealmaker und das andere ist der Disruptor. Ein Disruptor hat erst mal einen positiven Beiklang, weil jemand in dieser Rolle verkrustete Verh\u00e4ltnisse aufbricht, um etwas Neues zu schaffen. Das Problem: Trump l\u00e4uft dabei einem Traumbild hinterher, falls er \u00fcberhaupt einen Plan hat, was geschaffen werden soll. Alles, was er schafft, ist Chaos &#8211; und zwar zum Vorteil von Russland und China. Wir sehen das auch mit Blick auf seine Regierung: Es wurde kein Konzept ausgearbeitet, sei es in der Handels- oder der Sicherheitspolitik. Zudem widersprechen sich die Mitglieder von Trumps Regierung st\u00e4ndig in ihren Argumentationen. <\/p>\n<p><b>Geh\u00f6rt dieses kommunikative Chaos nicht auch zu Trumps Propagandastrategie?<\/b><\/p>\n<p>Bei Trump ist alles immer Propagandastrategie, um entweder seine Marke aufzubauen oder von irgendwas abzulenken. Aber die Frage ist doch: Was will er denn mit seiner Handelspolitik bitte erreichen? Wenn wir als Ziel herausgreifen, Investitionen in den Vereinigten Staaten zu st\u00e4rken, w\u00fcrde Trump keine andere Politik betreiben als sein Amtsvorg\u00e4nger Joe Biden. Aber Biden ging kl\u00fcger vor, weil er versucht hat, die amerikanische \u00d6konomie durch Subventionen anziehend zu machen. Die Brechstange, die Trump durch die Z\u00f6lle ansetzt, schreckt Investitionen hingegen ab. Wer kann sich so etwas ernsthaft und planm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegt haben?<\/p>\n<p><b>Und in der Sicherheitspolitik herrscht auch Planlosigkeit?<\/b><\/p>\n<p>Ja. Was den Krieg in der Ukraine angeht, hat Trumps Regierung gesagt: Erst machen wir Druck auf die Ukraine, dann wird mit ihr verhandelt \u2013 anschlie\u00dfend machen wir Druck auf die Russen, dann werden die verhandeln. Aber mit was will Trump denn Druck auf Russland aus\u00fcben? Das hat man sich vorher nicht \u00fcberlegt. Es gibt nichts, was Russland nicht mithilfe von China kontern kann. Trump muss jetzt sogar Gespr\u00e4che mit China erfinden, um so zu tun, als w\u00e4re da gerade ein Austausch. Der US-Pr\u00e4sident tritt noch immer so auf, als w\u00e4re er in der Offensive, als w\u00fcrde er die Verh\u00e4ltnisse gestalten. Aber Trump ist v\u00f6llig in der Defensive und schl\u00e4gt nur noch um sich.<\/p>\n<p><b>Trump hat Putin j\u00fcngst mit neuen Sanktionen gedroht. Aber die US-Wirtschaft leidet bereits unter der Zollpolitik \u2013 und Sanktionen k\u00f6nnten sie weiter schw\u00e4chen. Werden sie trotzdem verh\u00e4ngt?<\/b><\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnten kommen, aber weniger von der Regierung, sondern aus dem Senat. Da wird dr\u00fcber gesprochen, vor allem Sekund\u00e4rsanktionen zu verh\u00e4ngen. Das w\u00e4re ein scharfes Schwert. Dann w\u00fcrden Unternehmen sanktioniert, die zum Beispiel von Russland \u00d6l und Gas kaufen. Es bleibt abzuwarten, ob die Republikaner im Senat das am Ende verabschieden. Trump hat Putin bislang nur Zuckerbrot auf den Tisch gelegt, indem er ihn etwa von den US-Z\u00f6llen ausnahm.<b> <\/b>Ich bin \u00e4u\u00dferst skeptisch, ob Trump nun die Peitsche herausholt. <b\/><\/p>\n<p><b>Trump hat sich unzufrieden gezeigt, nachdem der Kreml anl\u00e4sslich des russischen Weltkriegsgedenktags nur vier Tage Waffenruhe verk\u00fcndet hatte. Denken Sie, Trumps Einstellung zu Putin kann sich aufgrund seiner Frustration nachhaltig \u00e4ndern? <\/b><\/p>\n<p>Die ganze Welt sieht, wie Putin Trump an der Nase herumf\u00fchrt. Nur Trump selbst sieht es nicht. Ob er zu dieser Erkenntnis kommt und daraus dann eine andere Politik ableitet, ist die gro\u00dfe Unbekannte. Das w\u00e4re ein drastischer Wechsel der amerikanischen Au\u00dfenpolitik zur\u00fcck in die traditionellen Bahnen, n\u00e4mlich Verb\u00fcndete um sich zu scharen gegen Autokratien, die die USA als Weltmacht herausfordern. Trump m\u00fcsste ein B\u00fcndnis gegen China und Russland schmieden. Trump sieht nun jedenfalls, wie wenig Russland bez\u00fcglich des Kriegs in der Ukraine auf seine Forderungen eingeht \u2013 und im Handelskrieg macht er mit China dieselbe Erfahrung. Trump scheitert an Putin und Xi Jinping, die beiden zeigen sich unbeeindruckt.