{"id":712997,"date":"2026-01-12T16:54:20","date_gmt":"2026-01-12T16:54:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/712997\/"},"modified":"2026-01-12T16:54:20","modified_gmt":"2026-01-12T16:54:20","slug":"berlin-warum-sich-die-bahn-bei-extremwetter-so-schwertut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/712997\/","title":{"rendered":"Berlin | Warum sich die Bahn bei Extremwetter so schwertut"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Der derzeitige Winter zeigte im Norden Deutschlands am vergangenen Wochenende mit Sturm \u00abElli\u00bb erstmals was in ihm steckt &#8211; und st\u00fcrzte damit weite Teile des Landes in ein Verkehrschaos. Insbesondere auf der Schiene geriet der Verkehr aus den Fugen. Fahrg\u00e4ste mussten Versp\u00e4tungen und Zugausf\u00e4lle hinnehmen. Die Bahn stellte den Fernverkehr in der betroffenen Region zeitweise sogar komplett ein. Am Hamburger Hauptbahnhof strandeten Tausende Reisende.\u00a0<\/p>\n<p>Bahn sieht sich gut aufgestellt<\/p>\n<p>Viele stellen sich deshalb derzeit wieder die Frage: Warum ger\u00e4t die Bahn auch bei erwartbaren Extremwetterlagen wie Schnee im Winter immer wieder in Bedr\u00e4ngnis? Zumal das Unternehmen selbst behauptet, technisch ausreichend f\u00fcr solche Situationen ger\u00fcstet zu sein. Immerhin 7.800 der 9.230 Weichen in der Region seien beheizt, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Bundesweit sind es einem Bericht des \u00abSpiegel\u00bb zufolge 49.000 von 65.000, also gut drei Viertel der Anlagen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch die R\u00e4umtechnik habe funktioniert und reiche aus, betonte die Bahn. \u00abMit Spurloks wurde auch nachts gefahren, um die Strecken freizubekommen und dass die Oberleitung nicht vereist.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Allerdings: Niedersachsen und Schleswig-Holstein seien per se st\u00e4rker von solchen Extremwetterlagen betroffen, weil das Land flach sei, teilte die Bahn weiter mit. Und auch beheizte Weichen heizten nicht alle Probleme weg. Sie funktionierten etwa nicht, wenn zu viel Schnee und von Z\u00fcgen herabgefallene Eisbrocken die Weichen blockierten.\u00a0<\/p>\n<p>Dann m\u00fcssten sie manuell freiger\u00e4umt werden. \u00abDas haben jeden Tag Hunderte Kollegen erledigt; zum Teil mehrmals t\u00e4glich nach erneuten Verwehungen und Vereisungen\u00bb, betonte der Konzern.<\/p>\n<p>Fachleute haben Zweifel<\/p>\n<p>All das reichte aber offenkundig nicht aus, um den Fernverkehr grunds\u00e4tzlich aufrechtzuerhalten. Fachleute haben deshalb erhebliche Zweifel daran, dass die Bahn ausreichend f\u00fcr solche Wetterlagen ger\u00fcstet ist.\u00a0<\/p>\n<p>Im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten habe sie etwa deutlich weniger R\u00e4umfahrzeuge und auch nicht gen\u00fcgend Personal f\u00fcr die R\u00e4umung von festgefrorenen Weichen, kritisierte der Fahrgastverband Pro Bahn im \u00abSpiegel\u00bb. Insbesondere vor Ort habe es fr\u00fcher bei der Bundesbahn mehr Besch\u00e4ftigte f\u00fcr solche Aufgaben gegeben, teilte Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann auf Anfrage mit.\u00a0<\/p>\n<p>Strategie des Ministeriums setzt falschen Fokus<\/p>\n<p>Dass die Bahn immer wieder in solchen Wetterlagen den gesamten Fernverkehr einstellt, anstatt regional kurzfristig zu entscheiden, was m\u00f6glich ist und was nicht, habe auch politische Gr\u00fcnde, sagt Dirk Flege, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Interessenverbands Allianz pro Schiene. So finde sich in der aktuellen Bahnstrategie von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kein einziger Verweis auf Unwetter. Stattdessen sei allgemein die P\u00fcnktlichkeit das zentrale Qualit\u00e4tskriterium, an dem die Bahn in den n\u00e4chsten Jahren gemessen werden soll.