{"id":714171,"date":"2026-01-13T03:58:17","date_gmt":"2026-01-13T03:58:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/714171\/"},"modified":"2026-01-13T03:58:17","modified_gmt":"2026-01-13T03:58:17","slug":"europas-kanonenfutter-einfuehrung-und-ausbau-der-wehrpflicht-in-zahlreichen-eu-laendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/714171\/","title":{"rendered":"Europas Kanonenfutter: Einf\u00fchrung und Ausbau der Wehrpflicht in zahlreichen EU-L\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/a54486fc-b903-4095-8e66-a33cc6fd266f.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/>Junge Wehrpflichtige sitzen w\u00e4hrend einer \u00dcbung am 11. Juni 2025 auf einer Trainingsfl\u00e4che in der N\u00e4he der Kaserne der K\u00f6niglich D\u00e4nischen Armee in Hovelte, 25 Kilometer n\u00f6rdlich von Kopenhagen [AP Photo\/James Brooks]<\/p>\n<p>In den kommenden Tagen erhalten 18-J\u00e4hrige in Deutschland Frageb\u00f6gen, um f\u00fcr die Musterung zum neuen Wehrdienst erfasst zu werden. Die meisten von ihnen werden diese Nachricht mit Schrecken und Angst empfangen. Denn die schrittweise Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht, die im letzten Jahr auf den Weg gebracht wurde, bedeutet ganz unmittelbar die Vorbereitung auf Krieg. Junge Menschen sollen f\u00fcr die Interessen des deutschen Imperialismus k\u00e4mpfen, t\u00f6ten und sterben.<\/p>\n<p>Diese Aussicht trifft unter jungen Menschen auf \u00fcberw\u00e4ltigende Opposition. Nach einem bundesweiten Schulstreik im Dezember planen Sch\u00fcler und junge Arbeiter den n\u00e4chsten Streik gegen die Wehrpflicht f\u00fcr Anfang M\u00e4rz. Die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) betonen, dass der Kampf gegen die Wehrpflicht einen Kampf gegen Kriegsvorbereitung und Militarismus insgesamt und die Mobilisierung der Arbeiterklasse auf Grundlage einer sozialistischen Perspektive erfordert. Die Streiks m\u00fcssen von den Schulen auf die Fabriken und Arbeitsst\u00e4tten ausgeweitet werden und k\u00f6nnen so zum Funken f\u00fcr eine europaweite Streikbewegung gegen die Kriegspolitik werden.<\/p>\n<p>In <strong>Griechenland<\/strong> haben Studierende und Arbeiter Mitte Dezember und erneut in der vergangenen Woche gegen eine Versch\u00e4rfung des bestehenden Wehrdiensts protestiert. Am Freitag verabschiedete das griechische Parlament das Gesetz \u201eFahrplan f\u00fcr den \u00dcbergang der Streitkr\u00e4fte in die neue \u00c4ra\u201c. Es sieht vor, dass die Erfassung f\u00fcr den 12-monatigen Wehrdienst nun schon mit 17 Jahren und die Einberufung nach der Schule mit 18 Jahren beginnen.<\/p>\n<p>Wer sich mit 18 sofort zum Milit\u00e4r meldet, muss nur neun Monate dienen. Dieser \u201eAnreiz\u201c soll junge Menschen so rasch wie m\u00f6glich in die Armee locken. Diejenigen, die wegen Studium oder Ausbildung einen Aufschub beantragen, werden jetzt massiv unter Druck gesetzt: Studierende an Universit\u00e4ten k\u00f6nnen nur noch bis zum Alter von 25 Jahren (max. bis 26 oder 27 Jahre bei einem f\u00fcnf- bzw. sechsj\u00e4hrigen Studium) und Promotionsstudierende bis zum 30. Lebensjahr vom Wehrdienst freigestellt werden; Berufssch\u00fcler sogar nur bis 21 Jahre.