{"id":714377,"date":"2026-01-13T05:55:13","date_gmt":"2026-01-13T05:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/714377\/"},"modified":"2026-01-13T05:55:13","modified_gmt":"2026-01-13T05:55:13","slug":"warum-die-illusion-von-sicherheit-zerbricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/714377\/","title":{"rendered":"warum die Illusion von Sicherheit zerbricht"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/6b291c92-08cb-4c4e-bb59-f967dbb259c8.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  undefined\"  width=\"4128\" height=\"2752\" alt=\"\" loading=\"lazy\" \/><\/p>\n<p class=\"mb-2 font-sans text-base font-thin leading-[26px] md:mb-[16px] md:text-xl md:leading-[32px]\">Der Anschlag auf das Stromnetz war kein reines Problem der deutschen Hauptstadt, sondern ein Signal: Moderne Gesellschaften m\u00fcssen lernen, im Krisenmodus zu funktionieren \u2013 ohne Panik und Selbstt\u00e4uschung.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/c6fd68b4-b2f9-4c08-9fbb-3823df76e2b6.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"3500\" height=\"2333\" alt=\"Polizeieinsatz nahe dem Heizkraftwerk Lichterfelde in Berlin nach dem Brand an einer Kabelbr\u00fccke, der einen grossfl\u00e4chigen Stromausfall verursachte.\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" \/>Polizeieinsatz nahe dem Heizkraftwerk Lichterfelde in Berlin nach dem Brand an einer Kabelbr\u00fccke, der einen grossfl\u00e4chigen Stromausfall verursachte.<\/p>\n<p>Filip Singer \/ EPA<\/p>\n<p class=\"articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2pc5v2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Der Strom fliesst wieder in Berlin. In den s\u00fcdwestlichen Bezirken, die vier Tage lang im Dunkeln lagen, ist das Licht zur\u00fcck, Heizungen laufen, Handys tun wieder ihren Dienst. Der Alltag nimmt Fahrt auf. Die Reparaturteams haben die komplexen Sch\u00e4den an Hochspannungsleitungen trotz klirrender K\u00e4lte und winterlichen Bedingungen binnen weniger Tage behoben.<\/p>\n<p>Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen<\/p>\n<p>NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.<\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkud0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Was bleibt, geht \u00fcber Zahlen und Bilder hinaus. Ein Schrecken hat sich in das \u00f6ffentliche Bewusstsein eingegraben: Der Faden, an dem unser modernes Leben h\u00e4ngt, ist d\u00fcnn. Im Falle Berlins war er auf wenige Kabel reduziert.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jehd35a10\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Krisen kennt dieses Land l\u00e4ngst. Doch das Berliner Blackout markiert eine neue Qualit\u00e4t. Die Zeitenwende wurde bisher vor allem aussen- und verteidigungspolitisch verhandelt. Der Ausfall zeigt exemplarisch, was sie innen- und gesellschaftspolitisch bedeutet \u2013 und wie unvorbereitet Staat, Infrastruktur und \u00d6ffentlichkeit darauf sind. Mitten im Winter, mitten im Alltag.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jehd355c1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Es war der l\u00e4ngste grossfl\u00e4chige Ausfall in Berlins Nachkriegsgeschichte. Die tiefen Temperaturen versch\u00e4rften die Not: Krankenh\u00e4user mussten auf Notstromaggregate zur\u00fcckgreifen, Menschen improvisierten mit Kerzen und Powerbanks. <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/fast-fuenf-tage-kaelte-und-dunkelheit-berliner-suedwesten-ist-wieder-ans-stromnetz-angeschlossen-ld.1919236\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mindestens eine \u00e4ltere Frau starb<\/a>; ob unmittelbar wegen der K\u00e4lte oder indirekt durch die Folgen des Blackouts, ist Gegenstand laufender Untersuchungen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkuf1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die Frage nach den T\u00e4tern \u2013 Linksextreme, ausl\u00e4ndische Saboteure, Nachahmer \u2013 ist f\u00fcr die Ermittlungen durchaus entscheidend. F\u00fcr die politische Diagnose ist sie es nicht. Denn der Befund liegt tiefer.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jehd4r1o1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Ein gezielter Angriff gen\u00fcgte, um in einer europ\u00e4ischen Metropole \u00fcber Tage hinweg Zehntausende Menschen von Strom, W\u00e4rme und Kommunikation abzuschneiden. Was lange als theoretisches Risiko galt, ist geteilte Erfahrung geworden.<\/p>\n<p>Bew\u00e4hrung im Ernstfall<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkuf2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Gewarnt wird seit Jahren. Doch weder politische Reden noch die Bilder aus der Ukraine haben die Annahme ersch\u00fcttert, man lebe im Inneren weiterhin in Friedenszeiten. Genau diese Vorstellung tr\u00e4gt nicht mehr. Infrastruktur, Versorgung und Alltag sind selbst zu Angriffszielen geworden.