{"id":715297,"date":"2026-01-13T14:43:11","date_gmt":"2026-01-13T14:43:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/715297\/"},"modified":"2026-01-13T14:43:11","modified_gmt":"2026-01-13T14:43:11","slug":"krieg-in-der-ukraine-bomben-auf-krankenhaeuser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/715297\/","title":{"rendered":"Krieg in der Ukraine: Bomben auf Krankenh\u00e4user"},"content":{"rendered":"<p>Russland greift in der Ukraine landesweit verst\u00e4rkt Krankenh\u00e4user an. Alleine in diesem Jahr schon sechs Kliniken, darunter auch f\u00fcr Neugeborene und Krebskranke.<\/p>\n<p>Russlands Machthaber <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Wladimir_Putin\" title=\"Wladimir Putin\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wladimir Putin<\/a> zielt zunehmend mit <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Drohne\" title=\"Drohnen\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Drohnen<\/a> und Raketen auf ukrainische Krankenh\u00e4user. Alleine in diesem Jahr griff er sechs Kliniken an. Dazu zerbombt er die Energieversorgung des Landes. Alleine in der Nacht zum gestrigen Dienstag z\u00e4hlte die ukrainische Luftabwehr 293 Drohnen und 25 Raketen und Marschflugk\u00f6rper. Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj warnte die Bev\u00f6lkerung vor einem neuerlichen massiven russischen Angriff in den n\u00e4chsten Tagen. Bei landesweiten Temperaturen von durchschnittlich minus 18 bis minus 20 Grad wird f\u00fcr viele Ukrainerinnen und Ukrainer der Winter zur \u00dcberlebensfrage.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Welche Krankenh\u00e4user wurden angegriffen?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Zum Jahresbeginn wurde im s\u00fcdukrainischen Cherson \u2013 wie schon Anfang Dezember \u2013 eine Spezialklinik f\u00fcr Schwangere, Fr\u00fch- und Neugeborene angegriffen. Zur gleichen Zeit wurde in der zweitgr\u00f6\u00dften Stadt des Landes, Charkiw, eine Augenklinik bombardiert. Wie auch zwei N\u00e4chten nacheinander das Stadtkrankenhaus von Tschernihiw, nord\u00f6stlich der Hauptstadt Kyjiw. In der wurde im n\u00f6rdlichen Obolon eine auf medizinische Diagnostik und radiologische Untersuchungen f\u00fcr Krebspatienten spezialisierte Privatklinik Ziel von Luftangriffen. In Kramatorsk wurde mit der Klinik Nummer 7 ein Krankenhaus der Erstversorgung teilweise zerst\u00f6rt. Wiederum in Cherson wurde die Intensivstation des st\u00e4dtischen Krankenhauses sowie der Trakt mit Operationss\u00e4len durch Artilleriebeschuss zerst\u00f6rt. Dar\u00fcber wurden in Charkiw und Tschernihiw sowie den sie umgebenden Regionen wiederholt gezielt Rettungskr\u00e4fte angegriffen. Teilweise warten die russischen Drohnenpiloten, bis die Retter nach einem ersten Luftangriff am Einschlagsort eintrafen, um sie dann zu attackieren. Insgesamt wurden bei den Attacken auf medizinische Einrichtungen und Personal in diesem Jahr mindestens zehn Menschen get\u00f6tet, 65 zum Teil schwer verletzt.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Was sagt das V\u00f6lkerrecht zu Angriffen auf medizinische Einrichtungen?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Medizinische Einrichtungen wie Krankenh\u00e4user genie\u00dfen absoluten Schutz, solange nur kranke und verletzte Menschen in ihnen versorgt werden \u2013 auch Soldaten. Ein Angriff auf eine Klinik ist nach Artikel 8, Absatz 2 b, Satz IX des Statuts des Internationalen Gerichtshofes (\u201eR\u00f6misches Statut\u201c) sowie den Genfer Abkommen von 1949 ein Kriegsverbrechen. Es gibt keine Hinweise, dass die angegriffenen Hospit\u00e4ler anders genutzt wurden, als Kranke und Verletzte zu versorgen. Im Gegenteil: Dass die Angriffe sich vergleichen lassen und geh\u00e4uft auftreten, spricht f\u00fcr eine systemische Verletzung des V\u00f6lkerrechts. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Wo wurde die Energieversorgung angegriffen?