<\/p>\n<p><b>Trump erweckt den Eindruck, die USA ebenfalls in eine Autokratie umbauen zu wollen. Ist das ein Grund, warum er sich &#8211; laut eigener Aussage &#8211; mit Putin so gut versteht?<\/b><\/p>\n<p>Trump versteht sich mit allen Autokraten ganz toll. Von Kim Jong-un bis Recep Tayyip Erdo\u011fan, von Wladimir Putin bis Xi Jinping \u2013 sie alle sind seine Freunde. Er lobt sie \u00fcber den gr\u00fcnen Klee. Denn momentan ist das Team um ihn herum damit besch\u00e4ftigt, die Vereinigten Staaten in ein autokratisches System zu f\u00fchren.<b><br \/><\/b><\/p>\n<p><b>Welche Anzeichen gibt es daf\u00fcr?<\/b><\/p>\n<p>Klar wird das angesichts der Gestaltung der Bundesbeh\u00f6rden, wo sogenannte illoyale Personen geschasst werden und alles mit loyalen Personen besetzt wird. Es zeigt sich an der Politisierung der Justiz, die eingesetzt wird, um Gegner aus ihren \u00c4mtern zu kriegen und sogar hinter Gitter. Daran, dass er Angst und Schrecken verbreitet unter einem Gro\u00dfteil der Amerikanerinnen und Amerikaner, immerhin einer zweistelligen Millionenzahl, denen er mit Abschiebung droht. Dabei geht es eben nicht um eine Abschiebung von Menschen, die illegal im Land sind \u2013 es betrifft Menschen mit Migrationshintergrund, die schon lange in den Vereinigten Staaten leben. Man sieht es daran, dass er den Universit\u00e4ten das Geld streicht. Au\u00dferdem spricht er dar\u00fcber, Umfrageinstitute strafrechtlich zu verfolgen und ungeliebten Sendern die Lizenz zu entziehen.<\/p>\n<p><b>K\u00f6nnte Kiew die Strategie verfolgen, die USA noch so lange am Verhandlungstisch zu halten, bis die US-Milit\u00e4rhilfen von Biden auslaufen? Hat die Ukraine vielleicht schon aufgegeben, die USA noch auf ihre Seite zu ziehen?<\/b><\/p>\n<p>Die Ukrainepolitik ist f\u00fcr Trump nur eine Funktion seiner Russlandpolitik. Trump will mit Putin kooperieren \u2013 und l\u00e4sst daf\u00fcr die Ukraine fallen. Falls Trump seine Politik gegen\u00fcber Russland \u00e4ndert, wird er das nur schwer seinen W\u00e4hlern verkaufen k\u00f6nnen. Denn ihnen hat er die ganze Zeit gesagt: Die Ukrainer nehmen uns aus. Im Zusammenhang mit dem Abkommen \u00fcber Bodensch\u00e4tze hat er gesagt: Die Ukrainer m\u00fcssen ihre Schulden zur\u00fcckzahlen. Insofern spricht viel daf\u00fcr, dass es von ihm keine neuen Milit\u00e4rhilfen geben wird. Falls das passiert, k\u00f6nnte die Ukraine versuchen, selbst genug R\u00fcstungsg\u00fcter zu produzieren &#8211; und auf die Unterst\u00fctzung der Europ\u00e4er und anderer westlicher Staaten z\u00e4hlen. Oder aber Russland gelingt es, den Krieg zu seinen Bedingungen zu beenden.<\/p>\n<p>Mit Thomas J\u00e4ger sprach Lea Verstl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"ntv.de: US-Pr\u00e4sident Donald Trump machte seinem russischen Amtskollegen eine klare Ansage: &#8222;Ich will, dass Putin aufh\u00f6rt zu schie\u00dfen,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":71206,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,661,227,106,3986,213,212,13,14,15,16,307,12,6473,317,3081,64,306,107,10257],"class_list":{"0":"post-71205","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-angriff-auf-die-ukraine","11":"tag-china","12":"tag-donald-trump","13":"tag-handel","14":"tag-handelsbeziehungen","15":"tag-handelskonflikte","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-politik","20":"tag-russland","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-sicherheitspolitik","23":"tag-ukraine","24":"tag-ukraine-konflikt","25":"tag-usa","26":"tag-wladimir-putin","27":"tag-wolodymyr-selenskyj","28":"tag-xi-jinping"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114422553272826313","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71205","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71205"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71205\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/71206"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}