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkug0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">In einer solchen Lage ver\u00e4ndern sich die Massst\u00e4be staatlichen Handelns. Ein funktionierender Staat zeichnet sich in Krisenzeiten dadurch aus, dass Zust\u00e4ndigkeiten klar sind, Entscheidungen schnell getroffen werden, Verfahren auch unter Druck tragen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkug1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Demokratien tun sich schwer mit dem Umschalten von Normalit\u00e4t auf Krise. Aus historischer Erfahrung f\u00fcrchten sie \u00dcberreaktionen und Machtverschiebungen in der Krise. Doch inzwischen liegt die gr\u00f6ssere Gefahr im Gegenteil: im Festhalten an Routinen, die f\u00fcr stabilere Zeiten gemacht sind. Die Trag\u00f6die lag nicht im Stromausfall. Sondern in der langsamen Reaktion der Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Berlin pflegt institutionelle Nonchalance<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkug2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/tennismatch-zur-unzeit-der-berliner-buergermeister-kai-wegner-verschweigt-waehrend-des-stromausfalls-eine-sportstunde-mit-seiner-bildungssenatorin-ld.1919308\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tennisspiel mit der Partnerin<\/a>, das der Berliner Regierende B\u00fcrgermeister am ersten Tag des Notstands pflegte, ist dabei nicht einmal gemeint. Bei aller institutionell gepflegten Nonchalance \u2013 einem Berliner Lebensgef\u00fchl \u2013 ist diese Instinktlosigkeit bemerkenswert. Sie verweist allerdings auf eine unbequeme Einsicht: Handlungs- und Durchsetzungsf\u00e4higkeit werden zur zentralen Eigenschaft staatlicher F\u00fchrung, gerade in einem konsens- und verfahrensorientierten Land wie Deutschland.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkug3\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Moderne Infrastruktur ist nicht zerbrechlich, weil sie schlecht gebaut w\u00e4re. Sie ist \u00fcber Jahrzehnte auf Stabilit\u00e4t, Ausfallsicherheit und Effizienz optimiert worden. Redundanzen greifen bei technischen Defekten oder Naturereignissen. <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/heute-berlin-morgen-woanders-das-stromnetz-ist-angriffen-schutzlos-ausgesetzt-ld.1918789\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sie verlieren ihre Wirkung, wenn Sabotage ins Spiel kommt.<\/a> Jede Energieversorgung braucht Knotenpunkte, Abg\u00e4nge, \u00dcberg\u00e4nge. Diese strukturelle Offenheit l\u00e4sst sich nicht vollst\u00e4ndig schliessen, ohne das System zu l\u00e4hmen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkuh0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die politische Reaktion auf solche Verwundbarkeit folgt einem vertrauten Muster. Der Berliner Senat plant, kritische Infrastruktur k\u00fcnftig intensiver per Video\u00fcberwachung zu sch\u00fctzen. Es wird nach fl\u00e4chendeckender technischer Kontrolle gerufen, nach baulicher Abschottung und sichtbarer Sicherheit. Doch die Vorstellung, kritische Infrastruktur fl\u00e4chendeckend sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen, ist eine Illusion. Sie erzeugt enorme Kosten, bindet Ressourcen, schafft Ineffizienzen und weckt so Erwartungen, die zwangsl\u00e4ufig entt\u00e4uscht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkuh1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Kein Schutzwall ist un\u00fcberwindlich. Wenn dann dennoch etwas geschieht, ist der Vertrauensverlust gr\u00f6sser als zuvor. Systeme so zu gestalten, dass St\u00f6rungen rasch zu begrenzen, umzuleiten und zu beheben sind, ist weniger spektakul\u00e4r als Hochsicherheitszonen, aber weit wirksamer.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkuh2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das Netz ist historisch gewachsen, dezentral und heterogen. Der Bund kann hier Standards setzen \u2013 und Krisen koordinieren. In die Pflicht und in die operative Verantwortung genommen werden sollten Netzbetreiber: mit klaren Erwartungsvorgaben und pr\u00e4ziser Regulierung. Kosten f\u00fcr die Ert\u00fcchtigung m\u00fcssen ehrlich benannt werden. Der Staat kann sich an dieser Daseinsvorsorge beteiligen, darf aber nicht jedes Kabel steuern. So w\u00fcrde es ein liberaler Staat verstehen. Ein Gesetzentwurf zum Schutz kritischer Infrastrukturen ist gerade im parlamentarischen Prozess. Die Berliner Erfahrungen rechtfertigen durchaus eine Nachsch\u00e4rfung.<\/p>\n<p>Mehr als Sabotage<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkuh3\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Der Anschlag war kein technischer Zwischenfall mit politischer Begleitmusik. Er war Ausdruck einer Ideologie, die die moderne Gesellschaft selbst infrage stellt. Die T\u00e4ter denken nicht in Kategorien von Reform oder Umverteilung, sondern in Bildern von Zusammenbruch und Reinigung. <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/die-angst-vor-dem-linken-terror-ist-zurueck-wer-steht-hinter-der-vulkangruppe-ld.1918779\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ziel war es, wie sie schreiben, den \u00abHerrschenden den Saft abzudrehen\u00bb<\/a>. Infrastruktur erscheint ihnen nicht als Voraussetzung des Zusammenlebens, sondern als Symbol eines verwerflichen Systems und damit als legitimes Ziel.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkuh4\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Diese zivilisationsfeindliche Haltung ist nicht neu, aber sie wird h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt, weil sie sich theoretisch verkleidet. Ihre gewaltsame Zuspitzung wird dann gern als Missbrauch abgetan. Doch reklamierte Deutungshoheit sch\u00fctzt nicht vor Verantwortung: Wer Begriffe in Umlauf bringt, pr\u00e4gt auch den Horizont dessen mit, was als legitim gilt.