<\/p>\n<p>Die meisten Studenten in Griechenland m\u00fcssen nebenher arbeiten, um finanziell \u00fcber die Runden zu kommen, und schaffen deshalb ihr Studium nicht in der Regelstudienzeit. Das bedeutet in der Praxis, dass sie k\u00fcnftig gezwungen sind, ihr Studium f\u00fcr ein ganzes Jahr Wehrdienst zu unterbrechen, was negative Auswirkungen auf Stipendien sowie Wohn- und Sozialleistungen haben und ihre Studienabschl\u00fcsse verz\u00f6gern wird.<\/p>\n<p>Erst ab dem Alter von 40 Jahren (bisher 33) kann man sich vom Wehrdienst freikaufen \u2013 zu einem hohen Preis von 1.500 Euro pro Monat (bisher 810 Euro). Wer gedient hat, bleibt jetzt bis zum 60. Lebensjahr in der Reserve (bisher bis 45). Au\u00dferdem wird die Anerkennung psychischer Krankheiten erschwert und ein freiwilliger Wehrdienst f\u00fcr Frauen eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Dutzende Studierendenverb\u00e4nde Athens riefen am 8. Januar zum Protest auf und forderten die R\u00fccknahme des Gesetzes. Dieses sei darauf ausgerichtet, die griechische Armee \u201eauf eine aktivere Beteiligung an den Nato-Pl\u00e4ne vorzubereiten\u201c, hei\u00dft es in ihrem Statement. Sie warnen: \u201eMit diesen Regelungen wollen sie schneller und mehr junge Menschen verf\u00fcgbar machen, um sie auf die Schlachtfelder f\u00fcr die Profite der gro\u00dfen Konzerne zu schicken.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ai.wsws.org\/?utm_source=wsws&amp;utm_medium=in-article-ad&amp;utm_campaign=socialism-ai-launch&amp;utm_content=de-top-third-banner\" class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1767922334_437_25ec0a66-6196-494a-b37c-21128d5af4ea.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1767922335_5_757eb3bc-3c41-4c7f-a951-5eff14906863.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die Wehrpflicht ist in ganz Europa auf dem Vormarsch. Zahlreiche L\u00e4nder haben den Wehrdienst ausgeweitet, f\u00fchren die Wehrpflicht wieder ein oder hegen entsprechende Pl\u00e4ne. Dieser Schritt ergibt sich direkt aus der milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung im Nato-Krieg gegen Russland und der Vorbereitung eines Dritten Weltkriegs, der den ganzen europ\u00e4ischen Kontinent in ein Schlachtfeld verwandeln w\u00fcrde. <\/p>\n<p>2025 hatten neun von 27 EU-L\u00e4ndern eine Wehrpflicht \u2013 Griechenland, Zypern, \u00d6sterreich, D\u00e4nemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen und Schweden. W\u00e4hrend Lettland den elftmonatigen Wehrdienst erst 2024 wieder eingef\u00fchrt hat, weiten alle diese L\u00e4nder \u00e4hnlich wie Griechenland ihren bestehenden Milit\u00e4rdienst aus.<\/p>\n<p>So hat <strong>D\u00e4nemarks<\/strong> sozialdemokratische Regierung die Dauer des Milit\u00e4rdiensts von vier auf elf Monate verl\u00e4ngert und die verpflichtende Musterung von Frauen ab diesem Jahr eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Kroatien<\/strong> kehrt zur Wehrpflicht zur\u00fcck, die seit 2008 ausgesetzt war. Auch die nominelle Opposition der Sozialdemokraten stimmte daf\u00fcr. Ab diesem Jahr m\u00fcssen M\u00e4nner wieder eine zweimonatige milit\u00e4rische Grundausbildung absolvieren.