\u00a0<\/p>\n<p>Aus Fleges Sicht ist das der falsche Anreiz. Zugausf\u00e4lle gehen n\u00e4mlich nicht in die betriebliche P\u00fcnktlichkeitsstatistik der Bahn ein, auf die sich die Regierungsziele beziehen. Sein Vorwurf: Die Bahn l\u00e4sst die Z\u00fcge deshalb lieber ausfallen, als dass sie mit erheblicher Versp\u00e4tung im Netz unterwegs sind.\u00a0<\/p>\n<p>Minister fordert Aufarbeitung<\/p>\n<p>An der Bahnstrategie des Ministers st\u00f6rt ihn au\u00dferdem die Vorgabe, dass der Konzern ein positives Betriebsergebnis erzielen muss, also Gewinne machen soll. Mit diesem Spardruck halte kein Unternehmen einen ausreichend gro\u00dfen Fuhrpark bereit, um f\u00fcr seltene Extremereignisse umfassend gewappnet zu sein. Dieser Zwang zur Profitabilit\u00e4t bestehe allerdings schon seit der Bahnreform im Jahr 1994.\u00a0<\/p>\n<p>Der Minister selbst hatte am Wochenende in der \u00abRheinischen Post\u00bb die Bahn kritisiert, es habe im Rahmen von Wintersturm \u00abElli\u00bb zu viele Zugausf\u00e4lle und Versp\u00e4tungen gegeben. \u00abHier wird die Bahn sicherlich analysieren, wo es besonders gut Hand in Hand lief, und da, wo es etwas zu verbessern gibt, Abl\u00e4ufe weiter optimieren\u00bb, sagte Schnieder. Gleichzeitig warb er f\u00fcr Verst\u00e4ndnis, dass in solchen Extremlagen kein planbarer Normalbetrieb m\u00f6glich sei.\u00a0<\/p>\n<p>In anderen L\u00e4ndern klappt es besser<\/p>\n<p>Doch andere L\u00e4nder zeigen, dass das durchaus m\u00f6glich ist: Auch in skandinavischen L\u00e4ndern sowie in \u00d6sterreich oder der Schweiz soll es hin und wieder schneien. Von einem Verkehrschaos auf der Schiene lesen die Fahrg\u00e4ste dort aber selten. Diese L\u00e4nder h\u00e4tten einen deutlich besser ausgestatteten Maschinenpark und gen\u00fcgend Reservez\u00fcge, um den Verkehr aufrechtzuerhalten, betont Flege.\u00a0<\/p>\n<p>Die Bahn allerdings betont, die Situation in Deutschland sei mit diesen L\u00e4ndern nicht vergleichbar. 3.000 Kilometer Schienennetz seien in diesen Tagen in Norddeutschland betroffen gewesen. Das entspreche dem Gesamtnetz in \u00d6sterreich. \u00abWenn es dort ein Winterproblem gibt, dann auf 100 Kilometern, die man freifr\u00e4st und anschlie\u00dfend wieder befahren kann.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Der derzeitige Winter zeigte im Norden Deutschlands am vergangenen Wochenende mit Sturm \u00abElli\u00bb erstmals was&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":712998,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[1739,1605,3364,29,30,1209,4028,625,601],"class_list":{"0":"post-712997","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bielefeld","8":"tag-bahn","9":"tag-bielefeld","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-nordrhein-westfalen","14":"tag-unwetter","15":"tag-verbraucher","16":"tag-verkehr"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115883177668884150","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/712997","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=712997"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/712997\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/712998"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=712997"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=712997"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=712997"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}