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkuh5\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Dabei ist es letztlich unerheblich, ob die T\u00e4ter menschliche Opfer ausdr\u00fccklich anstrebten oder lediglich in Kauf nahmen. Wer Menschenleben einer Idee unterordnet, \u00fcberschreitet eine Grenze, die nicht mehr zu rechtfertigen ist. Die Tage im Dunkeln zeigen erneut: Gewalt wird nicht harmlos, weil sie sich progressiv nennt. Angriffe auf die Grundlagen des Alltags sind Angriffe auf die Gesellschaft selbst.<\/p>\n<p>Es muss um Wirkung gehen, nicht um Empfindlichkeit<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkuh6\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die naheliegende Reaktion auf solche Anschl\u00e4ge ist der Vorwurf staatlichen Versagens. Die Realit\u00e4t ist komplizierter. Sicherheitsbeh\u00f6rden haben linksextreme Gewalt keineswegs aus dem Blick verloren. Ein Problem liegt aber in der Gewichtung. Kleine, hochgradig klandestine Gruppen mit grossem Schadenspotenzial passen schlecht in klassische Bedrohungskategorien. Ihre geringe Zahl t\u00e4uscht \u00fcber ihre Wirkungsmacht hinweg.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkui0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Hinzu kommt eine strukturelle Schieflage. Sicherheitsbeh\u00f6rden sind zunehmend mit administrativer Beobachtung und politischer Dokumentation besch\u00e4ftigt. Sie sammeln, ordnen und berichten, oft mit erheblichem Aufwand. Die Fleissarbeit des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz zur AfD muss allerdings erst noch beweisen, dass die tausend Seiten den enormen Aufwand rechtfertigen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkui1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Operative Gefahrenabwehr ger\u00e4t dabei unter Druck, nicht unbedingt aus Nachl\u00e4ssigkeit, aber doch aus politisch verordneter Ressourcenknappheit.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkui2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">In einer Lage, die von Unsicherheit dermassen gepr\u00e4gt ist, wird diese Verschiebung zum Risiko. Sicherheitspolitik soll sich nicht an medialer Sichtbarkeit oder politischer Empfindlichkeit orientieren, sondern an Wirkung und Gef\u00e4hrlichkeit. Priorit\u00e4ten m\u00fcssen regelm\u00e4ssig \u00fcberpr\u00fcft werden, gerade dann, wenn sich die Bedrohungslage ver\u00e4ndert. Wer Risiken nach alten Mustern sortiert, reagiert zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Resilienz l\u00e4sst sich nicht delegieren<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkui3\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Je deutlicher die Grenzen staatlicher Schutzf\u00e4higkeit werden, desto klarer wird eine Einsicht, die lange als altmodisch \u2013 oder als \u00abrechts\u00bb \u2013 abgetan wurde. Resilienz l\u00e4sst sich nicht delegieren. Der Staat kann koordinieren und eingreifen, aber nicht alles absichern.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkui4\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Vorsorge im Alltag ist entscheidend, das zeigte der Vorfall. Wer f\u00fcr ein paar Tage ohne Strom und Heizung vorbereitet war, blieb handlungsf\u00e4hig. Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkui5\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das ist keine Abkehr von Solidarit\u00e4t, sondern ihr Gegenteil. Gesellschaften, die mit St\u00f6rungen rechnen, reagieren gelassener. Wer auf permanente Vollversorgung vertraut, ger\u00e4t schneller in Panik.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeh2rkui6\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" data-team-paragraph=\"true\">Weckrufe hat Deutschland viele geh\u00f6rt \u2013 vielleicht zu viele, um noch aufzuschrecken. Doch dieser Stromausfall hat eine Illusion zerst\u00f6rt: die Illusion, man lebe noch in ruhigen Zeiten. Das Blackout war kein Ausnahmefall. Es war eine Vorwarnung. Und die Aufforderung, so zu handeln, als w\u00fcssten wir das.<\/p>\n<p class=\"text-xs font-medium\">Hermann Gr\u00fcnenfelder<\/p>\n<p>vor 8 Minuten<\/p>\n<p>\u201eKurzum\u201c<br \/>\nWollt ihr den totalen Untergang!Jaaaaaaaaaaaaaaa\u2026\u2026.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Anschlag auf das Stromnetz war kein reines Problem der deutschen Hauptstadt, sondern ein Signal: Moderne Gesellschaften m\u00fcssen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":714378,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":{"0":"post-714377","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115886248894638318","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/714377","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=714377"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/714377\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/714378"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=714377"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=714377"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=714377"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}