<\/p>\n<p>In <strong>Frankreich <\/strong>wird zwar noch nicht<strong> <\/strong>die Wehrpflicht wieder aktiviert, die seit 1997 ausgesetzt ist. Doch Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, der zugleich Oberster Befehlshaber der franz\u00f6sischen Streitkr\u00e4fte ist, hat im November bei einem martialischem Auftritt vor uniformierten Soldaten die Einf\u00fchrung eines neuen \u201eFreiwilligendiensts\u201c ab diesem September angek\u00fcndigt. In diesen Tagen hat die Rekrutierung der 18- bis 25-j\u00e4hrigen M\u00e4nner und Frauen f\u00fcr den zehnmonatigen Milit\u00e4rdienst begonnen, der angeblich auf \u201eHeimatverteidigung\u201c ausgerichtet sei. Die Zahl der Freiwilligen soll bis 2030 auf mindestens 10.000 steigen.<\/p>\n<p>Macron erkl\u00e4rte: \u201eDieser Dienst verfolgt drei Ziele: Den Pakt zwischen unserer Nation und der Armee zu st\u00e4rken, die Widerstandskraft unserer Nation zu erh\u00f6hen und die Ausbildung unserer jungen Leute zu festigen.\u201c Wie in Deutschland wird die Militarisierung der ganzen Gesellschaft mit dem Vorwand begr\u00fcndet, man m\u00fcsse sich gegen die vermeintliche Bedrohung durch Russland verteidigen.<\/p>\n<p>Der \u201eFreiwilligendienst\u201c ist nur die Vorstufe zur Wehrpflicht, die aus Sicht der Regierung lediglich logistisch und finanziell noch nicht umsetzbar ist. Macron betonte aber: \u201eIm Fall einer gr\u00f6\u00dferen Krise kann das Parlament \u00fcber die Freiwilligen hinaus auch alle anderen einziehen und den Wehrdienst verpflichtend machen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/north-30-jahre-krieg\/00.html\" class=\"no-underline pointer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/19b71883-5de1-401a-8f7f-7226c4b24a37\" style=\"max-height:100%\"\/><\/p>\n<p>David North<\/p>\n<p>30 Jahre Krieg: Amerikas Griff nach der Weltherrschaft 1990\u20132020<\/p>\n<p>Seit dem ersten Golfkrieg 1990\u20131991 f\u00fchren die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg.\u00a0Gest\u00fctzt auf ein marxistisches Verst\u00e4ndnis der Widerspr\u00fcche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Milit\u00e4rinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>In <strong>Italien <\/strong>hat der Verteidigungsminister Guido Crosetto von der faschistischen Regierungspartei Fratelli d\u2019Italia ebenfalls Ende November letzten Jahres einen neuen Wehrdienst vorgeschlagen. Ziel sei zun\u00e4chst die Rekrutierung von 10.000 Freiwilligen und dann die Aufstockung der Streitkr\u00e4fte um 40.000. Gleichzeitig erh\u00f6ht Italien die Milit\u00e4rausgaben und will eine neue \u201eCyber-Armee\u201c f\u00fcr die digitale Kriegsf\u00fchrung aufstellen.<\/p>\n<p>In der italienischen Bev\u00f6lkerung herrscht eine breite Ablehnung der Wehrpflicht, die vor zwei Jahrzehnten ausgesetzt worden war. Laut einer Umfrage des Centre for Social Investment Studies (CENSIS) im vergangenen Juli f\u00fcrchtet zwar knapp ein Drittel der Befragten, dass Italien in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren direkt in einen Krieg involviert sein k\u00f6nnte. Doch nur 16 Prozent der Italiener im Wehrdienstalter w\u00fcrden f\u00fcr das Land zur Waffe greifen. 39 Prozent der Befragten zwischen 18 und 45 Jahren w\u00fcrden sich als pazifistische Kriegsdienstverweigerer bezeichnen, 19 Prozent w\u00fcrden versuchen, sich auf andere Weise der Wehrpflicht zu entziehen.<\/p>\n<p>Diese Absage an die Wehrpflicht ist Teil der gro\u00dfen Opposition gegen die Kriegspolitik Italiens, die sich in den m\u00e4chtigen Streiks gegen die Waffenlieferungen f\u00fcr den Genozid in Gaza im letzten Jahr deutlich zeigte. Die Nachrichtenagentur Reuters verweist auch auf eine weitere Umfrage des European Council of Foreign Relations, in der sich nur 17 Prozent der Italiener f\u00fcr eine Anhebung der Verteidigungsausgaben aussprachen.