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Landesweit schlugen Drohnen und Raketen vor allem in den Knotenpunkten der ukrainischen Energieversorgung ein. Besonders Umspannwerke wurden teilweise mehrfach nacheinander angegriffen. In zahlreichen St\u00e4dten aller Gr\u00f6\u00dfen fiel bereits infolge des Gro\u00dfangriffs in den N\u00e4chten zum 23. und 24. Dezember die Energieversorgung bis heute aus. Au\u00dfer Kyjiw sind vor allem die Regionen um Charkiw, Dnipro, Lwiw, Odesa und Saporischschja betroffen. Nachweisbar sind zwischen dem 1. Dezember und 12. Januar mitunter mehrfache Angriffe auf mindestens 171 Ziele. So wird in Kyjiw seit dem 7. Januar nach einem ausgekl\u00fcgelten System sich von Stadtteil zu Stadtteil verschiebend der Strom zwischen 9 Uhr und 17 Uhr, sowie generell zwischen 19:30 und 22 Uhr abgeschaltet. Derzeit sind noch gut 800 Geb\u00e4ude in der Metropole ohne Strom.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Warum treffen die Angriffe die Energieversorgung hart?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Ziel der russischen Angriffe sind vor allem die Transformatoren, die die Spannung des Stroms so verringern, dass er in Haushalte eingespeist werden kann. In der Regel sind das 230 Volt. Diese Transformatoren sind oft ma\u00dfgefertigt, haben eine Lieferzeit von sechs bis 18 Monaten und k\u00f6nnen meist nicht einfach repariert werden. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Russland\" title=\"Russland\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Russland<\/a> greift gerade in den seit Dezember anhaltenden Gro\u00dfattacken gezielt reparierte Netzknoten wieder an. Zudem werden nicht nur Transformatoren ins Visier genommen, sondern der Stromkreislauf insgesamt: von der Erzeugung in Kraftwerken bis hin zur Verteilung und Steuerung in Umspannwerken und Leitstellen. Das ukrainische Netz wurde in Sowjetzeiten in den 1970er Jahren zentralistisch konzipiert und sieht nur wenige alternative Routen vor. Ein einzelner ausgefallener Netzknoten belastet deshalb \u00fcberproportional das ukrainische Stromnetz.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Woran scheitert die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Ukraine\" title=\"Ukraine\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine<\/a> bei der Energieversorgung?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Die Ukraine scheitert daran, schnell nach Luftangriffen ihre Energieversorgung wieder herzustellen. Das liegt nicht etwa am Reparaturwillen, inkompetenten Ingenieuren oder internationaler Hilfe. Sondern scheitert an der gezielten Zerst\u00f6rung von nicht kurzfristig ersetzbaren Netzknoten, den wiederholten Angriffen w\u00e4hrend der Reparaturen und an der strukturellen Verwundbarkeit des zentralisierten, \u00fcberalterten ukrainischen Stromsystems in einem harten Winter.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Sind die Angriffe auf das Stromnetz Kriegsverbrechen?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Energieanlagen sind nach dem Kriegsv\u00f6lkerrecht nur dann zul\u00e4ssige Ziele f\u00fcr Angriffe, wenn sie einen effektiven Beitrag zu konkreten milit\u00e4rischen Operationen haben und es \u2013 in diesem Fall Russland \u2013 einen konkreten und unmittelbaren milit\u00e4rischen Vorteil verschafft, wenn es die Anlagen zerst\u00f6rt. Aber selbst unter diesen Bedingungen gilt uneingeschr\u00e4nkt, dass die Angriffe verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sein m\u00fcssen, die Zivilbev\u00f6lkerung dadurch nicht terrorisiert wird und der Angreifer daf\u00fcr vorsorgen muss, dass die Zivilbev\u00f6lkerung aus anderen Energienetzen eines Landes versorgt werden kann. Bei den systematisch die Energienetze der ganzen Ukraine umfassenden Angriffe sind die Folgen f\u00fcr die Menschen nicht nur vorhersehbar, sondern gewollt oder werden zumindest von Russland billigend in Kauf genommen. Die jetzt seit Beginn der die ganze Ukraine umfassenden russischen Angriffs im Februar 2022 konkreten Winter-Angriffsmuster liefern starke Hinweise auf unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Angriffe und damit m\u00f6gliche Kriegsverbrechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Russland greift in der Ukraine landesweit verst\u00e4rkt Krankenh\u00e4user an. 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