<\/p>\n<p>In <strong>Polen<\/strong>, wo die Wehrpflicht 2009 abgeschafft wurde, hat die Regierung ein landesweites milit\u00e4risches Ausbildungssystem gestartet. Sie will 400.000 Menschen bis 2026 f\u00fcr den Kriegsfall trainieren. Trotz der vehementen Kriegspropaganda und Aufr\u00fcstung in Polen vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs ist aber auch hier die Bev\u00f6lkerung mehrheitlich gegen einen Wehrdienst. Gest\u00fctzt auf eine Meinungsumfrage vom August 2025 berichtete Euronews, dass 49,1 Prozent aller Befragten ablehnten, im Kriegsfall freiwillig das Land zu verteidigen, 6,1 Prozent seien unentschlossen. Bei den 18- bis 29-J\u00e4hrigen \u2013 also der Altersgruppe, die zuerst in die Sch\u00fctzengr\u00e4ben geschickt werden w\u00fcrde, \u2013 war das Ergebnis noch eindeutiger: 69 Prozent wollen nicht zur Armee gehen.<\/p>\n<p>In <strong>Rum\u00e4nien<\/strong>, wo die Wehrpflicht 2007 abgeschafft wurde, hat die Regierung im vergangenen Oktober einen viermonatigen freiwilligen Milit\u00e4rdienst ab 2026 f\u00fcr 18- bis 35-j\u00e4hrige M\u00e4nner und Frauen eingef\u00fchrt, um die Berufsarmee mit jungen Reservisten aufzustocken. Sie werden mit einer Verg\u00fctung von 400 bis 600 Euro pro Monat sowie kostenloser Unterkunft, Verpflegung, medizinischer Versorgung und einem Bonus angelockt \u2013 eine perfide Erpressung, wenn man bedenkt, dass viele junge Menschen in diesem zerr\u00fctteten Balkanland in Armut leben.<\/p>\n<p>Alle diese freiwilligen oder verpflichtenden Wehrdienstmodelle haben ein- und dasselbe Ziel: die Jugend Europas schnell und umfassend auf einen hei\u00dfen Krieg vorzubereiten \u2013 milit\u00e4risch und ideologisch. Wenn Trump auf Beutezug in Osteuropa, Lateinamerika oder dem Nahen Osten geht und einen Krieg gegen China entfacht, wollen die europ\u00e4ischen M\u00e4chte nicht mit leeren H\u00e4nden dastehen. Sie verfolgen ihre eigenen imperialistischen Raubinteressen, die mit der \u201eVerteidigung europ\u00e4ischer Friedensideale\u201c gegen Russland oder die USA nicht das Geringste zu tun haben. Ihnen geht es genau wie Trump um Zugang zu mehr Rohstoffen, Absatzm\u00e4rkten und Profitquellen, f\u00fcr die sie bereit sind, wie im Ersten und Zweiten Weltkrieg Millionen junger Menschen als Kanonenfutter auf den Schlachtfeldern Europas zu opfern.<\/p>\n<p>Doch ihre Achillesferse ist die brodelnde Opposition gegen Krieg in der Bev\u00f6lkerung. Der Schulstreik in Deutschland, die Proteste der Studierenden in Griechenland und die Streiks in mehreren L\u00e4ndern gegen die Unterst\u00fctzung des V\u00f6lkermords in Gaza sind nur der Anfang. Sie m\u00fcssen zum Ausgangspunkt f\u00fcr eine vereinte, l\u00e4nder\u00fcbergreifende Antikriegsbewegung der Arbeiterklasse werden, die dem kapitalistischen Europa der Aufr\u00fcstung und Kriegshysterie, dem Europa der Armut und sozialen Ungleichheit einen gemeinsamen Kampf f\u00fcr die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa entgegensetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Junge Wehrpflichtige sitzen w\u00e4hrend einer \u00dcbung am 11. 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